46 Jahre – Vom Gasshuku 1980 bis zum heutigen Training in der Bärenschmiede
Am Abend des 2. August 2026 wurde in der Bärenschmiede nicht einfach nur trainiert.
Die heutige Einheit stand bewusst im Zeichen einer langen Karate-Tradition – als Erinnerung an das Gasshuku 1980 in Kempten und an einen Weg, der mich seit inzwischen 46 Jahren begleitet.
Im Mittelpunkt stand heute etwas scheinbar Einfaches:
der Zuki.

Hunderte Wiederholungen in unterschiedlichen Stellungen und Bewegungsformen.
Oi-Zuki. Kizami-Zuki. Gyaku-Zuki.
Dabei ging es nicht darum, einfach nur möglichst viele Techniken auszuführen. Entscheidend waren Biomechanik, Hüftarbeit, Struktur, Atmung, Timing und Kraftübertragung.
Dazu kamen Kihon und Gohon Kumite. Den Abschluss bildete Tekki Shodan – tief verwurzelt, konzentriert und mit bewusster Arbeit aus der Körpermitte.
Die Trainingsdaten spiegeln genau diese Art des Trainings wider:
- 1:32:22 Trainingszeit
- 753 kcal Gesamtverbrauch
- 623 Aktivitätskalorien
- Ø Herzfrequenz: 112 bpm
- Max. Herzfrequenz: 135 bpm
- 35 Minuten aerober Bereich
- 42 Minuten Fettverbrennungsbereich
- Aerober Trainingseffekt: 2,5 – aufrechterhaltend
- Regenerationszeit: 9 Stunden
- 300 % des Trainingsziels erreicht – zum 159. Mal
Kein Training im roten Bereich.
Kein sinnloses Auspowern.
Sondern kontrolliertes, nachhaltiges Arbeiten an Technik und Körper – denn mit zunehmender Erfahrung verändert sich auch das Verständnis des Trainings.
1980 – Kempten
46 Jahre zuvor herrschte eine andere Trainingsatmosphäre.
Beim Gasshuku 1980 in Kempten im Allgäu unterrichtete Masatoshi Nakayama Sensei. Überliefert ist unter anderem das intensive Training mit 1.000 Tsuki – eine Übung, die sinnbildlich für die Trainingsmentalität jener Generation steht:
Wiederholen. Durchhalten. Konzentrieren. Weitertrainieren.
Und genau darin erkenne ich eine Verbindung zu heute.
Denn nach Jahrzehnten entdeckt man, dass 1.000 Tsuki nicht einfach 1.000 Fauststöße sind.
Mit wachsender Erfahrung beginnt man, in jeder Wiederholung etwas anderes zu suchen:
den richtigen Weg der Hüfte,
die Verbindung zum Boden,
die Struktur des Körpers,
das Timing,
die Atmung,
die Entspannung vor der Spannung.
Plötzlich wird aus einer einfachen Technik ein lebenslanges Studium.
1980 → 2026
Vieles hat sich seitdem verändert.
Karate wurde internationaler. Wettkampfregeln entwickelten sich weiter. Frauen eroberten ihren selbstverständlichen Platz im internationalen Karate. Trainingsmethoden wurden durch Erkenntnisse aus Sportwissenschaft, Anatomie und Biomechanik ergänzt.
Doch etwas darf sich niemals verändern:
der Geist des Übens.
Auch das Gasshuku lebt davon.
Nicht nur vom berühmten Lehrer vor der Gruppe.
Sondern vom gemeinsamen Schwitzen, vom Essen nach dem Training, von Gesprächen am Abend, vom Wiedersehen alter Freunde und vom Kennenlernen neuer Karateka.
Vom Gasshuku 1980 in Kempten bis zum Gasshuku 2026 in Füssen liegen 46 Jahre.
Für mich persönlich liegen dazwischen unzählige Trainingseinheiten, Begegnungen, Fehler, Erkenntnisse und Wiederholungen.
Und trotzdem stehe ich heute wieder vor derselben Aufgabe wie damals:
Zuki. Noch einmal. Und noch einmal.
Nicht weil ich ihn nach 46 Jahren noch immer nicht kann.
Sondern weil ich ihn heute anders verstehe als gestern.
Und vielleicht morgen wieder etwas Neues darin entdecke.
Das ist Karate-Dō.
Der Weg endet nie.
OSU!
Renshi Mike Stein
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede 🐻🥋
