Sensei oder Trainer?

Sensei oder Trainer?

Eine persönliche Betrachtung

Immer wieder wird darüber diskutiert:

Ist ein Karate-Lehrer ein Trainer oder ein Budō-Sensei?

Für mich liegt darin ein großer Unterschied.

Ein Trainer vermittelt Techniken.

Er erklärt Bewegungen, korrigiert Fehler und bereitet seine Sportler auf Wettkämpfe vor.

Das ist wichtig und verdient großen Respekt.

Ein Sensei geht jedoch einen Schritt weiter.

Das japanische Wort Sensei (先生) bedeutet wörtlich:
„Der, der den Weg bereits vor uns gegangen ist.“

Ein Sensei unterrichtet nicht nur Techniken.

Er lebt den Weg.

Er steht mit Budō-Geist auf.

Er trainiert.

Er lernt.

Er arbeitet täglich an seinem eigenen Charakter.

Er versucht, die Werte des Dōjō-Kun, des Bushidō und der traditionellen Kampfkunst vorzuleben.

Nicht, weil es jemand verlangt.

Sondern weil es zu seinem Leben geworden ist.


Großmeister Taiji Kase sagte sinngemäß, dass zwischen Sensei und Schüler eine Beziehung entstehen sollte, die einer Vater-Sohn-Beziehung ähnelt.

Nicht im Sinne von Autorität.

Sondern im Sinne von Vertrauen, Verantwortung und Fürsorge.

Ein Sensei begleitet seine Schüler oft viele Jahre.

Manchmal ein ganzes Leben.

Er ist nicht nur im Dōjō ihr Lehrer.

Er ist auch außerhalb des Trainings ein Ansprechpartner.

Er freut sich über ihre Erfolge.

Er hilft ihnen durch schwierige Zeiten.

Und manchmal lernt auch der Sensei von seinen Schülern.


In der Bärenschmiede beschreiben wir diesen Weg mit einem einfachen Bild.

Ein Schmied beginnt mit einem Stück rohen Eisens.

Es ist hart.

Ungeformt.

Unscheinbar.

Doch der Schmied erkennt bereits das Potenzial.

Er erhitzt das Eisen.

Er schmiedet.

Er faltet.

Er schmiedet erneut.

Immer wieder.

Nicht um das Eisen zu zerstören.

Sondern um ihm Stärke zu verleihen.

Langsam entsteht eine Klinge.

Dann wird sie gehärtet.

Danach beginnt die eigentliche Feinarbeit.

Stundenlanges Schleifen.

Polieren.

Verfeinern.

Und selbst wenn das Schwert vollendet scheint, endet seine Pflege niemals.

Eine gute Klinge wird ein Leben lang geschärft.


So sehe ich auch den Weg des Budō.

Ein Schüler kommt als rohes Eisen ins Dōjō.

Mit jedem Training wird an seinem Charakter gearbeitet.

Nicht nur an seiner Technik.

Disziplin.

Respekt.

Mut.

Geduld.

Demut.

Verantwortung.

Mit den Jahren entsteht daraus nicht nur ein guter Karateka.

Sondern hoffentlich ein guter Mensch.

Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen einem Trainer und einem Sensei.

Ein Trainer bildet Sportler aus.

Ein Sensei begleitet Menschen auf ihrem Lebensweg.

Und genau das verstehe ich unter dem Geist der Bärenschmiede.

Vom rohen Eisen zum Samurai-Geist.

Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede

The Way Never Ends.

OSU!

Renshi Mike Stein