🇯🇵🇬🇧 KANAZAWA’S SEVEN SAMURAI
THE STORY BEHIND THE NAME
HIROKAZU KANAZAWA · EDDIE WHITCHER · MICK PEACHEY · WILL MANNION · NICHOLAS ADAMOU · CHRISTOPHER ADAMOU · MICHAEL RANDALL
GREAT BRITAIN · 1965–1968 · JKA · SHOTOKAN · FIRST GENERATION · TRANSMISSION · LEGACY
Manchmal beginnt historische Recherche mit einem Namen.
Man liest ihn.
Man glaubt zunächst zu verstehen, was damit gemeint ist.
Und dann findet man eine Quelle, die plötzlich die gesamte Interpretation verändert.
Genau das ist uns bei der Recherche über die frühen Jahre des japanischen Karate in Großbritannien passiert.
Wir stießen auf den Begriff:
KANAZAWA’S SEVEN SAMURAI
Unsere erste Vermutung lag eigentlich nahe:
Waren damit vielleicht sieben japanische Instruktoren gemeint, die von der Japan Karate Association nach Großbritannien oder Europa entsandt worden waren?
Doch dann fanden wir ein Interview mit einem Mann, der es wissen musste.
Denn er war selbst einer von ihnen:
Michael „Mick“ Randall.
Und seine Antwort verändert die Geschichte entscheidend.
🇯🇵🇬🇧 1965 – DIE JKA KOMMT NACH GROSSBRITANNIEN
Um die „Seven Samurai“ zu verstehen, müssen wir zurück in die Mitte der 1960er-Jahre.
Das britische Karate befand sich noch in einer frühen Aufbauphase.
Menschen wie Vernon Bell hatten bereits wichtige Grundlagen geschaffen. Junge britische Karateka trainierten unter Bedingungen, die mit der heutigen Dōjō-Landschaft kaum vergleichbar waren.
Michael Randall erinnerte sich später daran, dass er Ende 1963 gemeinsam mit Ray Fuller Kontakt zu Bells Karategruppe aufnahm und im Januar 1964 mit dem Training begann.
Das Training fand über dem Horseshoe Pub in Clerkenwell Close in London statt.
Randall schilderte Bell als streng. Bevor die beiden überhaupt mittrainieren durften, mussten sie zunächst zweimal beim Training zuschauen. Später begegnete Randall frühen japanischen Lehrern wie Hiroo Mochizuki und Tetsuji Murakami. (steverowecom)
Dann kam das Jahr 1965.
Mit Taiji Kase, Hirokazu Kanazawa, Keinosuke Enoeda und Hiroshi Shirai erreichte eine Gruppe hochkarätiger JKA-Instruktoren Großbritannien.
Randall war bei den frühen Demonstrationen und beim Training dieser Generation dabei.
Nach seiner Erinnerung veränderte sich damit auch das technische Training. Die japanischen JKA-Instruktoren beeinflussten unter anderem Stände, Hüfteinsatz und die technische Ausführung dessen, was sich zum modernen Shotokan entwickelte. Besonders Kanazawas Präzision und sein detaillierter Unterricht hinterließen bei Randall einen nachhaltigen Eindruck. (steverowecom)
Von den vier Instruktoren blieb Hirokazu Kanazawa zunächst in Großbritannien.
Und um ihn herum entstand etwas Besonderes.
🥋 DIE FRAGE IM INTERVIEW
Im Jahr 2003 führte Steve Rowe ein ausführliches Interview mit Mick Randall.
Mitten in diesem Gespräch stellte Rowe eine scheinbar einfache Frage:
Wer waren Kanazawas „Seven Samurai“?
Randalls Antwort ist für unsere Recherche der entscheidende historische Punkt.
Er erklärte, dass es sich um sieben Personen aus dem engen Kreis um Kanazawa handelte. Sie folgten ihrem Sensei, trainierten und verbrachten auch außerhalb des Dōjō Zeit miteinander. Es wurde sogar ein eigenes Abzeichen angefertigt, das sie nach Kanazawas Wunsch auf ihren Karate-Blazern tragen sollten. (steverowecom)
Und dann nennt Randall die Namen:
THE SEVEN SAMURAI
HIROKAZU KANAZAWA
EDDIE WHITCHER
MICK PEACHEY
WILL MANNION
NICHOLAS ADAMOU
CHRISTOPHER ADAMOU
MICHAEL RANDALL
Damit war unsere ursprüngliche Vermutung widerlegt.
Die „Seven Samurai“ waren NICHT sieben japanische JKA-Instruktoren.
Es war:
KANAZAWA + SIX MEN FROM HIS BRITISH CIRCLE

Ein japanischer Meister.
Sechs Männer aus der frühen britischen Karate-Generation.
Und genau deshalb wird diese Geschichte für unsere Karate-Chronicle noch interessanter.
🇯🇵 → 🇬🇧 DER LEHRER UND DIE ERSTE GENERATION
Denn plötzlich sehen wir in diesen sieben Menschen etwas Größeres.
Hier begegnen sich zwei Generationen und zwei Welten.
Kanazawa brachte Wissen und Erfahrung aus Japan nach Großbritannien.
Die britischen Karateka trainierten mit ihm.
Sie beobachteten.
Sie wiederholten.
Sie lernten.
Und irgendwann wurden sie selbst zu Lehrern und Trägern dieser Entwicklung.
Die heutige SHOTO-Genealogie bestätigt ausdrücklich, dass Kanazawa während seiner britischen Zeit von 1965 bis 1968 einer der „Seven Samurai“ war und nennt dieselben sechs britischen Mitglieder: Michael Randall, Eddie Whitcher, Nick und Chris Adamou, Will Mannion und Mick Peachey. (SHOTO)
Damit können wir diese Bezeichnung heute wesentlich besser einordnen:
Sie beschreibt nicht die japanische Instruktorengruppe, die nach Großbritannien kam.
Sie beschreibt einen engen Kreis, der um Kanazawa in Großbritannien entstand.
👊 MEHR ALS NUR GEMEINSAMES TRAINING
Besonders schön ist, dass Randall im Interview nicht nur Namen nennt.
Er beschreibt auch das menschliche Umfeld.
Die Gruppe trainierte gemeinsam und verbrachte auch außerhalb des Dōjō Zeit miteinander. Wenn japanische Karateka zu Besuch waren, gingen sie nach Randalls Erinnerung häufig gemeinsam in chinesische Restaurants essen – japanische Restaurants seien damals in ihrer Umgebung kaum vorhanden gewesen. (steverowecom)
Das mag wie ein kleines Detail erscheinen.
Für unsere Art der Geschichtsforschung ist es aber genau das Gegenteil.
Denn plötzlich sehen wir nicht mehr nur:
JKA · KUGB · DAN-GRADE · ORGANISATIONEN · JAHRESZAHLEN
Wir sehen Menschen.
Menschen, die gemeinsam trainierten.
Menschen, die nach dem Training zusammensaßen.
Menschen, die miteinander aßen.
Menschen, die ihren Lehrer begleiteten.
Und Menschen, die in einer Zeit Karate aufbauten, in der niemand wissen konnte, wie groß diese Bewegung Jahrzehnte später einmal werden würde.
Geschichte entsteht nicht nur bei Prüfungen und Meisterschaften.
Manchmal entsteht sie nach dem Training an einem Restauranttisch.
🥋 MICHAEL „MICK“ RANDALL
Randall ist für unsere Recherche besonders wertvoll, weil seine Erinnerung uns den Schlüssel zu dieser Geschichte gegeben hat.
Er wurde 1944 geboren und begann Anfang 1964 sein Karate-Training im Umfeld von Vernon Bell.
Er trainierte später intensiv unter Kanazawa und bezeichnete sich rückblickend als Teil dieses engen Kreises.
Am 6. Januar 1967 bestand Randall nach seiner eigenen Erinnerung seine Schwarzgurtprüfung. Interessanterweise weist er im Interview darauf hin, dass das Datum auf seinem Zertifikat nicht dem tatsächlichen Prüfungstag entsprach – ein kleines, aber für historische Recherche sehr wertvolles Detail. (steverowecom)
SHOTO beschreibt ihn als einen der ursprünglichen Schüler Kanazawas, der nahezu täglich mit ihm trainierte. 2003 erhielt Randall für seine Verdienste um Karate den MBE. Er starb am 10. Juni 2020. (SHOTO)
Seine Erinnerung bewahrte Jahrzehnte später die Geschichte der „Seven Samurai“.
🥋 EDDIE WHITCHER
Auch Eddie Whitcher (1941–1990) verdient innerhalb dieser Geschichte besondere Aufmerksamkeit.
Er begann nach der SHOTO-Chronik 1963 in Vernon Bells Dōjō in Upminster mit Karate und war bereits 1964 zusammen mit Randall in einem frühen britischen Karatefilm zu sehen.
Als die JKA-Instruktoren Großbritannien bereisten, gehörte Whitcher zu den britischen Schülern, die für Demonstrationen ausgewählt wurden.
Und auch er gehörte zu Kanazawas „Seven Samurai“. (SHOTO)
Sein Weg führte anschließend noch weiter:
1967 reiste Whitcher gemeinsam mit Mick Peachey nach Japan.
Damit begegnen wir erneut dem Mechanismus, der sich durch unsere gesamte Recherche zieht.
Zunächst kam das Wissen:
JAPAN → GREAT BRITAIN
Dann gingen britische Schüler selbst nach Japan:
GREAT BRITAIN → JAPAN
Und anschließend brachten sie ihre Erfahrungen wieder zurück.
Whitcher und Peachey erhielten während ihres Aufenthalts sogar Zugang zum Umfeld des JKA-Instruktorentrainings – ein Kapitel, das wir später noch separat untersuchen sollten. (SHOTO)
🥋 NICHOLAS UND CHRISTOPHER ADAMOU
Auch die Brüder Nicholas und Christopher Adamou gehörten zu diesem Kreis.
Nicholas Adamous eigene Organisation dokumentiert seinen Einstieg in das Karate im Dezember 1964 bei der British Karate-do Federation unter Vernon Bell.
Seine spätere Graduierungslinie unter Kanazawa ist außergewöhnlich gut dokumentiert:
1967 – SHODAN
1971 – NIDAN
1973 – SANDAN
1978 – YONDAN
1983 – GODAN
Gerade diese Quelle war für unsere Recherche wichtig, weil sie uns gleichzeitig geholfen hat, eine andere vermeintliche historische Spur zu korrigieren.
Wir hatten zunächst einen möglichen gemeinsamen Nidan-Termin von Randall und den Adamou-Brüdern am 11. September 1970 untersucht.
Doch Nicholas Adamous eigene Chronologie nennt seinen Nidan ausdrücklich für Januar 1971.
Damit war klar:
Eine attraktive Geschichte ist noch keine belegte Geschichte.
Und genau deshalb recherchieren wir.
Die historischen Fotografien der IASK zeigen außerdem Nicholas Adamou, Christopher Adamou, Mick Randall und Kanazawa gemeinsam und dokumentieren damit auch visuell die persönlichen Verbindungen dieser frühen Generation. (karate-iask.com)
Nicholas Adamou blieb Kanazawa über viele Jahre eng verbunden. Seine eigene Organisation beschreibt ihn als Kanazawa-Schüler von 1965 bis 1989; später war er auch Mitautor zweier Bücher mit Kanazawa. (karate-iask.com)
🥋 MICK PEACHEY UND WILL MANNION
Mick Peachey und Will Mannion vervollständigen die sieben Namen.
Über Peachey haben wir bereits eine wichtige Spur:
Er reiste 1967 gemeinsam mit Eddie Whitcher nach Japan, und die SHOTO-Chronik berichtet, dass Kanazawa Anfang 1968 darum bat, dass Whitcher und Peachey am JKA-Instruktorentraining teilnehmen sollten. (SHOTO)
Über Will Mannion haben wir bislang deutlich weniger belastbares biografisches Material gefunden.
Und genau deshalb werden wir an dieser Stelle nichts erfinden.
Sein Name ist durch Randall und die SHOTO-Genealogie als einer der „Seven Samurai“ dokumentiert. (steverowecom)
Seine weitere Geschichte bleibt für uns:
EINE OFFENE SPUR.
Vielleicht finden wir alte Ergebnislisten.
Vielleicht ein Dōjō.
Vielleicht ein Interview.
Vielleicht einen Schüler.
Vielleicht ein altes Foto mit einer Beschriftung.
So funktioniert unsere Chronicle.
Ein Name ist manchmal nicht das Ende einer Recherche.
Er ist ihr Anfang.
🎬 UND WAS IST MIT KUROSAWAS „SEVEN SAMURAI“?
Natürlich drängt sich bei diesem Namen eine weitere Frage auf.
Akira Kurosawas „Seven Samurai“ – 七人の侍 – erschien 1954.
Der Film wurde zu einem der international bekanntesten Werke des japanischen Kinos und erzählt von sieben Samurai, die gemeinsam eine Aufgabe übernehmen.
Der Name „Seven Samurai“ im Umfeld Kanazawas erinnert deshalb unweigerlich an Kurosawas berühmten Film.
Aber hier müssen wir genau das tun, was gute historische Recherche verlangt:
Assoziation und Beleg voneinander trennen.
Wir haben bislang keine belastbare Quelle gefunden, in der Kanazawa oder Randall ausdrücklich erklären, dass der Name der Gruppe nach Kurosawas Film gewählt wurde.
Deshalb schreiben wir nicht:
„Die Gruppe wurde nach Kurosawas Film benannt.“
Wir schreiben:
Der Name erinnert unweigerlich an Kurosawas berühmten Film von 1954 – eine direkte Namensgebung danach konnten wir bislang jedoch nicht dokumentarisch belegen.
Das ist ein kleiner Unterschied im Satz.
Aber ein großer Unterschied in historischer Arbeit.
🇯🇵🇬🇧 WAS DIE „SEVEN SAMURAI“ FÜR UNSERE CHRONICLE BEDEUTEN
Je länger wir diese Geschichte untersuchen, desto deutlicher wird:
Die Bedeutung der „Seven Samurai“ liegt nicht darin, dass sieben berühmte Namen nebeneinanderstehen.
Ihre Bedeutung liegt in der Transmission.
Ein japanischer Lehrer kommt nach Großbritannien.
Menschen beginnen intensiv bei ihm zu trainieren.
Ein enger Kreis entsteht.
Diese Schüler entwickeln sich weiter.
Einige reisen selbst nach Japan.
Sie gründen Dōjō.
Sie werden Lehrer.
Sie bilden wiederum Schüler aus.
Organisationen entstehen.
Organisationen verändern sich.
Wege trennen sich.
Neue Linien entstehen.
Aber etwas wird weitergetragen.
JAPAN → KANAZAWA → BRITISH STUDENTS → TEACHERS → NEXT GENERATION
Und plötzlich verstehen wir, warum diese kleine Geschichte viel größer ist als ein Spitzname.
Sie zeigt uns einen Moment, in dem japanisches Shotokan auf britischem Boden Wurzeln schlug.
🇩🇪 1968 – DER WEG VERZWEIGT SICH
Und dann kommt ein Moment, der uns später zu einem weiteren Kapitel führen wird.
1968 verließ Kanazawa Großbritannien und ging nach Westdeutschland.
In Großbritannien setzte sich die Geschichte mit Keinosuke Enoeda fort.
Kanazawas eigener Weg führte auf dem europäischen Kontinent weiter. (SHOTO)
Damit verzweigt sich unsere Recherche:
GREAT BRITAIN → ENOEDA → NEXT GENERATION
und
KANAZAWA → WEST GERMANY → EUROPE
Die deutsche Geschichte werden wir später separat untersuchen.
Denn auch dort wollen wir wieder fragen:
Wer waren die Menschen?
Wo wurde trainiert?
Wer lernte von wem?
Welche Spuren sind geblieben?
🔎 WAS UNS DIESE RECHERCHE GELEHRT HAT
Wir begannen mit einer Vermutung.
„Seven Samurai“ – vielleicht sieben japanische Instruktoren?
Dann fanden wir das Interview mit Michael Randall.
Und plötzlich lagen sieben andere Namen vor uns.
Diese sieben Namen führten zu weiteren Quellen.
Zu Eddie Whitcher.
Zu Mick Peachey.
Zu Nicholas und Christopher Adamou.
Zu Will Mannion.
Zu alten Fotografien.
Zu Dan-Chronologien.
Zu Reisen nach Japan.
Und schließlich zu einer ganzen Generation britischer Karate-Pioniere.
Genau deshalb sagen wir in unserer Bärenschmiede:
**EIN PUNKT KANN EINE SPUR ÖFFNEN.
ABER ERST DIE VERBINDUNG DER PUNKTE ZEIGT UNS DIE GESCHICHTE.**
Recherche ist manchmal wie unsere Arbeit im Karate.
Anschauen.
Prüfen.
Vergleichen.
Noch einmal prüfen.
Eine Vermutung verwerfen.
Eine neue Verbindung erkennen.
Und weiterforschen.
🇯🇵🇬🇧 KANAZAWA’S SEVEN SAMURAI
HIROKAZU KANAZAWA
EDDIE WHITCHER
MICK PEACHEY
WILL MANNION
NICHOLAS ADAMOU
CHRISTOPHER ADAMOU
MICHAEL RANDALL
NOT SEVEN JAPANESE INSTRUCTORS.
ONE JAPANESE MASTER AND SIX MEN OF HIS BRITISH CIRCLE.
1965–1968.
Eine kleine Gruppe in den frühen Jahren des britischen Shotokan.
Doch hinter ihren Namen liegt eine viel größere Geschichte:
JAPAN → GREAT BRITAIN
TEACHER → STUDENTS
TRAINING → EXPERIENCE
EXPERIENCE → RESPONSIBILITY
RESPONSIBILITY → TRANSMISSION
TRANSMISSION → LEGACY
Die „Seven Samurai“ erzählen uns nicht nur etwas über Hirokazu Kanazawa.
Sie erzählen von jener Generation, die dabei war, als japanisches Karate in Großbritannien Wurzeln schlug.
Und genau diese Menschen wollen wir in unserer KARATE-DŌ · BUDŌ CHRONICLE wieder sichtbar machen.
Nicht nur die Namen, die jeder kennt.
Sondern auch jene Menschen, ohne die unsere Karategeschichte nicht dieselbe wäre.
PRESERVE THE HISTORY.
HONOR THE MASTERS.
REMEMBER THE FORGOTTEN.
RESEARCH YOUR KARATE.
CONNECT THE POINTS.
PASS ON THE KNOWLEDGE.
KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.
THE WAY NEVER ENDS.
OSU! 🥋🙏🇯🇵🇬🇧
