
🥋🐻 VON BAHIA 1995 ZUR BÄRENSCHMIEDE 2026
Die Wahrheit der Kreise – Wenn der ganze Körper zur Technik wird
RIN DŌ SHINZEN · TETSU NO KOSHI · KÖRPERMECHANIK
Manchmal begegnet uns eine Erkenntnis, die wir zunächst überhaupt nicht verstehen.
Wir versuchen, eine Bewegung auszuführen, und unser Körper weigert sich, das Gewohnte loszulassen.
So erging es mir 1995 in Salvador, Bahia.
🇧🇷 1995 – MEINE BEGEGNUNG MIT CAPOEIRA
Während meines Karate-Trainings bei der ASKABA teilten wir uns die Trainingshalle mit den Capoeira-Trainern.
Vor unserem Karate-Unterricht fand dort Capoeira statt.
Ich wurde neugierig, beobachtete die Bewegungen und begann schließlich selbst zu trainieren.
Doch ich hatte ein Problem.
Meine Arme waren durch das Karate darauf vorbereitet, Fauststöße, Abwehrbewegungen und andere Techniken auszuführen.
In der Capoeira verlangten bestimmte Übungen plötzlich etwas völlig anderes von ihnen:
Sie mussten meinen Körper tragen.
Ich musste lernen, mich über die Hände abzustützen, das Gewicht durch die Arme und Schultern zu übertragen und dabei die Beine frei zu bewegen.
Mein Capoeira-Meister sagte damals zu mir:
„Mike, nutze deine Arme wie die Beine beim Karate, um das Gleichgewicht zu finden. Denk dran, die Arme müssen deinen Körper tragen.“
Ich verstand diese Worte nicht sofort.
Erst mit der Zeit erkannte ich ihre wirkliche Bedeutung.
🥋 DIE ARME SIND NICHT NUR WAFFEN
Durch das Capoeira-Training begann ich, meinen Körper aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Die Brustmuskulatur, die Schultern, die Rhomboiden zwischen den Schulterblättern und die Rotatorenmanschette mussten zusammenarbeiten, um mich bei den Stützbewegungen zu stabilisieren.
Ich empfand dieses Training als eine außerordentlich wohltuende Ergänzung zum Karate.
Meine Kraftausdauer entwickelte sich so, dass ich nach dem Capoeira-Training noch 60 Liegestütze ausführen konnte, ohne mich dabei besonders erschöpft zu fühlen.
Aber die wichtigste Erkenntnis lag nicht in der Zahl 60.
Sie lag in der Veränderung meines Körperverständnisses.
Nicht der einzelne Muskel entscheidet über eine gute Bewegung. Entscheidend ist, wie der gesamte Körper zusammenarbeitet.
☯️ RIN DŌ SHINZEN – DIE WAHRHEIT DER KREISE
Viele Jahre später begann ich, diese Erfahrungen immer bewusster mit meiner eigenen Trainingsmethodik zu verbinden.
Mit Rin Dō Shinzen.
Mit der Bedeutung der Kreise.
Mit der Verbindung zwischen Bewegung, Gleichgewicht, Körpermitte und Kraftübertragung.
Eine Bewegung entsteht nicht allein in der Faust.
Sie beginnt auch nicht einfach nur in der Schulter.
Wir müssen verstehen, wie die Füße den Boden nutzen, wie die Beine arbeiten, wie sich das Becken ausrichtet, wie der Rumpf stabilisiert und wie die Bewegung schließlich in den Armen ankommt.
Und in der Capoeira kann dieselbe Verbindung in einer anderen Richtung arbeiten:
Von den Händen über die Arme und Schultern zum Rumpf, während die Beine sich bewegen.
Die Funktion verändert sich. Die Notwendigkeit einer zusammenhängenden Körperstruktur bleibt.
🔨 TETSU NO KOSHI – DIE KRAFT DER VERBINDUNG
In unserer Bärenschmiede arbeiten wir mit dem Prinzip TETSU NO KOSHI – 鉄の腰, der eisernen Hüfte.
Dabei geht es mir nicht darum, die Hüfte einfach möglichst stark zu drehen.
Es geht um ihre kontrollierte Einbindung in die Bewegung des gesamten Körpers.
Die Hüfte verbindet Oberkörper und Unterkörper.
Sie beeinflusst die Gewichtsverlagerung, die Ausrichtung des Rumpfes und die Übertragung von Kräften.
Dazu kommt unser TANDEN (丹田) – die im traditionellen japanischen Körperverständnis beschriebene Körpermitte, die wir im Training als Orientierung für Haltung, Atmung und Bewegungskoordination nutzen.
Kurze Technik oder lange Technik.
Fauststoß oder Stützbewegung.
Karate oder Capoeira.
Für mich steht immer dieselbe Frage im Mittelpunkt:
Arbeitet mein ganzer Körper zusammen – oder versuche ich, die Bewegung mit einem einzelnen Körperteil zu erzwingen?
🐻 2026 – EIN JUNGER SCHÜLER STELLT MIR EINE FRAGE
Heute, während unseres zweistündigen Seminars, fragte mich ein junger Mann:
„Woher hast du diese Kondition? Wie kannst du zwei Stunden ununterbrochen mit allen trainieren und dabei noch so schnell sein?“
Meine Antwort war einfach:
„ARBEITE!“
Arbeite mit deinem eigenen Körper.
Suche die kurzen Wege.
Verstehe die langen Bewegungen.
Entwickle Präzision.
Arbeite nicht nur mit deiner Faust.
Denke an deine Mitte.
An dein Tanden.
An dein Tetsu no Koshi.
Denn eine Faust allein macht noch keine vollständige Karatetechnik.
Und ein starker Arm allein macht noch keine gute Capoeira-Bewegung.
Es geht um die Präzision der Körpermechanik.
🥋 47 JAHRE KARATE – UND ICH LERNE WEITER
Ich trainiere seit 1980 Karate.
47 Jahre Kampfkunst auf meinem Lebensweg.
Und trotzdem erinnere ich mich heute an die Worte eines Capoeira-Meisters aus Salvador.
An eine Bewegung, die ich damals nicht sofort beherrschte.
An meine Arme, die lernen mussten, meinen Körper zu tragen.
Manchmal ist gerade das, was uns zunächst schwerfällt, der Beginn einer Erkenntnis, die uns ein ganzes Leben begleitet.
Ich trainiere nicht, um jünger zu erscheinen.
Ich trainiere, weil ich meinen Körper verstehen, erhalten und weiterentwickeln möchte.
Der Grad ist eine Station.
Die Erfahrung ist der Weg.
Das Vermächtnis ist das, was bleibt.
FROM BAHIA TO THE BEAR FORGE.
ONE BODY · ONE CENTER · ONE MOVEMENT.
DIFFERENT MASTERS. DIFFERENT STYLES. ONE SPIRIT.
RESEARCH · PRACTICE · PRESERVE · PASS IT ON.
THE WAY NEVER ENDS.
Renshi Mike Stein · 6th Dan Karate-Dō
RIN DŌ SHINZEN – BÄRENSCHMIEDE DŌJŌ
INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION
OSU! 🐻🥋🇧🇷
