Du bist da. Karate ist da.

Du bist da. Karate ist da.

Der Alte im Spiegel schaut mich an.

Die Haare sind grauer geworden.

Der Körper trägt die Spuren vieler Jahre.

Narben.
Erfahrungen.
Erinnerungen.

Und doch weiß ich:

Der schwerste Kampf war nie der gegen andere.

Der schwerste Kampf ist der gegen sich selbst.

Wenn die Welt draußen tobt,

wenn Pläne scheitern,

wenn Menschen kommen und gehen,

wenn alles schiefzugehen scheint,

dann höre ich ihn wieder.

Ganz ruhig.

Ganz klar.

„Mike … du bist da.

Karate ist da.“

Mehr braucht es nicht.

Du bist da.

Karate ist da.

Ob einer trainiert,

ob zweihundert trainieren,

ob niemand trainiert –

es bleibt gleich.

Du bist da.

Karate ist da.

Der Weg existiert auch dann,

wenn niemand hinsieht.

Auch dann,

wenn niemand applaudiert.

Auch dann,

wenn kein Foto gemacht wird.

Ich ziehe meinen Gi an.

Ich binde meinen Gürtel.

Ich verbeuge mich still.

Dann trainiere ich.

Ich genieße mein Karate.

Und gehe wieder nach Hause.

Nicht weil ich etwas beweisen muss.

Sondern weil es mein Weg ist.

Das Dōjō Kun ist für mich längst kein Lehrsatz mehr,

der irgendwo an einer Wand hängt.

Es ist gelebte Erfahrung.

Tag für Tag.

Jahr für Jahr.

Jahrzehnt für Jahrzehnt.

Charakter.

Aufrichtigkeit.

Bemühung.

Höflichkeit.

Selbstbeherrschung.

Nicht als Worte.

Sondern als tägliche Übung.

Der Spiegel zeigt mir heute einen älteren Mann.

Doch hinter den grauen Haaren lebt derselbe Karateka,

der einst voller Träume das erste Mal einen Gi anzog.

Und solange ich stehen kann,

solange ich atmen kann,

solange ich mich verbeugen kann,

wird das Feuer weiter brennen.

Denn am Ende bleibt eine einfache Wahrheit:

Du bist da.

Karate ist da.

Und der Weg geht weiter.

Osu!

Renshi Mike Stein