🥋 IN MEMORY OF THE MASTERSTHE BUDŌ MEMORY HALL Their Way Lives On.

🥋 IN MEMORY OF THE MASTERS

Their Way Lives On.

Das passt sehr gut zu deiner Idee: Es soll kein „Nachrichtenarchiv über Verstorbene“ werden, sondern ein digitaler Ort der Erinnerung und des Respekts. Die Menschen sollen dort nicht nur mit Geburts- und Sterbedaten erscheinen, sondern mit dem, was sie dem Budō hinterlassen haben.

Als Einleitung der Seite könnte ich mir vorstellen:

IN MEMORY OF THE MASTERS
Their Way Lives On.

This page is dedicated to the masters, teachers and pioneers who shaped the martial arts and inspired generations of students.

They may have left the dōjō, but their teachings remain in every kata we practice, every technique we refine and every lesson we pass on.

A teacher lives on through those who continue the Way.

Respect. Honor. Gratitude.
THE WAY NEVER ENDS.

ANDY HUG – 26 JAHRE UND DOCH UNVERGESSEN

Guten Morgen, liebe Freunde und Weggefährten,

heute, am 24. August 2026, gedenken wir eines außergewöhnlichen Kampfkünstlers, dessen Name weit über die Grenzen des Karate hinaus bekannt wurde:

Andreas „Andy“ Hug
The Blue-Eyed Samurai.

Vor genau 26 Jahren, am 24. August 2000, starb Andy Hug in Tokio.
Er wurde nur 35 Jahre alt.

Doch manche Menschen hinterlassen in wenigen Jahrzehnten Spuren, die Generationen überdauern.
Andy Hug war einer von ihnen.

Von Wohlen bis nach Japan

Andy Hug wurde am 7. September 1964 in Zürich geboren und wuchs bei seinen Großeltern in Wohlen im Kanton Aargau auf.
Sein Weg war keineswegs vorgezeichnet.

Er kam aus einfachen Verhältnissen, spielte zunächst leidenschaftlich Fußball und schaffte es bis in die Schweizer U-16-Auswahl.
Doch als Junge entdeckte er etwas, das sein gesamtes weiteres Leben bestimmen sollte:

Karate.

In Wohlen begann er unter Werner Schenker zu trainieren.
Schon früh zeigte sich sein außergewöhnliches Talent. Doch Talent allein erklärt Andy Hugs späteren Erfolg nicht.
Entscheidend waren sein Trainingswille, seine Disziplin und seine Bereitschaft, immer wieder an seine Grenzen zu gehen.

Er entschied sich schließlich gegen den Fußball und für den Weg des Karate.
Eine Entscheidung fürs Leben.

Ein Schweizer erobert Japan

Sein Weg führte ihn dorthin, wo für einen jungen europäischen Kyokushin-Kämpfer damals eine der größten Herausforderungen wartete:
nach Japan.

1987 schrieb Andy Hug Geschichte.
Beim 4. Kyokushin World Open Tournament erreichte er als erster Nichtjapaner das Finale.
Dort unterlag er Akiyoshi Shokei Matsui.

Aber Andy hatte etwas verändert.
Ein Schweizer Karateka hatte sich in einem der härtesten Karate-Turniere der Welt bis an die Spitze gekämpft.

Er hatte gezeigt:
Nicht deine Herkunft entscheidet darüber, wie weit du gehen kannst.
Dein Weg entscheidet es.

Vom Kyokushin zum K-1

Später führte ihn sein Weg über Seidokaikan in die große Ära des K-1.
Und auch dort schrieb er Geschichte.

1996 gewann Andy Hug den K-1 World Grand Prix.

Seine außergewöhnlichen Beintechniken wurden zu seinem Markenzeichen.
Der spektakuläre Kakato Geri – Axe Kick und seine gedrehten Fersentechniken machten ihn weltweit bekannt.

Doch Technik allein erklärt nicht, warum sich so viele Menschen noch heute an Andy Hug erinnern.
Es war seine Art zu kämpfen.
Seine Präsenz.
Seine Entschlossenheit.
Sein Respekt gegenüber den Gegnern.
Und dieser unglaubliche Wille, selbst unter größtem Druck weiterzugehen.

The Blue-Eyed Samurai

In Japan wurde der Schweizer zu einem Superstar.
Und er erhielt einen Namen, der bis heute untrennbar mit ihm verbunden ist:

The Blue-Eyed Samurai.

Für mich war und ist Andy Hug deshalb ein Vorbild.
Nicht wegen der Titel.
Nicht wegen der Pokale.
Nicht wegen der Bekanntheit.

Sondern wegen seiner Haltung.

Ein Junge aus einfachen Verhältnissen ging seinen Weg bis nach Japan und an die Weltspitze.
Er fiel.
Er verlor Kämpfe.
Er musste Rückschläge hinnehmen.
Und trotzdem stand er immer wieder auf.

Genau darin liegt für mich eine der wichtigsten Botschaften des Budō:

Ein wahrer Kämpfer wird nicht dadurch definiert, dass er niemals fällt.
Sondern dadurch, dass er immer wieder aufsteht.

24. August 2000

Dann kam das Ende viel zu früh.
Nur wenige Tage nach der Diagnose einer akuten Leukämie starb Andy Hug am 24. August 2000 in Tokio.

35 Jahre.
Ein erschreckend kurzes Leben.
Und doch ein Leben, das bis heute Menschen bewegt.

26 Jahre sind seitdem vergangen.
Neue Generationen von Karateka und Kampfsportlern sind gekommen.
Turniere wurden gewonnen und vergessen.
Champions kamen und gingen.

Aber der Name Andy Hug ist geblieben.

Vielleicht ist genau das ein Zeichen wahrer Größe:
Nicht wie viele Pokale nach einem Menschen übrig bleiben,
sondern wie viele Menschen sich Jahrzehnte später noch an seinen Geist erinnern.

Heute verneigen wir uns

Heute erinnern wir uns an den Karateka.
An den Kämpfer.
An den Champion.

Aber vor allem erinnern wir uns an den Menschen hinter all diesen Titeln.
An seinen Mut.
Seine Disziplin.
Seine Technik.
Seinen Kampfgeist.
Und an einen Schweizer, der in Japan zum Samurai wurde.

Ruhe in Frieden, Andy Hug.

26 Jahre sind vergangen.
Doch solange Menschen trainieren, kämpfen, wieder aufstehen und deinen Weg weitererzählen, bleibt etwas von deinem Geist auf der Tatami.

Ein Kämpfer geht.
Sein Weg bleibt.

Respect.
Never forgotten.

Osu! 🥋

Renshi Mike Stein – 6. Dan
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede Dōjō
INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA

THE WAY NEVER ENDS.

Steve Arneil

🔨 100 KÄMPFE – 100 HAMMERSCHLÄGE AUF DEN AMBOSS
Guten Morgen, liebe Freunde und Weggefährten der Bärenschmiede und der IRDSBA!
Heute, am 29. August, erinnern wir an einen außergewöhnlichen Budōka.
Am 29. August 1934 wurde Steve Arneil geboren – einer der bedeutenden Wegbereiter des Kyokushin-Karate außerhalb Japans. Berühmt wurde er unter anderem dadurch, dass er unter Mas Oyama den legendären 100-Man Kumite absolvierte.
100 Kämpfe.
100 Prüfungen.
100-mal die Entscheidung: Weitermachen.
Was mich daran fasziniert, ist nicht allein die körperliche Leistung.
Es ist der Geist dahinter.
Wenn der Körper müde wird, wenn die Kraft nachlässt und wenn der Kopf längst sagt: Es reicht – dann zeigt sich, was jahrelanges Training wirklich geschaffen hat.
Ausdauer. Wille. Disziplin. Charakter.
Und genau hier sehe ich die Verbindung zu unserer Bärenschmiede.
Unser Symbol ist nicht zufällig der Amboss.
Wir wollen nicht einfach 100 Kata zählen, nur damit am Ende eine große Zahl auf dem Papier steht.
Wir wollen 100 bewusste Hammerschläge auf den Amboss.
Jeder Kihon ein Hammerschlag.
Jede Kata ein Hammerschlag.
Jedes Bunkai ein Hammerschlag.
Jedes Scheitern ein Hammerschlag.
Jedes erneute Aufstehen ein Hammerschlag.
Denn rohes Eisen wird nicht durch einen einzigen gewaltigen Schlag zur Klinge.
Es sind die vielen Schläge.
Immer wieder.
Erhitzen. Schmieden. Prüfen. Korrigieren. Weiterarbeiten.
So verstehe ich auch Budō.
Nicht die Zahl macht uns besser.
Nicht der Gürtel macht uns stärker.
Nicht der Titel macht uns zum Meister.
Es ist die Bereitschaft, jeden Tag wieder an den Amboss zurückzukehren.
Steve Arneils außergewöhnliche Leistung erinnert uns daran, was möglich wird, wenn Technik, Körper und Wille über viele Jahre geschmiedet werden.
Deshalb trainieren wir heute wieder mit genau diesem Gedanken:
Hart – aber nicht verbissen.
Aufrichtig – ohne Show.
Konsequent – ohne Abkürzungen.
Bescheiden – egal welchen Grad wir tragen.
Der Hammer liegt bereit.
Der Amboss wartet.
Der nächste Schlag gehört uns. 🔨🥋
In Respekt vor Steve Arneil (1934–2021) und seinem Lebensweg im Karate.
OSU!
Renshi Mike Stein – 6. Dan
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede
INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA
THE WAY NEVER ENDS.

Hiroshi Shōji Sensei (1931–2003), 8. Dan JKA.

Er wurde nur 72 Jahre alt, doch sein Name und sein Karate haben einen bleibenden Platz in der Geschichte des Shotokan.

Shōji Sensei war der erste All-Japan Kata-Champion der JKA. Mit ihm verbindet sich außerdem eine außergewöhnliche Leistung: Er gilt als der einzige Mann in der Geschichte dieser Meisterschaften, der für seine Kata die volle Wertung von 10 Punkten erhielt.

Eine Kata war besonders eng mit ihm verbunden:

UNSU – 雲手

Eine der anspruchsvollsten Kata des Shotokan – voller Wechsel, Rhythmus, Dynamik, Kontrolle und explosiver Bewegungen.

Doch was Shōji Sensei zu einem großen Meister machte, waren nicht allein Titel und technische Leistungen.

Es war seine Haltung zum Training.

Er trainierte kompromisslos und verlangte unzählige Wiederholungen. Eine Technik wurde nicht zehnmal ausgeführt und anschließend abgehakt.

Sie wurde wiederholt.

Und wiederholt.

Bis aus Bewegung Technik wurde.
Bis aus Technik Verständnis wurde.
Und bis aus Verständnis Karate wurde.

Trotz seines außergewöhnlichen Könnens suchte Shōji Sensei nicht das Rampenlicht. Er galt als ernst, präzise und anspruchsvoll – gleichzeitig aber als bescheiden, warmherzig und zugänglich.

Masatoshi Nakayama beschrieb seine besondere Ausstrahlung als etwas, das sich kaum in Worte fassen ließ.

Hidetaka Nishiyama bezeichnete seine Kata als makellos.

Vielleicht liegt gerade darin eine wichtige Botschaft für uns heutige Karateka.

Ein großer Meister muss nicht laut sein.

Er muss sich nicht ständig präsentieren.

Und ein hoher Dan allein macht noch keinen Meister.

Das Karate selbst muss sprechen.

Für uns in der Bärenschmiede ist Shōji Sensei deshalb ein wunderbares Vorbild.

Denn auch Eisen wird nicht durch einen einzigen Schlag zur Klinge.

Der Hammer muss immer wieder fallen.

Kihon für Kihon.
Kata für Kata.
Wiederholung für Wiederholung.
Jahr für Jahr.

Nicht die Show zählt.

Nicht der Titel.

Nicht der Applaus.

Es zählen die Sauberkeit der Technik, die Ehrlichkeit der Wiederholung und die Demut, auch nach Jahrzehnten noch Schüler des Weges zu bleiben.

Wenn wir heute trainieren, können wir einem Meister wie Hiroshi Shōji vielleicht am besten dadurch Respekt erweisen, dass wir genau diesen Geist weitertragen:

Jede Bewegung klar.
Jeder Stand verwurzelt.
Jede Hüftbewegung bewusst.
Jeder Atem kontrolliert.
Jede Wiederholung ehrlich.

Und in der Sprache unserer Bärenschmiede:

Jeder Hammerschlag auf dem Amboss zählt.

In respektvoller Erinnerung an einen außergewöhnlichen Karateka, Lehrer und Meister:

HIROSHI SHŌJI SENSEI
1931–2003 | 8th Dan JKA

Sein Training ist beendet.

Sein Einfluss bleibt.

KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.
THE WAY NEVER ENDS.

OSU! 🥋

Renshi Mike Stein – 6. Dan
Rin D
ō Shinzen – Bärenschmiede Dōjō
INTERNATIONAL RIN D
Ō SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA

🥋 IN MEMORY OF THE MASTERS

THE BUDŌ MEMORY HALL

Their Way Lives On.

SEIKICHI TOGUCHI SENSEI

20 May 1917 – 31 August 1998

Gōjū-ryū Karate-dō · Founder of Shorei-kan

Am 31. August 1998 verstarb Seikichi Toguchi Sensei im Alter von 81 Jahren in Tokio.

Mit ihm verlor das traditionelle Okinawa-Karate einen seiner bedeutenden Lehrer des 20. Jahrhunderts – einen Mann, dessen Lebenswerk nicht darin bestand, Tradition lediglich zu bewahren, sondern sie so zu ordnen, zu erklären und weiterzugeben, dass kommende Generationen sie verstehen und fortführen konnten. (shoreikan-karate.com)

Von Okinawa zu Chōjun Miyagi

Seikichi Toguchi wurde am 20. Mai 1917 in Naha auf Okinawa geboren. Bereits in jungen Jahren kam er mit dem traditionellen Okinawa-Te in Berührung.

1933 trat er in das Dōjō von Sekō Higa Sensei ein, einem Schüler von Chōjun Miyagi, dem Begründer des Gōjū-ryū. Dort erhielt Toguchi Unterricht sowohl von Higa als auch von Miyagi. Diese Verbindung sollte seinen gesamten weiteren Weg bestimmen. (shoreikan-karate.com)

Toguchi gehörte damit zu jener Generation, für die Karate noch weit entfernt von modernen Sporthallen, Punktesystemen und internationalem Wettkampfbetrieb war.

Training bedeutete Wiederholung.

Körperarbeit.

Atmung.

Kata.

Hojo Undo.

Und vor allem die unmittelbare Weitergabe von Lehrer zu Schüler.

Krieg, Zerstörung und Rückkehr

1942 führte ihn der Zweite Weltkrieg nach Palembang auf Sumatra, wo er als ziviler Mitarbeiter des Militärs an einer Ölraffinerie eingesetzt wurde.

1946 kehrte er nach Okinawa zurück.

Doch das Okinawa, in das Toguchi zurückkam, war ein anderes geworden. Der Krieg hatte Menschen, Familien und große Teile der Insel schwer getroffen. Auch die Karate-Gemeinschaft musste sich neu formieren.

Toguchi nahm seinen Weg wieder auf. 1948 wurde er Karate-Lehrer einer Trainingsgruppe im Bezirk Itoman. 1952 wurde er Mitglied des Vorstands der von Miyagi geführten Gōjū-ryū Shinkō-kai. Nach Miyagis Tod 1953 wurde Toguchi zum Vizepräsidenten der nun neu organisierten Karate-dō Gōjū-kai gewählt. (shoreikan-karate.com)

Shorei-kan – Tradition bewahren und verständlich machen

1954 gründete Toguchi in Koza, dem heutigen Okinawa City, das Karate-dō Okinawa Gōjū-ryū Kenkyūjo Shorei-kan.

Der Name Shorei-kan wird sinngemäß mit einem Haus der Höflichkeit und des Respekts verbunden.

Doch Toguchi wollte nicht einfach eine weitere Organisation schaffen.

Seine große Leistung lag auch in seiner Methodik.

Mit immer mehr ausländischen Schülern erkannte er ein Problem: Wie konnte das Wissen eines traditionellen Okinawa-Dōjō an Menschen vermittelt werden, die weder Sprache noch kulturellen Hintergrund ihrer Lehrer teilten?

Toguchi entwickelte deshalb, aufbauend auf Miyagis Arbeit, ein systematischeres und progressives Unterrichtskonzept. Dazu gehörten vorbereitende Formen und klar strukturierte Partnerübungen wie Bunkai Kumite und Kiso Kumite, mit denen Prinzipien und Anwendungen der Kata verständlicher vermittelt werden konnten. (shorei-kansrkkarate.com)

Genau darin liegt etwas sehr Modernes in seinem Denken:

Tradition bewahren bedeutet nicht, sie einzufrieren.

Man muss verstehen, was die Lehrer überliefert haben – und Wege finden, dieses Wissen so weiterzugeben, dass die nächste Generation tatsächlich damit arbeiten kann.

Okinawa – Tokio – die Welt

1956 wurde Toguchi Mitglied des Vorstands der neu gegründeten Okinawa Karate-dō Federation.

1960 verlagerte er seine Basis nach Tokio und begann damit, Shorei-kan auf dem japanischen Festland weiterzuverbreiten. 1962 wurde ein Shorei-kan-Dōjō im Tokioter Bezirk Meguro eröffnet; 1966 folgte das Shorei-kan-Hauptquartier in Tokio. (shoreikan-karate.com)

Von dort aus wurde sein Karate zunehmend international.

Schüler und Lehrer brachten Shorei-kan in die Vereinigten Staaten, nach Kanada und später nach Europa. Toguchi selbst reiste ebenfalls zu Seminaren und Vorführungen: 1972 unter anderem in die USA, nach Kanada und Puerto Rico, 1974 nach Europa und später erneut nach Nordamerika. (shoreikan-nyc.com)

Damit wurde aus einem Okinawa-Dōjō Schritt für Schritt eine internationale Linie.

Seine Bücher – Wissen für kommende Generationen

Ein besonders wichtiger Teil seines Vermächtnisses sind seine Bücher.

1976 erschien:

Okinawan Goju-Ryu: Fundamentals of Shorei-Kan Karate

Das Buch behandelt nicht nur Techniken. Es dokumentiert Etikette, Stellungen, Grundtechniken, Kata und insbesondere auch die für das Gōjū-ryū charakteristische Arbeit mit Sanchin und Atmung. (Google Bücher)

Sein zweites Werk,

Okinawan Goju-Ryu II: Advanced Techniques of Shorei-Kan Karate

erschien 2001 posthum. Darin finden sich neben fortgeschrittenen Techniken und Kata auch Toguchis Erinnerungen an die Geschichte des Okinawa-Gōjū-ryū sowie Darstellungen seiner Lehrer Chōjun Miyagi und Sekō Higa. (Google Bücher)

Gerade seine Motivation für das erste Buch ist bemerkenswert: Toguchi sah, dass Karate weltweit Verbreitung fand, während nur wenig schriftliches Material direkt von Okinawa-Meistern selbst verfügbar war. Sein Buch sollte helfen, dieses Wissen zu dokumentieren und für Lernende zugänglich zu machen. (memoryon.net)

Die Vision eines Lehrers

Vielleicht liegt Toguchi Senseis eigentliches Vermächtnis genau hier.

Er stand zwischen zwei Welten.

Hinter ihm lag das alte Okinawa-Karate seiner Lehrer.

Vor ihm lag eine Welt, in der Karate Amerika, Europa und schließlich nahezu jeden Kontinent erreichen würde.

Er hätte das Wissen einfach so weitergeben können, wie er selbst es erhalten hatte.

Doch er erkannte, dass Weitergabe auch Verantwortung bedeutet.

Deshalb strukturierte er.

Er erklärte.

Er entwickelte Unterrichtsmethoden.

Er schrieb Bücher.

Er bildete Lehrer aus.

Und trotzdem blieb das Fundament erhalten: Kata, Körperarbeit, Atmung, Partnerarbeit, Disziplin und Budō-Geist.

Das ist vielleicht eine der wichtigsten Lektionen, die wir heute aus seinem Leben ziehen können:

Ein Schüler bewahrt die Tradition nicht dadurch, dass er nur kopiert.

Er muss zuerst verstehen.

Dann üben.

Dann vertiefen.

Und wenn seine Zeit gekommen ist, muss er das Empfangene verantwortungsvoll an die nächste Generation weitergeben.

Am 31. August 1998 endete Seikichi Toguchis persönlicher Weg in Tokio.

Doch der Weg seiner Lehre endete nicht.

Shorei-kan verbreitete sich weit über Okinawa hinaus, und sein methodischer Einfluss lebt in den Dōjō und in den Menschen weiter, die sein Karate direkt oder über nachfolgende Lehrer erhielten. (shoreikan-nyc.com)

IN MEMORY OF SEIKICHI TOGUCHI SENSEI

1917–1998

THE MASTER LEAVES.
THE TEACHING REMAINS.
THE WAY CONTINUES.

Respect · Honor · Gratitude

🥋 THE WAY NEVER ENDS.

OSU!
Renshi Mike Stein
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede

🥋 3. SEPTEMBER 2013 – IN MEMORY OF SHIGERU TAKASHINA

Ein Lehrer geht.
Seine Lehre bleibt.
Seine Schüler gehen den Weg weiter.

Guten Morgen, liebe Freunde und Weggefährten der Bärenschmiede,

am 3. September erinnern wir in unserer BUDŌ MEMORY HALL an einen jener japanischen Karate-Meister, die entscheidend dazu beigetragen haben, das JKA-Shotokan aus Japan in die Welt zu tragen:

Shigeru Takashina Sensei

28. September 1943 – 3. September 2013

Takashina Sensei starb am 3. September 2013 in Florida im Alter von 69 Jahren, nur wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag. Am 3. September 2026 jährt sich sein Todestag zum 13. Mal.

Doch wenn wir heute an ihn erinnern, geht es nicht nur um ein Datum.

Es geht um eine ganze Generation.


🇯🇵 AUS HIROSHIMA IN DAS JKA HONBU DŌJŌ

Shigeru Takashina wurde am 28. September 1943 in der Präfektur Hiroshima geboren.

Mit etwa 16 Jahren begann er Karate zu trainieren. Später studierte er Betriebswirtschaft an der Ryukoku University in Kyoto und nahm während seiner Universitätszeit an den All-Japan College Championships teil.

Dann kam eine Begegnung, die seinen weiteren Weg bestimmen sollte.

Bei einem Aufenthalt in Kyoto suchte JKA-Chief-Instructor Masatoshi Nakayama einen hervorragenden Karateka aus der Kansai-Region für die professionelle Instructor-Ausbildung der JKA in Tokio.

Die Wahl fiel auf Takashina.

Nach seinem Universitätsabschluss ging er zum JKA Honbu Dōjō und durchlief dort die anspruchsvolle Instructor-Ausbildung.

Man muss sich vor Augen halten, was diese Schule damals bedeutete.

Das war keine kurzfristige Lizenz und kein Wochenendseminar.

Es war die Ausbildung jener Generation von Instruktoren, die später in verschiedene Teile der Welt entsandt wurde und dort über Jahrzehnte hinweg Shotokan-Karate aufbaute.


🥋 VOM WETTKÄMPFER ZUM LEHRER

Takashina trat zunächst auch auf der Wettkampffläche hervor.

1970 erreichte er bei den JKA-Meisterschaften einen 3. Platz im Kata-Shiai.

Im selben Jahr war er Kapitän der japanischen Mannschaft bei der ersten WUKO-Karate-Weltmeisterschaft in Tokio.

Doch seine eigentliche Lebensleistung entstand nicht auf dem Siegerpodest.

Sie begann dort, wo so viele Geschichten der großen japanischen JKA-Instruktoren jener Zeit begannen:

mit einem Flugticket in ein fremdes Land.


🇯🇵 ➡️ 🇺🇸 1972 – KARATE GEHT IN DIE WELT

1972 ging Takashina auf Vorschlag Nakayamas in die Vereinigten Staaten.

Sein Ziel war:

Florida.

Dort begann er zunächst an der University of Miami JKA-Shotokan zu unterrichten.

Später wurde sein Dōjō in Coral Springs zum Mittelpunkt seiner Arbeit. Von dort aus entwickelte sich sein Einfluss weit über Florida hinaus.

Seine Lehrtätigkeit reichte in die Karibik und nach Südamerika, unter anderem nach Costa Rica, Puerto Rico, Panama und Ecuador.

Takashina gehörte damit zu jener frühen Generation japanischer JKA-Instruktoren, ohne die die internationale Entwicklung des Shotokan kaum vorstellbar wäre.

Japan bildete Lehrer aus.

Und dann gingen sie hinaus.

Nicht für einige Wochen.

Viele von ihnen bauten sich in fremden Ländern ein neues Leben auf und verbrachten Jahrzehnte damit, Karate weiterzugeben.


🇩🇪 TAKASHINA UND DEUTSCHLAND

Auch für unsere deutsche Karate-Geschichte ist Takashina Sensei interessant.

Er unterrichtete auch in Deutschland.

Zu seinen Stationen gehörten unter anderem der traditionelle Osterlehrgang in Frankenthal sowie das Kata Special 2002 in Füssen-Schwangau.

Auch mit Hideo Ochi Sensei gab es Verbindungen. Ochi war mehrfach als Lehrer zu Takashinas Trainingscamps in Florida eingeladen.

Und damit schließt sich für mich ein Kreis.

Wenn wir heute Namen wie

Nakayama, Ochi, Enoeda, Shirai, Mikami, Yaguchi, Mori, Omura, Iida, Tabata oder Takashina

nebeneinanderstellen, sehen wir keine voneinander getrennten Geschichten.

Wir sehen ein Netzwerk.

Lehrer.

Universitäten.

Dōjō.

Gasshuku.

Schüler.

Generationen.

Und genau daraus entstand ein großer Teil des internationalen Shotokan-Karate, wie wir es heute kennen.


🥋 SPORT-KARATE UND BUDŌ-KARATE

Bei meiner Recherche hat mich aber etwas anderes noch stärker angesprochen.

Nicht seine Platzierung.

Nicht sein Dan-Grad.

Nicht seine Position innerhalb einer Organisation.

Sondern seine Vorstellung davon, was Karate im Laufe eines Lebens mit einem Menschen macht.

Takashina unterschied deutlich zwischen Sport-Karate und Budō-Karate.

Für ihn war die Wettkampfzeit nur eine begrenzte Phase im Leben eines Karateka.

Budō dagegen entwickelt sich mit dem Menschen weiter.

Ein junger Karateka versteht Kihon, Kata und Kumite anders als derselbe Mensch zwanzig, dreißig oder vierzig Jahre später.

Die Technik kann äußerlich dieselbe bleiben.

Aber der Mensch verändert sich.

Und damit verändert sich auch sein Verständnis der Technik.

Genau deshalb kann ein Karateka nach Jahrzehnten plötzlich etwas in einer Kata entdecken, die er schon tausendmal gelaufen ist.

Karate wird dann mehr als Bewegung.

Mehr als Technik.

Mehr als Sieg oder Niederlage.

Es wird zum Spiegel des eigenen Weges.

Ein Satz, der mit Takashinas Philosophie verbunden wird, bringt diesen Gedanken auf den Punkt:

„Im Dōjō trainieren wir für das Leben.“

Und genau das ist Budō.


DER LEHRER GEHT – DAS DŌJŌ BLEIBT

Am 3. September 2013 starb Shigeru Takashina Sensei.

Aber seine Geschichte endet dort nicht.

Vor seinem Tod bestimmte er seine langjährige Schülerin Carol See Tai Sensei zu seiner Nachfolgerin als Chief Instructor.

Und etwas scheinbar Kleines finde ich besonders bewegend:

Sein Porträt hängt noch heute vorne in seinem Dōjō in Coral Springs.

Die Schüler trainieren weiter.

Die Kata werden weitergelaufen.

Das Kihon wird weiter geübt.

Die Lehre wird weitergegeben.

Und jedes Jahr erinnern Trainingscamps an seinen Weg.

Genau deshalb haben wir unsere

🥋 IN MEMORY OF THE MASTERS

THE BUDŌ MEMORY HALL

geschaffen.

Nicht, um Namen Verstorbener zu sammeln.

Nicht, um Dan-Grade aufzuzählen.

Und auch nicht, um aus der Vergangenheit ein Museum zu machen.

Wir möchten uns daran erinnern, was diese Menschen weitergegeben haben.

Ein Lehrer verschwindet irgendwann von der Tatami.

Seine Stimme verstummt.

Sein Platz im Dōjō bleibt leer.

Doch dann steht dort ein Schüler.

Dieser Schüler korrigiert einen anderen Schüler.

Eine Kata wird weitergelaufen.

Ein Kihon wird wiederholt.

Ein Dōjō Kun wird gesprochen.

Und plötzlich versteht man:

Der Lehrer ist nicht vollständig gegangen.

Ein Teil von ihm trainiert weiter.

In seinen Schülern.

In deren Schülern.

Und irgendwann sogar in Menschen, die ihn persönlich niemals kennengelernt haben.

THE TEACHER LEAVES.

THE TEACHING REMAINS.

THE STUDENTS CONTINUE THE WAY.

In Respekt und Dankbarkeit erinnern wir am 3. September an

SHIGERU TAKASHINA SENSEI

1943–2013

JKA · SHOTOKAN · BUDŌ · TEACHING · LEGACY

RESPECT · HONOR · GRATITUDE

OSU!

Renshi Mike Stein
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede

KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.
THE WAY NEVER ENDS. 🥋

4. SEPTEMBER 1938 – KENNETH YOSHINOBU FUNAKOSHI

A LIFE DEVOTED TO SHOTOKAN KARATE

Heute wäre Kenneth Yoshinobu Funakoshi 88 Jahre alt geworden.

Am 4. September 1938 wurde Kenneth Yoshinobu Funakoshi in Honolulu, Hawaii, geboren. Er starb am 3. Juli 2024.

Sein Name fällt natürlich sofort auf:

Funakoshi.

Doch Kenneth Funakoshis Geschichte sollte nicht allein über diesen berühmten Namen erzählt werden. Seine Bedeutung liegt vor allem in seinem eigenen jahrzehntelangen Weg durch die Kampfkunst und in seiner Rolle bei der internationalen Weitergabe des Shotokan Karate.

Seine heutige Organisation, die Funakoshi Shotokan Karate Association, bezeichnet ihn als einen vierten Cousin von Gichin Funakoshi.


🥋 SEIN WEG BEGANN NICHT MIT SHOTOKAN

Auch das macht seine Geschichte interessant.

Kenneth Funakoshi begann bereits 1948 mit Jūdō.

Später beschäftigte er sich mit Kenpō und trainierte bei Adriano Emperado, einem der Begründer des Kajukenbo auf Hawaii.

Er lernte also verschiedene Seiten der Kampfkunst kennen, bevor Shotokan zu seinem eigentlichen Lebensweg wurde.

Um 1960 begegnete er dann einem Mann, der für die internationale Geschichte des Shotokan von enormer Bedeutung werden sollte:

Hirokazu Kanazawa.

Unter Kanazawa begann Kenneth Funakoshi intensiv Shotokan zu trainieren.

Später folgte Unterricht unter weiteren herausragenden Persönlichkeiten der damaligen JKA-Generation, darunter Hidetaka Nishiyama und Tetsuhiko Asai. Seine eigene Verbandsbiografie führt diese Lehrer ausdrücklich auf.

Wenn wir heute zurückblicken, begegnen uns damit innerhalb eines einzigen Karate-Lebens mehrere große Namen einer Generation, die Shotokan international verbreitete.


🌊 HAWAII – EINE BRÜCKE ZWISCHEN DEN WELTEN

Wir sprechen in unserem Budō-Kalender immer wieder darüber, wie Karate Okinawa und Japan verließ und international wurde.

Hawaii ist dabei ein besonders interessanter Ort.

Japanische und okinawanische Einwanderung, amerikanischer Einfluss und verschiedene asiatische Kampfkünste trafen dort schon früh aufeinander.

Und genau in diesem Umfeld entwickelte sich Kenneth Funakoshis Karate.

1969 wurde er Chief Instructor der JKA Hawaii. Seine Biografie beschreibt außerdem, dass er später die JKA-Instructor Classes in Japan besuchte und von Masatoshi Nakayama zum Chief Instructor für die Pacific Region ernannt wurde.

Damit wurde aus dem Schüler zunehmend der Lehrer.

Und aus dem Lehrer wurde ein Mensch, der Verantwortung für die Weitergabe des Karate übernahm.


🇯🇵 ZURÜCK ZUR QUELLE

Auch nachdem Kenneth Funakoshi bereits jahrzehntelang trainiert und unterrichtet hatte, führte ihn sein Weg nach Japan.

Das ist für mich ein schöner Punkt seiner Geschichte.

Denn Budō kennt eigentlich keinen Zustand, in dem wir sagen können:

Jetzt habe ich ausgelernt.

1984 trainierte er in Japan in den JKA Instructor Classes.

Man kann bereits Lehrer sein und trotzdem wieder Schüler werden.

Man kann jahrzehntelang Karate betreiben und trotzdem eine Bewegung neu entdecken.

Man kann einen hohen Grad besitzen und trotzdem morgens aufstehen und weiterlernen.

Der Weg endet nicht mit einem Gürtel.


🥋 1987 – EIN EIGENER WEG BEGINNT

Im Jahr 1987 gründete Kenneth Funakoshi schließlich die:

FUNAKOSHI SHOTOKAN KARATE ASSOCIATION – FSKA

Von dort aus entwickelte sich seine internationale Organisation weiter.

Damit sehen wir ein Muster, das uns in der Geschichte des Karate immer wieder begegnet:

Ein Schüler erhält Wissen.

Er trainiert es.

Er interpretiert es.

Er sammelt Erfahrungen.

Irgendwann übernimmt er Verantwortung.

Und schließlich gibt er dieses Wissen an seine eigenen Schüler weiter.

Das ist keine gerade Linie.

Es ist ein Baum.


🌳 DER KARATEBAUM

Genau deshalb passt Kenneth Funakoshis Geschichte so gut zu unserem Bild vom Karatebaum.

Die Wurzeln reichen tief.

Wir finden Gichin Funakoshi.

Wir finden die frühe Shotokan-Entwicklung.

Dann begegnen wir einer weiteren Generation:

Kanazawa.
Nishiyama.
Asai.
Nakayama.

Und irgendwo zwischen diesen großen Ästen wächst ein weiterer Karateka:

Kenneth Yoshinobu Funakoshi.

Er nimmt auf.

Er trainiert.

Er unterrichtet.

Und schließlich wachsen aus seinem eigenen Weg wieder neue Äste.

Schüler.
Dōjō.
Seminare.
Organisationen.
Neue Lehrer.

Genau deshalb bedeutet Tradition für mich nicht, einen Baum einzufrieren.

Tradition bedeutet, seine Wurzeln zu kennen und trotzdem weiterzuwachsen.


🔨 DAS VERBINDET IHN MIT UNSERER BÄRENSCHMIEDE

Wir müssen Kenneth Funakoshi nicht kopieren.

Wir müssen auch nicht mit jeder Entscheidung eines Meisters oder einer Organisation übereinstimmen.

Das ist überhaupt nicht der Sinn unseres Budō-Kalenders.

Wir schauen auf einen Lebensweg und fragen:

Was können wir daraus lernen?

Bei Kenneth Funakoshi sehe ich vor allem eines:

Lernen hört nicht auf.

Jūdō.

Kenpō.

Shotokan.

Kanazawa.

Nishiyama.

Asai.

JKA.

Japan.

Hawaii.

Eigene Organisation.

Eigene Schüler.

Immer wieder wurde etwas aufgenommen und anschließend weitergegeben.

Und genau das entspricht unserem eigenen Gedanken:

Der Lehrer sät – der Schüler entscheidet.


🕯️ 3. JULI 2024 – DER LEHRER GEHT

Am 3. Juli 2024 endete Kenneth Yoshinobu Funakoshis Lebensweg.

Doch wie wir gerade bei Shinken Taira gesehen haben, endet damit nicht zwangsläufig der Weg eines Lehrers.

Seine Schüler trainieren weiter.

Seine Dōjō bestehen weiter.

Seine Organisation arbeitet weiter.

Menschen wiederholen Bewegungen, die irgendwann von einem Lehrer korrigiert wurden, der wiederum von einem anderen Lehrer gelernt hatte.

So funktioniert Überlieferung.

Nicht nur durch Bücher.

Nicht nur durch Urkunden.

Nicht durch Dan-Grade.

Sondern von Mensch zu Mensch.


🎂 4. SEPTEMBER 2026

Heute wäre Kenneth Yoshinobu Funakoshi 88 Jahre alt geworden.

Deshalb erinnern wir heute an ihn.

Nicht nur wegen seines Nachnamens.

Nicht nur wegen eines Grades.

Nicht nur wegen einer Organisation.

Sondern wegen eines Kampfkunstweges, der sich über Jahrzehnte und über Kontinente erstreckte.

Von Hawaii nach Japan.

Von Schüler zu Lehrer.

Von einer Generation zur nächsten.


🥋 KENNETH YOSHINOBU FUNAKOSHI

4 SEPTEMBER 1938 – 3 JULY 2024

A LIFE DEVOTED TO SHOTOKAN KARATE.

Ein Meister geht.

Seine Schüler bleiben.

Und wenn diese Schüler das Wissen wiederum weitergeben, beginnt der nächste Abschnitt der Geschichte.

ROOTS.
KNOWLEDGE.
GROWTH.
LEGACY.

LEARN. PRESERVE. DEVELOP. PASS IT ON.

WE HONOR THE WAY – NOT PERFECTION.

THE WAY NEVER ENDS.

Mit Respekt vor seinem Lebensweg.

Osu! 🥋

Renshi Mike Stein – 6. Dan
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede Dōjō
INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA

SHINKEN TAIRA – DER MANN, DER DAS WISSEN DER ALTEN WAFFEN BEWAHRTE

Liebe Freunde und Weggefährten,

manchmal beginnt historische Recherche mit einem Datum.

Und manchmal führt dieses eine Datum plötzlich zu einer Geschichte, die viel größer ist als der Kalendereintrag selbst.

Genau das ist uns bei unserer Recherche zum Budō-Kalender passiert.

Eigentlich suchten wir nach besonderen Ereignissen für den 4. September. Dabei stießen wir auf einen Namen, den viele Karateka kennen – dessen Lebensgeschichte aber vielleicht längst nicht jedem bewusst ist:

Shinken Taira.

Auch bekannt als Taira Shinken beziehungsweise Maezato Shinken.

Bei der Überprüfung stellte sich heraus: Sein Todestag war bereits am 3. September 1970.

Also eigentlich ein Thema für unseren gestrigen Budō-Kalender.

Doch je tiefer wir gruben, desto klarer wurde:

Diese Geschichte müssen wir erzählen.


🌊 VON OKINAWA NACH TOKYO

Shinken Taira wurde 1897 auf Kumejima in Okinawa geboren.

Sein Weg in die Kampfkunst verlief keineswegs geradlinig. Als junger Mann arbeitete er auf den Daitō-Inseln im Phosphatbergbau. Überlieferungen seiner Linie berichten von einem schweren Arbeitsunfall, bei dem er sich am Bein verletzte.

Doch aus dieser schwierigen Phase entwickelte sich ein neuer Weg.

Taira ging nach Tokyo.

Und dort begegnete er 1922 Gichin Funakoshi.

Damit öffnet sich eine Verbindung, die für viele Shotokan-Karateka überraschend sein dürfte:

Shinken Taira war Schüler Gichin Funakoshis.

Er trainierte Karate unter Funakoshi und gehörte in dessen frühen japanischen Jahren zu seinem Umfeld.

Doch sein Weg sollte dort nicht enden.


🥋 FUNAKOSHI – YABIKU – TAIRA

1929 begann Taira bei Moden Yabiku die alten Waffenkünste Okinawas zu studieren.

Yabiku gehörte zu den wichtigen Persönlichkeiten bei der Bewahrung und Weitergabe des Ryūkyū Kobudō.

Damit begegneten sich in Tairas Ausbildung zwei Welten:

Karate und Kobudō.

Die leere Hand und die Waffe.

Aber vielleicht waren diese Welten niemals so weit voneinander entfernt, wie wir sie heute manchmal betrachten.

Denn unter dem Bō, dem Sai oder dem Eku arbeitet immer noch derselbe menschliche Körper.

Stand.

Distanz.

Timing.

Hüfte.

Rotation.

Atmung.

Zanshin.

Ganzkörperbewegung.

Die Waffe verändert die Aufgabe.

Die Prinzipien bleiben.


📜 ER BEGANN ZU SAMMELN

Und genau hier beginnt für mich der wichtigste Teil dieser Geschichte.

Taira lernte nicht einfach einige Waffen-Kata und gab sie anschließend seinen Schülern weiter.

Er begann, die über Okinawa verteilten Überlieferungen der alten Waffenkünste zu suchen, zu sammeln und zu systematisieren.

Das war von enormer Bedeutung.

Denn wir dürfen unsere heutige Welt nicht auf die damalige Zeit übertragen.

Es gab kein YouTube.

Keine digitale Bibliothek.

Keine Cloud.

Kein Smartphone, mit dem ein Schüler schnell die Kata seines Lehrers filmen konnte.

Vieles lebte unmittelbar:

von Lehrer zu Schüler.

Eine Bewegung wurde gezeigt.

Eine Kata wurde gelernt.

Eine Korrektur wurde weitergegeben.

Und wenn eine Übertragungskette abriss, konnte mit einem alten Meister auch ein Teil dieses Wissens verschwinden.

Taira erkannte offenbar diese Gefahr.

Also suchte er.

Er lernte.

Er verglich.

Er ordnete.

Er dokumentierte.

Und er gab weiter.


⚔️ NICHT DIE WAFFEN WAREN SEIN GRÖSSTES VERMÄCHTNIS

Natürlich verbinden wir seinen Namen heute mit den klassischen Waffen des Ryūkyū Kobudō:

Bō. Sai. Tonfa. Nunchaku. Eku.

Und weiteren überlieferten Waffen und Kata.

Doch vielleicht liegt sein eigentliches Vermächtnis gar nicht in einem Bō oder einem Sai.

Es liegt in der Bewahrung von Wissen.

Das finde ich faszinierend.

Denn eine Waffe kann zerbrechen.

Ein Dōjō kann verschwinden.

Ein Buch kann verloren gehen.

Ein Lehrer kann sterben.

Aber wenn Wissen rechtzeitig an einen anderen Menschen weitergegeben wurde, beginnt dort ein neuer Ast des Baumes zu wachsen.


📖 1964 – WISSEN WIRD DOKUMENT

1964 veröffentlichte Taira sein bedeutendes Werk über das Ryūkyū Kobudō:

Ryūkyū Kobudō Taikan

Und spätestens hier erkennen wir eine Verbindung zu vielen Geschichten unseres Budō-Kalenders.

Wir haben über Gichin Funakoshi und seine Bücher gesprochen.

Wir haben darüber gesprochen, wie Wissen früher durch Bücher, Fotografien und persönliche Unterweisung bewahrt wurde.

Später kamen Film und VHS.

Dann DVD und Internet.

Heute besitzen wir digitale Archive, Videos und sogar künstliche Intelligenz, die uns bei Recherche, Ordnung und Dokumentation helfen kann.

Die Technik verändert sich.

Der Auftrag bleibt.

Lernen.
Bewahren.
Vertiefen.
Weitergeben.


🔨 UND HIER TREFFEN WIR UNSERE BÄRENSCHMIEDE

Was mich persönlich an dieser Geschichte besonders interessiert, ist die Körpermechanik.

Denn nehmen wir einmal einen Bō in die Hand.

Plötzlich wird eine Bewegung länger.

Masse und Hebel verändern sich.

Eine Rotation wird sichtbar.

Eine schlechte Körperstruktur ebenfalls.

Dasselbe gilt für andere Waffen.

Die Kraft sollte nicht ausschließlich aus Armen und Schultern entstehen.

Der Boden spielt eine Rolle.

Der Stand spielt eine Rolle.

Die Körpermitte spielt eine Rolle.

Die Hüfte spielt eine Rolle.

Und damit landen wir wieder bei Themen, die uns in der Bärenschmiede täglich beschäftigen:

Erdung.

Bärenstabilität.

Biomechanik.

Atmung.

Koshi.

Ganzkörperbewegung.

Wir nennen unseren Schwerpunkt heute Tetsu no Koshi.

Taira hätte diesen Begriff natürlich nicht benutzt.

Und deshalb möchte ich ihm auch keine unserer heutigen Bezeichnungen nachträglich in den Mund legen.

Aber wir können Bewegungsprinzipien betrachten und fragen:

Was können wir daraus für unser eigenes Training lernen?

Genau darin liegt für mich lebendige Tradition.


🌳 DER MEISTER GEHT – DIE LINIE BLEIBT

Shinken Taira starb am 3. September 1970 in Naha auf Okinawa.

73 Jahre alt.

Doch damit endete seine Arbeit nicht.

Denn er hatte Schüler ausgebildet.

Diese Schüler unterrichteten wiederum andere.

Aus einem Menschen wurden Linien.

Aus einer Linie wurden Dōjō.

Aus Dōjō wurden neue Generationen.

Und Menschen auf der ganzen Welt greifen heute zu Bō oder Sai und trainieren Formen, deren Überlieferungsweg auch mit der Arbeit dieser Generation verbunden ist.

Das ist vielleicht die schönste Antwort auf die Frage:

Wann endet das Leben eines Lehrers?

Biologisch gibt es darauf eine klare Antwort.

Im Budō ist sie komplizierter.

Denn solange ein Schüler eine Bewegung weiterträgt, die ihm sein Lehrer gegeben hat, lebt ein kleiner Teil dieses Weges weiter.


🥋 WARUM SHINKEN TAIRA IN UNSERE CHRONIK GEHÖRT

Unser Budō-Kalender soll niemals nur eine Sammlung von Geburtstagen und Todestagen werden.

Wir wollen verstehen:

Wer waren diese Menschen?

Was haben sie bewahrt?

Was haben sie verändert?

Was haben sie weitergegeben?

Und manchmal entdecken wir bei unserer Recherche einen Menschen erst einen Tag später.

Das macht nichts.

Geschichte besitzt keinen Algorithmus, der um Mitternacht abschaltet.

Deshalb ergänzen wir unseren Budō-Kalender vom 3. September nachträglich um Shinken Taira.

Nicht weil wir unbedingt noch einen Namen für dieses Datum brauchen.

Sondern weil seine Geschichte es verdient, erzählt zu werden.


SHINKEN TAIRA

1897–1970

THE MASTER PASSES.
THE KNOWLEDGE REMAINS.

EMPTY HAND. WEAPON. ONE BODY.

LEARN. PRESERVE. DEVELOP. PASS IT ON.

Und genau darum geht es auch bei unserer eigenen Chronik.

Wir werden nicht immer sofort alles finden.

Wir werden Daten überprüfen.

Wir werden Fehler korrigieren.

Wir werden neue Quellen entdecken.

Und vielleicht meldet sich irgendwann ein Schüler eines Schülers und sagt:

„Dazu kann ich euch noch etwas erzählen.“

Dann ergänzen wir die Geschichte.

Denn unser Ziel ist nicht, Geschichte zu besitzen.

Unser Ziel ist, sie zu bewahren und weiterzugeben.

THE WAY NEVER ENDS.

Osu! 🥋

Renshi Mike Stein – 6. Dan
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede Dōjō
INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA

🥋 JÜRGEN SEYDEL

VATER DES KARATE IN DEUTSCHLAND

Pioneer. Teacher. Founder. Bridge Builder.

Wenn wir heute in Deutschland ein Karate-Dōjō betreten, ist vieles selbstverständlich.

Es gibt Verbände und Vereine, Prüfungsordnungen und Dan-Träger, Lehrgänge und Meisterschaften, Bücher, Trainer und Generationen von Lehrerinnen und Lehrern.

Als Jürgen Seydel seinen Weg begann, existierte diese Karatewelt in Deutschland noch nicht.

Und genau darin liegt seine historische Bedeutung.

Vom Judo zu einer nahezu unbekannten Kampfkunst

Seydels Weg begann nicht mit Karate. Bereits 1939 beschäftigte er sich während seiner Zeit an der Universität Bonn mit Judo. In den 1950er-Jahren stieß er schließlich auf jene japanische Kampfkunst, die in Deutschland damals noch weitgehend unbekannt war: Karate.

Historische Darstellungen verbinden seinen entscheidenden Impuls mit Frankreich und dem Training beziehungsweise Kontakt mit japanischen Lehrern wie Tetsuji Murakami und Minoru Mochizuki. (Karate Hessen)

Man muss sich diese Zeit vorstellen.

Kein Internet. Kein YouTube. Kaum deutschsprachige Karate-Literatur. Keine Dōjō-Landschaft, wie wir sie heute kennen.

Wer Karate verstehen wollte, musste suchen, reisen, beobachten, lesen, ausprobieren und vor allem Lehrer finden, die tatsächlich Wissen besaßen.

Seydel tat genau das.

1. April 1957 – Karate bekommt in Deutschland ein Zuhause

Am 1. April 1957 gründete Seydel in Bad Homburg den Budokan Bad Homburg, der in der deutschen Karatehistorie als erstes Karate-Dōjō Deutschlands geführt wird. Auch der Deutsche Olympische Sportbund verbindet die Einführung des Karate in Deutschland ausdrücklich mit Seydel und diesem Datum. (DOSB)

Was heute wie ein einzelner Eintrag in einer Chronik aussieht, bedeutete damals sehr viel mehr:

Karate bekam in Deutschland ein Zuhause.

Seydel musste nicht nur unterrichten. Er musste erklären, was Karate überhaupt war, Trainingsmöglichkeiten schaffen, Menschen zusammenbringen – und gleichzeitig selbst weiterlernen.

1959 – der erste Dan

1959 bestand Jürgen Seydel die Prüfung zum 1. Dan. Die historischen Darstellungen führen ihn anschließend bis 1965 als einzigen deutschen Karate-Dan-Träger. (Karate Hessen)

Doch Seydel vermittelte Karate nicht nur auf der Tatami. Er schrieb über die neue Kampfkunst und gehörte damit zu den frühen deutschsprachigen Vermittlern des Karatewissens.

Damals wurde Wissen nicht mit einem Mausklick weitergegeben.

Ein Buch konnte dort zum Lehrer werden, wo noch kein Dōjō und kein Sensei erreichbar war.

👑 1959/60 – und dann kam Elvis

In diese Zeit fällt die wohl bekannteste Episode seines Lebens.

Der während seines Militärdienstes in Deutschland lebende Elvis Presley interessierte sich für Karate – und Jürgen Seydel wurde einer seiner frühen Lehrer.

Besonders wertvoll ist hierzu ein Dokument aus Jochen Harms‘ Archiv. In einem Brief vom 28. März 1996 erinnerte sich Seydel selbst daran, Elvis vom 6. Dezember 1959 bis zu dessen Rückkehr in die USA am 1. März 1960 in dessen Bad Nauheimer Wohnung privat unterrichtet zu haben. Einmal, so Seydel, nahm er Elvis außerdem mit nach Bad Homburg, wo dieser zwei Stunden gemeinsam mit seinen Schülern trainierte.

Doch Elvis macht Jürgen Seydel nicht bedeutend.

Eigentlich ist es umgekehrt.

Die Geschichte ist interessant, weil sie zeigt, dass ein weltberühmter Elvis Presley Ende der 1950er-Jahre in Deutschland bereits einen Mann finden konnte, bei dem er Karate lernen konnte.

Dieser Mann war Jürgen Seydel.

1961 – vom Dōjō zum Verband

Seydel erkannte früh, dass eine neue Kampfkunst nicht dauerhaft allein von einzelnen Trainingsgruppen getragen werden konnte.

Sie brauchte Strukturen.

Nach einem weiteren Sommerlehrgang unter Tetsuji Murakami wurde am 27. Juli 1961 der Deutsche Karate-Bund (DKB) gegründet. Die Gründung wird in mehreren historischen Darstellungen ausdrücklich mit Seydels Initiative verbunden. (Karate Hessen)

Seydel wurde Leiter der Technischen Kommission und war damit maßgeblich für Ausbildungs- und Prüfungsfragen verantwortlich. Später übernahm er weitere leitende Funktionen im DKB. (Karate Hessen)

Aus dem Suchenden war ein Lehrer geworden.

Aus dem Lehrer ein Organisator.

Und aus dem Organisator einer der entscheidenden Wegbereiter des deutschen Karate.

SCHÜLER → LEHRER → ORGANISATOR → WEGBEREITER

1968 – Nakayama kommt nach Deutschland

1968 erreichte diese Aufbauphase einen besonderen Moment.

Anlässlich der 5. Deutschen Karate-Meisterschaft in München kam JKA-Chefausbilder Masatoshi Nakayama erstmals nach Deutschland. Gemeinsam mit mehreren hochrangigen japanischen Karateka war er in einen einwöchigen Lehrgang und die Meisterschaft eingebunden. Überliefert sind außerdem Karate-Demonstrationen der japanischen Meister. (Karate Harburg)

Über viele Einzelheiten dieser Meisterschaft wissen wir heute erstaunlich wenig. Eine vollständige Teilnehmer- oder Ergebnisliste liegt uns bislang nicht vor.

Doch ein Ereignis ist dokumentiert:

Die Japan Karate Association verlieh Jürgen Seydel die Ehrenmitgliedschaft, und Masatoshi Nakayama persönlich graduierte ihn in Anerkennung seiner Verdienste um das Karate in Deutschland zum Ehren-3. Dan. (Karate Hessen)

Das ist ein bemerkenswerter Moment.

Nicht irgendeine spätere Organisation blickte Jahrzehnte danach auf Seydels Lebenswerk zurück. Bereits 1968, während Nakayamas erstem Deutschlandbesuch, wurde seine Aufbauarbeit von der JKA gewürdigt.

April 1969 – ein Dokument spricht

Und hier bekommt ein Dokument aus Jochen Harms‘ Archiv besondere Bedeutung.

Es trägt die Überschrift:

„DAN-TRÄGER IM DEUTSCHEN KARATE-BUND e.V. – Stand: April 1969“

Unter den japanischen Meistern werden unter anderem Hirokazu Kanazawa, Koichi Sugimura und Akio Nagai aufgeführt.

Bei den deutschen Dan-Trägern steht:

Jürgen Seydel – 3. Dan
Usingen – „Begründer des Karatesports in Deutschland“

Damit dokumentiert die Liste nicht nur seinen 3. Dan. Sie zeigt auch, wie Seydel bereits zu seiner eigenen Zeit wahrgenommen wurde.

Schon 1969 bezeichnete ihn der DKB als „Begründer des Karatesports in Deutschland“.

Wir müssen also keine moderne Legende erfinden.

Seine eigene Generation hatte seine historische Rolle bereits erkannt.

Ein Brückenbauer zwischen Welten

Wenn wir heute auf Seydels Lebensweg schauen, zieht sich ein Muster hindurch:

Er suchte Wissen.

Er reiste zu Lehrern.

Er brachte Wissen zurück.

Er gründete ein Dōjō.

Er schrieb.

Er unterrichtete.

Er organisierte Lehrgänge.

Er half beim Aufbau eines Verbandes.

Er schuf Verbindungen zu japanischen Lehrern.

Und andere gingen anschließend weiter.

Das ist vielleicht der größte Erfolg eines Pioniers:

Er baut einen Weg, der ihn irgendwann selbst nicht mehr braucht.

Andere Lehrer kamen. Neue Dōjō entstanden. Verbände entwickelten sich. Wettkämpfer, Trainer und Meister folgten.

Das deutsche Karate wuchs über seinen Gründer hinaus.

Und gerade deshalb hatte seine Arbeit Erfolg.

1987 – der 5. Dan

Auch Jahrzehnte später wurde Seydels Beitrag nicht vergessen.

Am 20. September 1987, bei der Feierstunde „30 Jahre Karate in Hessen“, überreichte ihm DKV-Vizepräsident Fritz Wendland das Diplom zum 5. Dan der Japan Karate Association. (Karate Hessen)

Damit ergibt sich eine bemerkenswerte Graduierungslinie:

1959 – 1. Dan

1968 – Ehren-3. Dan durch Masatoshi Nakayama in München

1969 – als 3. Dan im DKB dokumentiert

1987 – 5. Dan der JKA

Doch bei Seydel erzählen die Zahlen nur einen kleinen Teil der Geschichte.

Seine eigentliche Graduierung war sein Lebenswerk.

Eine staatliche Anerkennung

Für seine Verdienste wurde Jürgen Seydel schließlich auch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Mehrere biografische Quellen bestätigen die Auszeichnung durch Bundespräsident Richard von Weizsäcker. (Karate Dojo Bonn-Bad Godesberg)

Das zeigt, dass seine Aufbauarbeit längst über die Grenzen eines einzelnen Dōjō hinaus wahrgenommen wurde.

3. August 2008 – der Pionier geht, der Weg bleibt

Jürgen Seydel starb am 3. August 2008, wenige Wochen vor seinem 91. Geburtstag. (Karate Dojo Bonn-Bad Godesberg)

Was blieb?

Nicht nur Graduierungen.

Nicht nur Urkunden.

Nicht nur die Geschichte mit Elvis.

Es blieb etwas Größeres:

eine Struktur, auf der andere weiterbauen konnten.

Heute trainieren in Deutschland Menschen Karate, die Jürgen Seydel nie kennengelernt haben. Manche kennen vielleicht nicht einmal seinen Namen.

Und trotzdem führt ein Teil ihres Weges historisch zurück in jene Jahre, in denen Karate hier noch fast unbekannt war und einige wenige Menschen begannen, die ersten Steine zu legen.


🔨 BÄRENSCHMIEDE – CIRCLE OF MASTERS

Deshalb gehört Jürgen Seydel für uns in den Circle of Masters.

Nicht weil jeder seiner damaligen Gedanken heute noch gelten muss.

Nicht weil jede Erinnerung nach Jahrzehnten automatisch fehlerfrei sein muss.

Nicht wegen eines berühmten Schülers.

Und auch nicht allein wegen eines Dan-Grades.

Unser Meisterzirkel ist keine Rangliste und keine Heiligsprechung.

Wir betrachten eine andere Frage:

Was hat ein Mensch seinem Weg hinterlassen?

Bei Jürgen Seydel ist die Antwort außergewöhnlich.

Er ging einen Weg, als es in Deutschland noch kaum Wegweiser gab.

Er suchte Lehrer.

Er brachte Wissen zurück.

Er gründete.

Er schrieb.

Er unterrichtete.

Er organisierte.

Er baute Brücken.

Und andere konnten anschließend weitergehen.

Das ist Vermächtnis.


JÜRGEN SEYDEL

German Karate Pioneer

Founder – Budokan Bad Homburg, 1957
Co-builder of organized Karate in Germany
Early Teacher & Author
1st Dan – 1959
Honorary 3rd Dan – Masatoshi Nakayama, Munich 1968
3rd Dan documented by the DKB – April 1969
5th Dan JKA – 1987
Recipient of the Federal Cross of Merit

PIONEER. TEACHER. FOUNDER. BRIDGE BUILDER. LEGACY.

**THE MASTER PASSES.

THE KNOWLEDGE REMAINS.
THE WAY CONTINUES.**

🥋 CIRCLE OF MASTERS
RIN DŌ SHINZEN – BÄRENSCHMIEDE

Renshi Mike Stein

🕯️🥋 IN MEMORY OF THE MASTERS

SHIHAN NORMAN ROBINSON

6 SEPTEMBER 1936 – 31 JULY 2025

Heute, am 6. September 2026, wäre Shihan Norman Robinson 90 Jahre alt geworden.

Doch dieser Geburtstag ist anders.

Norman Robinson verstarb am 31. Juli 2025 im Alter von 88 Jahren – nur wenige Wochen vor seinem 89. Geburtstag.

Die offizielle JKS South Africa führt ihn mit dem 9. Dan, nennt ihn gemeinsam mit Stan Schmidt einen Pionier der JKA in Südafrika und würdigt ihn als Gründer der JKS in Südafrika.

Heute erinnern wir deshalb nicht nur an einen Geburtstag.

Wir erinnern an einen Menschen und an seinen Weg.

Ein Weg, der mit der Suche begann

Bevor Norman Robinson selbst Shihan, Lehrer und Wegbereiter wurde, war er zunächst eines:

ein Schüler.

Seine ersten tiefen Wurzeln lagen im Judo. Sein Vater, Prof. Jack Robinson, hatte ihn und seine Brüder darin ausgebildet.

Dann begegnete Norman Stan Schmidt.

Gemeinsam gehörten sie zu jener frühen Generation südafrikanischer Budōka, die Karate kennenlernen wollte, obwohl es dafür noch kaum Lehrer und Strukturen gab.

Also begannen sie mit dem, was ihnen zur Verfügung stand:

Bücher.

Später öffnete sich die Tür nach Japan.

1965 kamen Taiji Kase, Hiroshi Shirai, Hirokazu Kanazawa und Keinosuke Enoeda nach Südafrika.

Norman trainierte intensiv unter Enoeda und erwarb seinen Shodan.

Doch er wollte weiter lernen.

Vom Schüler zum Weggefährten der Meister

1970 führte ihn sein Weg nach Japan.

Dort trainierte er bei Masatoshi Nakayama und erhielt schließlich die Möglichkeit, an der berüchtigten JKA Instructor Class teilzunehmen – jener Trainingswelt, die als

„THE HORNET’S NEST“

in Erinnerung blieb.

Aber Norman Robinsons Geschichte bestand nicht nur aus Karate.

Während seiner Aufenthalte in Japan kehrte er auch zu seinen Judo-Wurzeln zurück und trainierte zeitweise im Kodokan.

In seinen eigenen Erinnerungen begegnet uns deshalb immer wieder derselbe Norman:

ein Mann, der bereits viel konnte – und trotzdem weiter lernen wollte.

Ein Mann, der bereit war, seine Technik überprüfen zu lassen.

Ein Mann, der den Vergleich mit starken Trainingspartnern suchte.

Und ein Mann, der auch als erfahrener Budōka noch Schüler sein konnte.

NAKAYAMA – ASAI – LOYALTY

Wenn Norman Robinson über seinen eigenen Weg sprach, ließ er keinen Zweifel daran, wer sein wichtigster Mentor gewesen war:

“First of all, my mentor is Nakayama Shihan.”

Nach Nakayamas Tod im Jahr 1987 begann eine schwierige Zeit für die JKA.

Norman entschied sich später für den Weg Tetsuhiko Asais.

Seine Begründung war charakteristisch für ihn:

“Loyalty is extremely important to me.”

1992 brachte er Asai gemeinsam mit Toro Yamaguchi nach Südafrika.

Später ging Norman den Weg der JKS mit und wurde zu einem ihrer prägenden Vertreter in Südafrika.

Doch Organisationen und Graduierungen erzählen nur einen Teil eines Lebens.

Denn am Ende bleibt nicht die Zahl auf einer Urkunde.

Es bleiben die Menschen, die wir berührt haben.

Die Schüler, denen wir etwas beigebracht haben.

Die Trainingsstunden.

Die Geschichten.

Die Erfahrungen.

Und manchmal ein einziger Satz, den ein Schüler Jahrzehnte später noch erinnert.

DER MEISTER GEHT – DER WEG BLEIBT

Am 31. Juli 2025 endete Norman Robinsons Lebensweg.

Aber ein Budō-Weg endet nicht vollständig mit dem Menschen, der ihn gegangen ist.

Etwas bleibt zurück.

Eine Bewegung, die ein Schüler übernommen hat.

Eine Korrektur im Dōjō.

Eine Kata.

Eine Trainingsmethode.

Eine Erinnerung an Nakayama, Enoeda, Tanaka oder Asai.

Eine Geschichte aus dem JKA-Honbu.

Eine Erinnerung an das Kodokan.

Oder die Inspiration für jemanden, selbst weiterzuforschen.

Norman Robinson gehörte zu einer Generation, die eine außergewöhnliche Brücke bildete:

von Südafrika nach Japan – und von Japan zurück nach Südafrika.

Vom Judo zum Karate.

Vom Buch zum Dōjō.

Vom Schüler zum Lehrer.

Vom Suchenden zum Pionier.

Und schließlich vom Meister zur Erinnerung.

Heute wäre er 90 Jahre alt geworden.

Deshalb sagen wir heute nicht einfach:

Happy Birthday.

Wir sagen:

Thank you, Shihan Norman Robinson.

Danke für deinen Weg.

Danke für das Wissen, das du weitergegeben hast.

Danke für die Geschichten, die geblieben sind.

Und danke dafür, dass auch dein Leben uns daran erinnert:

Ein Meister wird nicht unsterblich, weil sein Name auf einer Urkunde steht.

Er lebt weiter, wenn sein Wissen in anderen Menschen weitergeht.


🕯️ SHIHAN NORMAN ROBINSON

6 SEPTEMBER 1936 – 31 JULY 2025

JUDOKA. KARATEKA.
STUDENT. FIGHTER. TEACHER. PIONEER.

FROM BOOKS TO THE DŌJŌ.
FROM SOUTH AFRICA TO JAPAN.
FROM THE HORNET’S NEST TO THE NEXT GENERATION.

THE MASTER PASSES.

THE KNOWLEDGE REMAINS.

THE WAY CONTINUES.

🕯️ IN MEMORY OF THE MASTERS
🥋 RIN D
Ō SHINZEN – BÄRENSCHMIEDE

KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.

🥋 DIETER STEINEGG – KARATE

FIGHTER • CHAMPION • TEACHER • 6th DAN • LEGACY

Ein deutscher Karate-Weg, der auf der anderen Seite der Welt weiterlebte

Manche Karateka hinterlassen Pokale.

Andere hinterlassen Schüler.

Und manche hinterlassen beides.

Dieter Steinegg gehörte zu jener starken Generation deutscher Shotokan-Karateka, die in den späten 1970er- und 1980er-Jahren das deutsche Karate auf internationalen Tatami vertrat.

Sein Lebensweg führte ihn schließlich mehr als 18.000 Kilometer weit fort von Deutschland.

Doch eines nahm er mit:

Karate.

DIE JAHRE DES KÄMPFERS

Von 1979 bis 1989 gehörte Dieter Steinegg zur deutschen Nationalmannschaft.

Zehn Jahre auf internationalem Niveau.

Er nahm an vier Weltmeisterschaften und acht Europameisterschaften teil. Der Deutsche Karate Verband würdigt ihn als zweimaligen Vize-Weltmeister und zweimaligen Europameister. Hinzu kamen mehrere deutsche Meistertitel – sowohl mit der Mannschaft als auch im Schwergewicht. (Karate)

Historische Aufnahmen führen uns mitten in diese Zeit zurück.

Eine überlieferte Aufnahme vom Shotokan-Cup Ende der 1970er-Jahre zeigt nach der Archivbeschriftung die erfolgreiche Bottroper Mannschaft mit Burghard Rebmann, Wilfried Rebmann, Arthur Klein, Dieter Steinegg und Michael Brandschert; davor sitzt Birgit Schweiberer, Siegerin im Kata-Einzel und mehrfache Europameisterin.

Ein weiteres historisches Foto trägt die Beschriftung „Shotokan-Cup 1984“ und wird im Archiv als Kumite-Begegnung zwischen Dieter Steinegg und Toribio Osterkamp in der Finalrunde der letzten Acht geführt.

Die exakte Paarung und Runde konnten wir bislang nicht durch eine zeitgenössische Ergebnisliste unabhängig bestätigen. Für unsere Chronik bleibt sie deshalb zunächst eine historische Archivzuordnung.

Doch das Foto zeigt genau die Welt, in der Steinegg zu Hause war:

Distanz. Timing. Entschlossenheit. Kumite.

VOM NATIONALKÄMPFER ZUM LEHRER

Aber Steinegg war nicht nur Wettkämpfer.

Mitte der 1980er-Jahre führte ihn sein Weg nach Göttingen.

Ein Weggefährte erinnert sich an die erste Begegnung 1984 bei einem Bundesbestenlehrgang unter Hideo Ochi. Steinegg arbeitete damals als Landschaftsgärtner und wollte seine Meisterprüfung in Kassel absolvieren.

Schon bald übernahm er Training in Göttingen.

1986 gehörte Dieter Steinegg zu den Gründungsmitgliedern des Zanshin Göttingen und übernahm dort das Oberstufentraining. (Karateverein Zanshin Göttingen e.V.)

Seine Trainingsphilosophie erscheint in den Erinnerungen seiner damaligen Weggefährten sehr deutlich.

Er verlangte Aufmerksamkeit.

Er verlangte Einsatz.

Er verlangte Eigenverantwortung.

Sein Training konnte hart sein – schließlich stand dort ein aktiver Nationalkämpfer vor seinen Schülern.

Aber er verlangte keine blinde Unterwerfung.

Das Ziel war, dass jeder aus eigener Motivation 100 Prozent gab.

Der Zusammenhalt der Gruppe war ihm wichtig. Training fand nicht nur über Techniken statt. Gemeinsame Läufe, ungewöhnliche Trainingsideen und sogar das gemeinsame Reinigen der Halle gehörten zu dieser Dōjō-Kultur. (Karateverein Zanshin Göttingen e.V.)

Vielleicht beschreibt schon der Name des Vereins diese Haltung:

ZANSHIN – DER GEIST, DER BLEIBT.

🌳 DER KÄMPFER UND DIE BÄUME

Und dann entdecken wir eine andere Seite Dieter Steineggs.

Neben Karate liebte er Pflanzen und besonders Bäume.

Er war Landschaftsgärtner und arbeitete später beim Grünflächenamt der Stadt Göttingen. Ein Weggefährte erinnert sich daran, wie Steinegg alte Bäume auf dem Göttinger Wall pflegte und sanierte.

Das passt auf eine eigenartige und gleichzeitig wunderschöne Weise zu diesem großen Kumite-Kämpfer.

Ein Mann konnte auf der Tatami enorme Kraft entwickeln – und anschließend seine Hände benutzen, um einen alten Baum zu erhalten.

Kraft und Fürsorge waren für ihn kein Widerspruch.

🇩🇪 → 🇳🇿 EIN NEUES LEBEN

Dieter hatte schon länger den Wunsch, nach Neuseeland auszuwandern.

Er lernte Englisch, bereitete sich konsequent auf die Anforderungen der Einwanderung vor und erhielt schließlich die Genehmigung.

1990 war es soweit.

Gemeinsam mit Sabine Claus, später Steinegg, begann er in Christchurch ein neues Leben.

Dort wurden seine beiden Töchter geboren: Sarah und später Maicalia. (Karateverein Zanshin Göttingen e.V.)

Und auch am anderen Ende der Welt blieb Karate Teil seines Lebens.

Steinegg betreute zunächst sogar die neuseeländische Karate-Nationalmannschaft. Später widmete er sich gemeinsam mit Freunden im Umfeld von Tobukai Karate einer stärker gesundheitsorientierten Form seines Karate. (Karate)

Auch beruflich blieb er seiner zweiten Leidenschaft treu und arbeitete in Christchurch wieder im Bereich der städtischen Grünflächen und Bäume. (Karateverein Zanshin Göttingen e.V.)

GERMANY → NEW ZEALAND

Aber Deutschland vergaß er nicht.

Er kehrte zu Besuchen und Lehrgängen zurück und hielt Kontakt zu seinen alten Weggefährten.

Noch 2017 legte er beim Gasshuku in Gundelfingen die Prüfung zum 5. Dan ab. (Karateverein Zanshin Göttingen e.V.)

Damit spannt sich eine bemerkenswerte Linie:

Der ehemalige Nationalkämpfer war längst Trainer, Vater und international erfahrener Karateka.

Und trotzdem:

Er stellte sich wieder einer Prüfung.

Der Weg war noch nicht beendet.

🥋 12. DEZEMBER 2022 – DER 6. DAN

Dann kam eine letzte besondere Anerkennung.

Die uns vorliegende Urkunde von Karate New Zealand Rengokai dokumentiert:

DIETER STEINEGG
ROKUDAN – 6th DEGREE BLACK BELT

12 DECEMBER 2022

Die Graduierung wurde in Anerkennung seiner außergewöhnlichen Verdienste um Karate-Dō homologiert und in die Unterlagen von Karate New Zealand Rengokai aufgenommen.

Auch Zanshin Göttingen bestätigt, dass ihm der neuseeländische Karateverband für seine Verdienste den 6. Dan verlieh. (Karateverein Zanshin Göttingen e.V.)

Und dann wird aus einer Graduierungsurkunde plötzlich eine sehr persönliche Geschichte.

Seine Tochter Sarah schrieb kurz darauf im Namen ihres Vaters:

Dieter wolle Karate New Zealand für dieses außergewöhnliche Weihnachtsgeschenk danken – und ebenso allen Menschen für ihre freundlichen Nachrichten.

Das ist wichtig.

Denn dieser 6. Dan kam nicht Jahrzehnte nach seinem Tod als nachträgliche Ehrung.

Dieter konnte diese Anerkennung selbst noch erleben.

🕯️ DER ABSCHIED

Zu diesem Zeitpunkt war Dieter bereits schwer krank.

Sein Göttinger Freund erfuhr erst spät von seiner Krebserkrankung. Selbst während seiner eigenen schweren Krankheit zeigte Dieter noch Anteilnahme am Tod eines früheren Vereinskameraden und übermittelte dessen Familie Trost und Mitgefühl. (Karateverein Zanshin Göttingen e.V.)

Der letzte schriftliche Kontakt seines Weggefährten mit ihm war am 6. März 2023.

Elf Tage später:

17. MÄRZ 2023

Dieter Steinegg starb im Alter von 66 Jahren in Christchurch, Neuseeland. (Karateverein Zanshin Göttingen e.V.)

Karate New Zealand erinnerte an einen außergewöhnlichen Athleten, Kämpfer und Coach.

Besonders bewegend war die Erinnerung eines seiner Schüler. Dieser beschrieb einen Mann, dessen große körperliche Kraft von ebenso großer Sanftheit begleitet worden sei – und für den letztlich die Fähigkeit zur Freundlichkeit das eigentliche Maß menschlicher Stärke darstellte. (Karate Neuseeland)

Und vielleicht sagt das mehr über einen Budōka aus als jede Ergebnisliste.


DIETER STEINEGG

Geburtsdatum: bislang nicht sicher dokumentiert
† 17. März 2023, Christchurch, Neuseeland
66 Jahre

6th DAN • SHOTOKAN KARATE

GERMAN NATIONAL TEAM 1979–1989

4× WORLD CHAMPIONSHIPS
8× EUROPEAN CHAMPIONSHIPS
2× WORLD TEAM VICE-CHAMPION
2× EUROPEAN TEAM CHAMPION
MULTIPLE GERMAN CHAMPION

FIGHTER • CHAMPION • TEACHER • COACH • LEGACY

🇩🇪 GERMANY → NEW ZEALAND 🇳🇿


🕯️ IN MEMORY OF THE MASTERS

Dieter Steineggs Geschichte beginnt für unsere Chronik nicht mit seinem Tod.

Sie beginnt mit einem jungen Mann, der kämpft.

Sie führt durch Nationalmannschaft, Meisterschaften und Dōjō.

Sie führt zu Schülern.

Zu Freunden.

Zu einer Familie.

Zu Bäumen.

Und schließlich auf die andere Seite der Erde.

Dort wurde aus dem deutschen Nationalkämpfer ein Lehrer, Coach und Wegbegleiter einer neuen Generation.

Nur wenige Monate vor seinem Abschied erhielt er noch einmal einen schwarzen Gürtel.

Rokudan. 6. Dan.

Doch vielleicht war dieser Gürtel am Ende nur das sichtbare Zeichen für etwas, das längst geschehen war.

Der Kämpfer war zum Lehrer geworden.
Der Lehrer hatte sein Wissen weitergegeben.
Und der Weg lebte bereits in anderen Menschen weiter.

**THE FIGHTER PASSES.

THE TEACHER REMAINS IN HIS STUDENTS.
THE WAY CONTINUES.**

In respektvoller Erinnerung an Dieter Steinegg.

KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.

Osu. 🥋🕯️🇩🇪🇳🇿

Renshi Mike Stein
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede Dōjō

🕯️ IN MEMORY OF THE MASTERS

TERUO CHINEN

8. Juni 1941 – 9. September 2015

KYŌSHI · 7. DAN · OKINAWAN GŌJŪ-RYŪ

JUNDOKAN INTERNATIONAL

Heute, am 9. September, erinnert unser Budō-Kalender an einen Meister, dessen Lebensweg zu einer Brücke zwischen den alten Wurzeln des Okinawa-Karate und den nachfolgenden Generationen auf der ganzen Welt wurde:

Teruo Chinen – 知念 輝夫

Vor 11 Jahren, am 9. September 2015, starb Teruo Chinen in Spokane im US-Bundesstaat Washington.

Doch wenn wir heute an ihn erinnern, geht es nicht allein um seinen Todestag.

Es geht um einen Lebensweg.

Um einen Jungen, der in der unmittelbaren Umgebung eines der bedeutendsten Namen der Karate-Geschichte aufwuchs.

Um einen Schüler, der sein Leben dem Training widmete.

Um einen Lehrer, der Okinawa verließ.

Und schließlich um einen Meister, der über Jahrzehnte hinweg traditionelles Gōjū-ryū Karate über Länder und Kontinente weitergab.


🇯🇵 1941 – GEBOREN IN JAPAN, AUFGEWACHSEN AUF OKINAWA

Teruo Chinen wurde am 8. Juni 1941 in Kobe, Japan, geboren.

Nach dem Krieg zog seine Familie nach Okinawa – zunächst nach Shuri und anschließend nach Naha. Seine frühen Jahre waren von den schwierigen Verhältnissen der Nachkriegszeit geprägt. Die heutige Jundokan-Biografie berichtet, dass beide Eltern bereits verstorben waren, als er noch jung war, und Chinen mit seinen Geschwistern bei seinem Onkel lebte. (Jundokan International)

Doch dann trat etwas in sein Leben, das ihm eine Richtung geben sollte:

KARATE.

Und manchmal entscheidet die Geografie über einen ganzen Lebensweg.

Denn die Familie Chinen wohnte in Naha nur drei Häuser entfernt vom Dōjō beziehungsweise Wohnhaus von Chōjun Miyagi.

Dem Begründer des Gōjū-ryū.

Der junge Chinen konnte beobachten, was dort geschah, lange bevor er die tiefere Bedeutung dieses Trainings verstehen konnte. (Jundokan International)

Was damals nur wenige Meter von seinem Zuhause entfernt lag, sollte später sein gesamtes Leben bestimmen.


🥋 CHŌJUN MIYAGI – DIE WURZEL

Chōjun Miyagi (1888–1953) gehört zu den großen Persönlichkeiten der Geschichte des Okinawa-Karate.

Sein Gōjū-ryū verband das Harte und das Weiche – Gō und Jū – und wurde zu einer der bedeutenden traditionellen Karate-Richtungen Okinawas.

Chinens Beziehung zu Miyagis Welt begann bereits als Junge.

Bei der genauen Formulierung müssen wir allerdings historisch sauber bleiben: Verschiedene spätere Biografien beschreiben unterschiedlich stark, wie viel unmittelbares Training Chinen noch persönlich bei Miyagi erhielt. Unstrittig ist dagegen, dass sein entscheidender formaler Lehrer Ei’ichi Miyazato wurde und dass Chinen aus der unmittelbaren Miyagi/Jundokan-Tradition hervorging. (Jundokan International)

Das ist für unsere Chronik wichtiger als eine künstliche Legende.

Denn ein Budō-Weg braucht keine Ausschmückung.

Seine wirkliche Geschichte ist stark genug.


🥋 EI’ICHI MIYAZATO – DER ENTSCHEIDENDE LEHRER

Im Alter von ungefähr 13 Jahren begann Chinen sein formales Karate-Training.

Sein entscheidender Lehrer wurde:

EI’ICHI MIYAZATO (1922–1999)

Miyazato gehörte zu den bedeutenden Schülern Chōjun Miyagis und gründete nach dessen Tod in Naha das Jundokan.

Chinen trainierte dort intensiv.

Die heutige Jundokan International geht noch weiter und dokumentiert, dass Chinen mehrere Jahre als Uchi-deshi Miyazatos lebte beziehungsweise trainierte. (Jundokan International)

Das ist mehr als gelegentliches Seminartraining.

Es bedeutet Nähe.

Alltag.

Wiederholung.

Korrektur.

Disziplin.

Und vor allem:

Zeit mit dem Lehrer.

Ein großer Teil dessen, was Chinen später auf der ganzen Welt weitergab, hatte hier seine Wurzeln.


🔥 KARATE GAB SEINEM LEBEN EINE RICHTUNG

Besonders berührend ist ein Detail aus der heutigen Jundokan-Biografie.

Sie beschreibt, dass Chinens Leben nach dem frühen Verlust seiner Eltern zunächst wenig Richtung hatte.

Dann fand er Karate.

Mit ungefähr 14 Jahren entschied er, sich ernsthaft dem Training zu widmen. (Jundokan International)

Das ist für mich einer jener Punkte, an denen eine Biografie plötzlich mehr wird als eine Sammlung von Jahreszahlen.

Denn viele von uns kennen diesen Gedanken auf ihre eigene Weise.

Karate beseitigt nicht alle Schwierigkeiten des Lebens.

Karate nimmt uns nicht jede Last ab.

Aber Karate kann uns etwas geben:

Struktur.

Disziplin.

Aufgabe.

Richtung.

Einen Weg.


🇯🇵 1959 – VON OKINAWA NACH TOKIO

1959 folgte der nächste große Schritt.

Morio Higaonna, ebenfalls eng mit dem Jundokan verbunden, war nach Tokio gegangen und unterrichtete dort am Yoyogi-Dōjō.

Chinen folgte ihm.

Damit verließ der junge Karateka Okinawa und trat in eine völlig andere Welt ein.

Tokio.

Großstadt.

Neue Schüler.

Neue Anforderungen.

Und zunehmend auch ausländische Karateka.

Die offizielle Jundokan-Darstellung beschreibt ausdrücklich, dass Chinen dort die Aufgabe übernahm, ausländische Schüler zu unterrichten. (Jundokan International)

Sein Weg begann sich damit zu verändern:

Vom Trainierenden zum Lehrenden.

Und genau hier entsteht eine Fähigkeit, die für einen Meister ebenso wichtig ist wie die eigene Technik:

WISSEN VERMITTELBAR MACHEN.


🌍 1969 – DER WEG FÜHRT NACH AMERIKA

Zehn Jahre später kam der Schritt, der Chinens weiteres Leben bestimmen sollte.

1969 wurde Teruo Chinen von Ei’ichi Miyazato nach Spokane, Washington, geschickt.

Seine Aufgabe:

Gōjū-ryū Karate unterrichten.

Ursprünglich sollte der Aufenthalt nur wenige Monate dauern.

In einem ausführlichen Interview von 1997 erinnerte sich Chinen daran, dass zunächst lediglich etwa drei Monate vorgesehen waren. Doch nachdem er die Situation des dortigen Gōjū-ryū gesehen hatte, entschied er sich, länger zu bleiben und die Grundlagen systematisch aufzubauen. (RBKD Germany)

Aus wenigen Monaten wurde ein Leben.

Spokane wurde seine Heimat.

Und von dort aus begann ein neuer Abschnitt der internationalen Geschichte des Gōjū-ryū.


🌎 OKINAWA → USA → WORLD

Ab den 1970er-Jahren reiste Chinen intensiv.

Europa.

Nordamerika.

Südafrika.

Weitere internationale Stationen folgten.

Zwischen 1973 und 1979 war er besonders intensiv international unterwegs und trug zur Verbreitung des Okinawa-Gōjū-ryū bei. Später arbeitete er mehrere Jahre als technischer Berater innerhalb der internationalen Gōjū-ryū-Strukturen um Morio Higaonna. (Shuriway Karate & Kobudo Society)

Doch irgendwann kommt im Leben vieler großer Lehrer der Punkt, an dem aus dem Schüler nicht nur ein Lehrer wird.

Er übernimmt Verantwortung für seinen eigenen Weg der Weitergabe.


🥋 JUNDOKAN INTERNATIONAL

Chinen gründete schließlich Jundokan International, bewusst in Verbindung mit der Tradition seines Lehrers Ei’ichi Miyazato und dessen Jundokan in Okinawa.

Bei der Jahreszahl finden sich in Sekundärquellen unterschiedliche Angaben – insbesondere 1984 und 1987. Die heutige Jundokan-Darstellung konzentriert sich stärker auf die Linie und Chinens Lebenswerk als auf eine einzelne Gründungszahl. Deshalb würde ich für unsere historische Dokumentation keine unsichere Jahreszahl in den Mittelpunkt stellen. (Jundokan International)

Wichtiger ist:

Der Name seines Lehrers lebte in seiner eigenen Organisation weiter.

Das gefällt mir besonders.

Denn Weiterentwicklung bedeutet nicht, die Wurzeln abzuschneiden.

Im Gegenteil.

Ein starker Baum wächst, weil er starke Wurzeln besitzt.


🥋 KATA – NICHT NUR BEWEGUNG, SONDERN WISSEN

Bei Teruo Chinen finden wir auch einen Gedanken, der hervorragend zu unserer Arbeit in der Bärenschmiede passt.

Seine Organisation beschreibt Kata als Fundament des Gōjū-ryū. Auch seine Veröffentlichungen widmen sich intensiv der Geschichte, Kultur, Technik und den Kata des Okinawa-Gōjū-ryū. (Jundokan International)

Denn eine Kata besteht nicht nur daraus, Bewegungen in einer bestimmten Reihenfolge auszuführen.

Hinter ihr liegen:

Körpermechanik.

Atmung.

Struktur.

Distanz.

Kraftübertragung.

Anwendung.

Erfahrung.

Und mit zunehmenden Trainingsjahren verändert sich auch das, was wir in einer Bewegung erkennen.

Der Anfänger sieht eine Bewegung.

Der Fortgeschrittene untersucht ihre Funktion.

Der erfahrene Karateka erkennt Möglichkeiten.


☯️ GŌ UND JŪ – HART UND WEICH

Auch der Name Gōjū-ryū selbst trägt eine Botschaft.

Gō – hart.

Jū – weich.

Doch diese Begriffe sind keine Gegensätze, die sich gegenseitig ausschließen müssen.

Sie ergänzen sich.

Spannung und Entspannung.

Stabilität und Bewegung.

Kraft und Anpassung.

Festigkeit und Nachgeben.

Genau deshalb können wir auch als Shotokan-Karateka oder Angehörige einer anderen Budō-Richtung von einem Meister wie Chinen lernen.

Wir müssen nicht seinen Stil kopieren.

Wir können beobachten, wie er gearbeitet hat.


🥋 7. DAN · KYŌSHI – UND DANN KEIN WEITERER GRAD

Ein Detail ist für unsere KARATE-DŌ MASTERS besonders wichtig.

Im Internet wird Teruo Chinen teilweise mit höheren Graduierungen angegeben.

Die heutige Jundokan International dokumentiert jedoch ausdrücklich:

1988 – 7. DAN UND DER TITEL KYŌSHI DURCH EI’ICHI MIYAZATO.

Und dann folgt ein entscheidender Satz:

Das war seine letzte Graduierung.

(Jundokan International)

Deshalb dokumentieren wir ihn in unserer Chronik bewusst als:

TERUO CHINEN · KYŌSHI · 7. DAN

Nicht weil eine höhere Zahl einen Menschen größer machen würde.

Und nicht weil eine niedrigere Zahl seinen Weg kleiner macht.

Im Gegenteil.

Er unterrichtete danach noch jahrzehntelang.

Er reiste.

Er forschte.

Er vermittelte.

Er bildete Schüler und Lehrer aus.

Und genau darin steckt eine wunderbare Botschaft:

Ein Meisterweg wird nicht daran gemessen, wie schnell die Zahl auf dem Gürtel wächst.

Er wird daran sichtbar, was durch diesen Menschen weiterlebt.


🌉 EINE BRÜCKE ZWISCHEN VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT

1997 führte Dong Tran mit Chinen ein bemerkenswertes Interview.

Der Titel:

BRIDGING PAST AND FUTURE

Vergangenheit und Zukunft verbinden.

Das beschreibt Chinens Lebenswerk vielleicht besser als jede Graduierung. (RBKD Germany)

Er hatte die Welt des alten Okinawa-Karate noch aus unmittelbarer Nähe erlebt.

Er lernte unter Miyazato.

Er trainierte und lehrte mit Higaonna.

Er ging nach Tokio.

Er verließ Japan.

Er ging nach Amerika.

Er reiste nach Europa und Afrika.

Und überall standen wieder neue Menschen auf der Tatami.

Ein Lehrer kann seine Heimat verlassen.

Aber wenn er sein Wissen weitergibt, reisen seine Wurzeln mit ihm.


🕯️ 9. SEPTEMBER 2015 – DER LEHRER GEHT, DER WEG BLEIBT

Am 9. September 2015 starb Teruo Chinen in Spokane.

Jundokan International nennt genau dieses Datum und beschreibt die anschließende gemeinsame Arbeit seiner Senior-Instruktoren, seine Organisation und sein Vermächtnis für die Zukunft zu bewahren. (Lakeshore Karate)

Heute, am 9. September 2026, sind 11 Jahre vergangen.

Aber seine Geschichte endet nicht 2015.

Sie lebt in den Dōjō weiter.

In seinen Schülern.

In deren Schülern.

In Kata.

In Kihon.

In den Geschichten, die weitergegeben werden.

Und in jedem Menschen, der versucht, nicht nur die äußere Form einer Tradition zu kopieren, sondern ihren Inhalt zu verstehen.


🔨 EIN GEDANKE AUS DER BÄRENSCHMIEDE

Wir sagen:

Vom rohen Eisen zur lebenden Klinge.

Kein Hammerschlag allein erschafft die Klinge.

Es braucht Tausende.

Feuer.

Hammer.

Amboss.

Abkühlen.

Erneutes Erhitzen.

Schleifen.

Prüfen.

Und wieder von vorne.

So ist auch ein Meisterweg.

Teruo Chinen begann als Junge auf Okinawa.

Er wurde Schüler.

Trainierender.

Lehrer.

Internationaler Wegbereiter.

Mentor.

Und schließlich selbst zu einer Wurzel, aus der andere Wege weiterwachsen konnten.

Deshalb gehört Teruo Chinen für mich nicht nur in unseren Budō-Kalender.

Er gehört in unsere Erinnerung an die KARATE-DŌ MASTERS.

Nicht weil wir in jedem Punkt denselben Karate-Weg gehen müssen.

Sondern weil wir einen Lebensweg respektieren können, der über Jahrzehnte dem Karate gewidmet war.


🕯️ IN MEMORY OF TERUO CHINEN

TERUO CHINEN
8 JUNE 1941 – 9 SEPTEMBER 2015

KYŌSHI · 7th DAN

OKINAWAN GŌJŪ-RYŪ

EI’ICHI MIYAZATO · JUNDOKAN

OKINAWA → TOKYO → SPOKANE → WORLD

KARATEKA · TEACHER · MENTOR · LEGACY

Der Grad zeigt eine Station.

Die Erfahrung zeigt den Weg.

Das Vermächtnis zeigt, was weiterlebt.

PRESERVE THE HISTORY.
HONOR THE MASTERS.
PASS ON THE KNOWLEDGE.

KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.

THE WAY NEVER ENDS.

In Respekt und Erinnerung. 🕯️🥋

Renshi Mike Stein, 6. Dan
Rin D
ō Shinzen – Bärenschmiede Dōjō
INTERNATIONAL RIN D
Ō SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA

🇯🇵 IN MEMORY OF MASAHIKO KIMURA

MASAHIKO KIMURA
10 SEPTEMBER 1917 – 18 APRIL 1993

JŪDŌ · JAPAN · CHAMPION · BRAZIL · FIGHTING SPIRIT · LEGACY

Masahiko Kimura (木村政彦) wurde am 10. September 1917 in Kumamoto auf der japanischen Insel Kyūshū geboren. Er begann bereits als Kind mit Jūdō und entwickelte sich zu einem der herausragenden japanischen Judōka seiner Generation.

Seinen Namen schrieb Kimura insbesondere durch seine außergewöhnliche Wettkampflaufbahn in die Geschichte. 1937, 1938 und 1939 gewann er dreimal hintereinander die All-Japan Judo Championships und wurde damit zum ersten Judōka, dem diese Serie gelang. Sein Karate-ähnlich kompromissloser Trainingsgeist und sein intensives Kraft- und Techniktraining wurden später geradezu legendär.

International unsterblich wurde sein Name durch eine Begegnung, die japanisches Budō mit der brasilianischen Kampfkunstgeschichte verband.

Am 23. Oktober 1951 kämpfte Kimura im Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro gegen Hélio Gracie, einen der prägenden Wegbereiter des brasilianischen Jiu-Jitsu. Kimura gewann den Kampf mit Gyaku-Ude-Garami, einem Schulter-/Armhebel aus dem Jūdō.

Die Technik wurde anschließend besonders in der brasilianischen Jiu-Jitsu- und späteren Grappling-Welt so eng mit diesem Kampf verbunden, dass sie bis heute weltweit einfach als:

THE KIMURA

bekannt ist.

Damit geschah etwas Außergewöhnliches: Der Name des Kämpfers wurde zum Namen einer Technik.

Kimuras Bedeutung reicht deshalb weit über seine Titel hinaus. Seine Spuren finden wir heute im Jūdō, Brazilian Jiu-Jitsu, Submission Grappling und MMA. Generationen von Kampfkünstlern verwenden seinen Namen, selbst wenn sie die Geschichte des Menschen dahinter nicht mehr kennen.

Masahiko Kimura starb am 18. April 1993 im Alter von 75 Jahren.

Seine Medaillen gehören der Geschichte.

Seine Kämpfe gehören der Geschichte.

Doch sein Name steht noch immer auf den Matten dieser Welt.

🕯️ MASAHIKO KIMURA

THE COMPETITOR.
THE CHAMPION.
THE FIGHTER.
THE TECHNIQUE.
THE LEGACY.

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HONOR THE MASTERS.
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THE WAY NEVER ENDS.

Osu! 🥋🇯🇵🇧🇷

🇯🇵 HOHAN SŌKEN – EINE STIMME DES ALTEN OKINAWA-KARATE

10 SEPTEMBER 1978 · OKINAWA

MATSUMURA SEITŌ · SHŌRIN-RYŪ · KATA · TRADITION · RESEARCH · TRANSMISSION

Heute führt uns unser Budō-Kalender nicht zu einem Geburtstag oder Todestag.

Er führt uns zu einem Gespräch.

Am 10. September 1978 wurde auf der Kadena Air Base auf Okinawa ein ausführliches Interview mit dem damals hochbetagten Karate-Meister Hohan Sōken (祖堅方範) geführt. Interviewer war Ernie Estrada; anwesend war auch Sōkens Schüler Fusei Kise. Die überlieferte Fassung nennt ausdrücklich den 10. September 1978 als Datum. (Christopher Caile’s Fighting Arts)

Fast ein halbes Jahrhundert später ist dieses Gespräch für uns noch immer interessant.

Denn Sōken sprach nicht nur darüber, welche Techniken er gelernt hatte.

Er sprach darüber, wie Karate gelernt, erforscht und weitergegeben wird.

🥋 EIN WEG ZURÜCK IN DAS ALTE OKINAWA

Hohan Sōken wurde 1889 in Nishihara auf Okinawa geboren. In dem Interview selbst gab er als Geburtstag den 25. Mai 1889 an. Bereits mit etwa 13 Jahren begann er unter seinem Onkel Nabe Matsumura zu trainieren, einem Nachfahren von Matsumura Sōkon, einer der großen Persönlichkeiten der alten Shuri-te-Tradition. (MartialTalk)

Sein Weg führte ihn damit in eine Überlieferung, die heute unter dem Namen Matsumura Seitō Shōrin-ryū bekannt ist.

Sōken beschreibt sein frühes Training als hart und unmittelbar.

Balance und Beinarbeit wurden geübt. Der Körper wurde konditioniert. Es wurde an Gegenständen geschlagen und getreten. Partnerübungen gehörten ebenso zum Training wie Kata. Nach harter Arbeit am Tag wurde am Abend weitertrainiert. (Christopher Caile’s Fighting Arts)

Das Interessante daran ist für uns nicht, alte Trainingsmethoden romantisch zu verklären.

Interessant ist das Prinzip:

Der Körper musste verstehen, was die Technik verlangt.

🌎 OKINAWA → ARGENTINIEN → OKINAWA

Sōkens Lebensweg verlief außerdem ungewöhnlich international.

In den 1920er-Jahren verließ er Okinawa und lebte viele Jahre in Argentinien. Dort arbeitete er unter anderem als Fotograf und Textilreiniger und unterrichtete Karate innerhalb der japanisch-okinawanischen Gemeinschaft. Anfang der 1950er-Jahre kehrte er nach Okinawa zurück und nahm dort seine Lehrtätigkeit wieder auf. (Wikipedia)

Diese lange Zeit außerhalb Okinawas ist auch für das Interview bemerkenswert: Es wurde nach Estradas Angaben auf Spanisch geführt, weil Sōken durch seine Jahre in Argentinien die Sprache beherrschte. (MartialTalk)

Ein alter Okinawaner.

Ein amerikanischer Luftwaffenstützpunkt.

Ein Interview auf Spanisch.

Und das Thema:

die Weitergabe des alten Karate.

Das allein ist bereits ein bemerkenswertes Stück internationaler Karate-Geschichte.


🔎 DIE „GEHEIMNISSE“ DES KARATE

Dann stellt Estrada eine entscheidende Frage.

Wenn Matsumura Seitō ein alter Stil mit vielen sogenannten Geheimnissen sei und Sōken inzwischen selbst alt werde:

Was müsse an die modernen Karateka weitergegeben werden?

Sōkens Antwort ist bemerkenswert.

Er sagt sinngemäß: Im Karate gebe es Dinge, die viele Menschen nicht kennen oder verstehen. Aber wenn man auf Okinawa lange unter einem guten Lehrer trainiere, seien diese Dinge eigentlich keine Geheimnisse. Man sehe den Lehrer sie immer wieder anwenden, bis das vermeintlich Geheimnisvolle zum normalen Verständnis werde. (Christopher Caile’s Fighting Arts)

Und dann kommt ein Satz, der für unsere heutige Arbeit besonders interessant ist.

Sōken erklärt, manche Menschen hielten bestimmte Dinge auch deshalb für geheim oder außergewöhnlich, weil sie keine guten Lehrer hätten – oder weil ihre Lehrer ihre eigenen Stile nicht ausreichend erforscht hätten. (Christopher Caile’s Fighting Arts)

RESEARCH YOUR KARATE.

Genau hier wird ein Interview von 1978 plötzlich erstaunlich aktuell.


🔨 NICHT NUR NACHMACHEN – VERSTEHEN

Tradition bedeutet nicht, eine Bewegung lediglich deshalb zu wiederholen, weil sie der Lehrer genauso gezeigt hat.

Wir müssen zunächst lernen.

Wir müssen beobachten.

Wir müssen wiederholen.

Aber mit wachsender Erfahrung müssen wir auch beginnen zu fragen:

Warum funktioniert diese Bewegung?

Was geschieht mit Balance, Hüfte und Körperstruktur?

Was befindet sich auf dem Weg zwischen Anfang und Endposition?

Welche Möglichkeiten enthält die Bewegung?

Was verändert sich durch Distanz, Winkel, Timing und Kontakt?

Und:

Was wollte uns die Kata eigentlich lehren?

Das ist genau die Stelle, an der für uns Tradition und Forschung keine Gegensätze mehr sind.

Forschung bedeutet nicht automatisch, die Tradition zu verändern.

Forschung kann bedeuten, tiefer in sie hineinzugehen.


🥋 KATA ALS TRÄGER DER WEITERGABE

Sōkens überliefertes Training umfasste zahlreiche Kata. In den biografischen Quellen werden unter anderem Naihanchi, Pinan, Passai, Chintō, Kusanku, Gojūshiho und Rohai genannt; besondere Bedeutung wird in seiner Überlieferung auch Hakutsuru, der Weißen-Kranich-Tradition, zugeschrieben. Sōken selbst bezeichnete Kusanku in Interviews als besonders wichtig für seinen Stil. (Wikipedia)

Doch auch hier sollten wir nicht beim Namen der Kata stehenbleiben.

Eine Kata ist nicht wertvoll, weil sie alt ist.

Eine Kata wird wertvoll durch das, was wir in ihr entdecken, erarbeiten und schließlich anwenden können.

Für unsere Bärenschmiede bedeutet das:

KATA IST KAMPF.

Wir laufen eine Kata nicht einfach ab.

Wir kämpfen sie.

Mit unserem Körper.

Mit unserer Atmung.

Mit unserer Balance.

Mit unserer Energie.

Mit unseren Werkzeugen.

Mit unserer Präzision.

Und letztlich auch mit uns selbst.


🐻 1978 → 2026

Zwischen diesem Interview und heute liegen 48 Jahre.

Die Welt des Karate hat sich verändert.

Wir verfügen heute über Videos, Bücher, Archive, biomechanische Untersuchungen und innerhalb weniger Sekunden über Aufnahmen nahezu jeder bekannten Kata.

Doch eine Frage bleibt dieselbe:

Schauen wir nur – oder forschen wir?

Vielleicht besitzen wir heute mehr Informationen über Karate als irgendeine Generation vor uns.

Aber Information allein ist noch kein Verständnis.

Der Lehrer zeigt uns ein Werkzeug.

Der Schüler lernt seinen Namen.

Der Fortgeschrittene lernt damit zu arbeiten.

Und nach vielen Jahren beginnt der erfahrene Karateka möglicherweise Dinge darin zu entdecken, die er am ersten Tag überhaupt nicht sehen konnte.

Der Anfänger sieht die Technik.

Der Meister sieht den Weg der Technik.

Und genau deshalb endet unser Lernen nicht mit dem schwarzen Gürtel.

Vielleicht beginnt dort erst die eigentliche Forschung.


🕯️ HOHAN SŌKEN

Hohan Sōken starb am 30. November 1982 auf Okinawa. Seine Überlieferung wurde durch Schüler und nachfolgende Linien weitergetragen. (Wikipedia)

Aber heute, am 10. September, erinnern wir nicht in erster Linie an seinen Tod.

Wir erinnern an einen Moment im Jahr 1978, in dem ein alter Okinawaner über die Zukunft des Karate sprach.

Und eine seiner Botschaften können wir fast fünf Jahrzehnte später noch verstehen:

Ein Lehrer soll nicht nur bewahren.

Ein Schüler soll nicht nur kopieren.

Wir müssen lernen. Beobachten. Trainieren. Prüfen. Forschen. Verstehen. Und schließlich weitergeben.

TRADITION → EXPERIENCE → RESEARCH → UNDERSTANDING → TRANSMISSION

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🇯🇵 IN MEMORY OF HOHAN SŌKEN

HOHAN SŌKEN (祖堅方範)
25 MAY 1889 – 30 NOVEMBER 1982

OKINAWA · MATSUMURA SEITŌ · SHŌRIN-RYŪ · KARATE-DŌ · KOBUDŌ · KATA · TRADITION · LEGACY

Hohan Sōken wurde am 25. Mai 1889 in Nishihara auf Okinawa geboren. Er gehörte zu jener Generation okinawanischer Karate-Meister, deren Lebensweg noch unmittelbar mit den älteren Traditionen des Shuri-te verbunden war.

Bereits als Jugendlicher begann Sōken um 1902/1903 unter seinem Onkel Nabe Matsumura zu trainieren. Nabe Matsumura war ein Nachfahre des berühmten Matsumura Sōkon, einer der bedeutenden Persönlichkeiten in der Entwicklung der alten okinawanischen Kampfkunst.

Diese Überlieferung wurde später insbesondere mit dem Namen Matsumura Seitō Shōrin-ryū verbunden.

Sōkens Training war geprägt von Kata, Partnerarbeit, Körperkonditionierung, Balance, Beinarbeit und der praktischen Anwendung der Techniken. In seiner Überlieferung finden sich unter anderem Kata aus den Familien Naihanchi, Pinan, Passai und Rohai sowie Chintō, Kusanku und Gojūshiho. Auch die Überlieferung von Hakutsuru – dem Weißen Kranich – wird mit seiner Linie verbunden.

Sein Lebensweg führte ihn weit über Okinawa hinaus.

1924 ging Sōken nach Argentinien, wo er viele Jahre lebte, arbeitete und innerhalb der japanisch-okinawanischen Gemeinschaft auch Karate unterrichtete. 1952 kehrte er nach Okinawa zurück und setzte dort seine Lehrtätigkeit fort.

Damit wurde Sōken zu einem wichtigen Bindeglied zwischen einer älteren okinawanischen Karate-Tradition und den Generationen, die diese Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg weitertrugen.

Besonders eindrucksvoll ist sein Interview mit Ernie Estrada vom 10. September 1978 auf der Kadena Air Base auf Okinawa. Darin sprach Sōken nicht nur über seine Lehrer und sein Training, sondern auch über die sogenannten „Geheimnisse“ des Karate.

Seine Botschaft war bemerkenswert:

Was Außenstehenden geheimnisvoll oder fortgeschritten erscheine, werde durch jahrelanges Training unter einem guten Lehrer zu Wissen und Erfahrung. Ebenso betonte er die Bedeutung, die eigene Kampfkunst zu erforschen und wirklich zu verstehen.

Genau darin liegt ein Teil seines Vermächtnisses.

Tradition bedeutet nicht nur Bewahren.

Sie bedeutet auch:

Lernen. Trainieren. Forschen. Verstehen. Weitergeben.

Hohan Sōken starb am 30. November 1982 auf Okinawa.

Sein Name aber bleibt mit einer alten Linie des Okinawa-Karate verbunden – und mit einer Botschaft, die auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Bedeutung verloren hat:

RESEARCH YOUR KARATE.

THE MASTER.
THE TRADITION.
THE RESEARCH.
THE TRANSMISSION.
THE LEGACY.

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Osu! 🥋🇯🇵

🇯🇵 IN MEMORY OF ANGI UEZU

ANGI UEZU · 上江洲安儀
3 JANUARY 1935 – 11 SEPTEMBER 2024

Ja. Für eure Webseite würde ich die Biografie bewusst anders als den Budō-Kalender-Beitrag schreiben: weniger „Heute erinnern wir …“, dafür zeitlos, biografisch und ausführlich. So kann sie dauerhaft als Meisterporträt auf der Seite stehen.

🇯🇵 IN MEMORY OF ANGI UEZU

ANGI UEZU · 上江洲安儀

3 JANUARY 1935 – 11 SEPTEMBER 2024

OKINAWA · ISSHIN-RYŪ · KARATE-DŌ · KOBUDŌ · TATSUO SHIMABUKU · TEACHER · PRESERVER · TRANSMISSION · LEGACY

Angi Uezu gehörte zu den bedeutenden Persönlichkeiten in der Weitergabe des Isshin-ryū Karate und Kobudō von Okinawa in die internationale Kampfkunstwelt.

Sein Lebensweg ist dabei außergewöhnlich: Als junger Mann hatte Uezu zunächst wenig Interesse am Karate und stand dem Kämpfen sogar ablehnend gegenüber. Durch seine Verbindung zur Familie des Isshin-ryū-Gründers Tatsuo Shimabuku wurde aus diesem zunächst widerwilligen jungen Mann jedoch ein Schüler, Wettkämpfer und Lehrer – und schließlich ein wichtiger Bewahrer und internationaler Vermittler des Isshin-ryū.

Angi Uezu wurde am 3. Januar 1935 auf Saipan geboren und starb am 11. September 2024 im Alter von 89 Jahren. Lebanon Isshinryu Karate School – Master Angi Uezu


🇯🇵 KINDHEIT ZWISCHEN SAIPAN UND OKINAWA

Uezus familiäre Wurzeln lagen auf Okinawa.

Nach der ausführlichen Biografie der International Isshin-ryu Karate Association war sein Vater Okinawaner in sechster Generation und hatte familiäre Wurzeln in Shuri. Aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Situation verließ er Okinawa und ging nach Saipan, wo er in der Zuckerrohrindustrie Arbeit fand. Dort wurde Angi Uezu 1935 geboren. IIKA – Angi Uezu Biography

Seine Kindheit fiel in eine Zeit, die vom Zweiten Weltkrieg geprägt wurde.

Eine in seiner Biografie überlieferte Episode berichtet von einem Luftangriff auf Saipan. Der junge Uezu lief über ein offenes Feld, als ihn eine Kugel am Hinterkopf gestreift haben soll.

Solche Erinnerungen gehören zu einer Generation Okinawas und der umliegenden Inselwelt, deren Kindheit unmittelbar von Krieg, Zerstörung und den gesellschaftlichen Veränderungen der Nachkriegszeit geprägt wurde. IIKA – Angi Uezu Biography

Später kehrte die Familie nach Okinawa zurück.

Dort kam Uezu während seiner Schulzeit erstmals mit Karate in Berührung. An seiner Junior High School gehörte Gōjū-ryū zum Unterricht.

Doch von einer frühen Begeisterung für Kampfkunst konnte keine Rede sein.

Nach seiner später überlieferten Erinnerung mochte Uezu Karate zunächst überhaupt nicht. Er war dem Kämpfen gegenüber skeptisch und konnte wenig Sinn darin erkennen, sich im Training schlagen zu lassen, um sich auf einen möglichen Kampf vorzubereiten.

Dass gerade dieser junge Mann später einen großen Teil seines Lebens dem Karate widmen würde, gehört zu den bemerkenswertesten Wendungen seiner Biografie. IIKA – Angi Uezu Biography


❤️ YUKIKO UND TATSUO SHIMABUKU

Der entscheidende Wendepunkt kam nicht zunächst durch Karate, sondern durch einen Menschen.

1956 lernte Angi Uezu Yukiko Shimabuku kennen.

Sie war eine Tochter von Tatsuo Shimabuku, dem später international bekannten Begründer des Isshin-ryū.

Angi Uezu und Yukiko heirateten 1957. Uezu wurde damit nicht nur Teil der Familie Shimabuku – Tatsuo Shimabuku wurde sein Schwiegervater. IIKA – Angi Uezu Biography

Doch selbst diese außergewöhnliche Nähe zu einem Karate-Meister führte nicht sofort dazu, dass Uezu zu trainieren begann.

Der junge Familienvater arbeitete lange Stunden auf einer amerikanischen Militärbasis, um seine Familie zu versorgen. Nach der biografischen Überlieferung versuchte Shimabuku wiederholt, seinen Schwiegersohn für das Training zu gewinnen.

Uezu lehnte zunächst ab.

Eine wichtige Rolle spielte schließlich sein Freund Seichi Taba. Dieser konnte kaum nachvollziehen, dass Uezu mit einem bedeutenden Karate-Lehrer unter einem Dach lebte, ohne diese außergewöhnliche Möglichkeit zum Lernen zu nutzen.

Uezu begann schließlich zu trainieren.

Was zunächst beinahe widerwillig begann, entwickelte sich zu einer lebenslangen Verbindung.

Aus dem Schwiegersohn wurde der Schüler.
Aus dem Schüler wurde der Kämpfer.
Aus dem Kämpfer wurde der Lehrer.


🥋 DER SCHÜLER VON TATSUO SHIMABUKU

Tatsuo Shimabuku entwickelte auf Okinawa das Isshin-ryū, einen Karate-Weg, in den Erfahrungen aus unterschiedlichen Karate- und Kobudō-Traditionen einflossen.

Der Name Isshin-ryū wird gewöhnlich als „One Heart Way“ beziehungsweise „Weg des einen Herzens“ wiedergegeben.

Angi Uezu trainierte intensiv unter Shimabuku und entwickelte sich zu einem seiner wichtigen Schüler und späteren Repräsentanten.

In den frühen 1960er-Jahren nahm Uezu auch erfolgreich an Wettkämpfen auf Okinawa teil. Die IIKA-Biografie hebt besonders seine Fähigkeiten als Konterkämpfer hervor.

Bemerkenswert ist außerdem die Beschreibung seiner Trainingsweise: Uezu arbeitete intensiv an einzelnen Techniken und versuchte, diese durch konsequente Wiederholung immer weiter zu entwickeln. IIKA – Angi Uezu Biography

Darin liegt ein Prinzip, das weit über einen bestimmten Karate-Stil hinausgeht:

Eine Technik kennen bedeutet nicht, sie verstanden zu haben.

Erst Wiederholung, Erfahrung, Anwendung und immer feinere Wahrnehmung machen aus einer Bewegung ein wirklich beherrschtes Werkzeug.


🇺🇸 OKINAWA UND DIE AMERIKANISCHEN SOLDATEN

Uezus Englischkenntnisse sollten für die internationale Verbreitung des Isshin-ryū eine besondere Bedeutung bekommen.

Nach der IIKA-Biografie setzte Tatsuo Shimabuku ihn als Lehrer in mehreren amerikanischen Militär-Dōjō auf Okinawa ein.

Genannt werden unter anderem:

CAMP HANSEN · CAMP COURTNEY · CAMP FOSTER

Uezu unterrichtete dort amerikanische Soldaten und Marines. IIKA – Angi Uezu Biography

Dieser Teil seiner Geschichte steht exemplarisch für einen wichtigen Mechanismus in der internationalen Entwicklung des okinawanischen Karate nach dem Zweiten Weltkrieg.

Amerikanische Soldaten wurden auf Okinawa stationiert.

Einige von ihnen begannen Karate zu trainieren.

Sie lernten Kata, Techniken und Trainingsmethoden kennen und bauten persönliche Beziehungen zu ihren Lehrern auf.

Dann kehrten sie in die Vereinigten Staaten zurück.

Und Karate reiste mit ihnen.

OKINAWA → AMERICAN SERVICEMEN → UNITED STATES

Nicht Organisationen allein verbreiten eine Kampfkunst.

Menschen tragen sie über Grenzen.


🇺🇸 1967 – VON OKINAWA IN DIE USA

1967 begann ein weiteres wichtiges Kapitel.

Uezu trug zu diesem Zeitpunkt den 4. Dan – Yondan.

Tatsuo Shimabuku entsandte ihn als seinen Repräsentanten in die Vereinigten Staaten, wo Uezu unterrichtete und Lehrgänge gab. Daraus entwickelte sich eine Verbindung zu amerikanischen Isshin-ryū-Karateka, die Uezus weiteren Lebensweg über Jahrzehnte begleiten sollte. IIKA – Angi Uezu Biography

Eine weitere Isshin-ryū-Quelle berichtet, dass Shimabuku selbst bereits 1964 und 1966 die Vereinigten Staaten besucht hatte. Für Uezus Reise von 1967 werden unter anderem Stationen beziehungsweise Dōjō in New York, Ohio, Pennsylvania und Tennessee genannt. Shimabuku.com – U.S. Visits

Damit hatte sich Uezus Rolle grundlegend verändert.

Er war nicht mehr nur jemand, der von Tatsuo Shimabuku lernte.

Er wurde jemand, dem Shimabuku die Verantwortung übertrug, seine Kampfkunst anderen Menschen zu vermitteln.

OKINAWA → UEZU → UNITED STATES

Aus einem Schüler wurde ein Träger der Tradition.


🕯️ 1975 – NACH DEM TOD DES LEHRERS

Am 30. Mai 1975 starb Tatsuo Shimabuku.

Für Isshin-ryū begann damit eine schwierige neue Phase.

Der Tod eines Gründers hinterlässt nicht nur persönliche Trauer. Er erzeugt fast zwangsläufig Fragen nach Nachfolge, Interpretation, technischer Autorität und organisatorischer Führung.

Wer trägt die Lehre weiter?

Was muss bewahrt werden?

Was darf sich verändern?

Wer entscheidet darüber?

Auch innerhalb des Isshin-ryū entwickelten sich nach Shimabukus Tod unterschiedliche Linien und organisatorische Wege.

Die Quellen aus dem Isshin-ryū-Umfeld schildern diese Entwicklungen teilweise aus unterschiedlichen Perspektiven. Deshalb sollte diese Geschichte nicht auf eine einfache Erzählung von Gewinnern und Verlierern oder „richtig“ und „falsch“ reduziert werden.

Für die Biografie Angi Uezus ist entscheidend:

Er blieb dem Isshin-ryū und dem Vermächtnis seines Lehrers verbunden.


🥋 LOYALITÄT UND RESPEKT

Gerade Uezus Haltung gegenüber den organisatorischen und persönlichen Differenzen nach Shimabukus Tod ist bemerkenswert.

Die IIKA-Biografie berichtet, dass ehemalige Weggefährten versucht hätten, ihn für einen Wechsel zum Shōrin-ryū zu gewinnen.

Uezu entschied sich dagegen.

Für ihn bestand eine besondere Verantwortung gegenüber Tatsuo Shimabuku, dessen Familie und dem Weg, den er von seinem Lehrer übernommen hatte.

Gleichzeitig wird Uezu in dieser Überlieferung nicht als jemand beschrieben, der seine Loyalität durch Angriffe auf andere demonstrieren wollte.

Menschen konnten andere Entscheidungen treffen.

Sie konnten andere Organisationen wählen.

Sie konnten einen anderen Weg gehen.

Uezu wollte sich dadurch nicht von seinem eigenen Training und seiner eigenen Aufgabe abbringen lassen. IIKA – Angi Uezu Biography

Darin liegt eine Haltung, die im Budō immer wieder neu gelernt werden muss:

RESPECT DOES NOT REQUIRE AGREEMENT.

Respekt bedeutet nicht, dass wir in allem einer Meinung sein müssen.


🌳 OIKKA UND DIE BEWAHRUNG DES ISSHIN-RYŪ

Eine weitere Phase seines Lebens war mit der Okinawa Isshinryu Karate Kobudo Association – OIKKA verbunden.

Bei der genauen Chronologie ihrer organisatorischen Entstehung finden sich innerhalb der Isshin-ryū-Überlieferung unterschiedliche Angaben. Deshalb sollte man vorsichtig damit sein, die gesamte Entwicklung auf ein einzelnes Gründungsdatum zu reduzieren.

Wesentlich wichtiger für Uezus Lebensweg ist die Aufgabe, die dahinterstand:

Bewahren. Organisieren. Unterrichten. Weitergeben.

Und irgendwann musste Uezu selbst jene Frage beantworten, vor der seine Generation nach dem Tod Tatsuo Shimabukus gestanden hatte:

Wer übernimmt die Verantwortung für die nächste Generation?

Am 1. Februar 2007 wurde Christopher Chase als Nachfolger und Präsident der OIKKA eingesetzt. Uezu blieb als Chairman Emeritus und Special Advisor mit der Organisation verbunden. OIKKA – About Us

Damit wurde aus einer Lehrer-Schüler-Beziehung eine Generationenkette:

TATSUO SHIMABUKU → ANGI UEZU → CHRISTOPHER CHASE → NEXT GENERATION


🥋 EIN LEBEN FÜR DIE WEITERGABE

Angi Uezus Biografie besitzt einen ungewöhnlichen Anfang.

Er war nicht das Kind, das schon immer davon träumte, Karate-Meister zu werden.

Er wollte zunächst überhaupt kein Karate trainieren.

Doch schließlich begann er.

Und er hörte nicht wieder auf.

Über Jahrzehnte wurde aus dem widerwilligen Anfänger ein Schüler Tatsuo Shimabukus, ein Wettkämpfer, Lehrer, internationaler Repräsentant, Seminarleiter und Bewahrer des Isshin-ryū.

Sein Weg führte:

SAIPAN → OKINAWA → UNITED STATES → INTERNATIONAL ISSHIN-RYŪ

Doch die geografische Reise erzählt nur einen Teil seiner Geschichte.

Die wichtigere Entwicklung war:

STUDENT → FIGHTER → TEACHER → PRESERVER → LEGACY

Angi Uezu starb am 11. September 2024 im Alter von 89 Jahren. Lebanon Isshinryu Karate School – Master Angi Uezu

Sein Tod beendete ein Leben.

Aber nicht die Linie.

Denn Schüler unterrichten Schüler.

Kata werden weiter trainiert.

Techniken werden weiter untersucht.

Erfahrungen werden weitergegeben.

Und Menschen, die ihren Lehrer vielleicht niemals persönlich kennengelernt haben, können Jahrzehnte später noch immer etwas von ihm in ihrem eigenen Training tragen.

Das ist Vermächtnis im Budō.


🇯🇵 ANGI UEZU · 上江洲安儀

3 JANUARY 1935 – 11 SEPTEMBER 2024

THE STUDENT.

THE SON-IN-LAW.

THE FIGHTER.

THE TEACHER.

THE PRESERVER.

THE LEGACY.

Ein junger Mann, der Karate zunächst ablehnte, wurde schließlich zu einem Menschen, der einen großen Teil seines Lebens dafür einsetzte, die Kampfkunst seines Lehrers zu bewahren und an andere weiterzugeben.

Vielleicht liegt gerade darin eine der schönsten Lektionen seines Lebensweges:

Wir wissen am Anfang unseres Weges nicht, wohin er uns führen wird.

Entscheidend ist, was wir aus dem machen, was unsere Lehrer uns anvertrauen.

TRADITION → EXPERIENCE → RESPONSIBILITY → TRANSMISSION → LEGACY

PRESERVE THE HISTORY.

HONOR THE MASTERS.

PASS ON THE KNOWLEDGE.

KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.

THE WAY NEVER ENDS.

OSU! 🥋🙏🇯🇵