🥋 IN MEMORIAM – KLAUS KARPINSKI

🥋 IN MEMORIAM – KLAUS KARPINSKI

Ein Karate-Pionier aus einer anderen Zeit

Heute erreichte mich die traurige Nachricht, dass Klaus Karpinski, einer der frühen Wegbereiter des deutschen Karate, verstorben ist.

Mit ihm geht ein Karateka aus einer Generation, die unser heutiges Karate nicht aus Büchern, Videos oder sozialen Medien kannte.

Sie musste es aufbauen.

Klaus Karpinski gehörte zur frühen starken Karate-Generation aus Bochum – gemeinsam mit Namen wie Franz Bork, Georg Warburg, Bernd Milner und Horst Handel. Bernd Milner selbst bezeichnete Karpinski später ausdrücklich als einen der Menschen aus dem Bochumer Dojo, die ihn auf seinem Karate-Weg geprägt hatten. (Karate NRW)

Karpinski und Franz Bork waren große, physisch starke Kämpfer. Milner erinnerte sich daran, dass beide etwa 1,90 Meter groß waren und dass das Training mit ihnen ihn früh daran gewöhnte, gegen körperlich überlegene Gegner zu kämpfen. (Karate NRW)

Aber hinter dieser Erinnerung steckt noch etwas Interessanteres.

Karpinski und Bork hatten Erfahrungen aus dem Boxtraining und übertrugen Aspekte von Taktik und Trainingsmethodik auf das Karate-Kumite. Zusammen mit dem technisch starken Georg Warburg entstand in Bochum damit eine Verbindung verschiedener Erfahrungen, die wesentlich zur damaligen Stärke der Bochumer Kumite-Mannschaft beitrug. (karatedo-hausheim.de)

Das war Karate in einer anderen Zeit.

Keine Faustschützer.
Keine heutigen Gewichtsklassen.
Keine modernen Trainingshallen voller elektronischer Anzeigen.

Karate befand sich in Deutschland noch im Aufbau.

Und unmittelbar dabei waren japanische Lehrer, deren Namen heute zur Geschichte des Karate gehören.

Hirokazu Kanazawa war von 1968 bis 1970 Bundestrainer im damaligen DKB und prägte diese Generation maßgeblich. Bernd Milner nennt Kanazawa als seinen wichtigsten frühen Karate-Lehrer – und im selben Zusammenhang Karpinski und seine Bochumer Weggefährten als prägende Personen seines eigenen Weges. (Karate NRW)

München 1968 – ein Bild deutscher Karategeschichte

Eines der historischen Fotos, das wir heute betrachten, führt uns zurück zur Deutschen Meisterschaft 1968 in München.

Klaus Karpinski kämpfte dort im Kumite.

Die überlieferte Geschichte dieses Wettkampfes ist heute weit mehr als nur ein Ergebnis auf einer alten Meisterschaftsliste. Sie führt uns in eine Epoche zurück, in der Persönlichkeiten wie Masatoshi Nakayama unmittelbar am deutschen Karate-Geschehen beteiligt waren.

Auf dem historischen Foto steht Nakayama als Kampfrichter zwischen den Kämpfern.

Für uns heute ist ein solches Schwarz-Weiß-Foto vielleicht nur ein Augenblick.

Für die deutsche Karategeschichte ist es ein Dokument einer Generation.

Vom Wettkämpfer zum Lehrer

Besonders wichtig finde ich aber, dass wir Klaus Karpinski nicht ausschließlich über frühere Wettkampferfolge definieren.

Jahrzehnte später finden wir ihn wieder als Lehrer auf der Tatami.

Ein Bericht des Shotokan Karate Dojo Münster dokumentiert ein Kumite-Spezialtraining mit Klaus Karpinski für Braun- und Schwarzgurte. Dort wird ausdrücklich beschrieben, dass er großen Wert auf traditionelles Ippon-Kumite legte – auf die Vorstellung einer entscheidenden Technik, gleichzeitig aber auf kontrolliertes und verletzungsfreies Training. (YUMPU)

Das gefällt mir besonders.

Denn irgendwann verschwinden Pokale in Schränken.

Ergebnislisten vergilben.

Urkunden hängen vielleicht noch irgendwo an einer Wand.

Aber das Wissen, das ein Lehrer an die nächste Generation weitergegeben hat, lebt in anderen Menschen weiter.


Was bleibt?

Wir sprechen heute sehr viel über Dan-Grade, Titel, Organisationen und Positionen.

Doch wenn ein alter Karateka seinen letzten Weg antritt, wird etwas anderes wichtig.

Nicht:

Welchen Titel hatte er?

Sondern:

Welche Spuren hat er hinterlassen?

Klaus Karpinski gehörte zu den Menschen, die auf der Tatami standen, als das deutsche Karate noch jung war.

Er kämpfte.

Er trainierte.

Er gehörte zur erfolgreichen Bochumer Generation.

Er erlebte die unmittelbare Einflusszeit großer japanischer Lehrer.

Und später gab er sein Verständnis des traditionellen Kumite an andere Karateka weiter. (Karate NRW)

Das ist für mich Budō.

Nicht die Zahl hinter dem Dan.

Nicht die Größe eines Titels.

Nicht die Wand voller Urkunden.

Der Mensch.
Sein Karate.
Seine Schüler.
Und die Spuren, die er auf dem Weg hinterlässt.

Wenn die Nachricht seines Todes offiziell bestätigt ist, verneigen wir uns vor einem Karateka aus der Generation, die einen Teil des Fundaments gelegt hat, auf dem wir heute stehen.

Thank you for the Way.

OSU!

Renshi Mike Stein
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede

Der Weg endet nie.