🇧🇷🥋🐻 KARATE BRASIL – VON DEN MEISTERN ZU DEN DŌJŌ

🇧🇷🥋🐻 KARATE BRASIL – VON DEN MEISTERN ZU DEN DŌJŌ

JAPANISCHE WURZELN · BRASILIANISCHE PIONIERE · BAHIA 1995

KARATE-AUFBAU · TRAINING · SCHULEN · MEISTERSCHAFTEN · SIEGE UND NIEDERLAGEN

BÄRENSCHMIEDE · FREITAG, 23. OKTOBER 2026

CIRCLE OF MASTERS – HISTORY & LEGACY

47 JAHRE KAMPFKUNST · EINE PERSÖNLICHE REISE DURCH DIE GESCHICHTE DES KARATE

Liebe Freunde, Sensei, Meister und Weggefährten,

manchmal beginnt eine historische Forschungsreise mit einem einzigen Namen.

In unserem Fall war es Yoshizo Machida.

Ein japanischer Karatemeister, der seine Heimat verließ, nach Brasilien auswanderte und dort über Jahrzehnte Karate unterrichtete.

Doch je tiefer wir seine Geschichte untersuchten, desto deutlicher wurde, dass wir nicht nur die Biografie eines einzelnen Meisters betrachten.

Wir begegneten einer ganzen Generation von Karate-Pionieren.

Japanischen Auswanderern.

Brasilianischen Lehrern.

Traditionellen Dōjō.

Neu gegründeten Verbänden.

Meisterschaften, Erfolgen und Niederlagen.

Und plötzlich führte mich diese historische Forschung zurück in mein eigenes Leben.

NACH BRASILIEN.

NACH BAHIA.

IN DAS JAHR 1995.

Dorthin, wo ich selbst trainiert habe.

Dorthin, wo Karate und Capoeira zu einem Teil meines persönlichen Kampfkunstweges wurden.

Heute, nach 47 Jahren aktiver Kampfkunst, betrachte ich diese Erinnerungen mit anderen Augen.

Nicht nur als Karateka.

Sondern auch als Lehrer, Forscher und jemand, der selbst ein kleines Stück dieser lebendigen Geschichte miterlebt hat.


🇯🇵 1. VON OKINAWA NACH JAPAN – UND VON JAPAN IN DIE WELT

Die Geschichte des Karate beginnt nicht erst mit modernen Verbänden, Meisterschaften oder internationalen Graduierungen.

Ihre Wurzeln liegen in der Kampfkunstgeschichte Okinawas und den kulturellen Verbindungen zu China.

Über Generationen entwickelten sich unterschiedliche Lehrerlinien, technische Prinzipien und Unterrichtsmethoden.

Im frühen 20. Jahrhundert gewann Karate auf dem japanischen Festland zunehmend an Bedeutung.

Lehrer wie Gichin Funakoshi trugen wesentlich zu seiner Verbreitung bei.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neue internationale Strukturen.

1949 wurde die Japan Karate Association – JKA – gegründet.

Unter Persönlichkeiten wie Masatoshi Nakayama entwickelte sich eine systematische Ausbildung, die Kihon, Kata und Kumite miteinander verband.

Weitere japanische Meister reisten ins Ausland oder wanderten aus.

Sie eröffneten Schulen, unterrichteten Schüler und bildeten neue Lehrer aus.

Die internationale Karate-Geschichte wurde dadurch nicht mehr ausschließlich in Japan geschrieben.

Sie wurde auch in Europa, Nordamerika, Südamerika, Afrika und anderen Teilen Asiens weitergeführt.

TRADITION BEDEUTET NICHT STILLSTAND.

Tradition lebt durch Menschen, die lernen, trainieren, unterrichten und Verantwortung übernehmen.


🇧🇷 2. YOSHIZO MACHIDA – EIN JAPANISCHER MEISTER IN BRASILIEN

YOSHIZO MACHIDA

BORN 29 JANUARY 1946 · JAPAN

8TH DAN · JKA SHOTOKAN

Yoshizo Machida wurde am 29. Januar 1946 in der japanischen Präfektur Ibaraki geboren.

1961 begann er im Alter von 15 Jahren mit Karate.

Zu seinen dokumentierten Ausbildungseinflüssen zählen unter anderem:

Sōichi Yamamoto

Masahiko Tanaka

Masatoshi Nakayama

Hidetaka Nishiyama

Am 5. April 1968 kam er nach Brasilien.

Er war damals 22 Jahre alt.

Machida gehörte zu jener Generation japanischer Karateka, die ihre Ausbildung und ihre Vorstellungen vom Karate-Unterricht in eine neue Heimat mitbrachten.

Doch der Aufbau einer Karate-Schule war kein einfacher Weg.

Es brauchte Trainingsräume.

Schüler.

Finanzielle Mittel.

Vertrauen.

Und die Bereitschaft, über Jahre weiterzuarbeiten.

In Interviews erinnerte sich Machida an wirtschaftlich schwierige Anfangszeiten und den mühsamen Aufbau seiner Unterrichtstätigkeit.

Sein Weg führte ihn durch verschiedene Regionen Brasiliens, darunter auch Bahia.

Später etablierte er sich in Belém im Bundesstaat Pará.

1980 gründete er dort seine Karate-Akademie.

Heute zählt Yoshizo Machida zu den bekannten Persönlichkeiten des brasilianischen JKA-Shotokan.

Seine Söhne Lyoto und Chinzo Machida wurden ebenfalls international bekannt.

Dabei müssen wir die unterschiedlichen Entwicklungen auseinanderhalten:

Das traditionelle Shotokan seines Vaters.

Die spätere Entwicklung der Machida-Karate-Methode durch Chinzo.

Und die Anwendung von Karate-Prinzipien durch Lyoto im modernen MMA.

Es handelt sich um miteinander verbundene, aber nicht identische Wege.

🇧🇷 YOSHIZO MACHIDA – 1995

Und hier erreichen wir einen besonderen Punkt unserer Geschichte.

1995 war Yoshizo Machida 49 Jahre alt.

Er lebte zu diesem Zeitpunkt bereits seit 27 Jahren in Brasilien.

Seine Karate-Akademie in Belém bestand seit 15 Jahren.

Er gehörte längst zu jener Generation japanischer Lehrer, die den Aufbau des modernen Shotokan-Karate in Brasilien mitgeprägt hatten.

Und genau in diesem Jahr war auch ich in Brasilien.

Nicht als Schüler Machidas.

Nicht als Mitglied seiner Schule.

Sondern auf meinem eigenen Kampfkunstweg.

1995 trainierte ich in Salvador bei der ASKABA.

Zwei unterschiedliche Lebenswege innerhalb derselben brasilianischen Karate-Geschichte.

Im Jahr 2026 feierte Yoshizo Machida seinen 80. Geburtstag.

Sein Lebensweg steht für Ausdauer, Unterricht und die Weitergabe einer Kampfkunst über Generationen hinweg.


🇧🇷 3. BAHIA – EINE EIGENE KARATE-GESCHICHTE

Wer die Entwicklung des Karate in Brasilien verstehen möchte, darf nicht nur die international bekannten Meister betrachten.

Brasilien ist ein großes Land mit unterschiedlichen regionalen Kampfkunsttraditionen.

Eine besonders interessante Rolle spielt dabei Bahia.

Hier entwickelten sich bereits früh organisierte Karate-Schulen.

Ein bedeutender Pionier war Denílson Caribé de Castro.

Am 23. November 1967 wurde die

ASKABA – ASSOCIAÇÃO DE KARATÊ DA BAHIA

gegründet.

Sie wurde zu einer wichtigen Ausbildungsstätte des Karate in Salvador.

Damit entstand eine organisierte Karate-Struktur bereits vor Yoshizo Machidas Ankunft in Brasilien im Jahr 1968.

Das ist historisch wichtig.

Denn die Entwicklung des Karate in Bahia war nicht das Werk eines einzelnen Meisters.

Sie entstand durch verschiedene Lehrer, Schulen und Organisationen.

Auch Yoshizo Machida war später in Bahia tätig.

Historische Berichte verbinden seine dortige Arbeit unter anderem mit Denílson Caribé.

Doch die Karate-Geschichte Bahias reicht über beide Persönlichkeiten hinaus.


🇧🇷 4. PROFESSOR IVO RANGEL – KARATE, DISZIPLIN UND BILDUNG

Ein weiterer bedeutender Name ist:

PROFESSOR IVO RANGEL DA SILVA.

Ivo Rangel gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten des Karate in Bahia.

Seine Arbeit war nicht nur auf technische Ausbildung und sportliche Leistung ausgerichtet.

In Erinnerungen ehemaliger Schüler wird besonders sein Wert auf schulische Bildung und persönliche Disziplin deutlich.

Karate sollte die Entwicklung eines jungen Menschen unterstützen.

Nicht seine allgemeine Ausbildung ersetzen.

Ein Schüler sollte lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Im Dōjō.

In der Schule.

Und im täglichen Leben.

Diese Haltung verdient unseren Respekt.

Denn ein guter Karate-Lehrer vermittelt nicht nur Schläge, Tritte und Stellungen.

Er übernimmt auch Verantwortung für die Menschen, die ihm anvertraut werden.

Ivo Rangel wirkte zudem an der organisatorischen Entwicklung des Karate in Bahia mit.

Bei der 1994 gegründeten FKIBA übernahm er die Funktion des Vizepräsidenten.

Sein Name ist damit sowohl mit der Ausbildung von Karateka als auch mit dem Aufbau regionaler Verbandsstrukturen verbunden.

Professor Ivo Rangel verstarb am 21. Januar 2014.

Sein Vermächtnis gehört zur Geschichte jener Lehrer, deren Arbeit über die unmittelbare Trainingszeit hinauswirkt.

A TEACHER’S LEGACY LIVES THROUGH HIS STUDENTS.


🥋 5. ASKABA, FKIBA, JKA UND SKI – VERSCHIEDENE WEGE DES SHOTOKAN

Die Geschichte des brasilianischen Karate zeigt, dass wir zwischen Stilrichtung, Lehrerlinie und Verbandszugehörigkeit unterscheiden müssen.

ASKABA – ASSOCIAÇÃO DE KARATÊ DA BAHIA

Eine traditionsreiche Ausbildungsorganisation in Salvador, gegründet 1967.

FKIBA – FEDERAÇÃO DE KARATÊ INTERESTILOS DA BAHIA

Gegründet am 2. Juli 1994.

Zu ihren frühen Führungspersönlichkeiten gehörten Aroldo Santos, Ivo Rangel und weitere Karate-Funktionäre.

Die FKIBA entwickelte Beziehungen zum internationalen Shotokan Karate International und vereinte unterschiedliche Karate-Schulen.

JKA – JAPAN KARATE ASSOCIATION

Eine japanische Shotokan-Organisation, deren Ausbildungssystem und internationale Lehrer einen großen Einfluss auf die weltweite Entwicklung des Karate hatten.

SKI / SKIF – SHOTOKAN KARATE INTERNATIONAL

Eine eigenständige internationale Shotokan-Tradition.

Sie darf organisatorisch nicht mit der JKA gleichgesetzt werden.

Und neben diesen Organisationen bestanden weitere regionale Verbände und Schulen.

Manche Lehrer arbeiteten zusammen.

Andere verfolgten eigene Wege.

Manche Organisationen wuchsen.

Andere verschwanden wieder.

DIE GESCHICHTE DES KARATE BESTEHT NICHT NUR AUS TECHNIKEN, SONDERN AUCH AUS MENSCHEN UND IHREN ENTSCHEIDUNGEN.


🇧🇷 6. BAHIA 1995 – EIN JAHR DES AUFBRUCHS

Das Jahr 1995 war für die organisierte Karate-Landschaft Bahias besonders interessant.

Die ASKABA verfügte bereits über jahrzehntelange Erfahrung.

Die FKIBA war erst im Vorjahr gegründet worden.

Regionale Vereine entwickelten ihre Trainingsprogramme.

Wettkampfmannschaften nahmen an nationalen Meisterschaften teil.

Unterschiedliche Stilrichtungen arbeiteten an ihrer eigenen Verbreitung.

DIE BRASILIANISCHE MEISTERSCHAFT 1995

Die FKIBA nahm 1995 an brasilianischen Meisterschaften in São Paulo teil.

Solche Wettbewerbe waren für die Entwicklung regionaler Mannschaften wichtig.

Sie ermöglichten den sportlichen Vergleich und die Begegnung zwischen Lehrern und Schülern unterschiedlicher Regionen.

Doch Wettkampferfolge sind nur ein Teil der Karate-Geschichte.

Hinter jedem Teilnehmer stehen Trainingsjahre.

Ein Lehrer.

Ein Dōjō.

Und oft eine Familie, die diesen Weg unterstützt.

30. JUNI 1995 – SALVADOR

Am 30. Juni 1995 fand in Salvador das zweite

CAMPEONATO NORTE E NORDESTE DE KARATÊ

statt.

Die Mannschaft aus Bahia gewann zum zweiten Mal hintereinander.

Wichtig ist die korrekte historische Zuordnung:

Dieser Wettbewerb gehörte zur damaligen Federação Baiana de Karatê Point – FBKP.

Er war nicht einfach eine FKIBA-Meisterschaft.

Gerade diese Unterschiede zeigen, wie vielfältig und teilweise unübersichtlich die damalige Karate-Landschaft war.


🇧🇷 7. KYOKUSHIN, SHŌRIN-RYŪ UND DIE REGIONALE VIELFALT

Bahia war nicht ausschließlich eine Shotokan-Region.

Auch andere Karate-Traditionen entwickelten ihre eigenen Schulen.

In Itabuna wurde 1995 die

ASSOCIAÇÃO ITABUNENSE DE KARATE KYOKUSHIN OYAMA

gegründet.

Kyokushin brachte eine andere Trainings- und Wettkampfausrichtung mit.

Besonders das körperlich anspruchsvolle Vollkontakttraining wurde zu einem Kennzeichen dieser Stilrichtung.

Im selben Jahr absolvierte der brasilianische Kyokushin-Kämpfer Francisco Filho seinen berühmten 100-Man Kumite in Japan.

Seine Leistung machte international auf das brasilianische Kyokushin aufmerksam.

Eine direkte organisatorische Verbindung zwischen diesem Ereignis und der Vereinsgründung in Itabuna ist damit allerdings nicht belegt.

Auch Shōrin-ryū-Schulen und weitere regionale Dōjō gehörten zur vielfältigen Karate-Landschaft.

In unserer Forschung begegnen uns unter anderem:

Associação Moretti de Karate-do

Imperador

Cajazeiras Karate Clube

Associação Nokachi

Shogun de Itabuna

Gankaku Karate Clube

Diese Namen sind weitere Spuren regionaler Kampfkunstgeschichte. Ihre konkreten Aktivitäten im Jahr 1995 müssen wir für eine vollständige Chronik noch einzeln überprüfen.

Denn auch kleine Schulen verdienen einen Platz in der Geschichte.

Nicht nur große Meisterschaften und bekannte internationale Organisationen.


🐻 8. BAHIA 1995 – MEINE PERSÖNLICHE KARATE-REISE

Und nun kommen wir zu einem Kapitel, das für mich persönlich eine besondere Bedeutung hat.

1995 reiste ich nach Bahia in Brasilien.

Ich wollte Karate und Capoeira lernen.

Ich wollte nicht nur über andere Kampfkünste lesen.

Ich wollte sie erleben.

Mit Menschen trainieren.

Andere Lehrer kennenlernen.

Andere Bewegungen sehen.

Andere Trainingsmethoden verstehen.

MEIN KARATE-TRAINING ABSOLVIERTE ICH BEI DER ASKABA IN SALVADOR.

Damals stand für mich die Praxis im Vordergrund.

Das tägliche Training.

Die Atmosphäre.

Die Begegnung mit einer anderen Kultur.

Die Erfahrung, dass Karate auf der ganzen Welt trainiert wird, aber nicht überall auf dieselbe Weise gelebt wird.

Heute ist mir bewusst, dass ich damals eine Karate-Landschaft kennengelernt habe, die sich in einer besonders aktiven Entwicklungsphase befand.

Die ASKABA hatte bereits eine lange Geschichte.

Neue Verbände waren entstanden.

Regionale Meisterschaften wurden ausgetragen.

Unterschiedliche Lehrerlinien wirkten nebeneinander.

Und Yoshizo Machida war damals bereits 49 Jahre alt und seit 27 Jahren in Brasilien.

WAS FÜR MICH 1995 EINE TRAININGSREISE WAR, IST HEUTE AUCH EIN TEIL MEINER HISTORISCHEN FORSCHUNG.

Dabei bleibt mir wichtig, zwischen persönlicher Erinnerung und historischer Dokumentation zu unterscheiden.

Meine Trainingszeit bei der ASKABA ist Teil meines eigenen Lebensweges.

Die genauen organisatorischen Verbindungen der damaligen Lehrer und Schulen müssen wir anhand von Quellen überprüfen.

Denn Geschichte verdient Genauigkeit.


🇧🇷 9. CAPOEIRA – DIE ANDERE KAMPFKUNST BAHIAS

Meine Reise nach Bahia führte mich nicht ausschließlich zum Karate.

Ein weiterer Schwerpunkt war Capoeira.

Diese afrobrasilianische Kampfkunst ist eng mit der Geschichte, Kultur und Identität Brasiliens verbunden.

Besonders Bahia gehört zu ihren wichtigen historischen Zentren.

Capoeira verbindet Kampfbewegungen mit Rhythmus, Musik, Bewegung und kultureller Überlieferung.

Für mich als Karateka war die Begegnung mit dieser Kampfkunst besonders interessant.

Die Bewegungen unterscheiden sich deutlich von vielen Formen des Shotokan.

Im Karate arbeiten wir unter anderem mit strukturierten Stellungen, klaren Bewegungsrichtungen und gezielter Kraftübertragung.

In der Capoeira begegnen uns fließende Übergänge, Ausweichbewegungen, rhythmische Veränderungen und die charakteristische Ginga.

Doch unter den sichtbaren Unterschieden liegen gemeinsame Fragen.

Wie verändern wir unsere Distanz?

Wie bewegen wir den Körperschwerpunkt?

Wie kontrollieren wir das Gleichgewicht?

Wie reagieren wir auf einen Gegner?

Wie erkennen wir den richtigen Moment?

Und wie verbinden wir Bewegung mit Wahrnehmung?

Solche Erfahrungen erweitern den eigenen Blick.

Nicht jede Technik muss übernommen werden.

Aber jede ernsthafte Begegnung mit einer anderen Kampfkunst kann uns helfen, die eigene Praxis besser zu verstehen.

DIFFERENT MASTERS. DIFFERENT STYLES. ONE SPIRIT.


🥋 10. WAS VON DEN MEISTERN BLEIBT – KIHON, KATA UND KUMITE

Bei aller historischen Forschung dürfen wir das Wichtigste nicht vergessen.

DAS TRAINING.

Organisationen entstehen.

Verbände verändern sich.

Meisterschaften werden gewonnen und verloren.

Doch die Kampfkunst wird auf der Tatami weitergegeben.

Im Shotokan gehören Kihon, Kata und Kumite zu den zentralen Bereichen unserer Ausbildung.

KIHON (基本) – GRUNDLAGEN

Stellungen, Techniken, Bewegungsabläufe, Gleichgewicht und Körperkoordination.

KATA (形) – FORM

Überlieferte und weiterentwickelte Bewegungsfolgen, in denen technische Prinzipien untersucht und bewahrt werden.

KUMITE (組手) – PARTNERTRAINING UND KAMPF

Die praktische Arbeit mit Distanz, Timing, Reaktion, Kontrolle und Anwendung.

Doch diese drei Bereiche dürfen nicht voneinander getrennt werden.

Eine Technik muss mehr sein als eine schöne Bewegung.

Wir müssen verstehen, wie sie funktioniert.

Wie die Beine arbeiten.

Wie die Hüfte beteiligt ist.

Wie der Rumpf die Bewegung stabilisiert.

Wie die Kraft übertragen wird.

Und wie wir die Technik unter den Bedingungen einer tatsächlichen Partnerbewegung anwenden können.

Dazu gehören auch:

KIME (決め) – das entschlossene Bündeln und Abschließen einer Technik.

MAAI (間合い) – die passende räumliche und zeitliche Distanz zum Gegenüber.

TAI SABAKI (体捌き) – das gezielte Bewegen und Ausrichten des Körpers.

KYŪSHO-WAZA (急所技) – Techniken und Anwendungen im Zusammenhang mit empfindlichen beziehungsweise anatomisch relevanten Zielbereichen.

Für mich gilt:

KATA IST KUMITE.

Nicht als bloßer Satz.

Sondern als Aufforderung, jede Bewegung zu untersuchen.

Was geschieht vor der Technik?

Wie entsteht der Kontakt?

Was macht der Gegner?

Woher kommt die Kraft?

Und was geschieht danach?

Das sind die Fragen, die mich bis heute beschäftigen.


🐻 11. SIEGE UND NIEDERLAGEN – DER WEG DES ALTEN SCHMIEDES

Wenn ich heute auf meinen Kampfkunstweg zurückblicke, sehe ich nicht nur Länder, Seminare, Meister und Trainingsstätten.

Ich sehe auch die Arbeit.

Die Wiederholungen.

Die Anstrengung.

Die Fehler.

Die Momente des Verstehens.

Und die vielen Fragen, auf die ich erst Jahre später eine Antwort gefunden habe.

SIEGE UND NIEDERLAGEN GEHÖREN ZUM SELBEN WEG.

Nicht jeder Sieg findet auf einer Wettkampffläche statt.

Manchmal ist es ein Sieg, eine Technik endlich zu verstehen.

Manchmal ist es ein Sieg, eine schlechte Gewohnheit abzulegen.

Manchmal ist es ein Sieg, die eigene Grenze zu erkennen.

Und manchmal ist es ein Sieg, nach vielen Jahren noch immer mit derselben Begeisterung auf der Tatami zu stehen.

Auch Niederlagen gehören dazu.

Sie können uns zeigen, dass eine Technik noch nicht funktioniert.

Dass unser Timing nicht stimmt.

Dass unsere Distanz falsch war.

Oder dass wir unsere Fähigkeiten überschätzt haben.

Ein guter Lehrer muss auch bereit sein, weiterzulernen.

Und ein erfahrener Karateka sollte nicht glauben, dass die Jahre allein jede Frage beantworten.

47 JAHRE KAMPFKUNST BEDEUTEN NICHT, DASS ICH FERTIG BIN.

Sie bedeuten, dass ich 47 Jahre Gelegenheit hatte, zu lernen.

Und dass ich noch immer weiterlerne.

DER GRAD IST EINE STATION.

DIE ERFAHRUNG IST DER WEG.

DAS VERMÄCHTNIS IST DAS, WAS BLEIBT.


🇧🇷 12. DIE GESCHICHTE DES KARATE WIRD NICHT NUR VON DEN BERÜHMTEN GESCHRIEBEN

Unsere Reise durch die brasilianische Karate-Geschichte hat uns etwas Wichtiges gezeigt.

Wir brauchen die großen Namen.

Yoshizo Machida.

Denílson Caribé.

Ivo Rangel.

Die japanischen Lehrer, die Karate international verbreiteten.

Die brasilianischen Meister, die Schulen aufbauten.

Aber wir dürfen auch die anderen nicht vergessen.

Die Lehrer kleiner Dōjō.

Die Schüler, die über Jahrzehnte trainierten.

Die Eltern, die ihre Kinder zum Unterricht brachten.

Die Wettkämpfer, die Niederlagen verkraften mussten.

Die Menschen, die Vereine organisierten und Trainingsräume ermöglichten.

Und diejenigen, die ihre Kenntnisse ohne große Öffentlichkeit weitergaben.

Denn eine Kampfkunst lebt nicht allein durch ihre berühmtesten Vertreter.

SIE LEBT DURCH DIE MENSCHEN, DIE SIE TÄGLICH PRAKTIZIEREN.


🇯🇵🇧🇷 13. VON DER GESCHICHTE ZUR GEGENWART

Am Sonntag, dem 25. Oktober 2026, erinnern wir an den 90. Jahrestag der historischen Karate-Gesprächsrunde von Okinawa aus dem Jahr 1936.

Diese Zusammenkunft war ein wichtiger Meilenstein in der modernen Entwicklung und öffentlichen Darstellung des Karate.

Doch sie war nicht sein Anfang.

Die Wurzeln der Kampfkunst reichen weiter zurück.

Und ihre Geschichte wurde auch nach 1936 ständig weitergeschrieben.

Durch Lehrer in Japan.

Durch japanische Auswanderer.

Durch brasilianische Karate-Pioniere.

Durch Schulen in Bahia.

Durch die ASKABA.

Durch andere Verbände und Stilrichtungen.

Und durch Menschen, die bis heute täglich trainieren.

KARATE IST EIN HISTORISCHES ERBE – ABER KEINE ABGESCHLOSSENE GESCHICHTE.


🐻 14. BÄRENSCHMIEDE – VON BAHIA 1995 BIS HEUTE

Liebe Freunde und Weggefährten,

als ich 1995 in Bahia trainierte, dachte ich nicht daran, dass ich mehr als drei Jahrzehnte später über die damalige Karate-Geschichte forschen und schreiben würde.

Damals wollte ich lernen.

Heute will ich weiterhin lernen.

Aber ich möchte auch bewahren, was wir erfahren haben.

Die Namen der Lehrer.

Die Geschichte der Schulen.

Die Entwicklung der Organisationen.

Die technischen Unterschiede.

Und die persönlichen Erinnerungen jener Menschen, die diese Zeit selbst erlebt haben.

Unser CIRCLE OF MASTERS soll nicht nur eine Sammlung von Namen und Graduierungen sein.

Es soll zeigen, wie Kampfkunst von Generation zu Generation weitergegeben wird.

VON OKINAWA NACH JAPAN.

VON JAPAN NACH BRASILIEN.

VON DEN MEISTERN ZU DEN DŌJŌ.

VON BAHIA 1995 ZUR BÄRENSCHMIEDE 2026.

Die Länder ändern sich.

Die Menschen werden älter.

Die Schulen entwickeln sich weiter.

Aber der Kern unseres Weges bleibt.

TRAINIEREN. LERNEN. VERSTEHEN. WEITERGEBEN.

Und genau deshalb stehe ich auch heute noch auf der Tatami.

Nicht, weil ich schon alles weiß.

Sondern weil der Weg noch immer etwas zu lehren hat.

DU BIST DA. KARATE IST DA.

SEHEN → ANALYSIEREN → UMSETZEN → VERSTEHEN.

VOM ROHEN EISEN ZUR LEBENDEN KLINGE. 🔨

BÄRENSTARK! 🐻

RESEARCH · PRACTICE · PRESERVE · PASS IT ON.

HONOR THE MASTERS.

PRESERVE THE HISTORY.

KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.

DIFFERENT MASTERS. DIFFERENT STYLES. ONE SPIRIT.

THE WAY NEVER ENDS.

Mit Respekt und herzlichen Grüßen aus der Bärenschmiede

Renshi Mike Stein · 6th Dan Karate-Dō

Kampfkunstpraktiker · Forscher · Historiker · Autor

RIN DŌ SHINZEN – BÄRENSCHMIEDE DŌJŌ

INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA

CIRCLE OF MASTERS · KARATE BRASIL · BAHIA 1995

OSU! 🐻🥋🇧🇷

#KarateBrasil #Bahia1995 #Shotokan #YoshizoMachida #IvoRangel #DenilsonCaribe #ASKABA #FKIBA #JKA #KarateHistory #Capoeira #CircleOfMasters #Bärenschmiede #RinDoShinzen #IRDSBA #TheWayNeverEnds

PROFESSOR IVO RANGEL – EIN PIONIER DES KARATE IN BAHIA

Professor Ivo Rangel da Silva gehörte zu jener Generation brasilianischer Karateka, die den Aufbau der Kampfkunst in Bahia seit den 1960er-Jahren entscheidend mitprägten.

Sein Weg führte ihn vom eigenen Training über die Arbeit im traditionsreichen Ginásio Acrópole bis in die Führung bedeutender Karate-Organisationen.

Er wirkte als Wettkämpfer, Lehrer und Trainer der bahianischen Auswahl. Unter seiner Leitung errangen Mannschaften des Acrópole regionale Erfolge.

Auch organisatorisch übernahm er Verantwortung: Er gehörte zur Geschichte der Federação Bahiana de Karatê (FBK), bekleidete dort zeitweise das Präsidentenamt und wurde später Präsident der Federação de Karatê Interestilos da Bahia (FKIBA).

Für unsere Forschung ist besonders interessant, dass die historischen Lehrerlinien von Acrópole und ASKABA eng miteinander verbunden waren.

Als ich 1995 in Salvador bei der ASKABA trainierte, gehörte Ivo Rangel bereits seit Jahrzehnten zu den prägenden Persönlichkeiten des Karate in Bahia.

Seine Bedeutung beschränkte sich nicht auf sportliche Erfolge. Ehemalige Schüler erinnern sich auch an seinen Anspruch, schulische Bildung, Disziplin und Karate-Training miteinander zu verbinden.

Professor Ivo Rangel verstarb am 21. Januar 2014 im Alter von 70 Jahren.

Die FKIBA würdigte ihn in ihrer damaligen Trauermitteilung als Träger des 9. Dan.

Seine Geschichte steht stellvertretend für viele Karate-Pioniere, die nicht nur Schüler ausbildeten, sondern Schulen, Mannschaften und organisatorische Strukturen für kommende Generationen aufbauten.

HONOR THE MASTERS. PRESERVE THE HISTORY. PASS ON THE KNOWLEDGE.

🇧🇷 1995 – ZWISCHEN KARATE UND CAPOEIRA IN SALVADOR

Eine meiner lebendigsten Erinnerungen an Brasilien führt mich zurück in die Trainingshalle der ASKABA – Associação de Karatê da Bahia in Salvador.

Damals kam ich zum Karate-Training und begegnete regelmäßig den Capoeira-Trainern, die vor uns die Halle nutzten.

Wir teilten uns dieselben Trainingsräume.

Bevor unser Karate-Training begann, waren die Capoeira-Trainer dort.

Ich konnte ihre Bewegungen beobachten, ihre andere Art der Körperarbeit kennenlernen und erleben, wie sich zwei Kampfkunsttraditionen im selben Raum begegneten.

Das faszinierte mich.

Denn obwohl Karate und Capoeira unterschiedliche geschichtliche und kulturelle Wurzeln besitzen, beschäftigen sich beide mit grundlegenden Fragen der Kampfkunst:

Distanz. Bewegung. Gleichgewicht. Rhythmus. Timing. Körperkontrolle.

Im Karate begegnen uns Begriffe wie Maai (間合い) – die angemessene Distanz – und Tai Sabaki (体捌き) – das Ausrichten und Bewegen des Körpers.

In der Capoeira entdeckte ich andere Bewegungsmuster, einen anderen Rhythmus und einen anderen Umgang mit dem Raum.

Gerade weil ich die Capoeira-Trainer vor unserem eigenen Training immer wieder erlebte, entstand in mir der Wunsch, mich intensiver mit dieser brasilianischen Kampfkunst zu beschäftigen.

Es war keine theoretische Entscheidung. Es war eine Begegnung im Trainingsalltag.

Heute, mehr als drei Jahrzehnte später, erkenne ich darin einen wichtigen Abschnitt meines persönlichen Kampfkunstweges.

Ich war nach Brasilien gekommen, um zu trainieren und zu lernen.

Und manchmal beginnt das Lernen schon, bevor das eigentliche Training überhaupt angefangen hat.

DIFFERENT MASTERS. DIFFERENT STYLES. ONE SPIRIT.

THE WAY NEVER ENDS.

🇧🇷 BAHIA 1995 – KARATE TRIFFT CAPOEIRA

Eine persönliche Erinnerung aus Salvador

1995 führte mich mein Kampfkunstweg nach Brasilien, nach Salvador in Bahia.

Ich trainierte Karate bei der ASKABA – Associação de Karatê da Bahia.

Wir teilten uns die Trainingshalle mit den Capoeira-Trainern. Bevor unser Karate-Training begann, waren sie dort.

So entstand mein Interesse an der Capoeira.

Ich wollte nicht nur zuschauen. Ich wollte verstehen, wie diese Menschen ihren Körper bewegten, wie sie ihr Gleichgewicht fanden und wie sie ihre Techniken ausführten.

Also begann ich selbst mit dem Capoeira-Training.

Und plötzlich wurde etwas schwierig, das für mich im Karate längst selbstverständlich war:

Der Einsatz meiner Arme.

Im Karate hatte ich gelernt, meine Arme zum Schlagen, Blocken und zur Kontrolle einzusetzen.

In bestimmten Bewegungen der Capoeira sollte ich sie dagegen zum Abstützen, zum Tragen meines Körpergewichts und zur Stabilisierung benutzen.

Mein Körper wollte zunächst immer wieder auf die gewohnten Bewegungsmuster zurückgreifen.

Mein Capoeira-Meister erkannte das und sagte zu mir:

„Mike, nutze deine Arme wie die Beine beim Karate, um das Gleichgewicht zu finden. Denk dran, die Arme müssen deinen Körper tragen.“

Diesen Satz habe ich nicht vergessen.

Denn er erklärte mir etwas, das weit über eine einzelne Technik hinausging.

Die Arme waren nicht plötzlich etwas anderes geworden.

Aber ihre Aufgabe hatte sich verändert.

Wo ich zuvor an Schlagtechniken dachte, musste ich nun an Stützflächen, Gewichtsverlagerung und die Kontrolle meines Körperschwerpunkts denken.

Die gleiche Anatomie. Eine andere Aufgabe. Ein neuer Lernprozess.

Heute würde ich diese Erfahrung auch mit Begriffen aus unserem Karate-Training beschreiben:

TAI SABAKI (体捌き) – Körperbewegung und Ausrichtung.

KOSHI (腰) – Hüfte als Teil der Bewegungs- und Kraftübertragung.

BALANCE – die Fähigkeit, den Körperschwerpunkt innerhalb einer tragfähigen Stützstruktur zu kontrollieren.

Und genau darin liegt für mich die Bedeutung dieser Begegnung.

Ich musste nicht mein Karate vergessen.

Ich musste lernen, meinen Körper aus einer anderen Perspektive zu verstehen.

1995 ging ich nach Brasilien, um Kampfkunst zu lernen.

Heute, nach 47 Jahren auf meinem Karate-Weg, erinnere ich mich daran, dass manchmal gerade die Schwierigkeiten beim Erlernen einer fremden Bewegung unsere besten Lehrer sind.

DIFFERENT MASTERS. DIFFERENT STYLES. ONE SPIRIT.

RESEARCH · PRACTICE · PRESERVE · PASS IT ON.

THE WAY NEVER ENDS.

Renshi Mike Stein · 6th Dan Karate-Dō

RIN DŌ SHINZEN – BÄRENSCHMIEDE DŌJŌ

INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION

🥋🐻 VON BAHIA 1995 ZUR BÄRENSCHMIEDE 2026

Die Wahrheit der Kreise – Wenn der ganze Körper zur Technik wird

RIN DŌ SHINZEN · TETSU NO KOSHI · KÖRPERMECHANIK

Manchmal begegnet uns eine Erkenntnis, die wir zunächst überhaupt nicht verstehen.

Wir versuchen, eine Bewegung auszuführen, und unser Körper weigert sich, das Gewohnte loszulassen.

So erging es mir 1995 in Salvador, Bahia.

🇧🇷 1995 – MEINE BEGEGNUNG MIT CAPOEIRA

Während meines Karate-Trainings bei der ASKABA teilten wir uns die Trainingshalle mit den Capoeira-Trainern.

Vor unserem Karate-Unterricht fand dort Capoeira statt.

Ich wurde neugierig, beobachtete die Bewegungen und begann schließlich selbst zu trainieren.

Doch ich hatte ein Problem.

Meine Arme waren durch das Karate darauf vorbereitet, Fauststöße, Abwehrbewegungen und andere Techniken auszuführen.

In der Capoeira verlangten bestimmte Übungen plötzlich etwas völlig anderes von ihnen:

Sie mussten meinen Körper tragen.

Ich musste lernen, mich über die Hände abzustützen, das Gewicht durch die Arme und Schultern zu übertragen und dabei die Beine frei zu bewegen.

Mein Capoeira-Meister sagte damals zu mir:

„Mike, nutze deine Arme wie die Beine beim Karate, um das Gleichgewicht zu finden. Denk dran, die Arme müssen deinen Körper tragen.“

Ich verstand diese Worte nicht sofort.

Erst mit der Zeit erkannte ich ihre wirkliche Bedeutung.

🥋 DIE ARME SIND NICHT NUR WAFFEN

Durch das Capoeira-Training begann ich, meinen Körper aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Die Brustmuskulatur, die Schultern, die Rhomboiden zwischen den Schulterblättern und die Rotatorenmanschette mussten zusammenarbeiten, um mich bei den Stützbewegungen zu stabilisieren.

Ich empfand dieses Training als eine außerordentlich wohltuende Ergänzung zum Karate.

Meine Kraftausdauer entwickelte sich so, dass ich nach dem Capoeira-Training noch 60 Liegestütze ausführen konnte, ohne mich dabei besonders erschöpft zu fühlen.

Aber die wichtigste Erkenntnis lag nicht in der Zahl 60.

Sie lag in der Veränderung meines Körperverständnisses.

Nicht der einzelne Muskel entscheidet über eine gute Bewegung. Entscheidend ist, wie der gesamte Körper zusammenarbeitet.

☯️ RIN DŌ SHINZEN – DIE WAHRHEIT DER KREISE

Viele Jahre später begann ich, diese Erfahrungen immer bewusster mit meiner eigenen Trainingsmethodik zu verbinden.

Mit Rin Dō Shinzen.

Mit der Bedeutung der Kreise.

Mit der Verbindung zwischen Bewegung, Gleichgewicht, Körpermitte und Kraftübertragung.

Eine Bewegung entsteht nicht allein in der Faust.

Sie beginnt auch nicht einfach nur in der Schulter.

Wir müssen verstehen, wie die Füße den Boden nutzen, wie die Beine arbeiten, wie sich das Becken ausrichtet, wie der Rumpf stabilisiert und wie die Bewegung schließlich in den Armen ankommt.

Und in der Capoeira kann dieselbe Verbindung in einer anderen Richtung arbeiten:

Von den Händen über die Arme und Schultern zum Rumpf, während die Beine sich bewegen.

Die Funktion verändert sich. Die Notwendigkeit einer zusammenhängenden Körperstruktur bleibt.

🔨 TETSU NO KOSHI – DIE KRAFT DER VERBINDUNG

In unserer Bärenschmiede arbeiten wir mit dem Prinzip TETSU NO KOSHI – 鉄の腰, der eisernen Hüfte.

Dabei geht es mir nicht darum, die Hüfte einfach möglichst stark zu drehen.

Es geht um ihre kontrollierte Einbindung in die Bewegung des gesamten Körpers.

Die Hüfte verbindet Oberkörper und Unterkörper.

Sie beeinflusst die Gewichtsverlagerung, die Ausrichtung des Rumpfes und die Übertragung von Kräften.

Dazu kommt unser TANDEN (丹田) – die im traditionellen japanischen Körperverständnis beschriebene Körpermitte, die wir im Training als Orientierung für Haltung, Atmung und Bewegungskoordination nutzen.

Kurze Technik oder lange Technik.

Fauststoß oder Stützbewegung.

Karate oder Capoeira.

Für mich steht immer dieselbe Frage im Mittelpunkt:

Arbeitet mein ganzer Körper zusammen – oder versuche ich, die Bewegung mit einem einzelnen Körperteil zu erzwingen?

🐻 2026 – EIN JUNGER SCHÜLER STELLT MIR EINE FRAGE

Heute, während unseres zweistündigen Seminars, fragte mich ein junger Mann:

„Woher hast du diese Kondition? Wie kannst du zwei Stunden ununterbrochen mit allen trainieren und dabei noch so schnell sein?“

Meine Antwort war einfach:

„ARBEITE!“

Arbeite mit deinem eigenen Körper.

Suche die kurzen Wege.

Verstehe die langen Bewegungen.

Entwickle Präzision.

Arbeite nicht nur mit deiner Faust.

Denke an deine Mitte.

An dein Tanden.

An dein Tetsu no Koshi.

Denn eine Faust allein macht noch keine vollständige Karatetechnik.

Und ein starker Arm allein macht noch keine gute Capoeira-Bewegung.

Es geht um die Präzision der Körpermechanik.

🥋 47 JAHRE KARATE – UND ICH LERNE WEITER

Ich trainiere seit 1980 Karate.

47 Jahre Kampfkunst auf meinem Lebensweg.

Und trotzdem erinnere ich mich heute an die Worte eines Capoeira-Meisters aus Salvador.

An eine Bewegung, die ich damals nicht sofort beherrschte.

An meine Arme, die lernen mussten, meinen Körper zu tragen.

Manchmal ist gerade das, was uns zunächst schwerfällt, der Beginn einer Erkenntnis, die uns ein ganzes Leben begleitet.

Ich trainiere nicht, um jünger zu erscheinen.

Ich trainiere, weil ich meinen Körper verstehen, erhalten und weiterentwickeln möchte.

Der Grad ist eine Station.

Die Erfahrung ist der Weg.

Das Vermächtnis ist das, was bleibt.

FROM BAHIA TO THE BEAR FORGE.

ONE BODY · ONE CENTER · ONE MOVEMENT.

DIFFERENT MASTERS. DIFFERENT STYLES. ONE SPIRIT.

RESEARCH · PRACTICE · PRESERVE · PASS IT ON.

THE WAY NEVER ENDS.

Renshi Mike Stein · 6th Dan Karate-Dō

RIN DŌ SHINZEN – BÄRENSCHMIEDE DŌJŌ

INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION

OSU! 🐻🥋🇧🇷