MEINE LINIE · MEINE FORSCHUNG · MEINE ENTWICKLUNG

MEINE LINIE · MEINE FORSCHUNG · MEINE ENTWICKLUNG

DIE DEFINITION MEINES KARATE

Renshi Mike Stein · 6. Dan
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede

Nach mehr als vier Jahrzehnten Karate stelle ich mir heute andere Fragen als am Anfang meines Weges.

Als junger Karateka wollte ich wissen:

Wie mache ich diese Technik?

Heute frage ich:

Warum mache ich sie so?

Woher kommt diese Bewegung?

Was wollte derjenige erreichen, der sie vor Generationen trainierte?

Was wurde später verändert?

Was wurde standardisiert?

Was wurde für Wettkampf, Prüfung oder Unterricht angepasst?

Was funktioniert biomechanisch?

Was funktioniert mit einem Partner?

Was funktioniert auch noch, wenn der Körper älter wird?

Und schließlich:

WAS IST MEIN KARATE?

Diese Frage lässt sich für mich nicht mehr allein mit dem Namen eines Stils beantworten.

Mein Karate besitzt Wurzeln. Es besitzt Lehrer und Lehrlinien. Es wurde von Menschen geprägt, die vor mir gegangen sind.

Aber es besitzt inzwischen auch fast fünf Jahrzehnte meiner eigenen Erfahrung.

Training.

Unterricht.

Kata.

Kumite.

Bunkai.

Partnerarbeit.

Reisen.

Gespräche.

Fehler.

Verletzungen.

Korrekturen.

Historische Forschung.

Biomechanische Forschung.

Und immer wieder das Zurückkehren zu scheinbar einfachen Techniken.

Deshalb ist Rin Dō Shinzen für mich keine Abkehr von der Tradition.

Es ist der Versuch, Tradition zu verstehen, zu prüfen, zu leben und verantwortlich weiterzuentwickeln.


1 · EINE LINIE IST MEHR ALS EIN STAMMBAUM

In der Geschichte des Shotokan begegnen uns immer wieder Namen wie:

SŌKON MATSUMURA

↓

ANKŌ AZATO / ANKŌ ITOSU

↓

GICHIN FUNAKOSHI

↓

YOSHITAKA FUNAKOSHI

↓

NAKAYAMA · KASE · ANDERE ENTWICKLUNGSWEGE

Doch ein Stammbaum allein erklärt noch kein Karate.

Er beantwortet lediglich:

WER LERNTE VON WEM?

Mich interessiert heute eine wesentlich schwierigere Frage:

WAS WURDE TATSÄCHLICH WEITERGEGEBEN?

Was lernte Funakoshi von Azato?

Was lernte er von Itosu?

Was behielt er?

Was veränderte er?

Was entwickelte Yoshitaka daraus?

Was lernte Nakayama aus diesem Umfeld?

Was systematisierte später die JKA?

Was suchte Kase?

Und was erreichte davon schließlich meine Generation?

Genau dort beginnt für mich historische Forschung.


2 · AZATO UND ITOSU – UNTERSCHIEDLICHE WURZELN

Gichin Funakoshi lernte sowohl von Ankō Azato als auch von Ankō Itosu. Die historische Überlieferung zu Azato ist allerdings wesentlich schmaler und beruht zu einem großen Teil auf Funakoshis eigenen Erinnerungen. Deshalb müssen wir gerade dort zwischen dokumentierter Überlieferung und späterer Interpretation unterscheiden. (Wikipedia)

Mich interessiert besonders, dass Azato in diesen Überlieferungen nicht nur mit Karate, sondern auch mit japanischer Schwertkunst und Jigen-ryū verbunden wird.

Steve Cattle griff diesen Gedanken später auf und vertrat die These, dass gerade dieser Einfluss zum Verständnis der Entwicklung des Shotokan beitragen könne. Das ist eine interessante historische Interpretation – aber keine Tatsache, die wir einfach ungeprüft übernehmen sollten. (Universität College Dublin)

Für meine Forschung entsteht daraus vielmehr eine Frage:

WELCHE KAMPFPRINZIPIEN KÖNNTEN ÜBER AZATO IN FUNAKOSHIS KARATE GELANGT SEIN?

Distanz.

Timing.

Positionierung.

Ausweichen.

Entscheidende Aktion.

Der Körper als Waffe.

Itosu steht dagegen in der Karate-Geschichte besonders stark für Systematisierung, Kata und die Weitergabe an größere Schülergruppen.

Damit beginne ich bereits an der Wurzel zwei unterschiedliche Strömungen zu erkennen.

Nicht als:

RICHTIG ↔ FALSCH

sondern als:

DIFFERENT EXPERIENCE → DIFFERENT EMPHASIS


3 · FUNAKOSHI – ÜBERNEHMEN BEDEUTET AUSWÄHLEN

Gichin Funakoshi übernahm nicht einfach ein fertiges System und transportierte es unverändert von Okinawa nach Japan.

Er vermittelte Karate in einer neuen kulturellen Umgebung und veränderte dabei unter anderem Terminologie und Kata-Namen. Auch die heutige JKA beschreibt Shotokan als ein von Funakoshi systematisiertes Karate und verweist auf seine Anpassung der Kata-Namen an die japanische Budō-Umgebung. (JKA)

Das ist für meine eigene Arbeit wichtig.

Denn es zeigt:

TRADITION WAR NIE NUR KOPIE.

Jede Generation musste entscheiden:

Was bewahre ich?

Was erkläre ich anders?

Was passe ich an?

Was gebe ich weiter?


4 · YOSHITAKA – DIE SUCHE NACH WIRKUNG

Mit Yoshitaka Funakoshi begegnet uns eine weitere Entwicklungsphase.

Taiji Kase beschrieb Yoshitaka rückblickend als jemanden, der nach einem schnelleren, stärkeren und dynamischeren Karate suchte und insbesondere die tatsächliche Wirksamkeit einer Technik hinterfragte. Kase verband diese Entwicklung mit Ō-Waza, Distanz, Geschwindigkeit, Kraft und Fudō-dachi. Das ist Kases spätere Überlieferung und muss als solche gelesen werden – für die technische Entwicklungslinie ist sie dennoch ausgesprochen interessant. (Kase Ha Karate)

Für mich steckt darin ein wesentlicher Gedanke:

EINE ÜBERLIEFERTE TECHNIK DARF UNTERSUCHT WERDEN.

Respekt vor einem Lehrer bedeutet nicht, jede Bewegung für alle Zeiten einzufrieren.


5 · NAKAYAMA – SYSTEMATISIERUNG UND VERBREITUNG

Auch Masatoshi Nakayama gehört in dieses Bild.

Dabei ist eine Korrektur wichtig: Nakayama trainierte laut seiner offiziellen JKA-Biografie ab 1932 sowohl unter Gichin Funakoshi als auch Yoshitaka Funakoshi. Später ging er nach China und kehrte im Mai 1946 nach Japan zurück. (JKA)

Nach dem Krieg stand eine völlig andere Aufgabe im Vordergrund.

Karate sollte organisiert, vermittelt und schließlich international verbreitet werden.

Die JKA entwickelte ein systematisches Ausbildungsprogramm. Nakayama und seine Kollegen arbeiteten an rationalen Lehrmethoden, einem Instructor-System und einem Wettkampfsystem. Die JKA selbst schreibt ausdrücklich, dass Nakayama Kata und Kumite an dieses Wettkampfsystem anpasste. (JKA)

Das war eine enorme Leistung.

Gleichzeitig stellt sich für meine heutige Forschung eine weitere Frage:

WAS GESCHIEHT MIT EINER KAMPFKUNST, WENN SIE STANDARDISIERT WIRD?

Standardisierung ermöglicht:

TEACHING

EXAMINATION

COMPARISON

COMPETITION

INTERNATIONAL TRANSMISSION

Aber sie kann nicht automatisch jede individuelle Erfahrung eines früheren Lehrers konservieren.

Genau deshalb möchte ich unterscheiden zwischen:

ÜBERLIEFERUNG

und

STANDARDISIERUNG.


6 · KASE – VON Ō-WAZA ZU KO-WAZA

Bei Taiji Kase finde ich wiederum Fragen, die unmittelbar mit meiner heutigen Arbeit zusammenkommen.

Kase erklärte, dass Ō-Waza nicht das Endziel sei.

Große Bewegungen entwickeln Körper, Distanz, Geschwindigkeit und Kraft. Sie sollen schließlich ermöglichen, auch in Ko-Waza, also auf kürzerem Weg, wirksam zu werden.

Besonders interessant ist seine Verbindung von Ko-Waza mit Hente – Abwehr und Gegenaktion mit derselben Extremität. (Mushinkai)

Damit entsteht:

Ō-WAZA

↓
DEVELOP THE BODY
↓
DEVELOP CONNECTION
↓
DEVELOP DISTANCE & POWER
↓

KO-WAZA

↓
SHORTER PATH
↓

HENTE

↓
APPLICATION

Hier erkenne ich vieles wieder, womit ich mich heute selbst beschäftige.

Aber auch hier gilt:

ERKENNEN IST NICHT KOPIEREN.

Ich möchte verstehen, was Kase tat, warum er es tat und was davon in meinem eigenen Körper und meiner eigenen Arbeit sinnvoll ist.


7 · MEINE PERSÖNLICHE LINIE

Ein Teil dieser Gedanken erreichte mich über meinen eigenen Lehrerweg.

Eine für meine Entwicklung wichtige Verbindung lautet:

TAIJI KASE

↓

LOTHAR J. RATSCHKE

↓

MIKE STEIN

↓

RIN DŌ SHINZEN · BÄRENSCHMIEDE

Doch diese Linie bedeutet für mich nicht:

KASE KOPIEREN.

Und auch nicht:

RATSCHKE KOPIEREN.

Ein guter Lehrer hinterlässt keine Kopie seiner selbst.

ER GIBT SEINEM SCHÜLER WERKZEUGE, MIT DENEN DIESER SEINEN EIGENEN WEG SCHMIEDEN KANN.

Genau darin liegt für mich der Wert einer Lehrlinie.

Nicht im Stillstand.

Sondern in der verantwortungsvollen Weitergabe.


8 · FORSCHUNG ALS SPIEGEL DES EIGENEN KARATE

In den vergangenen Jahren hat die intensive Beschäftigung mit der Geschichte und den Biografien anderer Meister meinen Blick auf mein eigenes Karate noch einmal verändert.

Wenn ich eine Meisterbiografie recherchiere, möchte ich nicht nur wissen:

Wann wurde dieser Mensch geboren?

Welchen Dan hatte er?

Welche Meisterschaften gewann er?

Mich interessiert:

Wie trainierte er?

Was hatte er gelernt?

Welche Möglichkeiten hatte er in seiner Zeit?

Was wollte er mit seinem Karate erreichen?

Warum bewegte er sich so?

Und irgendwann geschieht etwas automatisch.

Im Inneren beginnt der Vergleich:

„So mache ich es ebenfalls.“

„Das würde ich anders machen.“

„Das möchte ich ausprobieren.“

„Das funktioniert für meinen Körper nicht.“

„Diesen Gedanken möchte ich weiter untersuchen.“

Damit wird historische Forschung zum Spiegel.

MASTER → HISTORY → UNDERSTANDING → REFLECTION → OWN TRAINING

Ich forsche deshalb nicht, um die Meister zu kopieren.

ICH FORSCHE, UM ZU VERSTEHEN.


9 · VON DER QUELLE ZUR TATAMI

Eine historische Erkenntnis besitzt für meine technische Arbeit zunächst nur einen begrenzten Wert.

Danach muss sie zurück auf die Tatami.

Ich möchte sie bewegen.

Fühlen.

Mit einem Partner untersuchen.

Die Distanz verändern.

Den Winkel verändern.

Langsam trainieren.

Schnell trainieren.

Mit Widerstand arbeiten.

Und anschließend erneut fragen:

WAS PASSIERT TATSÄCHLICH?

So entsteht mein eigener Arbeitsprozess:

LEARN → COMPARE → TEST → FEEL → UNDERSTAND → SELECT → DEVELOP

Das Wort SELECT ist entscheidend.

Nicht alles, was historisch ist, muss automatisch Teil meines Karate werden.

Und nicht alles, was modern ist, ist automatisch besser.

Ich prüfe.


10 · DER KÖRPER ALS WAFFE

Ein gutes Beispiel dafür ist mein heutiges Verständnis von Kata.

Nehmen wir eine grundlegende Kata wie Heian Shodan.

Wir sehen unter anderem:

GEDAN BARAI

OI ZUKI

AGE UKE

TETSUI UCHI

SHUTŌ UKE

Im Grundunterricht werden einige dieser Techniken zunächst als Abwehr und andere als Angriff vermittelt.

Das ist sinnvoll, um eine Form zu lernen.

Doch es ist nicht das Ende ihrer Möglichkeiten.

Ein Gedan Barai kann abwehren.

Aber der Unterarm kann ebenfalls zur Angriffswaffe werden.

Ein Age Uke kann schützen und aufnehmen.

Doch dieselbe Bewegung kann gleichzeitig Raum gewinnen, Struktur verändern oder mit dem Unterarm Wirkung erzeugen.

Ein Shutō Uke kann aufnehmen.

Er kann kontrollieren.

Er kann ziehen.

Und die Handkante kann zur Waffe werden.

Damit verändert sich mein Verständnis:

THE BODY IS THE WEAPON SYSTEM.

Hand.

Faust.

Unterarm.

Ellbogen.

Knie.

Fuß.

Schienbein.

Der Name einer Technik entscheidet nicht allein über ihre Funktion.

Entscheidend sind:

DISTANCE · ANGLE · TARGET · TIMING · CONTACT · STRUCTURE

Damit wird aus:

BLOCK → COUNTER

etwas wesentlich Offeneres:

RECEIVE → CONNECT → CONTROL → ACT


11 · KATA IST KUMITE

Daraus folgt einer der wichtigsten Grundsätze meines Karate:

KATA IST KUMITE.

Kata ist für mich keine schöne Choreografie.

Aber Kata ist ebenso wenig ein Katalog, bei dem jede Bewegung nur eine einzige geheime Anwendung besitzt.

Sie ist eine Arbeitsform.

Die äußere Form gibt uns ein Bewegungsmuster.

Dann beginnt die Untersuchung.

FORM

↓

STRUCTURE

↓

BIOMECHANICS

↓

PARTNER

↓

BUNKAI

↓

ŌYŌ

↓

VARIATION

↓

UNDERSTANDING

Deshalb lautet meine entscheidende Frage nicht:

„Was bedeutet diese Technik?“

sondern:

„WAS KANN DIESE BEWEGUNG TUN?“

Eine scheinbare Verteidigung kann Angriff werden.

Eine Angriffsbewegung kann kontrollieren.

Eine vorbereitende Bewegung kann bereits Wirkung besitzen.

Eine Hand kann aufnehmen, während die andere nicht einfach nur zur Hüfte zurückgezogen wird, sondern zieht, kontrolliert oder eine Gegenkraft erzeugt.

Damit wird Kata lebendig.


12 · TETSU NO KOSHI – NICHT DREHEN, SONDERN VERBINDEN

Eine weitere zentrale Entwicklung meiner Arbeit ist Tetsu no Koshi – die eiserne Hüfte.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, die Hüfte möglichst stark oder möglichst weit zu drehen.

Ich betrachte den Körper als zusammenhängendes System.

GROUND

↓

FOOT

↓

LEG

↓

HIP

↓

CORE

↓

TECHNIQUE

↓

TARGET

Die Hüfte ist nicht die Waffe.

SIE VERBINDET DIE WAFFE MIT DEM KÖRPER UND DEN KÖRPER MIT DEM BODEN.

Sie kann rotieren.

Sie kann verschieben.

Sie kann öffnen.

Sie kann schließen.

Sie kann stabilisieren.

Sie kann Gegenrotation erzeugen.

Aber die entscheidende Frage lautet immer:

IST DER KÖRPER VERBUNDEN?

Daraus entstanden drei Grundgedanken:

STABILITY WITHOUT STIFFNESS.

POWER WITHOUT UNNECESSARY TENSION.

MOVEMENT WITHOUT LOSING STRUCTURE.

Das ist für mich Tetsu no Koshi.


13 · BIOMECHANIK STATT MUSKEL GEGEN MUSKEL

Je länger ich trainiere, desto weniger interessiert mich rohe Kraft allein.

Eine starke Technik entsteht nicht dadurch, dass ein einzelner Muskel möglichst viel arbeitet.

Mich interessiert die Bewegungskette.

Stand.

Bodenkontakt.

Beine.

Becken.

Rumpf.

Wirbelsäule.

Schulter.

Arm.

Atmung.

Timing.

Entspannung und Spannung im richtigen Moment.

THE WHOLE BODY DELIVERS THE WEAPON.

Deshalb untersuche ich dieselbe Technik immer wieder.

Manchmal langsam.

Manchmal mit Partner.

Manchmal unter Widerstand.

Manchmal nur eine einzelne Phase.

Denn eine kleine Veränderung an Fuß, Knie, Becken oder Körperachse kann die gesamte Technik verändern.


14 · HENTE – DIE TRENNUNG VON ABWEHR UND ANGRIFF LÖST SICH AUF

Hente ist für meine Arbeit besonders interessant.

Das klassische Grundmodell lautet häufig:

DEFENCE → COUNTER

Aber Kampf findet nicht in Lehrbuchabschnitten statt.

Wenn dieselbe Extremität aufnehmen, kontrollieren und unmittelbar weiterarbeiten kann, entsteht:

RECEIVE + ACT

oder:

DEFLECT + ENTER

oder:

CONTROL + STRIKE

Damit wird eine Bewegung kürzer.

Der Weg wird ökonomischer.

Und die Grenze zwischen „Abwehrtechnik“ und „Angriffstechnik“ beginnt sich aufzulösen.

Das bedeutet nicht, dass das klassische Grundtraining falsch ist.

ES IST DER ANFANG.

Nicht das Ende.


15 · STARKES KARATE MUSS AUCH NACHHALTIGES KARATE SEIN

Nach Jahrzehnten des Trainings ist eine weitere Frage für mich immer wichtiger geworden:

WIE LANGE KANN ICH DIESE TECHNIK SO TRAINIEREN?

Ein junger Körper kann Fehler teilweise durch Kraft, Schnelligkeit und Regeneration kompensieren.

Mit zunehmendem Alter wird die Bewegung ehrlicher.

Unnötige Spannung kostet.

Schlechte Achsen kosten.

Falsche Belastungen kosten.

Deshalb gehört Gesundheit für mich inzwischen zur technischen Qualität.

STRONG KARATE MUST ALSO BE SUSTAINABLE KARATE.

Nicht weniger stark.

Sondern intelligenter stark.

POWER + STRUCTURE + ECONOMY + HEALTH + LONGEVITY

Karate soll den Körper nicht nur heute benutzen.

Es soll ihn möglichst befähigen, morgen wieder zu trainieren.


16 · TRADITION UND WISSENSCHAFT SIND KEINE FEINDE

Ich möchte traditionelle Vorstellungen nicht lächerlich machen, nur weil wir heute andere wissenschaftliche Möglichkeiten besitzen.

Aber ich möchte sie auch nicht unkritisch übernehmen.

Das betrifft beispielsweise meine Arbeit mit Kyusho-Jitsu, Atmung, Hara und traditionellen Vorstellungen von Energie.

Historische Erklärungen gehören zur Geschichte der Kampfkunst.

Anatomie und Biomechanik geben uns heute zusätzliche Möglichkeiten, Wirkungen zu untersuchen.

Deshalb lautet mein Ansatz:

RESPECT THE TRADITION.

ASK THE QUESTION.

TEST THE MECHANISM.

TRAIN THE RESULT.

Tradition darf Fragen stellen.

Wissenschaft darf Erklärungen überprüfen.

Der Körper liefert Erfahrung.


17 · MEIN KARATE IST KEINE KOPIE

Damit komme ich zur eigentlichen Definition.

Rin Dō Shinzen ist für mich nicht:

eine Kopie von Funakoshi.

Keine Kopie von Nakayama.

Keine Kopie von Kase.

Keine Kopie meines Lehrers.

Und ebenso wenig eine Ablehnung dieser Menschen.

Ohne die Arbeit früherer Generationen gäbe es die Grundlage meiner eigenen Arbeit nicht.

Deshalb:

HONOR THE ROOTS.

UNDERSTAND THE TRANSMISSION.

TEST THROUGH TRAINING.

TAKE RESPONSIBILITY FOR DEVELOPMENT.

Ich möchte möglichst deutlich unterscheiden:

Was habe ich übernommen?

Was habe ich gelernt?

Was habe ich historisch rekonstruiert?

Was ist meine Interpretation?

Was ist meine eigene Entwicklung?

Denn gerade diese Ehrlichkeit gehört für mich zum Budō.


18 · DIE DEFINITION MEINES KARATE

Wenn ich heute gefragt werde:

„WIE DEFINIERST DU DEIN KARATE?“

dann lautet meine Antwort:

Mein Karate besitzt Wurzeln, aber es lebt in der Gegenwart.

Es respektiert Tradition, ohne sie einzufrieren.

Es betrachtet Kata als Kampf- und Forschungsform, nicht als bloße Choreografie.

Es betrachtet den gesamten Körper als Waffensystem.

Es sucht in Tetsu no Koshi nicht maximale Hüftrotation, sondern maximale Verbindung.

Es untersucht Biomechanik, damit Kraft nicht isoliert, sondern durch den ganzen Körper übertragen wird.

Es verbindet Kata, Bunkai, Ōyō und Kumite.

Es untersucht Ō-Waza, Ko-Waza und Hente nicht als historische Begriffe, sondern als Werkzeuge für Bewegung, Distanz und Anwendung.

Es respektiert die Erfahrung früherer Meister, ohne sie blind zu kopieren.

Es benutzt historische Forschung, um das eigene Training kritisch zu betrachten.

Es akzeptiert moderne Erkenntnisse, ohne seine Budō-Wurzeln zu verlieren.

Und es versteht Gesundheit und lebenslange Trainingsfähigkeit als Teil technischer Qualität.

In einer Linie:

ROOTS → TRANSMISSION → EXPERIENCE → RESEARCH → TRAINING → UNDERSTANDING → DEVELOPMENT → TRANSMISSION

Denn auch meine Entwicklung ist nicht das Ende.

Was ich heute verstehe, kann morgen durch Training korrigiert werden.

Was ich heute lehre, muss sich morgen erneut auf der Tatami bewähren.

Und was ich eines Tages weitergebe, wird von der nächsten Generation wieder untersucht werden müssen.

Genau darin liegt für mich lebendige Tradition.


19 · RIN DŌ SHINZEN – DIE LEBENDE KLINGE

Ein Stück rohes Eisen wird nicht durch einen Hammerschlag zur Klinge.

Es braucht Feuer.

Zeit.

Arbeit.

Wiederholung.

Korrektur.

Schleifen.

Und selbst eine fertige Klinge muss gepflegt werden.

So verstehe ich meinen Karate-Weg.

THE TEACHERS GAVE ME THE IRON.

TRAINING GAVE ME THE FIRE.

RESEARCH GAVE ME THE HAMMER.

EXPERIENCE TAUGHT ME WHERE TO STRIKE.

UNDERSTANDING CONTINUES TO SHAPE THE BLADE.

Deshalb stehe ich auch nach Jahrzehnten noch am Amboss.

Nicht, weil nichts erreicht wurde.

Sondern weil der Weg nicht endet.

Ich kenne meine Wurzeln.

Ich ehre meine Lehrer.

Ich studiere ihre Erfahrungen.

Ich prüfe durch Training.

Ich lerne aus meinem eigenen Körper.

Ich korrigiere.

Ich entwickle.

Und ich gebe weiter.

MEINE LINIE.

MEINE FORSCHUNG.

MEINE ENTWICKLUNG.

Das ist die Definition meines Karate.

Das ist Rin Dō Shinzen.

Das ist die Bärenschmiede.

Vom rohen Eisen zur lebenden Klinge.

Renshi Mike Stein · 6. Dan
Founder & Chief Instructor · Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede
Founder & President · International Rin Dō Shinzen Budō Association – IRDSBA

KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.

THE WAY NEVER ENDS.

Osu. 🐻🥋🔨