Samstag in der Bärenschmiede – Hingabe statt Hektik

Samstag in der Bärenschmiede – Hingabe statt Hektik

Hallo Freunde und Weggefährten,

auch heute haben wir in der Bärenschmiede unseren traditionellen Samstag mit zwei Trainingseinheiten absolviert – einem engagierten Kindertraining und anschließend einem intensiven Oberstufen-Training.

Die Kata Meikyō wurde heute in zwei Varianten trainiert. Im Mittelpunkt stand dabei nicht die äußere Form, sondern das Herz jeder Technik: Tetsu no Koshi (鉄の腰) – die eiserne Hüfte. Erst wenn die Hüfte stark, stabil und mit dem gesamten Körper verbunden arbeitet, entsteht wahres Karate. Kraft beginnt nicht in den Armen oder Beinen – sie wird im Zentrum des Körpers geschmiedet.

Alle Trainingseinheiten waren konzentriert, effizient und voller Leidenschaft. Es gab viele kleine Details zu entdecken, zu analysieren und zu verbessern. Genau diese Feinheiten machen den Unterschied zwischen einer Technik, die nur ausgeführt wird, und einer Technik, die wirklich verstanden wird.

Auch meine persönliche Trainingsauswertung zeigt, dass konsequentes Arbeiten wichtiger ist als spektakuläre Höchstleistungen.

🥋 Training vom 25.07.2026

  • ⏱️ 1 Stunde 30 Minuten
  • 🔥 606 kcal Gesamtverbrauch (477 Aktivitätskalorien)
  • ❤️ Durchschnittliche Herzfrequenz: 100 bpm
  • 💪 300 % des persönlichen Trainingsziels erreicht

Das Training war bewusst kontrolliert aufgebaut und diente vor allem der technischen Qualität, Präzision und der Regeneration. Nicht jedes Training muss maximal anstrengend sein. Manchmal entsteht der größte Fortschritt genau dann, wenn wir lernen, ruhig, sauber und konzentriert zu arbeiten.


Oft höre ich den Satz:

„Früher war doch alles besser.“

Nein.

Es war nicht besser.

Es war anders.

Und oftmals war es deutlich härter.

Die Suche nach Wissen war mühsam. Es gab kein Internet, kein ChatGPT, keine Smartphones. Wollte man bei einem Lehrgang trainieren, fuhr man mit Regionalbahn, Bus oder Fahrrad. Ein „Papa-Taxi“ gab es selten. Genau das waren für viele von uns die ersten Schritte in die Selbstständigkeit.

Ich besaß nur einen einzigen Karate-Gi, den meine Oma aus Segeltuch genäht hatte.

Wir lebten zu fünft in einer Zweizimmerwohnung.

Und trotzdem fühlte ich mich im Dōjō reich.

Denn dort drehte sich alles um das Training.

Dort war ich wirklich lebendig.

Heute beobachte ich oft ein anderes Bild.

Ich nenne es manchmal „Social Karate“.

Sanftes Antippen.

Schnelle Belohnung.

Möglichst wenig Anstrengung.

Wenn ich samstags unterrichte, opfere ich meine Freizeit ganz bewusst. Nicht, weil ich muss – sondern weil ich überzeugt bin, dass Kinder heute Bewegung, Orientierung und echte Werte brauchen.

Doch häufig stehen die Eltern bereits zwanzig Minuten vor Trainingsende vor der Tür. Sie schauen durch die Scheibe, zeigen auf die Uhr und signalisieren:

„Schnell, wir müssen weiter.“

Klavierunterricht.

Chor.

Der nächste Termin.

Die nächste Verpflichtung.

Hetze statt Hingabe.

Ich mache niemandem einen Vorwurf.

Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass wir in einer Matrix leben, in der Quantität wichtiger geworden ist als Qualität.

Es geht oft darum, möglichst vieles gleichzeitig zu machen.

Ich wünsche mir dagegen, dass Kinder lernen, eine Sache wirklich gut zu machen.

Denn wir Trainer möchten mehr vermitteln als Techniken.

Wir möchten Werte weitergeben.

Respekt.

Disziplin.

Geduld.

Verantwortung.

Und die Schönheit der Kampfkunst.

Nach vier Samstagen fragt mich dann manchmal ein Vater:

„Wann macht mein Sohn die nächste Gürtelprüfung? Er trainiert doch schon einen ganzen Monat.“

Dann antworte ich:

„Wir haben vier Samstage trainiert. Das sind vier Stunden. Ihr Sohn war dreimal da und wurde zweimal zwanzig Minuten früher abgeholt.“

Für mich ist eine Prüfung niemals das eigentliche Ziel.

Ich kann einem Kind sehr viel beibringen.

Aber dafür brauche ich drei Dinge:

Zeit.

Hingabe.

Kontinuität.

Vielleicht bin ich für manche Menschen der falsche Lehrer.

Doch mein erster Meister gab mir einen Rat, der mich bis heute begleitet:

„Mike, mache eine Sache richtig. Dann wirst du sie verstehen – und irgendwann lieben.“

Genau diesen Gedanken versuche ich heute in der Bärenschmiede weiterzugeben.

Nicht schneller.

Nicht lauter.

Sondern besser.

OSU!

Renshi Mike Stein
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede 🐻🥋

Ein starkes Karate beginnt nicht mit einer starken Faust.

Es beginnt mit einem starken Zentrum.

Tetsu no Koshi – die eiserne Hüfte.

OSU! 🐻🥋