

🥋 BUDŌ-KALENDER · 1. OKTOBER 2026
🇯🇵 EIN TAG, DER DIE MODERNE KARATE-GESCHICHTE MITGEPRÄGT HAT
Guten Morgen, Freunde und Weggefährten der Bärenschmiede und der INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA!
Mit dem 1. Oktober beginnt nicht nur ein neuer Monat.
Unser heutiger Budō-Kalender führt uns mitten hinein in eine entscheidende Phase der modernen japanischen Karate-Geschichte.
🇯🇵 1. OKTOBER 1964
GRÜNDUNG DER JAPAN KARATE FEDERATION – JKF
Am 1. Oktober 1964 wurde die Japan Karate Federation – 全日本空手道連盟 gegründet.
Damit entstand eine nationale Struktur, unter deren Dach unterschiedliche große Karate-Strömungen zusammengeführt werden konnten. Die Entwicklung des japanischen Karate sollte fortan nicht mehr ausschließlich innerhalb einzelner Schulen und Organisationen stattfinden, sondern zunehmend auch auf einer gemeinsamen nationalen Ebene. Die JKF selbst führt den 1. Oktober 1964 als ihr Gründungsdatum.
Doch Organisationen entstehen nicht aus dem Nichts.
Hinter ihnen stehen Menschen, Lehrer, Schulen und jahrzehntelange Überlieferung.
Und genau deshalb schauen wir heute nicht nur auf drei Buchstaben:
JKF.
Wir schauen auf die Meister und Generationen, die hinter dieser Entwicklung standen.
Gōjū-ryū.
Wadō-ryū.
Shotokan.
Shitō-ryū.
Unterschiedliche Linien – und dennoch die gemeinsame Aufgabe, Karate weiterzugeben und eine Struktur für seine Zukunft zu schaffen.
Gerade die Geschichte des Shitō-ryū öffnet uns heute eine besonders interessante Tür.
Wir begegnen dabei Kenwa Mabuni und der nachfolgenden Generation um Kenei Mabuni und Manzō Iwata. Die offizielle Geschichte der JKF Shitō-kai dokumentiert Iwatas wichtige Rolle beim Aufbau in Ostjapan und nennt für die Neuorganisation von 1964 weitere Persönlichkeiten, deren Lebenswege wir noch genauer untersuchen werden.
Und damit macht unser Budō-Kalender wieder genau das, wofür wir ihn geschaffen haben:
Ein Datum führt zu einem Ereignis.
Das Ereignis führt zu Menschen.
Die Menschen führen zu ihren Lehrern.
Und ihre Lehrer führen uns tiefer in die Geschichte des Karate.
🇯🇵 1. OKTOBER 1970
FIRST WORLD KARATE CHAMPIONSHIPS · TOKYO
Nur sechs Jahre später finden wir am gleichen Kalendertag den nächsten Meilenstein.
Am 1. Oktober 1970 begann im Nippon Budōkan in Tokio die erste Karate-Weltmeisterschaft.
Die offizielle JKF-Chronik führt auch dieses Ereignis unter dem 1. Oktober.
1964 → ORGANISATION
1970 → WELTMEISTERSCHAFT
Nur sechs Jahre liegen zwischen diesen beiden Daten.
Das zeigt, mit welcher Geschwindigkeit sich Karate in dieser Epoche von seinen japanischen und okinawanischen Wurzeln zu einer international organisierten Kampfkunst und schließlich auch zu einem weltweiten Wettkampfsport entwickelte.
Doch für die Bärenschmiede endet die Geschichte nicht beim Wettkampf.
Uns interessieren ebenso die Lehrer, technischen Entwicklungen, Kata, Bunkai, Kobudō- und Budō-Verbindungen und die Übertragung des Wissens von einer Generation zur nächsten.
Und bereits unsere erste Recherche hat wieder einen Meister hervorgebracht, dem wir einen eigenen Platz geben werden:
🇯🇵 MANZŌ IWATA · 岩田万蔵
1924–1993
Schüler von Kenwa Mabuni, bedeutender Vertreter des Shitō-ryū in Ostjapan und Vater und Lehrer von Genzō Iwata, der diese Linie bis in unsere Gegenwart weiterführt.
Gerade Manzō Iwatas Verbindung von Karate mit weiteren klassischen Budō- und Bujutsu-Traditionen macht ihn für unsere historische Forschung besonders interessant.
Seine Geschichte werden wir gesondert erzählen.
Und bereits am 6. Oktober wartet der nächste Eintrag auf unseren Kalender:
🇯🇵 GENZŌ IWATA · 岩田源三
BORN 6 OCTOBER 1958
Sohn und Schüler Manzō Iwatas – und damit eine lebendige Verbindung zwischen jener Generation, die das japanische Karate des 20. Jahrhunderts formte, und dem Karate unserer Gegenwart. Die offizielle JKF-Shitō-kai-Biografie bestätigt Geburtsdatum und Lehrer-Schüler-Verhältnis.
🐻 WAS UNS DER HEUTIGE KALENDER ZEIGT
Geschichte besteht nicht nur aus Jahreszahlen.
Sie besteht aus Menschen und Übertragung.
TEACHER → STUDENT → EXPERIENCE → RESPONSIBILITY → TRANSMISSION → LEGACY
Und manchmal genügt ein einziges Datum, um eine ganze Tür zu öffnen.
Heute ist so ein Tag.
Wir werden deshalb im Laufe des Tages tiefer graben – nach den Gründern, Lehrern, Pionieren und vielleicht fast vergessenen Meistern hinter der frühen JKF.
Denn unser Budō-Kalender soll nicht einfach Geburtstage und Jahrestage sammeln.
Er soll Zusammenhänge sichtbar machen.
Die Geschichte bewahren.
Die Meister ehren.
Die Zusammenhänge verstehen.
Das Wissen weitergeben.
Und während wir forschen, wird natürlich weiter trainiert.
Denn unsere wichtigste Quelle bleibt am Ende die eigene Erfahrung auf der Tatami.
Vom rohen Eisen zur lebenden Klinge. 🔨
KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.
PRESERVE THE HISTORY.
HONOR THE MASTERS.
PASS ON THE KNOWLEDGE.
THE WAY NEVER ENDS.
OSU, Freunde und Weggefährten! 🐻🥋🇯🇵
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RESEARCH · PRACTICE · PRESERVE · PASS IT ON
Renshi Mike Stein · 6th Dan
Kampfkunstpraktiker · Forscher · Kampfkunsthistoriker
Autor & Publizist
Rin Dō Shinzen · Bärenschmiede Dōjō · IRDSBA


🥋 BUDŌ-KALENDER – 8. SEPTEMBER
BUDŌ – WENN DER WEG IN DER FAMILIE WEITERLEBT
Am 8. September 1939 wurde in London Tomio Otani geboren.
Manche Geschichten des Budō beginnen nicht mit einer Meisterschaft, einer Graduierung oder der Gründung eines Verbandes.
Sie beginnen zu Hause.
Mit einem Vater, der seinem Sohn etwas zeigt.
Mit einem Kind, das beobachtet.
Mit einer Familie, in der Kampfkunst nicht nur trainiert, sondern gelebt wird.
Die Geschichte von Tomio Otani ist eine solche Geschichte.
Und sie führt uns zu einem Gedanken, der weit über einen einzelnen Meister hinausgeht:
Wie wird Budō von einer Generation an die nächste weitergegeben?
🥋 DIE FAMILIE ALS ERSTES DŌJŌ

Tomio Otani wurde am 8. September 1939 in London als Sohn von Masutaro Otani geboren, einer wichtigen Persönlichkeit in der Entwicklung des britischen Judō.
Damit begegnete Tomio dem Budō nicht erst irgendwann als Erwachsener.
Er wuchs damit auf.
Sein Vater war Judō-Lehrer, und auch sein Bruder Robin Otani schlug einen langen Budō-Weg ein und wurde später eine bedeutende Persönlichkeit des britischen Judō.
Aus dem Weg eines Vaters wurden die Wege seiner Söhne.
Diese Form der Weitergabe begegnet uns immer wieder in der Geschichte der Kampfkünste.
Gerade auf Okinawa finden wir Familien, in denen Kampfkunst und Wissen über Generationen weitergegeben wurden. Ein besonders bekanntes Beispiel ist die Familie Uechi: Kanbun Uechi gab sein Wissen an seinen Sohn Kanei Uechi weiter; die Tradition wurde anschließend in weiteren Generationen der Familie fortgeführt. Auch die Motobu-Familie steht für eine lange Verbindung von Familie, Überlieferung und Kampfkunst.
Dabei dürfen wir uns diese Weitergabe nicht immer wie ein modernes Unterrichtssystem vorstellen.
Wissen wurde bewahrt, vorgelebt, beobachtet, wiederholt und weiterentwickelt.
Der Vater gab nicht nur Techniken weiter.
Er gab Erfahrung weiter.
⚔️ TOMIO OTANI UND KENSHIRO ABBE
Tomios Weg blieb jedoch nicht auf das Judō seines Vaters beschränkt.
Als der große japanische Budō-Lehrer Kenshiro Abbe Mitte der 1950er-Jahre nach Großbritannien kam, entstand eine enge Verbindung zur Familie Otani. Tomio trainierte unter Abbe und beschäftigte sich neben Judō intensiv mit weiteren japanischen Budō-Wegen, insbesondere mit Kendō.
Später wurde er selbst zu einer wichtigen Persönlichkeit beim Aufbau und bei der Vermittlung des Kendō in Großbritannien.
Damit geschieht etwas, das wir in der Geschichte des Budō immer wieder beobachten können:
Die nächste Generation übernimmt nicht einfach eine Kopie.
Sie bekommt ein Fundament.
Sie begegnet neuen Lehrern.
Sie sammelt eigene Erfahrungen.
Und daraus entwickelt sich ihr eigener Weg.
🥋 DER SENSEI GIBT KEINE BEFEHLE
Und hier wird unser heutiger Kalendereintrag besonders interessant.
Wir haben einen historischen englischsprachigen Text vorliegen, der ausdrücklich mit
“COMMENTARY: By Otani Tomio”
gekennzeichnet ist.
Darin beschreibt Otani seine Vorstellung davon, was ein Sensei eigentlich sein sollte.
Ein Lehrer sei nicht einfach jemand, der das Kommando übernimmt und Befehle erteilt.
Otani erklärt Sensei sinngemäß als denjenigen, der bereits vorausgegangen ist.
Der Erfahrenere soll deshalb nicht durch Macht führen.
Er soll durch sein Beispiel führen.
Zwischen Lehrer und Schüler sollten Respekt und Zusammenarbeit bestehen.
Und dann schreibt Otani einen Satz, der auch heute noch bemerkenswert aktuell klingt:
“Respect is not a right determined by rank, or grade…”
Respekt ist für ihn also kein automatisches Recht, das sich aus Rang oder Graduierung ergibt.
Er entsteht durch das Verhalten des Lehrers und die ernsthafte Arbeit des Schülers.
Was für ein Gedanke.
Gerade in einer Welt, in der wir manchmal zuerst auf Gürtel, Titel, Dan-Zahlen und Funktionen schauen.
Der Gürtel kann einen Grad zeigen.
Aber er kann keinen Respekt erzwingen.
🙏 REISHIKI – MEHR ALS ZEREMONIE
Otani spricht in diesem Text auch über Reishiki, die Etikette und das angemessene Verhalten im Dōjō.
Interessanterweise beschreibt er ein gutes Dōjō keineswegs als einen Ort, an dem niemand lachen darf und militärischer Gehorsam herrscht.
Im Gegenteil.
Er schreibt, dass im Dōjō durchaus gesprochen, gescherzt und gelacht werden könne.
Entscheidend sei, dass man versteht, welches Verhalten der jeweiligen Situation angemessen ist.
Etikette ist damit mehr als eine äußere Zeremonie.
Verbeugen allein macht noch keinen Budōka.
Reishiki beginnt mit der inneren Haltung.
Auch die auf dem historischen Dokument festgehaltenen Regeln sind erstaunlich bodenständig:
Sauberkeit des Körpers und der Trainingskleidung, gepflegte Hände und Füße, Maßhalten beim Essen und Trinken, Ordnung im Dōjō – und die klare Forderung, Budō-Techniken außerhalb des Dōjō nur in äußerster Notwendigkeit zur Selbstverteidigung oder zum Schutz Schwächerer einzusetzen.
Das ist Budō nicht als Show.
Sondern als Verantwortung.
🏯 WO BUDŌ IST, KANN DŌJŌ SEIN
Und am Ende seines Kommentars formuliert Tomio Otani einen Gedanken, der wunderbar zu unserem heutigen Thema passt.
Sinngemäß schreibt er:
Jeder Ort, an dem Budō stattfindet, wird seinem Geist nach zu einem Dōjō.
Das ist stark.
Denn damit verlassen wir die vier Wände der Trainingshalle.
Das Dōjō ist nicht nur Tatami, Makiwara, Shinai oder Kamiza.
Dōjō ist auch Haltung.
Und vielleicht kann deshalb auch eine Familie zu einem kleinen Dōjō werden.
Nicht, weil morgens alle im Seiza am Küchentisch sitzen müssen. 😉
Sondern weil Werte weitergegeben werden:
Respekt.
Disziplin.
Bescheidenheit.
Verantwortung.
Ausdauer.
Vorbild.
👨👩👦 BUDŌ LEBT IN FAMILIEN WEITER
Und genau deshalb ist die Geschichte Tomio Otanis heute mehr als eine Geburtstagsnotiz.
Von Masutaro Otani zu seinen Söhnen.
Von Kanbun Uechi zu Kanei Uechi und den folgenden Generationen.
Von alten okinawanischen Familien bis zu heutigen Karate-Familien überall auf der Welt.
Die Namen verändern sich.
Die Stile verändern sich.
Die Länder verändern sich.
Aber ein Prinzip bleibt:
**Eine Generation empfängt.
Eine Generation lernt.
Eine Generation entwickelt.
Eine Generation gibt weiter.**
Und manchmal erleben wir diese Geschichte unmittelbar vor unseren eigenen Augen.
Erst heute berichtete uns der deutsche Karate-Pionier Bernd Hinschberger selbst voller Dankbarkeit von seinem Beginn im Frühjahr 1964 und von seinen Lehrern Kanazawa Sensei, Shirai Sensei und besonders Ochi Sensei.
Doch dann schrieb er etwas, das wunderbar zu unserem heutigen 8. September passt.
Er sei stolz darauf, dass auch seine Frau Petra, langjähriges Mitglied des DKV-National-Katateams, und sein Sohn Marcus, heute Karatelehrer in Sacramento/USA, als Lehrer der Kampfkunst den Weg weiterführen.
Was für eine schöne Verbindung.
Otani-Familie.
Uechi-Familie.
Hinschberger-Familie.
Andere Zeiten.
Andere Länder.
Andere Budō-Wege.
Aber immer wieder derselbe Gedanke:
DER WEG WIRD WEITERGEGEBEN.
Vielleicht ist das eines der größten Vermächtnisse eines Sensei.
Nicht wie viele Pokale irgendwann in seinem Schrank stehen.
Nicht wie viele Urkunden an seiner Wand hängen.
Nicht welche Zahl hinter seinem Dan steht.
Sondern ob irgendwann ein anderer Mensch die Tür zum Dōjō öffnet und den Weg weitergeht.
Der Sohn muss dabei nicht zum Vater werden.
Die Tochter muss nicht zur Mutter werden.
Der Schüler muss keine Kopie seines Sensei sein.
Denn wirkliche Weitergabe bedeutet nicht:
„Werde wie ich.“
Sondern:
„Ich zeige dir, was mir gegeben wurde.
Nun gehe deinen eigenen Weg – und gib weiter, was du verstanden hast.“
8 SEPTEMBER 1939 – TOMIO OTANI
FATHER TO SON.
TEACHER TO STUDENT.
GENERATION TO GENERATION.
LEAD BY EXAMPLE.
PASS ON THE KNOWLEDGE.
KEEP THE SPIRIT ALIVE.
THE WAY NEVER ENDS.
Vom alten Okinawa über Japan und Großbritannien bis in unsere Dōjō von heute:
Menschen gehen.
Das Wissen bleibt.
Die nächste Generation übernimmt den Weg.
KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.
BÄRENSTARK. 🐻🥋
Osu, meine Freunde und Weggefährten!Euer Renshi Mike Stein


🥋 BUDŌ-KALENDER – 9. SEPTEMBER
🇯🇵 GŌZŌ SHIODA
9. SEPTEMBER 1915 – 17. JULI 1994
DER „LITTLE GIANT“ DES AIKIDŌ
SCHÜLER MORIHEI UESHIBAS · GRÜNDER DES YOSHINKAN AIKIDŌ
Guten Morgen, liebe Freunde und Weggefährten der Bärenschmiede und unserer internationalen Budō-Gemeinschaft.
Heute führt uns unser Budō-Kalender nach Japan.
Am 9. September 1915, heute vor 111 Jahren, wurde in Tokio ein Mann geboren, der später zu einer der prägenden Persönlichkeiten des modernen Aikidō werden sollte:
GŌZŌ SHIODA – 塩田 剛三
Er war Schüler von Morihei Ueshiba, entwickelte später seine eigene systematische Lehrmethode und gründete 1955 das Yoshinkan Aikidō. (合気道養神館 本部道場)
Doch seine Geschichte beginnt nicht mit Aikidō.
🥋 EIN KLEINER JUNGE – UND EIN LEBEN IM BUDŌ
Shioda wurde am 9. September 1915 in Tokio geboren.
Sein Vater Seiichi Shioda war Arzt und selbst an den Kampfkünsten interessiert. Der junge Gōzō kam dadurch früh mit Budō in Berührung.
Interessanterweise wird Shioda in seiner Jugend als körperlich schwach beziehungsweise kränklich beschrieben.
Doch er begann intensiv zu trainieren.
Jūdō.
Kendō.
Körper.
Geist.
Disziplin.
Noch während seiner Schulzeit erreichte er bereits den 3. Dan im Kōdōkan-Jūdō. (合気道養神館 本部道場)
Für mich ist das bereits eine bemerkenswerte Botschaft.
Wir sehen einen Menschen nicht nur so, wie er heute ist.
Wir sollten uns auch fragen:
Was hat das Training aus diesem Menschen gemacht?
🇯🇵 1932 – DIE BEGEGNUNG MIT MORIHEI UESHIBA
Im Jahr 1932 begann Shioda bei Morihei Ueshiba zu trainieren.
Damals befand sich Ueshibas Kampfkunst noch in einer früheren Entwicklungsphase. Begriffe, Methodik und technische Ausprägung unterschieden sich teilweise von dem Aikidō, das viele Menschen heute kennen.
Shioda wurde schließlich Uchi-deshi und trainierte intensiv unter Ueshiba. Historische Darstellungen beschreiben ihn außerdem als Unterrichtsassistenten seines Lehrers. (aikidojournal.com)
Hier beginnt für unseren Budō-Kalender eine Linie, die ich besonders wichtig finde:
Der Schüler kopiert seinen Lehrer nicht einfach für immer.
Er lernt.
Er übt.
Er sammelt Erfahrung.
Er versteht zunehmend Prinzipien.
Und irgendwann muss er selbst Verantwortung für das übernehmen, was er gelernt hat.
🔥 DAS HARTE TRAINING DER FRÜHEN JAHRE
Shioda lernte Ueshibas Kunst in einer Zeit kennen, in der dessen Vorkriegs-Budō technisch ausgesprochen kämpferisch geprägt war.
Diese Erfahrung sollte später Shiodas eigenes Aikidō deutlich beeinflussen.
Das Yoshinkan wurde bekannt für eine klare, strukturierte und systematische Trainingsmethode.
Grundposition.
Zentrum.
Balance.
Körperstruktur.
Distanz.
Timing.
Kontrolle.
Wiederholung.
Nicht einfach Bewegung um der Bewegung willen.
Sondern das Studium dessen, warum eine Bewegung funktioniert.
Und genau hier wird Shioda für mich auch außerhalb des Aikidō interessant.
Denn unabhängig davon, ob wir Karate, Aikidō, Jūdō oder eine andere Kampfkunst trainieren:
Der menschliche Körper unterliegt denselben biomechanischen Gesetzen.
Wir arbeiten mit Gleichgewicht.
Wir arbeiten mit Struktur.
Wir arbeiten mit Kraftübertragung.
Wir arbeiten mit Zentrum und Distanz.
Wir arbeiten mit dem richtigen Augenblick.
🌏 KRIEG – RÜCKKEHR – NEUBEGINN
1941 verließ Shioda Japan und war während der Kriegsjahre unter anderem in China, Taiwan und Borneo eingesetzt beziehungsweise tätig.
1946 kehrte er nach Japan zurück.
Es war ein anderes Japan.
Auch für die traditionellen Kampfkünste hatten sich die Bedingungen grundlegend verändert.
Shioda begann schließlich wieder Aikidō zu unterrichten; die offizielle Yoshinkan-Chronologie setzt diesen Neubeginn 1950 an. (合気道養神館 本部道場)
Und dann kam ein entscheidendes Jahr.
🥋 1954 – EINE VORFÜHRUNG VERÄNDERT SEINEN WEG
1954 nahm Shioda an einer großen All-Japan-Budō-Vorführung teil.
Seine Demonstration wurde besonders ausgezeichnet.
Dieser Erfolg verschaffte seiner Arbeit Aufmerksamkeit und Unterstützung.
Nur ein Jahr später folgte der entscheidende Schritt:
1955 – YOSHINKAN AIKIDŌ
Shioda gründete das Yoshinkan. (合気道養神館 本部道場)
Interessant ist auch der Name.
Yoshinkan war nicht einfach eine moderne Marketingbezeichnung.
Bereits Shiodas Vater hatte diesen Namen für sein eigenes Dōjō verwendet. Shioda selbst erklärte später, dass er den Namen in Erinnerung an seinen Vater weiterführte. (aikidojournal.com)
So verbindet sich auch hier wieder:
VERGANGENHEIT → ERFAHRUNG → EIGENER WEG → WEITERGABE
👮 AIKIDŌ UND DIE POLIZEI
Eine weitere Entwicklung machte Yoshinkan international bekannt.
1957 entwickelte Shioda ein Senshusei-Programm für die Tokyo Metropolitan Police. (合気道養神館 本部道場)
Das ist bemerkenswert.
Denn spätestens hier musste sich eine Kampfkunst nicht nur als schöne Demonstration präsentieren.
Training musste systematisch vermittelbar sein.
Menschen mussten reproduzierbar lernen können.
Genau darin lag eine große Stärke Shiodas:
SYSTEMATISIERUNG.
Ein Meister kann etwas außergewöhnlich gut können.
Aber ein Lehrer steht vor einer anderen Aufgabe:
Kann er erklären, wie andere es lernen können?
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
🥋 1961 – 9. DAN DURCH MORIHEI UESHIBA
Die Verbindung zwischen Lehrer und Schüler blieb bestehen.
1961 verlieh Morihei Ueshiba Gōzō Shioda den 9. Dan.
Später erhielt Shioda weitere hohe Auszeichnungen; die offizielle Yoshinkan-Biografie nennt 1983 Hanshi und 1985 den 10. Dan durch die International Budo Federation. (合気道養神館 本部道場)
Aber für mich ist etwas anderes wichtiger als die Zahl hinter seinem Namen.
Shioda hatte etwas getan, was wir in der Geschichte der Kampfkünste immer wieder sehen:
Er nahm das Wissen seines Lehrers auf – und machte daraus seine eigene Verantwortung.
🌳 DER LEHRER IST DIE WURZEL – NICHT DAS ENDE DES BAUMES
Genau hier berührt die Geschichte Gōzō Shiodas unsere eigene Betrachtung von Budō.
Morihei Ueshiba war seine Wurzel.
Aber Shioda blieb nicht einfach eine Kopie Ueshibas.
Er entwickelte eine Methodik, mit der er das Gelernte strukturieren, lehren und an andere Generationen weitergeben konnte.
Das bedeutet nicht, die Tradition abzulehnen.
Im Gegenteil.
Eine starke Wurzel ermöglicht Wachstum.
Der Lehrer gibt uns etwas.
Wir trainieren es.
Wir prüfen es.
Wir versuchen es zu verstehen.
Unsere Erfahrung verändert unseren Blick darauf.
Und irgendwann geben wir es weiter.
Nicht als Kopie unserer Lehrer.
Sondern mit der Verantwortung, die Essenz dessen zu bewahren, was wir verstanden haben.
🔨 EIN GEDANKE AUS DER BÄRENSCHMIEDE
In unserer Bärenschmiede sagen wir:
Vom rohen Eisen zur lebenden Klinge.
Und genau deshalb interessiert mich ein Meister wie Gōzō Shioda auch als Karateka.
Nicht weil wir Yoshinkan Aikidō kopieren wollen.
Sondern weil wir beobachten können, wie ein Meister gearbeitet hat.
Struktur.
Zentrum.
Balance.
Biomechanik.
Timing.
Distanz.
Wirkung.
Wiederholung.
Erfahrung.
Das sind keine Eigentümer eines einzelnen Stils.
Das sind Fragen, mit denen sich Kampfkünstler seit Generationen beschäftigen.
Ein Karateka nennt seine Werkzeuge anders als ein Aikidōka.
Ein Judōka arbeitet anders als ein Kendōka.
Aber der menschliche Körper bleibt der menschliche Körper.
Andere Werkzeuge. Andere Methoden. Andere Wege.
Aber dieselbe Aufgabe: verstehen.
🌍 VOM SCHÜLER ZUM LEHRER – VOM LEHRER ZUM VERMÄCHTNIS
1990 gründete Shioda gemeinsam mit seinem Sohn Yasuhisa Shioda eine internationale Yoshinkan-Organisation und etablierte außerdem ein internationales Senshusei-Programm zur Ausbildung von Yoshinkan-Lehrern. (合気道養神館 本部道場)
Damit schließt sich unser Kreis.
Ein junger Mann betritt 1932 das Dōjō von Morihei Ueshiba.
Er wird Schüler.
Er trainiert.
Er sammelt Erfahrung.
Er wird Lehrer.
Er gründet sein eigenes Dōjō.
Er entwickelt eine Lehrmethode.
Er bildet wiederum Lehrer aus.
Und diese Lehrer tragen das Wissen weiter in die Welt.
MASTER → STUDENT → TEACHER → NEXT GENERATION
Am 17. Juli 1994 starb Gōzō Shioda im Alter von 78 Jahren. (合気道養神館 本部道場)
Aber sein Weg endete dort nicht.
Denn eine Kampfkunst lebt nicht nur durch ihren Gründer.
Sie lebt durch diejenigen weiter, die trainieren.
🕯️ 9. SEPTEMBER 2026
Heute wäre Gōzō Shioda 111 Jahre alt.
Wir erinnern deshalb nicht nur an einen berühmten Namen des Aikidō.
Wir erinnern an einen Budōka, Schüler, Lehrer, Systematiker und Gründer, der Wissen einer Generation aufnahm und für die nächste Generation weiterentwickelte und vermittelbar machte.
Und vielleicht ist genau das die Botschaft dieses heutigen Budō-Kalenders:
Der Grad zeigt eine Station.
Die Erfahrung zeigt den Weg.
Das Vermächtnis zeigt, was weiterlebt.
GŌZŌ SHIODA
9 SEPTEMBER 1915 – 17 JULY 1994
STUDENT OF MORIHEI UESHIBA
FOUNDER OF YOSHINKAN AIKIDO
STRUCTURE · CENTER · BALANCE · TIMING · CONTROL
TRADITION · DEVELOPMENT · KNOWLEDGE · LEGACY
PRESERVE THE HISTORY.
HONOR THE MASTERS.
PASS ON THE KNOWLEDGE.
KEEP THE BUDŌ SPIRIT ALIVE.
THE WAY NEVER ENDS.
Bärenstarkes OSU! 🐻🔥🥋
Renshi Mike Stein, 6. Dan
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede Dōjō
INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA


🥋 BUDŌ-KALENDER · 10. SEPTEMBER
🇬🇧🇯🇵 CHARLES MACK – EIN BRITISCHER PIONIER AUF DEM WEG ZUR JKA
10 SEPTEMBER 1965 · 2nd DAN · JKA · MASATOSHI NAKAYAMA · JAPAN
JŪDŌ · SHOTOKAN · JKA · JAPAN · GREAT BRITAIN · PIONEER · HISTORY · LEGACY
Manchmal beginnt unsere Recherche mit einem einzigen Datum.
Wir suchen nach einem Namen, einer Graduierung oder einem alten Ergebnis – und plötzlich öffnet sich dahinter eine ganze Epoche.
So war es auch diesmal.
Am 10. September 1965 bestand der britische Budō-Pionier Charles Mack nach der uns vorliegenden biografischen Quelle seine Prüfung zum 2. Dan Shotokan-Karate unter Masatoshi Nakayama. Als Kata wird Empi genannt.
Zunächst könnte man denken:
Ein Karateka.
Eine Prüfung.
Ein weiterer Dan-Grad.
Doch je tiefer wir recherchierten, desto deutlicher wurde:
Diese Geschichte handelt von wesentlich mehr.
Sie führt uns zurück in eine Zeit, in der Karate in Großbritannien noch am Anfang stand – und in der sich gerade jene Verbindungen zwischen Japan und Europa entwickelten, aus denen später einige der bedeutendsten britischen Karate-Organisationen hervorgehen sollten.
Und mittendrin finden wir einen Mann, dessen Name heute vielleicht nicht mehr jedem Karateka bekannt ist:
Charles Mack.
🇬🇧 VOM JUDŌ ZUM KARATE
Charles Mack wurde in Newcastle geboren.
1951 zog er nach London und wurde Mitglied des traditionsreichen Budokwai, das bereits 1918 gegründet worden war.
Sein ursprünglicher Weg war nicht Karate.
Es war Jūdō.
1953 erreichte Mack den 1. Dan, 1956 den 3. Dan und trat auch international für Großbritannien an.
Noch im selben Jahr wanderte er nach Kanada aus und ließ sich in Vancouver, British Columbia, nieder. Dort setzte er sein Jūdō fort und gewann nach der uns vorliegenden Biografie zwischen 1956 und 1958 dreimal die Northwestern Judo Championships.
Doch Mack wollte mehr lernen.
Und deshalb traf er eine Entscheidung, die seinen weiteren Lebensweg verändern sollte.
Er ging nach Japan.
Nicht für ein Wochenende.
Nicht für einen Lehrgang.
Nicht für ein Foto mit einem japanischen Meister.
Mack wollte ursprünglich etwa zwei Jahre bleiben und sein Jūdō weiterentwickeln.
Aus zwei Jahren wurden schließlich ungefähr sieben Jahre.
🇯🇵 1958 – DIE REISE NACH JAPAN
Im Juni 1958 reiste Mack mit dem Schiff Hikawa Maru nach Japan.
Sein eigentliches Ziel war das Kōdōkan in Tokio.
Bei den zweiten Jūdō-Weltmeisterschaften im Oktober 1958 in Tokio war Mack für Großbritannien nominiert. Zur Vorbereitung trainierte er am Kōdōkan.
Doch in Japan begegnete er noch einer anderen Kampfkunst.
Karate.
Mack begann zusätzlich im damaligen Dōjō der Japan Karate Association in Yotsuya Shotokan-Karate zu studieren.
Aus einem britischen Judoka, der nach Japan gereist war, um sein Jūdō zu verbessern, wurde damit auch ein Schüler des japanischen Shotokan.
Sein Japanaufenthalt entwickelte sich zu einem tiefen Eintauchen in die damalige Budō-Welt.
Er beschäftigte sich nicht nur mit Jūdō und Karate, sondern auch mit weiteren japanischen Kampfkünsten. Seinen Lebensunterhalt verdiente er unter anderem mit Englischunterricht.
Und in Japan lernte er auch Mutsuko, seine spätere Frau, kennen.
🥋 DER WEG ZU NAKAYAMA
Nach mehreren Jahren Shotokan-Training kam der nächste bedeutende Schritt.
Die von uns untersuchten Quellen sind beim genauen Datum seines Shodan nicht einheitlich.
Die ausführliche Charles-Mack-Biografie nennt den 14. März 1962. Andere Darstellungen der britischen Karategeschichte nennen dagegen den 4. März 1962. Letzteres Datum wird auch in mehreren historischen Übersichten wiederholt. (sssk)
Was übereinstimmend bleibt, ist der entscheidende Kern:
Masatoshi Nakayama graduierte Charles Mack 1962 in Japan zum 1. Dan Shotokan.
Als Prüfungs-Kata wird Bassai Dai genannt.
Damit gehörte Mack zu den frühesten britischen Karateka, die unmittelbar in Japan von der JKA graduiert wurden. Eine britische Karate-Historie bezeichnet ihn ausdrücklich als den ersten bedeutenden Briten außerhalb von Vernon Bells Organisation, der diesen Weg bis zum Schwarzgurt ging. (sssk)
Und Mack blieb in Japan.
Er trainierte weiter.
📅 10. SEPTEMBER 1965
Dann erreichen wir das Datum, das uns überhaupt erst zu dieser Recherche geführt hat.
Nach der ausführlichen Charles-Mack-Biografie bestand er am:
10. SEPTEMBER 1965
seine Prüfung zum:
2. DAN SHOTOKAN
Prüfer:
MASATOSHI NAKAYAMA
Als Kata wird diesmal genannt:
EMPI
Und genau an dieser Stelle wurde unsere Recherche plötzlich viel größer.
Denn um zu verstehen, was dieser Nidan im Jahr 1965 bedeutet, müssen wir uns anschauen, was gleichzeitig im britischen Karate geschah.
🇬🇧 VERNON BELL UND DIE ANFÄNGE DES BRITISCHEN KARATE
Während Mack in Japan trainierte, entwickelte sich Karate auch in Großbritannien.
Eine der zentralen Persönlichkeiten war Vernon Bell.
Bell hatte bereits 1956 begonnen, Karate in England aufzubauen. Seine frühen Verbindungen liefen über Frankreich und das Yoseikan-Umfeld um Henri Plée, Minoru und Hiroo Mochizuki sowie Tetsuji Murakami.
Die frühen Bedingungen waren völlig andere als heute.
Es gab keine flächendeckende Infrastruktur aus Karate-Dōjō, Trainern, Verbänden, Lehrgängen und Prüfungen.
Bells Schüler lernten teilweise aus dem, was ihr Lehrer auf seinen Reisen nach Frankreich aufgenommen hatte. Einer seiner frühen Schüler erinnerte sich später sinngemäß daran, wie wenig Material ihnen überhaupt zur Verfügung stand.
Die ersten britischen Karategruppen entstanden.
1959 wurde eine BKF-Gruppe in Liverpool aufgebaut; daraus entwickelte sich das berühmte Red Triangle. Zu den frühen Mitgliedern gehörte später auch Andy Sherry. 1961 entstand nach Bells Karate Summer School zudem eine frühe Karategruppe in Schottland. (sssk)
Doch Bell suchte schließlich die Verbindung zur Japan Karate Association.
Am 5. Februar 1964 wurde sein Schwarzgurt von der JKA anerkannt beziehungsweise ratifiziert. Die historische Darstellung betont dabei, dass Bell dafür keine neue Prüfung absolvieren musste und seinen bisherigen Yoseikan-Grad aufgab. (sssk)
Das ist ein bemerkenswertes Detail.
Denn es zeigt, dass die internationale Graduierungs- und Anerkennungspraxis jener frühen Zeit nicht einfach mit heutigen standardisierten Prüfungssystemen gleichgesetzt werden sollte.
🇯🇵🇬🇧 1965 – JAPAN KOMMT NACH GROSSBRITANNIEN
Bell bat die JKA schließlich darum, japanische Instruktoren nach Großbritannien zu schicken.
Und 1965 geschah etwas, das die britische Karategeschichte nachhaltig verändern sollte.
Taiji Kase.
Hirokazu Kanazawa.
Keinosuke Enoeda.
Hiroshi Shirai.
Am 21. April 1965 präsentierten sie JKA-Karate bei einer Demonstration in der Kensington Town Hall.
Kanazawa arbeitete anschließend in Großbritannien und wurde für eine ganze Generation britischer Karateka zu einem wichtigen Lehrer. (sssk)
Damit existierten nun zwei faszinierende Bewegungen gleichzeitig:
CHARLES MACK
GREAT BRITAIN → JAPAN
Ein Brite geht zur Quelle, lebt jahrelang in Japan und trainiert unmittelbar im japanischen Budō-Umfeld.
VERNON BELL
JAPAN → GREAT BRITAIN
Ein britischer Pionier baut eine Organisation auf, knüpft Kontakt mit der JKA und trägt dazu bei, japanische Instruktoren nach England zu holen.
Und genau zwischen diesen beiden Bewegungen steht das Jahr 1965.
🥋 WARUM DER 2. DAN HISTORISCH INTERESSANT IST
Heute ist ein 2. Dan innerhalb einer etablierten Karateorganisation ein normaler Abschnitt eines langen Budō-Weges.
1965 war die Situation in Großbritannien vollkommen anders.
Die Infrastruktur des JKA-Shotokan befand sich dort gerade erst im Aufbau.
Britische Karateka trainierten nun unter Kanazawa und Enoeda und begannen ihre eigenen Wege durch das JKA-Graduierungssystem.
Mack dagegen hatte zu diesem Zeitpunkt bereits jahrelang in Japan trainiert.
Sein Nidan darf deshalb nicht einfach anhand heutiger Zahlen bewertet werden.
Nicht:
2. Dan damals = 6. Dan heute.
Eine solche mathematische Gleichsetzung wäre historisch nicht seriös.
Aber wir können sehr wohl feststellen:
Ein in Japan unter Nakayama erworbener Nidan hatte 1965 innerhalb der noch jungen britischen Karate-Landschaft eine ganz andere Seltenheit und praktische Bedeutung als ein Nidan innerhalb einer heute gewachsenen internationalen Verbandsstruktur.
🇯🇵 UND MACK WAR NOCH IMMER JUDOKA
1965 erreichte Mack einen weiteren außergewöhnlichen Meilenstein.
Nach der uns vorliegenden Biografie erhielt er am Kōdōkan den 5. Dan im Jūdō.
Die Urkunde soll ihm von Risei Kanō, dem Sohn von Jūdō-Begründer Jigorō Kanō, überreicht worden sein.
Die Biografie beschreibt ihn außerdem als Mitglied einer besonderen Trainingsgruppe am Kōdōkan.
Damit wird deutlich:
Wir sprechen bei Charles Mack nicht einfach von einem Karateka, der nebenbei etwas Jūdō betrieben hatte.
Sein Budō-Weg war multidisziplinär.
Jūdō führte ihn nach Japan.
Karate wurde dort zu einem weiteren wichtigen Bestandteil seines Weges.
Auch Aikidō gehörte später zu den japanischen Kampfkünsten, in denen er Dan-Erfahrung sammelte.
🇬🇧 1965 – DER SCHÜLER KEHRT ZURÜCK
Im selben Jahr kehrte Mack gemeinsam mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn John nach Großbritannien zurück.
Doch seine Rückkehr begann schwierig.
An seinem letzten Tag in Japan hatte er sich während eines Abschiedstrainings am Kōdōkan eine schwere Knieverletzung zugezogen.
Die Familie ließ sich deshalb zunächst in Newcastle nieder, während Mack sich erholte.
Anschließend zog sie nach London.
Und jetzt beginnt der zweite große Abschnitt seiner Geschichte.
Der Schüler aus Japan wird zum Lehrer in Großbritannien.
Mack kehrte zum Budokwai zurück.
Nach der uns vorliegenden Biografie führte er dort Karate ein und wurde Chief Instructor. Später übergab er diese Aufgabe an Hirokazu Kanazawa, um sich stärker auf seinen eigenen Club konzentrieren zu können.
Allein diese Verbindung ist historisch bemerkenswert:
MACK → BUDOKWAI → KANAZAWA
🥋 EIN EIGENER WEG
Mack eröffnete mit dem London Karate Club in Holborn einen der frühen Karateclubs Londons.
Und jetzt kommt ein Detail, das für das Verständnis der britischen Organisationsgeschichte entscheidend ist:
Macks Club gehörte NICHT zu Vernon Bells British Karate Federation.
Damit erkennen wir zwei zunächst voneinander unabhängige Entwicklungslinien.
BELL: frühes britisches Karate → BKF → Kontakt zur JKA → japanische Instruktoren.
MACK: Jūdō → Japan → JKA/Yotsuya → Nakayama → Rückkehr nach Großbritannien → eigener Club.
Nach der Mack-Biografie gründete er mit Zustimmung beziehungsweise Unterstützung Nakayamas und der JKA außerdem die International Shotokan Karate Association.
Wie formal diese Autorisierung genau ausgestaltet war, möchten wir noch weiter erforschen. Gerade bei der frühen JKA-Geschichte müssen wir zwischen persönlicher Zustimmung, technischer Anerkennung und formaler Verbandsvertretung unterscheiden.
Aber eines wird deutlich:
Charles Mack war kein Randbeobachter der frühen britischen Shotokan-Geschichte.
Er gehörte zu ihren Pionieren.
🔥 1966 – DIE WEGE TRENNEN SICH
Und nun wird die Geschichte politisch und organisatorisch interessant.
Viele britische Karateka entwickelten während der Arbeit mit den japanischen Instruktoren eine enge Verbindung zu Kanazawa.
1966 endete Kanazawas Vertrag mit Bell. Aus der Neuordnung der britischen Clubs entstand schließlich die Karate Union of Great Britain – KUGB.
Damit begann sich die britische Karate-Landschaft weiter zu verzweigen.
Bell verließ die JKA wieder und kehrte stärker zu seiner früheren Yoseikan-orientierten Linie zurück.
Und ausgerechnet hier begegnen sich unsere beiden Pioniere wieder:
VERNON BELL + CHARLES MACK
Eine britische historische Darstellung berichtet, dass beide 1966 an der British Karate Control Commission beteiligt waren; Alan Francis wird ebenfalls genannt. (sssk)
Damit wird deutlich, warum die Geschichte des britischen Karate niemals nur als einfache Linie
Japan → JKA → Großbritannien
erzählt werden kann.
Es entstanden Organisationen.
Organisationen teilten sich.
Instruktoren wechselten.
Neue technische Beziehungen entstanden.
Fragen nach Graduierungsrechten, Anerkennung, organisatorischer Autorität und internationaler Zugehörigkeit wurden immer wichtiger.
Bei möglichen finanziellen Interessen oder konkreten Zahlungsstrukturen zwischen britischen Verbänden und Japan bleiben wir jedoch vorsichtig: Dafür haben wir bisher keine ausreichenden zeitgenössischen Belege.
🌳 AUS EINEM SAMEN WURDEN VIELE ÄSTE
Aus den kleinen Gruppen der 1950er und 1960er Jahre entwickelte sich eine große britische Karate-Landschaft.
BKF.
JKA.
KUGB.
British Karate Control Commission.
International Shotokan Karate Association.
Später kamen weitere Organisationen, Abspaltungen und neue internationale Linien hinzu.
Menschen wie Kanazawa, Enoeda, Andy Sherry, Mick Randall und viele andere prägten jeweils eigene Teile dieser Entwicklung. Randall etwa war 1966 Mitbegründer der KUGB und später an mehreren weiteren britischen Shotokan-Organisationen beteiligt – ein gutes Beispiel dafür, wie stark sich dieser Stammbaum weiter verzweigte. (sssk)
Und genau hier erkennen wir etwas, das für unsere KARATE-DŌ · BUDŌ CHRONICLE wichtig ist:
Die Geschichte besteht nicht nur aus Verbandsnamen.
Sie besteht aus Menschen.
Menschen reisten.
Menschen lernten.
Menschen unterrichteten.
Menschen waren unterschiedlicher Meinung.
Menschen trennten sich.
Menschen gründeten etwas Neues.
Und dennoch trugen sie alle Teile des Karate weiter.
📖 CHARLES MACK BLIEB LEHRER
Macks Geschichte endete nicht in den 1960er Jahren.
1975 erschien das Buch „Shotokan Karate Free Fighting Techniques“, das Charles Mack gemeinsam mit Keinosuke Enoeda veröffentlichte. Nach der uns vorliegenden Biografie zeigen die Fotografien unter anderem Enoeda, Mack und Hideo Tomita bei der Demonstration verschiedener Techniken.
Auch Jahrzehnte später finden wir Mack noch als Lehrer und Prüfer.
Eine britische Shotokan-Genealogie dokumentiert beispielsweise, dass Paul Wilson im Juli 1990 seinen Shodan unter Charles Mack bestand. (sssk)
Das ist vielleicht eines der schönsten Details unserer Recherche.
1962 steht Mack selbst vor Nakayama.
1965 besteht er seinen Nidan.
Und 28 Jahre nach seinem eigenen Shodan steht eine weitere Generation vor ihm und wird von ihm graduiert.
Wissen wurde weitergegeben.
🔎 WAS UNS DIE RECHERCHE GEZEIGT HAT
Wir begannen eigentlich nur mit einer kleinen Kalendernotiz:
10. September 1965 – Charles Mack – 2. Dan.
Dann stellten wir Fragen.
Wer war dieser Mann?
Warum war er in Japan?
Wie lange blieb er dort?
Wer war sein Lehrer?
Was geschah anschließend?
Was machte Vernon Bell?
Wann kam die JKA nach Großbritannien?
Woher kamen Kanazawa und Enoeda?
Warum entstanden neue Organisationen?
Und plötzlich hatten wir nicht mehr nur einen Dan-Grad vor uns.
Wir standen mitten in der Entstehungsgeschichte des britischen Karate.
Das ist genau der Grund, weshalb wir unseren Budō-Kalender machen.
Nicht um Daten zu sammeln.
Nicht um Namen einfach abzuschreiben.
Sondern um die Menschen und Geschichten hinter diesen Daten wieder sichtbar zu machen.
🥋 DER 10. SEPTEMBER IST DIE TÜR
Für mich liegt darin die eigentliche Bedeutung dieses Tages.
Am 10. September 1965 steht Charles Mack nach jahrelangem Training in Japan noch einmal vor Masatoshi Nakayama und besteht – nach der von uns gefundenen ausführlichen Biografie – seine Prüfung zum 2. Dan, mit Empi als Kata.
Kurz darauf kehrt er nach Großbritannien zurück.
Deshalb kann dieses Datum beinahe wie ein Scharnier seines Lebens gelesen werden:
JAPAN → 10 SEPTEMBER 1965 → GREAT BRITAIN
STUDENT → INSTRUCTOR
TRAINING → EXPERIENCE → TRANSMISSION
Ein britischer Judoka war Jahre zuvor nach Japan gegangen, um zu lernen.
Er kam als erfahrener Budōka zurück.
Und wurde Teil jener Generation, die half, Karate in Großbritannien weiterzugeben und zu organisieren.
🇬🇧🇯🇵 CHARLES MACK
THE JOURNEY TO JAPAN.
THE JKA.
THE RETURN TO GREAT BRITAIN.
THE PIONEER.
THE TEACHER.
THE LEGACY.
Die großen Geschichtsbücher erinnern sich häufig an Organisationen.
Unsere Recherche sucht auch nach den Menschen zwischen diesen Organisationen.
Und vielleicht ist genau deshalb der Name Charles Mack heute wieder einen genaueren Blick wert.
Denn ohne Menschen wie ihn, Vernon Bell und die vielen anderen frühen Pioniere wäre die Geschichte des britischen Karate nicht dieselbe.
PRESERVE THE HISTORY.
HONOR THE MASTERS.
REMEMBER THE PIONEERS.
RESEARCH YOUR KARATE.
PASS ON THE KNOWLEDGE.
THE WAY NEVER ENDS.
Ein Datum öffnet die Tür.
Die Recherche zeigt uns den Weg.
OSU! 🥋🇬🇧🇯🇵🔎


🥋 BUDŌ-KALENDER · 13. SEPTEMBER
🇯🇵 MASAAKI KOHAGURA · 古波蔵正明
13 SEPTEMBER 1940 – 4 MARCH 2026
SHURI · OKINAWA · JAPAN
MATSUBAYASHI-RYŪ · KYOSHI · 8TH DAN
STUDENT · TEACHER · SEAFARER · PIONEER
🇯🇵 A BRIDGE FROM OKINAWA TO CUBA 🇨🇺
Heute, am 13. September, erinnern wir an einen außergewöhnlichen Karateka aus Okinawa:
MASAAKI KOHAGURA SENSEI
Seine Geschichte führt von Shuri über die Schule in Naha zu Shōshin Nagamine, hinaus auf die Weltmeere und schließlich bis nach Kuba.
Doch hinter all diesen Stationen steht eine noch wichtigere Geschichte.
Es ist die Geschichte eines Mannes, für den Karate niemals nur aus Kata, Technik oder Dan-Graden bestand.
Es ging um:
CHARACTER · KINDNESS · SERVICE · RESPECT · PEACE
Und um eine Aufgabe, die selbst nach Jahrzehnten des Trainings nicht abgeschlossen war:
DIE ARBEIT AN SICH SELBST.
🇯🇵 1940 · SHURI, OKINAWA
Masaaki Kohagura wurde am 13. September 1940 in Shuri auf Okinawa geboren.
Shuri gehört zu den historischen Zentren der okinawanischen Kampfkunst.
Doch der Lehrer, der später Kohaguras Karateweg entscheidend prägen sollte, Shōshin Nagamine, stammte aus einem anderen alten Zentrum:
TOMARI.
So begegneten sich in Kohaguras Lebensweg verschiedene Strömungen der alten okinawanischen Karatewelt.
🥋 1950er · DER JUNGE KOHAGURA BEGINNT KARATE
Kohagura Sensei begann ungefähr im Alter von 15 Jahren mit Karate.
Während seiner Zeit an der Naha High School kam ein Schüler von Shōshin Nagamine an die Schule und unterrichtete dort.
Der junge Kohagura lernte dabei früh eine Vorstellung kennen, die ihn weit über seine Jugend hinaus begleiten sollte:
THROUGH KARATE, ONE CAN COME TO PEACE.
Karate sollte nicht dazu dienen, einen anderen Menschen zu beherrschen.
Der schwierigere Gegner war der eigene Mensch.
Der eigene Stolz.
Die eigene Angst.
Die eigene Unruhe.
Die eigenen Schwächen.
In der Tradition Nagamines begegnete ihm deshalb ein Gedanke, der für seinen weiteren Weg entscheidend wurde:
TRUE VICTORY IS TO CONQUER SELF.
⚪⚫ EINE ZEIT VOR DER HEUTIGEN GRADUIERUNGSWELT
Kohaguras frühe Karatejahre erinnern uns auch daran, dass wir die Geschichte des Okinawa-Karate nicht mit den Maßstäben heutiger Verbände beurteilen dürfen.
Nach seinen Erinnerungen erhielt er für seine frühe Shodan-Stufe keine formale Anerkennung in der Form, wie wir sie heute mit Prüfungsurkunden und einem standardisierten Graduierungssystem verbinden.
Die Welt des Karate war im Wandel.
Organisationen entstanden.
Graduierungen wurden systematisiert.
Das Karate seiner Jugend war jedoch noch wesentlich näher an einer persönlichen Lehrer-Schüler-Übertragung.
Das ist für unsere Chronicle wichtig:
DER GÜRTEL DOKUMENTIERT EINE STUFE.
DER WEG ENTSTEHT DURCH TRAINING.
👊 TSUKI · EIN FAUSTSTOSS FÜR EIN GANZES LEBEN
Eine der stärksten Erinnerungen Kohaguras betrifft keine spektakuläre Technik.
Keine akrobatische Bewegung.
Keine komplizierte Kombination.
Es war:
TSUKI.
Der grundlegende Fauststoß.
Bei Kohaguras Hachidan-Shinsa demonstrierte der bereits hochbetagte Shōshin Nagamine Sensei einen grundlegenden Tsuki.
Kohagura war tief beeindruckt.
Nach Jahrzehnten eigenen Trainings sah er einen alten Mann einen scheinbar einfachen Fauststoß ausführen – und musste sich fragen, ob er selbst diesen Grad der Qualität während seines eigenen Lebens überhaupt noch erreichen könne.
Das sagt sehr viel über traditionelles Karate.
Je länger wir trainieren, desto weniger selbstverständlich werden die Grundlagen.
KIHON IS NEVER BASIC.
Ein Anfänger lernt Tsuki.
Ein Meister trainiert Tsuki.
Und ein alter Meister entdeckt darin noch immer einen Weg ohne Ende.
Kohaguras eigene Lieblingstechnik blieb:
TSUKI.
🎓 DIE WAHRE HACHIDAN-PRÜFUNG
Noch bedeutender war jedoch, was Nagamine von Kohagura bei dessen Weg zum 8. Dan verlangte.
Nicht eine weitere Medaille.
Nicht hundert Techniken.
Nicht einen größeren Titel.
Nagamine verlangte ein Versprechen:
IMPROVE YOUR CHARACTER.
PRACTICE KINDNESS.
SERVE OTHERS.
Für Nagamine war diese Entwicklung nach Kohaguras Erinnerung bei der Beurteilung seines Schülers wichtiger als dessen technische Karatefähigkeit.
Damit bekam der 8. Dan eine völlig andere Bedeutung.
Er bedeutete nicht:
„Jetzt bist du angekommen.“
Sondern:
„Jetzt trägst du noch größere Verantwortung.“
Und Kohagura nahm dieses Versprechen ernst.
Selbst in seinen Siebzigern sagte er sinngemäß über seinen Fortschritt auf diesem Weg:
„Ich bin gerade einmal bis zu meinem Fuß gekommen.“
Ein Hachidan.
Jahrzehnte Karate.
Und trotzdem:
BEGINNER’S MIND.
Vielleicht ist genau das eine der stärksten Lektionen seines Lebens.
⚓ THE YOUNG MAN AND THE SEA
Ein großer Teil von Kohaguras Leben spielte sich nicht in einem Dōjō ab.
Sondern auf See.
Bei einer Reise geriet ein Schiff mit ungefähr dreizehn Menschen an Bord in der Region der Philippinen in eine ernsthafte Notsituation.
Das Schiff war verloren.
Angst und Panik drohten.
Kohagura blieb ruhig.
Er half dabei, die anderen zu stabilisieren und sendete ein SOS-Signal.
Später erinnerte er sich daran, dass ihm sein Karate geholfen habe, in dieser Situation die innere Kontrolle zu behalten.
Und er verband diese Haltung mit einem bekannten okinawanischen Ausdruck:
NANKURUNAISA.
Dieser Gedanke darf nicht mit passivem Fatalismus verwechselt werden.
Für Kohagura bedeutete er:
DO WHAT YOU CAN.
GIVE YOUR BEST.
THEN FACE WHAT COMES.
Noch am selben Tag kam Hilfe.
Die Männer wurden gerettet.
Und plötzlich erkennen wir Karate in einer völlig anderen Form.
Kein Gegner.
Keine Kata-Bewertung.
Keine Prüfung.
Nur ein Mensch, der in einer Krise ruhig bleibt.
🌊🥋 THE SHIP BECAME A DŌJŌ
Später sollte sich Karate erneut mit seinem Leben auf See verbinden.
Von etwa 1985 bis 2001 arbeitete Kohagura auf einem rund 3.500 Tonnen schweren Ölbergungsschiff.
Er war ungefähr 46 Jahre alt, als diese Phase begann.
Seine Kollegen bemerkten sein Karate und wollten lernen.
Also tat Kohagura, was ein Lehrer tut:
ER UNTERRICHTETE.
Und damit entstand etwas Außergewöhnliches:
A DŌJŌ AT SEA.
Etwa fünf Männer trainierten gemeinsam.
Die Bedingungen waren hart.
Im Sommer erhitzte sich das Metalldeck.
Im Winter kamen Kälte und Schnee.
Der Wind traf die Männer auf dem offenen Deck.
Sie praktizierten:
KATA.
KIHON.
ZAZEN.
Kohagura nutzte seine dienstfreien Stunden für sein eigenes Training – häufig zwei bis zweieinhalb Stunden.
Es gab keine Tatami.
Keine komfortable Halle.
Kein perfektes Trainingsklima.
Und trotzdem wurde trainiert.
THE SHIP BECAME THE DŌJŌ.
Dieser Gedanke passt unmittelbar zur Philosophie unserer Bärenschmiede.
Ein Dōjō beginnt nicht mit vier Wänden.
EIN DŌJŌ BEGINNT MIT MENSCHEN, DIE DEN WEG ÜBEN.
🇨🇺 1960er · OKINAWA MEETS CUBA
Doch Kohaguras außergewöhnlichste internationale Spur führte nach:
🇨🇺 CUBA
In den 1960er Jahren kam er beruflich auf die Insel.
Dort begann etwas, das Jahrzehnte später zu einem wesentlichen Teil seines Vermächtnisses werden sollte.
Ab 1967 unterrichtete er eine kleine Gruppe junger Kubaner im Karate.
Sie wurden später mit einem Namen verbunden, der bis heute in der Geschichte des kubanischen Karate auftaucht:
THE SEVEN SAMURAI OF CUBAN KARATE-DŌ
Sie gehörten zu den frühen Wurzeln einer Entwicklung, durch die okinawanisches Karate auf Kuba Fuß fasste.
Aus einigen wenigen Schülern entstanden neue Verbindungen.
Aus Unterricht wurde Weitergabe.
Aus Weitergabe wurde Geschichte.
OKINAWA → CUBA
TEACHER → STUDENTS
KARATE → FRIENDSHIP
🇯🇵🤝🇨🇺 KARATE ALS BRÜCKE
Kuba war für Kohagura keine kurze Episode.
Die Beziehung dauerte über Jahrzehnte.
Er pflegte Freundschaften zu seinen früheren Schülern und Beziehungen zur kubanischen Botschaft in Japan.
Einer seiner frühen kubanischen Schüler arbeitete später an der kubanischen Botschaft in Tokio und war im Umfeld des Botschafters tätig.
Dadurch entstanden weitere persönliche Verbindungen.
Über viele Jahre besuchte Kohagura die Botschaft regelmäßig.
Generationen von Diplomaten kamen und gingen.
Die Verbindung blieb.
Das ist bemerkenswert.
Denn Kohagura war kein Berufsdiplomat.
Er hatte keine Außenpolitik studiert.
Seine Sprache der Verbindung war:
KARATE.
🇨🇺 MEDAL OF FRIENDSHIP
2010 wurde diese besondere Verbindung auch öffentlich sichtbar.
Der kubanische Botschafter in Japan nahm als Ehrengast an einer Veranstaltung in Okinawa teil.
Kohagura war vielen Kubanern unter seinem Namen:
“CAMILO”
bekannt.
Sein langjähriger Einsatz für die Freundschaft zwischen den Menschen beider Länder wurde gewürdigt.
Mit seinem Lebenswerk wird auch die kubanische:
MEDAL OF FRIENDSHIP
verbunden.
Was als Karateunterricht für einige junge Menschen begonnen hatte, war Jahrzehnte später zu einer kulturellen Brücke geworden.
🇯🇵 OKINAWA
↕️
🥋 KARATE
↕️
🇨🇺 CUBA
🏠 EIN TRAUM IN KUBA
Kohaguras Beziehung zu Kuba ging noch tiefer.
Über viele Jahre baute er dort mit begrenzten Möglichkeiten ein eigenes Zuhause auf.
Der Aufbau dauerte lange.
Schließlich entstand der Plan, in Havanna einen weiteren Dōjō aufzubauen und einen noch größeren Teil seines Lebens auf Kuba zu verbringen.
Doch das Leben verlief anders.
Gesundheitliche Probleme zwangen ihn zur Rückkehr nach Japan.
Seinen Traum musste er verändern.
Sein Haus in Kuba musste aufgegeben werden.
Und auch innerhalb seiner Karateorganisation erlebte er später Enttäuschungen, Konflikte und Rückschläge.
Das gehört zu seiner Geschichte.
Denn auch große Lehrer erleben:
BETRAYAL.
POLITICS.
LOSS.
FAILED PLANS.
Budō schützt uns nicht davor, enttäuscht zu werden.
Es kann uns aber lehren, wie wir danach weitergehen.
🇯🇵 SHŌSHIN NAGAMINE
Über allem blieb die Verbindung zu Nagamine.
Wenn Kohagura nach längeren Zeiten auf See wieder nach Okinawa kam, konnte das Training unmittelbar beginnen.
Sein Lehrer blieb Maßstab.
Nicht nur technisch.
Auch menschlich.
Und neben Nagamine spielte Kiyoshi Shinjo Sensei für Kohagura eine wichtige Rolle.
Kohagura schätzte Shinjos Karate außerordentlich und sah in ihm eine besonders starke Verkörperung der technischen Prinzipien ihrer Matsubayashi-ryū-Tradition.
Damit sehen wir wieder etwas, das für Budō typisch ist:
Eine Tradition wird niemals nur durch einen Namen getragen.
SIE LEBT DURCH BEZIEHUNGEN.
🧘 ZAZEN · THE INNER DŌJŌ
Für Kohagura war Karate nicht vollständig ohne:
ZAZEN.
Seine persönliche Überzeugung war deutlich:
WITHOUT ZAZEN, THERE IS NO KARATE.
Andere Matsubayashi-ryū-Karateka mussten diese Auffassung nicht teilen.
Und Kohagura akzeptierte genau das.
Das führt uns zu einem der interessantesten Teile seiner Philosophie.
Menschen besitzen unterschiedliche Vorstellungen.
Unterschiedliche Religionen.
Unterschiedliche Philosophien.
Unterschiedliche politische Ansichten.
Unterschiedliche Lehrer.
Man muss nicht alles vereinheitlichen.
Kohaguras Lösung war erstaunlich einfach:
RESPECT EACH OTHER.
GIVE PEOPLE ROOM TO THINK.
TRAIN KARATE TOGETHER.
Oder sinngemäß:
LET KARATE DO ITS THING.
Karate wurde damit zum gemeinsamen Boden.
Nicht weil alle Menschen dasselbe denken.
Sondern weil Menschen trotz ihrer Unterschiede gemeinsam üben können.
🥋 FROM COPYING TO UNDERSTANDING
Ein weiterer Gedanke Kohaguras verdient einen festen Platz in unserer Chronicle:
“AT SOME POINT YOU HAVE TO START THINKING OF YOUR OWN THEORY INSTEAD OF COPYING YOUR TEACHER.”
Am Anfang kopieren wir.
Wir beobachten den Lehrer.
Wir versuchen seine Bewegungen nachzumachen.
Wir wiederholen.
Aber irgendwann reicht Kopieren nicht mehr.
Der Schüler muss beginnen zu verstehen.
IMITATION → UNDERSTANDING → EXPERIENCE
Das bedeutet nicht, die Tradition zu verlassen.
Es bedeutet, sie lebendig werden zu lassen.
Kohaguras eigene starke Verbindung von Karate und Zazen war genau ein Ausdruck dieser persönlichen Entwicklung.
🇺🇸🇯🇵🇨🇺 LARA CHAMBERLAIN · THE NEXT CONNECTION
Und hier öffnet sich ein weiteres wichtiges Kapitel.
Lara Chamberlain Sensei kam 1995 nach Okinawa, um bei Shōshin Nagamine und innerhalb dieser Matsubayashi-ryū-Welt zu lernen.
In dieser Zeit begegnete sie auch Masaaki Kohagura.
Aus diesen Begegnungen entwickelte sich über die Jahre eine persönliche Verbindung.
Kohagura unterstützte und ermutigte sie.
Nach Nagamines Tod blieb er im Hintergrund mit ihrer Entwicklung verbunden und erkundigte sich bei Takayoshi Nagamine nach ihr.
Viele der sehr persönlichen Erinnerungen, die heute Details über Kohaguras Denken, seine Schiffe, seine Beziehung zu Kuba und seine Sicht auf Karate bewahren, stammen aus dieser persönlichen Überlieferung.
Und Jahrzehnte später schloss sich ein weiterer Kreis.
Nach Laras Erinnerungen gab Kohagura ihr beziehungsweise ihrem Umfeld um 2021 seinen Segen, seine Arbeit und sein Vermächtnis in Kuba zu unterstützen.
Es folgten weitere Reisen nach Kuba.
Damit entstand eine bemerkenswerte Verbindung:
SHŌSHIN NAGAMINE
↓
MASAAKI KOHAGURA
↓
🇨🇺 CUBAN KARATE
↓
LARA CHAMBERLAIN
↓
🇨🇺 NEXT GENERATION
Wir sollten daraus keinen formalen Nachfolgetitel konstruieren.
Das Entscheidende ist etwas anderes:
TRUST.
FRIENDSHIP.
SUPPORT.
TRANSMISSION.
🌱 A TEACHER PLANTS A SEED
1967 stand Kohagura vor einer kleinen Gruppe junger Kubaner.
Damals konnte niemand wissen, wohin dieser Unterricht führen würde.
Jahrzehnte vergingen.
Menschen wurden älter.
Organisationen veränderten sich.
Konflikte entstanden.
Träume scheiterten.
Neue Menschen kamen.
Aber etwas blieb.
DER SAMEN.
Das ist vielleicht die eigentliche Bedeutung eines Lehrers.
Nicht, dass alles für immer seinen Namen trägt.
Sondern dass etwas weiterlebt, wenn er selbst nicht mehr da ist.
🕊️ PEACE DOES NOT BEGIN WITH THE WORLD
Kohaguras Vorstellung von Frieden war bemerkenswert bodenständig.
Frieden ist ein riesiges Wort.
Vielleicht zu groß, wenn wir versuchen, die ganze Welt auf einmal zu verändern.
Also beginnt man kleiner.
Bei sich selbst.
Bei dem Menschen gegenüber.
Im Dōjō.
In einer Gruppe.
Mit Respekt.
Dann kann daraus vielleicht etwas Größeres entstehen.
Das führt uns zurück zu seinem Anfang als Jugendlicher.
Zu der Botschaft:
THROUGH KARATE, ONE CAN COME TO PEACE.
Und nach einem ganzen Leben führt der Weg wieder an denselben Punkt.
🥋 TRUE VICTORY
Kohaguras Lebensgeschichte umfasst Okinawa und Kuba.
Schiffe und Dōjō.
Dan-Prüfungen und Zazen.
Lehrer und Schüler.
Freundschaft und Enttäuschung.
Träume und Rückschläge.
Doch seine vielleicht größte Aufgabe blieb dieselbe:
CONQUER SELF.
Nicht Kuba musste er erobern.
Nicht einen Gegner.
Nicht einen Verband.
Nicht einen Titel.
Die Aufgabe war:
den eigenen Charakter zu entwickeln,
freundlicher zu werden,
anderen zu dienen,
und weiter an sich selbst zu arbeiten.
Und selbst als alter hochgraduierter Karateka glaubte er, auf diesem Weg erst einen kleinen Teil zurückgelegt zu haben.
Das ist vielleicht die schönste Erklärung dafür, warum:
THE WAY NEVER ENDS.
🇯🇵 MASAAKI KOHAGURA · 古波蔵正明
13 SEPTEMBER 1940 – 4 MARCH 2026
SHURI · OKINAWA · JAPAN
MATSUBAYASHI-RYŪ · KYOSHI · 8TH DAN
KARATEKA · TEACHER · SEAFARER · PIONEER
🇯🇵 OKINAWA → THE SEA → CUBA 🇨🇺
TSUKI · ZAZEN · CHARACTER · KINDNESS · SERVICE · PEACE
THE SHIP BECAME A DŌJŌ.
THE OCEAN BECAME A ROAD.
CUBA BECAME A SECOND HOME.
KARATE BECAME A BRIDGE BETWEEN PEOPLE.
TEACHER → STUDENT → FRIENDSHIP → NEXT GENERATION
TRUE VICTORY IS TO CONQUER SELF.
NANKURUNAISA.
DO YOUR BEST.
DO WHAT YOU CAN.
THEN FACE WHAT COMES.
PRESERVE THE HISTORY.
HONOR THE MASTERS.
PASS ON THE KNOWLEDGE.
KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.
THE WAY NEVER ENDS.
In memory of Masaaki Kohagura Sensei.
A life from Shuri to the sea, from Okinawa to Cuba — and a Karate legacy that continues through the people he touched.
OSU! 🇯🇵🥋🇨🇺🙏


🥋 BUDŌ-KALENDER · 17. SEPTEMBER
🇩🇪 KARL-HEINZ WERNER 🇩🇪
BORN 17 SEPTEMBER 1949 · RODEWISCH, SAXONY
JŪDŌ · GDR · EUROPEAN MEDALLIST · OLYMPIAN · COACH · 7TH DAN
Nach unserem großen Gedenken an Horst Handel führt uns der Budō-Kalender heute zu einem zweiten deutschen Lebensweg – diesmal auf die Judomatte.
Heute, am 17. September 2026, feiert Karl-Heinz Werner seinen 77. Geburtstag.
Seine Geschichte führt mitten hinein in eine außergewöhnliche Epoche des deutschen Sports: vom Nachwuchs-Jūdō der DDR über Europameisterschaften und Weltmeisterschaften bis zu den Olympischen Spielen 1972 in München – und später vom erfolgreichen Wettkämpfer zum langjährigen Trainer.
🥋 THE YOUNG JUDOKA
Karl-Heinz Werner wurde am 17. September 1949 in Rodewisch in Sachsen geboren.
Mit 1,69 Metern Körpergröße kämpfte er zunächst im Leichtgewicht bis 63 kg. Trainer Willi Lorbeer berief ihn in die Nachwuchsmannschaft des Deutschen Judo-Verbandes der DDR.
Bereits 1967 kam ein bedeutender früher internationaler Erfolg: Werner gewann bei den Kadetten-Europameisterschaften. (Wikipedia)
Damit begann sein Weg auf die internationale Tatami.
YOUTH → NATIONAL TEAM → INTERNATIONAL COMPETITION
🥉 EUROPEAN STAGE
Zu Beginn der 1970er-Jahre etablierte sich Werner in der europäischen Spitze.
1970 · EAST BERLIN → EUROPEAN BRONZE
1971 · GOTHENBURG → EUROPEAN BRONZE
1972 · VOORBURG → EUROPEAN BRONZE
1973 · MADRID → EUROPEAN BRONZE
Hinzu kam 1974 in London Bronze mit der DDR-Mannschaft. Die Quellen zählen deshalb teilweise vier EM-Bronzemedaillen, wenn ausschließlich seine Einzelmedaillen gerechnet werden, beziehungsweise fünf einschließlich der Mannschaftsmedaille. (Wikipedia)
Gerade diese kleine Unterscheidung ist für unseren Budō-Kalender wichtig:
Vier Einzelmedaillen + eine Mannschaftsmedaille.
🥋 1972 · EIN STARKES JAHR
1972 wurde zu einem Schlüsseljahr.
Im April gewann Werner zunächst die Dutch Open.
Im Mai folgte bei den Europameisterschaften in Voorburg erneut Bronze bis 63 kg. (Wikipedia)
Und dann wartete die größte Bühne:
🇩🇪 MUNICH 1972
THE OLYMPIC GAMES
Für Werner besaßen diese Spiele noch eine zusätzliche historische Dimension.
Deutschland war geteilt.
Er trat für die DDR an – und die Olympischen Spiele fanden in München in der Bundesrepublik statt. Olympedia bestätigt Werner als DDR-Starter im Leichtgewicht bis 63 kg. (Olympedia)
Sein Turnier begann erfolgreich.
Zunächst besiegte er Moustafa Belhmira aus Marokko.
Danach folgte ein Sieg gegen den Belgier Gustaaf Lauwereins.
Dann entstand eine Begegnung, die aus heutiger Sicht fast symbolisch für diese Zeit wirkt:
🇩🇪 EAST GERMANY
KARL-HEINZ WERNER
vs.
🇩🇪 WEST GERMANY
WOLFRAM KOPPEN
DDR gegen Bundesrepublik.
Zwei deutsche Judoka.
Eine olympische Tatami.
Koppen gewann nach Kampfrichterentscheid; Werner wurde schließlich auf Rang 11 geführt. (Olympedia)
Das ist einer jener kleinen Momente, bei denen Sportgeschichte und Zeitgeschichte unmittelbar aufeinandertreffen.
🌍 WORLD CHAMPIONSHIPS
Auch auf Weltmeisterschaftsebene war Werner aktiv.
1971 · LUDWIGSHAFEN
und
1973 · LAUSANNE
gehörten zu seinen WM-Stationen.
1973 erreichte er in Lausanne das Viertelfinale, wo er gegen den Franzosen Michel Algisi ausschied. (Wikipedia)
Seine aktive Zeit war damit keine kurze Erfolgsspitze.
Über mehrere Jahre gehörte Werner zur internationalen DDR-Jūdō-Mannschaft.
🥇 NATIONAL CHAMPION
Auch national sammelte er Titel.
Werner wurde DDR-Meister 1972, 1974 und 1977. Nach einer Neuordnung der Gewichtsklassen wechselte er 1977 vom bisherigen Leichtgewicht bis 63 kg ins Halbleichtgewicht bis 65 kg. Im selben Jahr gewann er im bulgarischen Plewen auch sein letztes dokumentiertes internationales Turnier. (Wikipedia)
Seine Vereinsstationen spiegeln dabei die Struktur des damaligen DDR-Leistungssports:
ASK VORWÄRTS BERLIN
und ab 1973
ASK VORWÄRTS FRANKFURT (ODER).
Dort gehörten Hubert Sturm und Herbert Niemann zu seinen Trainern. (Wikipedia)
🥋 FROM COMPETITOR TO COACH
Doch auch bei Karl-Heinz Werner endet die Geschichte nicht mit dem letzten Wettkampf.
Der Athlet wurde Trainer.
Olympedia verzeichnet ausdrücklich seine spätere Tätigkeit als Jūdō-Coach. Noch deutlicher wird sein langfristiger Beitrag in den Unterlagen des Deutschen Judo-Bundes: Werner war über viele Jahre Landestrainer am Bundesstützpunkt Frankfurt (Oder). (Olympedia)
Damit begegnet uns wieder ein Muster, das wir in unserem Budō-Kalender immer wieder entdecken:
ATHLETE → EXPERIENCE → COACH → NEXT GENERATION
Eine Medaille gehört dem Athleten.
Weitergegebenes Wissen gehört irgendwann vielen.
🥋 2013 · 7TH DAN
Am 30. November 2013 erhielt Karl-Heinz Werner während der Deutschen Pokalmeisterschaften in Frankfurt (Oder) eine besondere Würdigung.
Der Brandenburgische Judo-Verband ehrte den langjährigen Landestrainer mit dem:
7TH DAN. (Judobund Archiv)
Das ist für unsere Dokumentation besonders schön, weil der Deutsche Judo-Bund diese Ehrung selbst festgehalten hat.
Der junge Wettkämpfer von einst war längst zum erfahrenen Lehrer geworden.
🇩🇪 KARL-HEINZ WERNER · THE JOURNEY
1949 · BORN IN RODEWISCH
↓
JŪDŌ
↓
1967 · CADET EUROPEAN SUCCESS
↓
1970 · EUROPEAN BRONZE
↓
1971 · EUROPEAN BRONZE · WORLD CHAMPIONSHIPS
↓
1972 · DUTCH OPEN WINNER
↓
1972 · EUROPEAN BRONZE
↓
1972 · OLYMPIC GAMES · MUNICH
↓
1973 · EUROPEAN BRONZE · WORLD CHAMPIONSHIPS
↓
1974 · EUROPEAN TEAM BRONZE
↓
THREE-TIME GDR CHAMPION
↓
1977 · FINAL INTERNATIONAL TOURNAMENT VICTORY
↓
COACH
↓
LONG-TIME STATE COACH · FRANKFURT (ODER)
↓
2013 · 7TH DAN
↓
17 SEPTEMBER 2026 · 77TH BIRTHDAY
🔨 BÄRENSCHMIEDE REFLECTION
Auch wenn unser eigener Weg stark vom Karate geprägt ist, bedeutet Budō für uns mehr als nur eine Stilrichtung.
Jūdō gehört zu dieser Geschichte.
Und Karl-Heinz Werners Lebensweg zeigt wieder etwas, das uns inzwischen bei vielen Meistern begegnet:
Der Wettkämpfer wird älter.
Die Medaillen bleiben in der Vitrine.
Aber der Mensch kann das, was er über Jahrzehnte gelernt hat, an die nächste Generation weitergeben.
TRAIN → COMPETE → EXPERIENCE → TEACH → TRANSMIT
Darum gehört auch dieser Lebensweg in unseren Kalender.
Heute gratulieren wir einem Mann, der auf nationalen und internationalen Tatami stand, 1972 die olympische Bühne in München erlebte und später sein Wissen als Trainer weitergab.
🇩🇪 HAPPY 77TH BIRTHDAY
KARL-HEINZ WERNER
RESPECT THE PAST.
HONOR THE EXPERIENCE.
PASS ON THE KNOWLEDGE.
THE WAY NEVER ENDS.
OSU! 🥋


🇯🇵 20 SEPTEMBER 1936 · YASUO KOBAYASHI
Auch im Aikidō finden wir heute einen bedeutenden Geburtstag.
Yasuo Kobayashi wurde am 20. September 1936 in Kudan, Tokio, geboren. Der langjährige Aikikai-Lehrer wurde zu einem bedeutenden internationalen Vermittler des Aikidō; sein Kobayashi Dōjō nennt heute mehr als 120 angeschlossene Dōjō weltweit. (kobayashi-dojo.com)
2026 markiert damit seinen:
90TH BIRTHDAY
AIKIDŌ → TEACHING → DŌJŌ → NEXT GENERATION


🥋 BUDŌ-KALENDER · 24. SEPTEMBER
Guten Morgen, liebe Freunde und Weggefährten der Bärenschmiede und der INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA!
Ein neuer Morgen beginnt – und wieder öffnen wir gemeinsam unseren Budō-Kalender.
Heute ist der 24. September 2026.
Und auch dieser Tag führt uns auf verschiedenen Wegen durch die Geschichte des Karate-Dō: von Okinawa nach Japan, von Hawaii nach Australien und von Asien bis auf die internationale Wettkampftatami.
Wie immer beginnen wir nicht mit der Frage:
„Was müssen wir heute wissen?“
Sondern:
„Welche Spuren finden wir – und wohin führen sie?“
🇯🇵 24 SEPTEMBER 1888 · KANKEN TŌYAMA 遠山寛賢
Unser bedeutendster historischer Treffer des heutigen Tages führt unmittelbar nach Shuri auf Okinawa.
Am 24. September 1888 wurde Kanken Tōyama geboren. Seine Karate-Biografie führt tief in die Welt Ankō Itosus. Quellen seiner Überlieferung nennen außerdem Kentsū Yabu in seinem Trainingsumfeld. Später lebte Tōyama mehrere Jahre in Taiwan und beschäftigte sich dort zusätzlich mit chinesischen Kampfkünsten. (Shudokan México)
1930 eröffnete er in Tokio sein Shūdōkan-Dōjō.
Und hier wird es für unsere gegenwärtige Forschung besonders spannend:
Tōyama verstand Shūdōkan nicht einfach als einen weiteren neuen Karate-Stil. Überlieferungen seiner Schule beschreiben es vielmehr als einen Ort des Trainings und der Forschung; seine Haltung gegenüber einer starren Aufteilung des Karate in verschiedene Schulen war ausgesprochen kritisch. (Shudokan México)
Was für eine Verbindung zu unseren vergangenen Tagen!
ANKŌ ITOSU
↓
KENTSŪ YABU
↓
KANKEN TŌYAMA
↓
STUDY · TRAINING · RESEARCH · TRANSMISSION
Nach unserer Arbeit über Passai, die alten Körperstrukturen und Kentsū Yabu wartet hier bereits der nächste große Forschungsweg auf uns.
🇺🇸 🇦🇺 24 SEPTEMBER 1941 · TINO CEBERANO
Ein zweiter Geburtstag führt uns nach Kauai, Hawaii.
Am 24. September 1941 wurde Constantino „Tino“ Ceberano geboren.
Sein Karate-Weg ist eng mit Gōgen Yamaguchi und dem japanischen Gōjū-Kai verbunden. 1966 ging Ceberano nach Australien und wurde dort zu einer wichtigen Persönlichkeit bei der Verbreitung des Gōjū-Kai-Karate. (Wikipedia)
Damit öffnet sich ein ganz anderes Kapitel unseres Kalenders:
HAWAII → JAPAN → GŌJŪ-KAI → AUSTRALIA
Es ist die Geschichte jener Generation, durch die Karate in den 1950er- und 1960er-Jahren zunehmend seine japanischen und okinawanischen Grenzen überschritt und international weitergegeben wurde.
🇵🇭 24 SEPTEMBER 1995 · MANILA
Auch die Geschichte des modernen Wettkampfkarate hinterlässt heute eine Spur.
Vom 18. bis 24. September 1995 fanden in Manila auf den Philippinen die zweiten Asian Senior Karate Championships statt.
Der 24. September war ihr Schlusstag. (Intersportstats)
Auch hier lohnt sich unser späterer Blick hinter die bloßen Daten.
Wer waren damals die Frauen auf der Tatami?
Wer kämpfte im Kumite?
Wer lief Kata?
Welche Athletinnen gehörten zu jener Generation, die das asiatische Frauen-Karate der 1990er-Jahre mitprägte?
Genau diese Namen wollen wir für unseren:
KARATE-BUDŌ INTERNATIONAL WOMEN · HISTORY & LEGACY
wieder sichtbar machen.
🐻 UNSERE SPUREN DES 24. SEPTEMBER
Heute liegen also wieder mehrere Wege vor uns:
🇯🇵 OKINAWA · SHURI · ITOSU · YABU · TŌYAMA
🇹🇼 TAIWAN · CHINESE MARTIAL ARTS · RESEARCH
🇯🇵 TOKYO · SHŪDŌKAN · STUDY
🇺🇸 HAWAII · CEBERANO
🇯🇵 GŌGEN YAMAGUCHI · GŌJŪ-KAI
🇦🇺 AUSTRALIA · INTERNATIONAL TRANSMISSION
🇵🇭 MANILA 1995 · ASIAN KARATE
🥋 KATA · KUMITE · WOMEN · COMPETITION
Und genau deshalb ist unser Budō-Kalender für uns mehr als eine Sammlung von Geburtstagen.
Ein Datum öffnet eine Tür.
Ein Name führt zu einem Lehrer.
Ein Lehrer führt zu einer Kata.
Eine Kata führt zu einer älteren Überlieferung.
Und plötzlich stehen wir wieder in Shuri, Naha oder Tomari und stellen dieselbe Frage, mit der unsere Forschung immer wieder beginnt:
WHY?
Warum wurde so trainiert?
Warum wurde eine Kata verändert?
Warum bewegt sich der Körper auf diese Weise?
Was wurde weitergegeben?
Was ging verloren?
Und was können wir heute noch erkennen?
DATE → PERSON → TEACHER → TRADITION → RESEARCH → UNDERSTANDING → TRANSMISSION
Heute werden wir deshalb wieder einzelne Spuren aus diesem Kalender herausnehmen und tiefer graben.
Unser erster großer Weg führt zu:
🇯🇵 KANKEN TŌYAMA · 遠山寛賢
24 SEPTEMBER 1888 – 24 NOVEMBER 1966
Denn nach Itosu, Yabu und unserer Passai-Forschung scheint dort bereits das nächste Stück unseres historischen Puzzles auf uns zu warten.
PRESERVE THE HISTORY.
HONOR THE MASTERS.
HONOR THE WOMEN WHO SHAPED KARATE.
PASS ON THE KNOWLEDGE.
KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.
THE WAY NEVER ENDS.
OSU! 🐻🔥🥋
Renshi Mike Stein · 6. Dan
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede
INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA


🥋🇯🇵 BUDŌ-KALENDER · CIRCLE OF MASTERS
22. OKTOBER 2026
54 JAHRE KYOKUSHIN-GESCHICHTE
🇯🇵 MIYUKI MIURA · 🇬🇧 HOWARD COLLINS · 🇯🇵 MASUTATSU ŌYAMA
22 OCTOBER 1972 – 22 OCTOBER 2026
TWO FIGHTERS. TWO JOURNEYS. ONE HISTORIC CHAMPIONSHIP.
Liebe Freunde und Weggefährten der Bärenschmiede,
heute führt uns unser weltweiter Budō-Kalender zurück in das Japan des Jahres 1972.
Eine Zeit, in der das Kyokushin-Karate bereits eine eigene Identität entwickelt hatte und zunehmend auch außerhalb Japans Aufmerksamkeit gewann.
Im Mittelpunkt stand eine Kampfkunst, die körperliche Belastbarkeit, technische Entschlossenheit, Disziplin und die Bereitschaft zur unmittelbaren Auseinandersetzung besonders betonte.
Am 22. Oktober 1972, vor genau 54 Jahren, wurde in Tokio die 4. All-Japan-Open-Kyokushin-Meisterschaft ausgetragen.
Ein Turnier, dessen Ergebnis uns heute zu zwei bemerkenswerten Lebenswegen führt.
Der Sieger war ein junger Japaner:
🥇 MIYUKI MIURA – JAPAN
Auf dem zweiten Platz stand ein junger Brite:
🥈 HOWARD COLLINS – GROSSBRITANNIEN
Zwei Männer aus unterschiedlichen Ländern.
Zwei unterschiedliche Lebenswege.
Und eine gemeinsame Verbindung zu Masutatsu „Mas“ Ōyama, dem Begründer des Kyokushin-Karate.
Doch ihre Geschichte endet nicht mit dieser Meisterschaft.
Sie beginnt dort erst richtig.
🇯🇵 1. DIE VIERTE ALL-JAPAN-OPEN-MEISTERSCHAFT 1972
Die japanischen Kyokushin-Meisterschaften gehörten damals zu den wichtigen Wettkampfveranstaltungen des noch jungen Vollkontakt-Karate.
Unter der Führung von Masutatsu Ōyama (大山倍達) entwickelte das Kyokushin ein Wettkampfsystem, in dem die Kämpfer ihre Techniken unter erheblichem körperlichem Druck anwenden mussten.
Die Begegnungen verlangten nicht nur Schlag- und Tritttechniken.
Entscheidend waren ebenso Distanzgefühl, Standfestigkeit, Belastbarkeit, Timing und die Fähigkeit, trotz Ermüdung handlungsfähig zu bleiben.
Die dokumentierten Platzierungen der Meisterschaft vom 22. Oktober 1972 lauteten:
🥇 1. Miyuki Miura – Japan
🥈 2. Howard Collins – Großbritannien
🥉 3. Toshikazu Satō – Japan
4. Terutomo Yamazaki – Japan
5. Yoshiji Soeno – Japan
6. Yukihisa Imaizumi – Japan
Schon diese Namen zeigen, welche Persönlichkeiten in jener Entwicklungsphase des Kyokushin aufeinandertrafen.
Für unsere historische Arbeit ist das Turnier deshalb mehr als eine Ergebnisliste.
Es ist ein Einblick in die Generation, die das Kyokushin in Japan erlebte und später in unterschiedlichen Ländern weitertrug.
🇯🇵 2. MIYUKI MIURA – DER JAPANISCHE SIEGER
MIYUKI MIURA · 三浦美幸
Miyuki Miura wurde 1949 in der japanischen Präfektur Chiba geboren.
Sein Kampfkunstweg begann nach biografischen Darstellungen mit Shotokan-Karate. Auch Jūdō gehörte zu seinen frühen Erfahrungen.
Später wandte er sich dem Kyokushin zu und trainierte im Umfeld des Honbu-Dōjō von Masutatsu Ōyama.
Eine besondere Bedeutung hatte dabei seine Zeit als Uchi-deshi (内弟子).
Dieser Begriff bezeichnet einen Schüler, der innerhalb einer engen, oft auch im Dōjō lebenden Ausbildungsgemeinschaft trainiert.
Eine solche Ausbildung war nicht auf einzelne Unterrichtsstunden beschränkt.
Training, Disziplin und die unmittelbare Beziehung zum Lehrer bestimmten den Alltag.
Miuras sportliche Entwicklung führte ihn schließlich an die Spitze des japanischen Kyokushin.
1971 erreichte er bei der All-Japan-Meisterschaft den vierten Platz.
Ein Jahr später, am 22. Oktober 1972, gewann er den Titel.
MIYUKI MIURA – ALL-JAPAN CHAMPION 1972.
Doch sein weiterer Weg sollte ihn weit über Japan hinausführen.
Später unterrichtete Miura in den Vereinigten Staaten, insbesondere im Raum Chicago.
Seine Laufbahn war auch mit der World Oyama Karate Organization und später mit eigenständiger Dōjō-Arbeit verbunden.
Damit wurde aus einem japanischen Wettkämpfer ein Lehrer, der über Jahrzehnte zur Weitergabe des Kyokushin in Nordamerika beitrug.
Für unseren CIRCLE OF MASTERS ist genau dieser Übergang interessant:
Vom Schüler zum Wettkämpfer.
Vom Wettkämpfer zum Lehrer.
Vom Lehrer zum Träger einer internationalen Kampfkunstgeschichte.
🇬🇧 3. HOWARD COLLINS – EIN BRITE IM JAPANISCHEN HONBU
HOWARD COLLINS – BRITISH KYOKUSHIN PIONEER
Howard Collins war kein Amerikaner.
Er war ein britischer Karateka, dessen Lebensweg ihn zunächst nach Japan und später nach Skandinavien führte.
1971 ging er nach Japan, um Kyokushin-Karate im Umfeld von Masutatsu Ōyama zu trainieren.
Man muss sich die damalige Situation vorstellen:
Ein junger Europäer reist nach Japan, um in einer Kampfkunst zu trainieren, deren Unterricht, Trainingskultur und körperliche Anforderungen sich deutlich von vielen europäischen Dōjō unterschieden.
Sprachliche Unterschiede, kulturelle Gewohnheiten und die intensive Ausbildung gehörten zu den Herausforderungen.
Doch Collins blieb auf diesem Weg.
Am 22. Oktober 1972 stand er schließlich im Finale der japanischen All-Japan-Open-Meisterschaft.
Er belegte den zweiten Platz hinter Miyuki Miura.
Für einen britischen Karateka war dies ein außergewöhnliches Ergebnis in einer japanischen Vollkontaktmeisterschaft.
HOWARD COLLINS – ALL-JAPAN RUNNER-UP 1972.
Nach seiner Zeit in Japan setzte Collins seine Arbeit in Europa fort.
1977 führte ihn sein Weg nach Schweden.
Dort wurde er zu einer wichtigen Persönlichkeit in der Verbreitung und Entwicklung des Kyokushin-Karate.
Neben seiner praktischen Lehrtätigkeit beschäftigte er sich auch mit der schriftlichen Vermittlung technischer Inhalte.
Sein Buch The Absolute Karate: Applications of Kyokushin erschien 1995.
Seine Geschichte zeigt, wie eine Kampfkunst über persönliche Erfahrungen und Lehrer-Schüler-Beziehungen internationale Verbindungen schafft.
Japan war ein entscheidender Ausbildungsort.
Großbritannien war seine Herkunft.
Schweden wurde zu einem wichtigen Ort seiner späteren Arbeit.
JAPAN → EUROPE → SWEDEN
TRAINING → EXPERIENCE → TEACHING → LEGACY
🇯🇵 4. MASUTATSU ŌYAMA – DER GEMEINSAME LEHRER
MASUTATSU ŌYAMA · 大山倍達
Hinter den Lebenswegen von Miura und Collins steht eine Persönlichkeit, ohne die diese Geschichte nicht verständlich wäre.
Masutatsu Ōyama, geboren 1923 und gestorben 1994, begründete das Kyokushin-Karate.
Seine Vorstellung einer körperlich anspruchsvollen Kampfkunst prägte Generationen von Schülern.
Das Kyokushin entwickelte eine eigene Trainings- und Wettkampfkultur, in der Ausdauer, Härte, technische Wirksamkeit und geistige Entschlossenheit einen hohen Stellenwert einnahmen.
Dabei sollte man historische Entwicklungen nicht auf eine einzelne Person reduzieren.
Eine Kampfkunst entsteht auch durch die Schüler, Lehrer, Organisatoren und Dōjō, die sie täglich praktizieren und weitergeben.
Ōyama schuf wesentliche Grundlagen.
Seine Schüler verbreiteten diese Grundlagen auf unterschiedlichen Wegen.
Manche blieben innerhalb der ursprünglichen Organisation.
Andere entwickelten später eigene Schulen oder organisatorische Strukturen.
Für die historische Betrachtung ist entscheidend, ihre tatsächlichen Lehrerlinien und Lebenswege zu dokumentieren, ohne spätere Organisationsunterschiede rückwirkend zu vereinfachen.
DIFFERENT JOURNEYS. SHARED ROOTS.
🥋 5. DIE VERBINDUNG ZUM 100-MAN KUMITE
Besonders bemerkenswert wird die Geschichte, wenn wir über den 22. Oktober 1972 hinausblicken.
Denn sowohl Howard Collins als auch Miyuki Miura absolvierten später das berühmte 100-Man Kumite.
HYAKUNIN KUMITE · 百人組手
Der japanische Begriff bezeichnet die Herausforderung, nacheinander gegen einhundert Gegner anzutreten.
Diese Prüfung verlangt eine außergewöhnliche Kombination aus körperlicher Ausdauer, technischer Anpassungsfähigkeit, mentaler Entschlossenheit und Belastungssteuerung.
Nach der offiziellen Kyokushin-Chronik absolvierte:
🇬🇧 HOWARD COLLINS
1. DEZEMBER 1972 – 100-MAN KUMITE
Nur wenige Wochen nach seinem zweiten Platz bei der japanischen Meisterschaft.
Und:
🇯🇵 MIYUKI MIURA
13. APRIL 1973 – 100-MAN KUMITE
Damit verbindet beide Männer nicht nur das Finale der All-Japan-Meisterschaft von 1972.
Beide stellten sich anschließend auch einer der bekanntesten Herausforderungen des Kyokushin.
Wir sollten allerdings zwischen der historisch dokumentierten Prüfung und späteren Erzählungen über einzelne Kampfsituationen unterscheiden.
Nicht jede oft wiederholte Anekdote lässt sich anhand zeitgenössischer Unterlagen überprüfen.
Die belegten Ereignisse sind bereits eindrucksvoll genug.
100 OPPONENTS.
ENDURANCE. DISCIPLINE. DETERMINATION.
🐻 6. WAS KÖNNEN WIR IN DER BÄRENSCHMIEDE DARAUS LERNEN?
Nach 47 Jahren aktiver Kampfkunst interessiert mich an solchen historischen Ereignissen nicht allein die Frage, wer gewonnen hat.
Mich interessiert, wie ein Kämpfer seine Technik unter zunehmender Belastung aufrechterhält.
Was geschieht mit der Atmung?
Wie verändert sich die Körperhaltung?
Was passiert mit der Hüfte, wenn die Beine müde werden?
Wie lange kann ein Karateka seine Distanz kontrollieren?
Und wann wird aus einer technisch sauberen Bewegung nur noch ein unkoordinierter Kraftaufwand?
Genau hier beginnt für mich die praktische Auseinandersetzung mit der Geschichte.
間合い – MA-AI · DISTANZ
Wie kontrolliere ich den Abstand zum Gegner?
Eine gute Technik nützt wenig, wenn ich zu weit entfernt bin oder mich unnötig in die Angriffslinie bewege.
Distanz ist nicht nur eine räumliche Frage.
Sie hängt mit Timing, Bewegung und der Reaktion des Gegners zusammen.
体捌き – TAI SABAKI · KÖRPERBEWEGUNG
Wie bewege ich meinen Körper, ohne unnötig Energie zu verschwenden?
Ein kleiner Winkel kann wirkungsvoller sein als eine große Ausweichbewegung.
Unter Ermüdung wird diese Ökonomie besonders wichtig.
呼吸 – KOKYŪ · ATMUNG
Wie beeinflusst meine Atmung die Bewegung?
Atmung begleitet Spannung und Entspannung, Rhythmus und Erholung.
Wer seine Atmung unter Belastung verliert, kann auch die Koordination seiner Techniken beeinträchtigen.
決め – KIME · ENTSCHEIDENDE TECHNISCHE FOKUSSIERUNG
Wie bringe ich meine Kraft zum richtigen Zeitpunkt in die Technik?
Nicht dauerhafte maximale Muskelspannung ist das Ziel.
Entscheidend ist das koordinierte Zusammenwirken des Körpers im passenden Augenblick.
鉄の腰 – TETSU NO KOSHI · DIE EISERNE HÜFTE
In unserer Bärenschmiede beschäftigen wir uns immer wieder mit der Verbindung zwischen Stand, Beinmuskulatur, Hüfte, Rumpf und Technik.
Die Kraft soll nicht isoliert aus der Schulter entstehen.
Sie muss über eine funktionierende Körperstruktur übertragen werden.
Wenn die Beine ermüden, die Hüfte ihre Koordination verliert und der Oberkörper ausweicht, verändert sich auch die Qualität unserer Technik.
Deshalb ist die Frage nicht nur:
Wie stark kann ich schlagen?
Sondern:
Wie lange kann ich eine technisch wirksame Bewegung wiederholen, ohne ihre Struktur zu verlieren?
Das ist unsere eigene trainingspraktische Interpretation.
Wir behaupten damit nicht, dass Miura oder Collins diese Begriffe in genau derselben Weise unterrichteten.
Wir nutzen ihre historische Leistung als Anlass, unsere eigenen Methoden kritisch zu untersuchen.
🥋 7. SHOTOKAN UND KYOKUSHIN – UNTERSCHIEDLICHE WEGE, GEMEINSAME FRAGEN
Unsere Bärenschmiede ist vom Karate-Dō und seiner technischen Entwicklung geprägt.
Wir arbeiten intensiv mit Kata, Kihon, Kumite, Bunkai, Körperstruktur und Atmung.
Das Kyokushin setzt in seiner Wettkampfpraxis andere Schwerpunkte als viele Formen des Shotokan.
Diese Unterschiede müssen wir respektieren.
Doch es gibt grundlegende Fragen, die sich in beiden Systemen stellen:
Wie entsteht Kraft?
Wie bleibt eine Technik unter Druck funktionsfähig?
Wie kontrollieren wir Distanz und Timing?
Wie verbinden wir körperliche Belastbarkeit mit technischer Präzision?
Und wie verhindern wir, dass wir nur Bewegungen wiederholen, ohne ihren Zweck zu verstehen?
Respecting tradition does not mean freezing tradition.
Tradition bedeutet für mich nicht, eine Bewegung unverändert zu kopieren, ohne sie zu hinterfragen.
Tradition bedeutet auch, das überlieferte Wissen zu prüfen, zu verstehen und verantwortungsvoll weiterzugeben.
🌏 8. VOM WETTKAMPF ZUM VERMÄCHTNIS
1972 standen zwei junge Männer in Tokio im Mittelpunkt einer Kyokushin-Meisterschaft.
Der eine kam aus Japan.
Der andere aus Großbritannien.
Beide hatten sich dem intensiven Training gewidmet.
Beide gingen später unterschiedliche Wege.
Miyuki Miura trug seine Erfahrungen in die Vereinigten Staaten.
Howard Collins wurde zu einer wichtigen Persönlichkeit des Kyokushin in Europa und insbesondere in Schweden.
Heute, 54 Jahre später, interessiert uns deshalb nicht nur ihr sportliches Ergebnis.
Uns interessiert, was aus ihren Erfahrungen geworden ist.
Welche Schüler wurden durch sie geprägt?
Welche technischen Vorstellungen haben sie weitergegeben?
Welche Dōjō und Lehrerlinien sind aus ihrer Arbeit hervorgegangen?
Und welche Teile ihrer Geschichte sind in Dokumenten, Büchern und persönlichen Erinnerungen erhalten geblieben?
Das sind die Fragen unseres CIRCLE OF MASTERS.
Denn ein Meister wird nicht allein durch seine Wettkampferfolge Teil der Geschichte.
Sein Vermächtnis zeigt sich auch darin, was er anderen Menschen vermittelt und was von seinem Wissen weiterlebt.
📚 HISTORISCHE DOKUMENTATION
Die wichtigsten Ausgangspunkte unserer Recherche sind die offiziellen Kyokushin-Ergebnislisten und Chroniken zur 4. All-Japan-Open-Meisterschaft sowie die biografischen Dokumentationen zu Miyuki Miura und Howard Collins.
Für die weiterführende technische Betrachtung ist auch Howard Collins’ Buch The Absolute Karate: Applications of Kyokushin von Interesse.
Wir unterscheiden dabei zwischen dokumentierten Turnierergebnissen, biografischen Angaben, späteren Überlieferungen und unseren eigenen trainingspraktischen Schlussfolgerungen.
RESEARCH BEFORE LEGEND.
EVIDENCE BEFORE ASSUMPTION.
RESPECT FOR EVERY LINEAGE.
🐻 DER GEDANKE DER BÄRENSCHMIEDE
Liebe Freunde und Weggefährten,
54 Jahre sind vergangen.
Die Welt des Karate hat sich verändert.
Organisationen sind gewachsen, haben sich getrennt oder neue Wege eingeschlagen.
Trainingsmethoden wurden weiterentwickelt.
Doch eine Frage bleibt:
Was geben wir an die nächste Generation weiter?
Nur Gürtel und Titel?
Nur Ergebnisse und Pokale?
Oder auch Erfahrung, Verständnis, Verantwortung und den Geist unserer Kampfkunst?
Für mich ist die Antwort klar.
Ein Grad ist eine Station.
Erfahrung ist ein Weg.
Und das Vermächtnis ist das, was bleibt.
Heute erinnern wir an Miyuki Miura, Howard Collins und die Meisterschaft vom 22. Oktober 1972.
Wir würdigen ihre Leistungen, ohne die Geschichte zu verklären.
Und wir nehmen sie zum Anlass, unsere eigene Kampfkunst weiterhin zu untersuchen, zu trainieren und zu verstehen.
Denn der Weg endet nicht mit einem Sieg.
Er endet nicht mit einem Gürtel.
Und er endet nicht mit einer Meisterschaft.
THE WAY NEVER ENDS.
🇯🇵 54 YEARS OF KYOKUSHIN HISTORY
🇯🇵 MIYUKI MIURA – 1972 CHAMPION
🇬🇧 HOWARD COLLINS – 1972 RUNNER-UP
🇯🇵 MASUTATSU ŌYAMA – KYOKUSHIN FOUNDER
TWO FIGHTERS. TWO JOURNEYS. ONE HISTORIC CHAMPIONSHIP.
DIFFERENT MASTERS. DIFFERENT STYLES. ONE SPIRIT.
RESEARCH · PRACTICE · PRESERVE · PASS IT ON.
PRESERVE THE HISTORY.
HONOR THE MASTERS.
PASS ON THE KNOWLEDGE.
Mit Respekt vor den Meistern und allen Menschen, die das Wissen unserer Kampfkunst bewahren.
Renshi Mike Stein · 6th Dan Karate-Dō
Founder · Martial Arts Practitioner · Researcher · Historian · Author
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede Dōjō
International Rin Dō Shinzen Budō Association – IRDSBA
BÄRENSTARK. 🐻
KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.
OSU! 🥋🌏
#BudoCalendar #CircleOfMasters #Kyokushin #KyokushinKarate #MiyukiMiura #HowardCollins #MasOyama #KarateHistory #100ManKumite #KarateDo #MartialArtsHistory #Bärenschmiede #RinDoShinzen #IRDSBA #TheWayNeverEnds

🥋🐻 GUTEN MORGEN, FREUNDE UND WEGGEFÄHRTEN!
🌏 BUDŌ-KALENDER · FREITAG, 23. OKTOBER 2026
CIRCLE OF MASTERS – HISTORY · TRADITION · LEGACY
Liebe Freunde, Meister, Sensei und Weggefährten der internationalen Kampfkunstgemeinschaft,
ich wünsche euch einen wunderschönen guten Morgen und einen kraftvollen Start in diesen Freitag!
Heute öffnen wir wieder gemeinsam unseren weltweiten Budō-Kalender.
Unsere historische Reise führt uns von Okinawa über Europa und Afrika bis nach Brasilien, Korea und China.
Wir erinnern an Geburtstage bedeutender Kampfkunstpersönlichkeiten, an internationale Meisterschaften, an die Entwicklung großer Organisationen und an Menschen, die ihr Leben der Weitergabe ihrer Kampfkunst gewidmet haben.
Denn unser Budō-Kalender ist mehr als eine Sammlung von Jahreszahlen.
Wir möchten Geschichte bewahren, Lehrerlinien verstehen und die Menschen würdigen, die unsere Kampfkünste geprägt haben.
🇯🇵 OKINAWA – DIE HEIMAT DES KARATE-DŌ
Auf dem Weg zum KARATE DAY – 25. Oktober
Heute richten wir unseren Blick besonders nach Okinawa.
Dort stehen die Tage rund um den 25. Oktober ganz im Zeichen des traditionellen Karate.
Am 25. Oktober 1936 wurde bei einem historischen Treffen auf Okinawa über die Bezeichnung und Zukunft des Karate beraten.
Dieser geschichtliche Bezug war ein wichtiger Grund dafür, dass die Präfektur Okinawa im Jahr 2005 den 25. Oktober zum offiziellen Karate Day erklärte.
Auch 2026 finden rund um diesen Gedenktag Veranstaltungen statt, bei denen traditionelle Kata, Karate-Dō und die Weitergabe des Wissens im Mittelpunkt stehen.
Heute, am 23. Oktober, befinden wir uns mitten in dieser besonderen Karate-Woche.
Für unseren Budō-Kalender ist das eine Erinnerung an die Meister und Lehrer Okinawas, die ihre Kunst über Generationen bewahrt haben.
HONOR THE ROOTS. PRESERVE THE TRADITION.
🇮🇹 ITALIEN – GEBURTSTAG VON GENNARO TALARICO
23. Oktober 1965 – 61. Geburtstag
Heute gratulieren wir dem italienischen Karate-Meister und ehemaligen Nationalmannschaftskämpfer Gennaro Talarico.
Er gehört zu den bekannten Persönlichkeiten des italienischen Wettkampfkarate und war über viele Jahre auf internationaler Ebene aktiv.
Neben seiner sportlichen Laufbahn engagierte er sich auch als Trainer und in der Nachwuchsförderung.
Sein Weg steht stellvertretend für eine Generation europäischer Karateka, die zur Entwicklung des internationalen Wettkampfkarate beigetragen hat.
HAPPY BIRTHDAY – RESPECT AND BEST WISHES!
🇧🇷 BRASILIEN – 34 JAHRE CONFEDERAÇÃO BRASILEIRA DE CAPOEIRA
23. Oktober 1992 – 23. Oktober 2026
Heute erinnern wir an ein wichtiges Datum der brasilianischen Capoeira-Geschichte.
Am 23. Oktober 1992 wurde die Confederação Brasileira de Capoeira gegründet.
Die Organisation entstand in einer Zeit, in der die sportliche und institutionelle Entwicklung der Capoeira in Brasilien zunehmend an Bedeutung gewann.
Doch Capoeira ist weit mehr als eine Wettkampfdisziplin.
Sie verbindet Bewegung, Rhythmus, Musik, Geschichte, kulturelle Identität und die Erfahrungen afrobrasilianischer Gemeinschaften.
Ihre Wurzeln reichen weit über die Gründung moderner Verbände hinaus.
Heute würdigen wir deshalb nicht nur ein Organisationsjubiläum, sondern auch die Meister, Lehrer und Gemeinschaften, die Capoeira über Generationen weitergegeben haben.
34 YEARS – HISTORY · CULTURE · TRADITION · LEGACY.
🇧🇷 IN MEMORY – MESTRE SOLDADO
Everardo Carlos Pereira
23. Oktober 1964 – 24. Juli 2009
Heute wäre der brasilianische Capoeira-Meister Mestre Soldado 62 Jahre alt geworden.
Er begann 1978 mit dem Capoeira-Training und engagierte sich später besonders für die Vermittlung der Kampfkunst an Kinder und Jugendliche.
Seine Arbeit führte ihn unter anderem durch Ceará und Tocantins.
Dabei verband er die Weitergabe der Capoeira mit sozialer Arbeit und kultureller Bildung.
Mestre Soldado verstarb 2009.
Sein Geburtstag gibt uns heute Gelegenheit, an einen Lehrer zu erinnern, dessen Wirken weit über das reine Training hinausging.
IN MEMORY OF MESTRE SOLDADO.
THE TEACHER LIVES THROUGH THE KNOWLEDGE HE PASSES ON.
🇿🇦 SÜDAFRIKA – 17 JAHRE INTERNATIONALES GŌJŪ-KAI
23.–26. Oktober 2009 – Kapstadt
Am 23. Oktober 2009 begann in Kapstadt das fünfte internationale Karate-Dō-Gōjū-kai-Weltturnier.
Die Veranstaltung brachte Karateka aus verschiedenen Ländern zusammen und dokumentiert die weltweite Verbreitung des japanischen Gōjū-kai.
Für unsere historische Arbeit ist dabei nicht allein das Wettkampfergebnis interessant.
Ebenso wichtig sind die internationalen Begegnungen, die Lehrerlinien und die Entwicklung von Karate-Organisationen außerhalb Japans.
DIFFERENT COUNTRIES. ONE KARATE SPIRIT.
🇨🇳🇰🇷 CHINA UND KOREA – EIN JAHR WORLD TAEKWONDO GENERAL ASSEMBLY
23. Oktober 2025 – Wuxi, China
Vor genau einem Jahr fand in Wuxi die Generalversammlung von World Taekwondo statt.
Vertreter der internationalen Taekwondo-Gemeinschaft kamen zusammen, um über die organisatorische und sportliche Zukunft ihrer Disziplin zu beraten.
Auch solche Ereignisse gehören zur Kampfkunstgeschichte.
Denn die weltweite Entwicklung des Taekwondo wurde nicht nur durch Meister und Sportler geprägt, sondern ebenso durch internationale Zusammenarbeit und den Aufbau gemeinsamer Strukturen.
ONE YEAR AGO – INTERNATIONAL TAEKWONDO HISTORY.
🌏 UNSERE WELTWEITE BUDŌ-GEMEINSCHAFT
Unsere heutige Reise führt durch unterschiedliche Traditionen:
🇯🇵 Japan und Okinawa – Karate-Dō, Kobudō und die Bewahrung historischer Lehrerlinien.
🇨🇳 China – Wushu, Kung-Fu und Tai Chi als bedeutende Bestandteile der asiatischen Kampfkunstgeschichte.
🇮🇳 Indien – traditionelle Kampfkünste wie Kalaripayattu und ihre kulturellen Überlieferungen.
🇧🇷 Brasilien – Capoeira, ihre Meister und ihre Entwicklung.
🇰🇷 Korea – Taekwondo und die internationale Verbreitung koreanischer Kampfkünste.
🇪🇺 Europa – Karate-Pioniere, Lehrer, Vereine und die Entwicklung des internationalen Wettkampfsports.
Nicht für jedes dieser Länder liegt uns heute ein gesicherter, exakt auf den 23. Oktober datierter Jahrestag vor. Deshalb unterscheiden wir bewusst zwischen den historischen Treffern des Tages und dem größeren kulturellen Zusammenhang.
GESCHICHTE VERDIENT SORGFALT.
🐻 EIN GEDANKE AUS DER BÄRENSCHMIEDE
Liebe Freunde und Weggefährten,
wenn wir auf die Geschichte unserer Kampfkünste zurückblicken, erkennen wir immer wieder, wie viele Menschen ihren Beitrag geleistet haben.
Manche wurden Weltmeister.
Andere gründeten Verbände.
Wieder andere unterrichteten über Jahrzehnte in kleinen Dōjō und bewahrten das Wissen ihrer Lehrer.
Nicht alle standen auf großen Bühnen.
Nicht alle erhielten internationale Auszeichnungen.
Aber viele hinterließen Spuren, die bis heute sichtbar sind.
Nach 47 Jahren aktiver Kampfkunst weiß ich, dass unser Weg nicht allein aus Prüfungen, Titeln und Erfolgen besteht.
Er besteht aus täglicher Übung, aus Begegnungen, aus Fehlern, aus Erfahrungen und aus dem Wissen, das wir weitergeben.
EIN GRAD IST EINE STATION.
ERFAHRUNG IST EIN WEG.
UND DAS VERMÄCHTNIS IST DAS, WAS BLEIBT.
Deshalb arbeiten wir mit unserem Budō-Kalender und dem CIRCLE OF MASTERS weiter daran, die Geschichte unserer Kampfkünste zu erforschen und für kommende Generationen zugänglich zu machen.
Die Bilder begleiten unsere Beiträge.
Aber das eigentliche Vermächtnis liegt in den Menschen, ihren Geschichten und ihrem Wissen.
🥋 UNSER GRUSS ZUM FREITAG
Ich wünsche allen Meistern, Sensei, Trainern, Schülern und Weggefährten weltweit einen erfolgreichen, friedlichen und gesunden Freitag.
Bleibt aufmerksam.
Bleibt neugierig.
Trainiert mit Respekt.
Und vergesst niemals die Menschen, die vor uns diesen Weg gegangen sind.
RESEARCH · PRACTICE · PRESERVE · PASS IT ON.
DIFFERENT MASTERS. DIFFERENT STYLES. ONE SPIRIT.
KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.
THE WAY NEVER ENDS.
Mit herzlichen Grüßen aus der Bärenschmiede
Renshi Mike Stein · 6th Dan Karate-Dō
Kampfkunstpraktiker · Forscher · Historiker · Autor
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede Dōjō
INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA
BÄRENSTARK! 🐻🥋
OSU!
#BudoCalendar #CircleOfMasters #KarateHistory #KarateDo #OkinawaKarate #KarateDay #GennaroTalarico #Capoeira #MestreSoldado #GojuKai #Taekwondo #MartialArtsHistory #RinDoShinzen #Bärenschmiede #IRDSBA #TheWayNeverEnds

🥋🐻 BUDŌ-KALENDER · 24. OKTOBER 2026
GUTEN MORGEN, FREUNDE UND WEGGEFÄHRTEN!
🇯🇵 🇧🇷 🇺🇸 🇩🇪 – GESCHICHTE, MEISTER UND LEBENDIGE TRADITIONEN
Guten Morgen aus der Bärenschmiede!
Ich wünsche allen Freunden, Meistern, Sensei und Weggefährten rund um die Welt einen wunderschönen Samstag und einen kraftvollen Start in das Wochenende.
Auch heute führt uns unser internationaler Budō-Kalender durch die Geschichte der Kampfkünste.
Wir erinnern an Pioniere, ehren die Arbeit großer Meister und schauen auf die Menschen, die unsere Traditionen bis heute lebendig halten.
🇯🇵 OKINAWA – 90 JAHRE KARATE-GESCHICHTE
Morgen, am 25. Oktober, feiert Okinawa seinen offiziellen KARATE DAY – 空手の日 (Karate no Hi).
Der historische Ursprung liegt 90 Jahre zurück.
Am 25. Oktober 1936 kamen bedeutende Vertreter des okinawanischen Karate zu einer Gesprächsrunde zusammen, bei der die einheitliche Schreibweise 空手 – Karate vereinbart wurde.
Ein historischer Meilenstein für eine Kampfkunst, die heute auf der ganzen Welt praktiziert wird.
Auch 2026 werden auf Okinawa traditionelle Vorführungen stattfinden.
Zu den angekündigten Meistern gehört Kiyohide Shinjo, Hanshi 10. Dan Uechi-ryū.
Die Uechi-ryū Karatedō Rengōkai plant außerdem eine Gedenkvorführung für die Opfer des Krieges in Itoman.
Karate verbindet hier Geschichte, Verantwortung und den Gedanken des Friedens.
🇧🇷 BRASILIEN – MESTRE CELSO UND DIE CAPOEIRA-PIONIERE
Heute erinnern wir an den Geburtstag von Mestre Celso – Celso Carvalho do Nascimento, geboren am 24. Oktober 1939 in Rio de Janeiro.
Er lernte bei Mestre Artur Emídio und gründete 1973 die Associação de Capoeira Engenho da Rainha.
Sein Lebensweg gehört zur Geschichte der Weitergabe und Entwicklung der Capoeira in Brasilien.
Am heutigen Tag jährt sich seine Geburt zum 87. Mal.
Wir würdigen seinen Beitrag zur Bewahrung dieser brasilianischen Kampfkunst.
🇧🇷🇩🇪 CAPOEIRA – LEBENDIGE TRADITION IN DEUTSCHLAND
Auch heute wird Capoeira nicht nur in Brasilien, sondern international gelebt.
In Berlin begegnen sich bei einer Capoeira-Angola-Veranstaltung die Meister Cobra Mansa und Boca do Rio.
In Würzburg finden an diesem Wochenende die Deutschen ABADÁ-Capoeira-Meisterschaften statt.
Zwei unterschiedliche Veranstaltungen, aber eine gemeinsame Botschaft:
Kampfkunst lebt durch Training, Begegnungen, Musik, Erfahrung und die Weitergabe von Wissen.
🇺🇸🇯🇵 WOMEN IN KARATE & BUDŌ HISTORY – PEGGY HESS
Ein besonderer Schwerpunkt unserer heutigen Forschungsarbeit gilt Sensei Peggy Hess.
Seit 1972 ist sie mit dem Uechi-ryū verbunden.
Ihr Shodan ist für den 13. April 1978 dokumentiert.
Sie gehört zu den bemerkenswerten Frauen, die über Jahrzehnte hinweg Verbindungen zwischen amerikanischem Karate und der traditionellen Kampfkunst Okinawas aufgebaut haben.
Durch unseren persönlichen Austausch mit Sensei Evgeny Rybin, der Peggy Hess gerade auf Okinawa getroffen hat, erhalten wir zusätzliche Hinweise auf ihre Ausbildung und ihre Erinnerungen an Kanei Uechi.
Heute möchten wir dieser außergewöhnlichen Karate-Frau einen eigenen Platz in unserem CIRCLE OF MASTERS – WOMEN IN KARATE & BUDŌ HISTORY widmen.
🥋 BÄRENSCHMIEDE – WARUM WIR GESCHICHTE BEWAHREN
Unsere historische Forschung führt uns nicht nur zu Namen und Jahreszahlen.
Sie erinnert uns auch an unsere eigenen Lehrer, Freunde, Begegnungen und Erfahrungen.
Manchmal genügt ein alter Name, ein Foto oder ein historisches Datum, und plötzlich werden Erinnerungen wieder lebendig.
Genau deshalb betreiben wir unseren Budō-Kalender.
Nicht, um nur Daten zu sammeln.
Sondern um die Menschen hinter diesen Daten sichtbar zu machen.
Denn jeder Meister war einmal Schüler.
Jede Tradition wurde durch Menschen weitergetragen.
Und jede Generation trägt Verantwortung dafür, was von diesem Wissen erhalten bleibt.
DIFFERENT MASTERS. DIFFERENT STYLES. ONE SPIRIT.
RESEARCH · PRACTICE · PRESERVE · PASS IT ON.
KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.
THE WAY NEVER ENDS.
Ich wünsche euch allen einen friedlichen, erfolgreichen und bärenstarken Samstag!
Renshi Mike Stein · 6th Dan Karate-Dō
RIN DŌ SHINZEN – BÄRENSCHMIEDE DŌJŌ
INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION
OSU! 🐻🥋
