Als die kleinen Bären ihre ersten Schritte machten… 🐻🥋

Manchmal halte ich alte Fotos in den Händen und muss lächeln.
Dieses Bild entstand ungefähr im Jahr 2000.
Damals gab es noch keine sozialen Medien.
Kein YouTube.
Kein ChatGPT.
Keine Smartphones.
Und trotzdem war unser kleines Dōjō voller Leben.
Wenn ich dieses Foto sehe, muss ich schmunzeln.
Ja… damals hatte ich tatsächlich blond gefärbte Haare. 😄
Vor mir standen die ersten kleinen Bärenschmiede-Kids.
Weiße Gürtel.
Große Augen.
Neugier.
Und dieses unbeschreibliche Lächeln, wenn eine Technik zum ersten Mal funktionierte.
Für viele waren es die ersten Schritte auf der Tatami.
Für mich waren es die ersten Schritte als Lehrer.
Damals besaß ich selbst nicht viel.
Ich hatte nur einen einzigen Karate-Gi, den meine Oma aus Segeltuch genäht hatte.
Wir lebten zu fünft in einer kleinen Zweizimmerwohnung.
Doch sobald ich das Dōjō betrat, fühlte ich mich reich.
Nicht wegen Geld.
Nicht wegen Pokalen.
Nicht wegen Gürteln.
Sondern wegen der Menschen.
Wegen der Kinder.
Wegen der Gemeinschaft.
Heute ist vieles einfacher geworden.
Wir haben Zugang zu Wissen aus der ganzen Welt.
Lehrvideos.
Online-Seminare.
Digitale Trainingspläne.
Und sogar künstliche Intelligenz hilft uns dabei, Ideen zu entwickeln und Wissen zu strukturieren.
Das ist ein großer Fortschritt.
Doch eines hat sich nie verändert:
Kein Video ersetzt einen Trainer.
Kein Computer ersetzt das gemeinsame Training.
Und kein Bildschirm kann das Leuchten in den Augen eines Kindes ersetzen, das nach einer gelungenen Technik stolz lächelt.
Wenn ich samstags unterrichte, verschenke ich meine Freizeit ganz bewusst.
Nicht, weil ich muss.
Sondern weil ich davon überzeugt bin, dass Kinder heute mehr denn je Bewegung, Orientierung und echte Werte brauchen.
Im Dōjō lernen sie weit mehr als Fausttechniken oder Kicks.
Sie lernen…
- Respekt.
- Geduld.
- Disziplin.
- Verantwortung.
- Hilfsbereitschaft.
- Vertrauen.
Das sind Werte, die ein Leben lang begleiten.
Manchmal fragen mich Eltern bereits nach wenigen Trainingseinheiten:
„Wann macht mein Kind die nächste Gürtelprüfung?“
Dann lächle ich.
Denn eine Gürtelprüfung ist niemals das eigentliche Ziel.
Karate wächst nicht in Wochen.
Karate wächst über Jahre.
Ich kann einem Kind sehr viel beibringen.
Aber dafür brauche ich drei Dinge:
Zeit.
Hingabe.
Kontinuität.
Mein erster Meister sagte einmal einen Satz, den ich niemals vergessen werde:
„Mike, mache eine Sache richtig. Dann wirst du sie verstehen – und irgendwann lieben.“
Genau diesen Gedanken versuche ich seit vielen Jahren in der Bärenschmiede weiterzugeben.
Nicht schneller.
Nicht lauter.
Sondern besser.
Vielleicht erkennt sich heute eines dieser Kinder auf diesem alten Foto wieder.
Vielleicht trainiert jemand noch immer.
Vielleicht erinnert sich jemand einfach nur an eine schöne Zeit.
Wenn dieses Bild genau dieses Gefühl weckt, dann hat es seinen Zweck erfüllt.
Denn am Ende bleiben nicht Pokale oder Gürtel in Erinnerung.
Es bleiben die Menschen, die unseren Weg begleitet haben.
Die kleinen Bären von damals werden für mich immer ein Teil der Geschichte der Bärenschmiede bleiben.
OSU!
Renshi Mike Stein
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede 🐻🥋
