🥋 DER KARATE-RUCKSACK – 47 JAHRE AUF DEM WEG

🥋 DER KARATE-RUCKSACK – 47 JAHRE AUF DEM WEG

Liebe Freunde und Weggefährten,

47 Jahre Kampfkunst haben mir vor allem eines gezeigt:

Auf diesem Weg war ich niemals allein.

Über die Jahrzehnte begegnen uns Sensei, Meister, Schüler, Freunde und Weggefährten. Manche begleiten uns viele Jahre. Andere treffen wir vielleicht nur während eines Lehrgangs, eines Trainings oder für wenige Stunden in einem Dōjō.

Und manche Menschen treffen wir überhaupt nie persönlich.

Trotzdem können sie Teil unseres Weges werden.

Denn jeder Meister, dem ich begegnet bin, hat mir etwas mitgegeben. Einen technischen Gedanken. Eine Korrektur. Eine Kata. Eine besondere Art der Bewegung. Manchmal nur einen einzigen Satz, der Jahrzehnte später noch im Kopf geblieben ist.

Nicht alles habe ich übernommen.

Nicht mit allem war oder bin ich einverstanden.

Aber von jedem konnte ich etwas lernen.

Und genau das habe ich über die Jahre in meinen ganz persönlichen Karate-Rucksack gepackt.

Heute ist dieser Rucksack ziemlich schwer geworden.

Darin befinden sich 47 Jahre Training, Erinnerungen, Begegnungen, Fehler und Erfolge. Darin befinden sich meine Lehrer und Weggefährten, unzählige Stunden auf der Tatami und all jene Momente, in denen ich glaubte, eine Technik verstanden zu haben – nur um Jahre später festzustellen, dass es noch eine weitere Ebene gibt.

Jeder langjährige Karateka trägt einen solchen Rucksack.

Seiner sieht anders aus als meiner.

Und meiner anders als seiner.

Wenn ich deshalb einen Meister sehe, der seit 40, 50 oder vielleicht 60 Jahren seinen Gi anzieht, im Dōjō steht, unterrichtet und trotzdem selbst weitertrainiert, brauche ich nicht zuerst zu fragen, welchen Verband er vertritt oder ob seine Technik genauso aussieht wie meine.

Ich sehe zunächst einen Menschen, der ebenfalls einen langen Weg gegangen ist.

Vielleicht ist er heute nicht mehr so schnell wie mit 25.

Vielleicht springt er nicht mehr so hoch.

Vielleicht trägt sein Körper die Spuren jahrzehntelangen Trainings.

Aber sein Karate-Rucksack ist voll.

Voll mit Erfahrungen, die kein Dan-Grad und keine Urkunde vollständig beschreiben können.

Das Alter nimmt uns vielleicht irgendwann Geschwindigkeit und Kraft.

Aber es schenkt uns etwas anderes:

Erfahrung. Verständnis. Erinnerung.

Deshalb möchte ich Menschen anerkennen – auch jene, die ich niemals persönlich getroffen habe.

Wenn jemand sein Leben über Jahrzehnte der Kampfkunst gewidmet, Schüler unterrichtet, selbst weitergelernt und den Weg an eine nächste Generation weitergegeben hat, dann verdient dieser Weg zunächst meinen Respekt.

Eine Ehrung bedeutet für mich dabei nicht, jemanden für vollkommen zu erklären.

Sie bedeutet auch nicht, dass ich sein gesamtes Karate übernehmen oder jede seiner Ansichten teilen muss.

Ich ehre den Weg.

Vielleicht ist genau das der tiefere Sinn unseres Circle of Masters.

Kein Ranking.

Keine Sammlung von Titeln.

Keine Frage danach, wer größer oder besser ist.

Sondern ein Kreis von Menschen, die auf unterschiedliche Weise etwas zur Kampfkunst beigetragen haben.

Nach 47 Jahren gibt mir mein eigener Weg deshalb nicht das Recht, über andere zu richten.

Er gibt mir vielmehr die Möglichkeit, zu verstehen, wie viel Arbeit hinter einem langen Leben im Dōjō steckt.

Und genau daraus entsteht für mich die Ehre, einen anderen Meister zu ehren.

Wir tragen unterschiedliche Rucksäcke.

Wir gehen unterschiedliche Wege.

Aber manchmal erkennen wir im anderen etwas von unserem eigenen Weg wieder.

Dann genügt eine Verbeugung.

Ich sehe deinen Weg.
Ich respektiere deinen Weg.
Und ich gehe meinen weiter.

Das ist für mich Karate-Dō.

WE HONOR THE WAY – NOT PERFECTION.
RESPECT DOES NOT REQUIRE AGREEMENT.
DIFFERENT PATHS. ONE SPIRIT.

THE WAY NEVER ENDS.

OSU! 🥋🐻

Renshi Mike Stein – 6. Dan
Rin D
ō Shinzen – Bärenschmiede Dōjō
IRDSBA