AUS DER ASCHE WUCHS DER WEG WEITER

AUS DER ASCHE WUCHS DER WEG WEITER

Guten Morgen, liebe Freunde und Weggefährten der Bärenschmiede und der IRDSBA!

Heute führt uns unser Budō-Kalender zurück zum 1. September 1923.

Ein Tag der Zerstörung.

Aber für die Geschichte des Karate gleichzeitig ein Tag, an dem sich zeigte, was es bedeutet, nicht aufzugeben.

Nur wenige Monate zuvor, im November 1922, hatte Gichin Funakoshi Sensei sein erstes Karate-Buch veröffentlicht:

Ryūkyū Kempō: Karate.

Funakoshi war erst kurz zuvor nach Tokio gekommen.

Eigentlich wollte er Karate vorstellen und anschließend nach Okinawa zurückkehren.

Doch Menschen wollten lernen.

Sie wollten verstehen.

Und sie wollten etwas behalten, aus dem sie auch dann weiterlernen konnten, wenn der Meister nicht vor ihnen stand.

Der Künstler Hōan Kosugi ermutigte Funakoshi deshalb, sein Karate niederzuschreiben.

Und Funakoshi begann abends zu schreiben.

So entstand eines der wichtigsten frühen Dokumente der Karate-Geschichte. (scribd.com)

Dann kam der 1. September 1923.

Das Große Kantō-Erdbeben erschütterte Japan.

Auch die Druckplatten von Funakoshis gerade erst veröffentlichtem Karate-Werk gingen verloren. (scribd.com)

Man stelle sich diesen Moment einmal vor.

Du hast deine Heimat Okinawa verlassen.

Du versuchst, einer neuen Generation eine noch weitgehend unbekannte Kampfkunst näherzubringen.

Du schreibst dein Wissen auf.

Dein erstes Buch erscheint.

Und plötzlich wird ein wesentlicher Teil dieser Arbeit zerstört.

Was nun?

Aufgeben?

Zurückblicken und sagen:

Alles war umsonst?

Nein.

Funakoshi arbeitete weiter.

Er überarbeitete.

Er ergänzte.

Er vertiefte.

Und aus dem Verlust entstand schließlich etwas Neues.

Genau darin liegt für mich die eigentliche Botschaft dieses Tages.

🔥 WAS ZERSTÖRT WIRD, MUSS NICHT DAS ENDE SEIN.

In der Bärenschmiede sagen wir:

Das Eisen wird nicht zur Klinge, weil es niemals getroffen wurde.

Es wird zur Klinge, weil es die Hammerschläge übersteht.

Vielleicht gilt das auch für unseren Lebensweg.

Manchmal werden Pläne zerstört.

Manchmal verlieren wir etwas.

Manchmal müssen wir neu anfangen.

Dann brauchen wir unsere eigenen Wurzeln.

Wir atmen.

IBUKI.

Wir verbinden uns wieder mit dem Boden.

ERDUNG.

Wir stabilisieren unsere Struktur.

BÄRENSTABILITÄT.

Wir finden unsere Mitte und unsere Hüfte.

TETSU NO KOSHI.

Und dann?

Gehen wir weiter.

Nicht genauso wie vorher.

Vielleicht sogar etwas bewusster.

Denn auch das lehrt uns die Geschichte Funakoshis:

Die Meister haben uns keinen fertigen Weg hinterlassen, den wir nur noch kopieren müssen.

Sie haben Grundsteine gelegt.

Unsere Aufgabe besteht darin, diese Grundlagen zu studieren, zu respektieren, zu vertiefen und verantwortungsvoll an die nächste Generation weiterzugeben.

Das Manuskript kann verloren gehen.

Eine Druckplatte kann verbrennen.

Ein altes Dōjō kann verschwinden.

Ein Meister kann irgendwann nicht mehr auf der Tatami stehen.

Aber der Weg kann weiterleben.

Solange ein Schüler das Gelernte weiterträgt.

Solange ein Lehrer sein Wissen weitergibt.

Solange irgendwo morgens ein Karateka seinen Obi bindet, sich verbeugt und wieder beginnt.

Vielleicht ist genau das Karate-Dō.

Nicht niemals zu fallen.

Sondern nach dem Verlust wieder aufzustehen.

Aus der Asche entstand ein neues Buch.
Aus einem Buch entstand Wissen.
Aus Wissen entstanden Schüler.
Aus Schülern wurden Lehrer.
Und aus einem Weg wurden viele Wege.

Heute, 103 Jahre später, erinnern wir uns daran.

Nicht nur an das, was am 1. September 1923 verloren ging.

Sondern vor allem an das, was danach weiterwuchs.

HONOR THE ROOTS.
RISE AGAIN.
KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.

THE WAY NEVER ENDS.

OSU! 🥋🐻🔥

Renshi Mike Stein – 6. Dan
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede
IRDSBA