🥋 BUDŌ-KALENDER

🥋 BUDŌ-KALENDER – 8. SEPTEMBER

BUDŌ – WENN DER WEG IN DER FAMILIE WEITERLEBT

Am 8. September 1939 wurde in London Tomio Otani geboren.

Manche Geschichten des Budō beginnen nicht mit einer Meisterschaft, einer Graduierung oder der Gründung eines Verbandes.

Sie beginnen zu Hause.

Mit einem Vater, der seinem Sohn etwas zeigt.
Mit einem Kind, das beobachtet.
Mit einer Familie, in der Kampfkunst nicht nur trainiert, sondern gelebt wird.

Die Geschichte von Tomio Otani ist eine solche Geschichte.

Und sie führt uns zu einem Gedanken, der weit über einen einzelnen Meister hinausgeht:

Wie wird Budō von einer Generation an die nächste weitergegeben?

🥋 DIE FAMILIE ALS ERSTES DŌJŌ

Tomio Otani wurde am 8. September 1939 in London als Sohn von Masutaro Otani geboren, einer wichtigen Persönlichkeit in der Entwicklung des britischen Judō.

Damit begegnete Tomio dem Budō nicht erst irgendwann als Erwachsener.

Er wuchs damit auf.

Sein Vater war Judō-Lehrer, und auch sein Bruder Robin Otani schlug einen langen Budō-Weg ein und wurde später eine bedeutende Persönlichkeit des britischen Judō.

Aus dem Weg eines Vaters wurden die Wege seiner Söhne.

Diese Form der Weitergabe begegnet uns immer wieder in der Geschichte der Kampfkünste.

Gerade auf Okinawa finden wir Familien, in denen Kampfkunst und Wissen über Generationen weitergegeben wurden. Ein besonders bekanntes Beispiel ist die Familie Uechi: Kanbun Uechi gab sein Wissen an seinen Sohn Kanei Uechi weiter; die Tradition wurde anschließend in weiteren Generationen der Familie fortgeführt. Auch die Motobu-Familie steht für eine lange Verbindung von Familie, Überlieferung und Kampfkunst.

Dabei dürfen wir uns diese Weitergabe nicht immer wie ein modernes Unterrichtssystem vorstellen.

Wissen wurde bewahrt, vorgelebt, beobachtet, wiederholt und weiterentwickelt.

Der Vater gab nicht nur Techniken weiter.
Er gab Erfahrung weiter.

⚔️ TOMIO OTANI UND KENSHIRO ABBE

Tomios Weg blieb jedoch nicht auf das Judō seines Vaters beschränkt.

Als der große japanische Budō-Lehrer Kenshiro Abbe Mitte der 1950er-Jahre nach Großbritannien kam, entstand eine enge Verbindung zur Familie Otani. Tomio trainierte unter Abbe und beschäftigte sich neben Judō intensiv mit weiteren japanischen Budō-Wegen, insbesondere mit Kendō.

Später wurde er selbst zu einer wichtigen Persönlichkeit beim Aufbau und bei der Vermittlung des Kendō in Großbritannien.

Damit geschieht etwas, das wir in der Geschichte des Budō immer wieder beobachten können:

Die nächste Generation übernimmt nicht einfach eine Kopie.

Sie bekommt ein Fundament.

Sie begegnet neuen Lehrern.

Sie sammelt eigene Erfahrungen.

Und daraus entwickelt sich ihr eigener Weg.

🥋 DER SENSEI GIBT KEINE BEFEHLE

Und hier wird unser heutiger Kalendereintrag besonders interessant.

Wir haben einen historischen englischsprachigen Text vorliegen, der ausdrücklich mit

“COMMENTARY: By Otani Tomio”

gekennzeichnet ist.

Darin beschreibt Otani seine Vorstellung davon, was ein Sensei eigentlich sein sollte.

Ein Lehrer sei nicht einfach jemand, der das Kommando übernimmt und Befehle erteilt.

Otani erklärt Sensei sinngemäß als denjenigen, der bereits vorausgegangen ist.

Der Erfahrenere soll deshalb nicht durch Macht führen.

Er soll durch sein Beispiel führen.

Zwischen Lehrer und Schüler sollten Respekt und Zusammenarbeit bestehen.

Und dann schreibt Otani einen Satz, der auch heute noch bemerkenswert aktuell klingt:

“Respect is not a right determined by rank, or grade…”

Respekt ist für ihn also kein automatisches Recht, das sich aus Rang oder Graduierung ergibt.

Er entsteht durch das Verhalten des Lehrers und die ernsthafte Arbeit des Schülers.

Was für ein Gedanke.

Gerade in einer Welt, in der wir manchmal zuerst auf Gürtel, Titel, Dan-Zahlen und Funktionen schauen.

Der Gürtel kann einen Grad zeigen.
Aber er kann keinen Respekt erzwingen.

🙏 REISHIKI – MEHR ALS ZEREMONIE

Otani spricht in diesem Text auch über Reishiki, die Etikette und das angemessene Verhalten im Dōjō.

Interessanterweise beschreibt er ein gutes Dōjō keineswegs als einen Ort, an dem niemand lachen darf und militärischer Gehorsam herrscht.

Im Gegenteil.

Er schreibt, dass im Dōjō durchaus gesprochen, gescherzt und gelacht werden könne.

Entscheidend sei, dass man versteht, welches Verhalten der jeweiligen Situation angemessen ist.

Etikette ist damit mehr als eine äußere Zeremonie.

Verbeugen allein macht noch keinen Budōka.

Reishiki beginnt mit der inneren Haltung.

Auch die auf dem historischen Dokument festgehaltenen Regeln sind erstaunlich bodenständig:

Sauberkeit des Körpers und der Trainingskleidung, gepflegte Hände und Füße, Maßhalten beim Essen und Trinken, Ordnung im Dōjō – und die klare Forderung, Budō-Techniken außerhalb des Dōjō nur in äußerster Notwendigkeit zur Selbstverteidigung oder zum Schutz Schwächerer einzusetzen.

Das ist Budō nicht als Show.

Sondern als Verantwortung.

🏯 WO BUDŌ IST, KANN DŌJŌ SEIN

Und am Ende seines Kommentars formuliert Tomio Otani einen Gedanken, der wunderbar zu unserem heutigen Thema passt.

Sinngemäß schreibt er:

Jeder Ort, an dem Budō stattfindet, wird seinem Geist nach zu einem Dōjō.

Das ist stark.

Denn damit verlassen wir die vier Wände der Trainingshalle.

Das Dōjō ist nicht nur Tatami, Makiwara, Shinai oder Kamiza.

Dōjō ist auch Haltung.

Und vielleicht kann deshalb auch eine Familie zu einem kleinen Dōjō werden.

Nicht, weil morgens alle im Seiza am Küchentisch sitzen müssen. 😉

Sondern weil Werte weitergegeben werden:

Respekt.
Disziplin.
Bescheidenheit.
Verantwortung.
Ausdauer.
Vorbild.

👨‍👩‍👦 BUDŌ LEBT IN FAMILIEN WEITER

Und genau deshalb ist die Geschichte Tomio Otanis heute mehr als eine Geburtstagsnotiz.

Von Masutaro Otani zu seinen Söhnen.

Von Kanbun Uechi zu Kanei Uechi und den folgenden Generationen.

Von alten okinawanischen Familien bis zu heutigen Karate-Familien überall auf der Welt.

Die Namen verändern sich.

Die Stile verändern sich.

Die Länder verändern sich.

Aber ein Prinzip bleibt:

**Eine Generation empfängt.

Eine Generation lernt.
Eine Generation entwickelt.
Eine Generation gibt weiter.**

Und manchmal erleben wir diese Geschichte unmittelbar vor unseren eigenen Augen.

Erst heute berichtete uns der deutsche Karate-Pionier Bernd Hinschberger selbst voller Dankbarkeit von seinem Beginn im Frühjahr 1964 und von seinen Lehrern Kanazawa Sensei, Shirai Sensei und besonders Ochi Sensei.

Doch dann schrieb er etwas, das wunderbar zu unserem heutigen 8. September passt.

Er sei stolz darauf, dass auch seine Frau Petra, langjähriges Mitglied des DKV-National-Katateams, und sein Sohn Marcus, heute Karatelehrer in Sacramento/USA, als Lehrer der Kampfkunst den Weg weiterführen.

Was für eine schöne Verbindung.

Otani-Familie.
Uechi-Familie.
Hinschberger-Familie.

Andere Zeiten.

Andere Länder.

Andere Budō-Wege.

Aber immer wieder derselbe Gedanke:

DER WEG WIRD WEITERGEGEBEN.

Vielleicht ist das eines der größten Vermächtnisse eines Sensei.

Nicht wie viele Pokale irgendwann in seinem Schrank stehen.

Nicht wie viele Urkunden an seiner Wand hängen.

Nicht welche Zahl hinter seinem Dan steht.

Sondern ob irgendwann ein anderer Mensch die Tür zum Dōjō öffnet und den Weg weitergeht.

Der Sohn muss dabei nicht zum Vater werden.

Die Tochter muss nicht zur Mutter werden.

Der Schüler muss keine Kopie seines Sensei sein.

Denn wirkliche Weitergabe bedeutet nicht:

„Werde wie ich.“

Sondern:

„Ich zeige dir, was mir gegeben wurde.
Nun gehe deinen eigenen Weg – und gib weiter, was du verstanden hast.“


8 SEPTEMBER 1939 – TOMIO OTANI

FATHER TO SON.
TEACHER TO STUDENT.
GENERATION TO GENERATION.

LEAD BY EXAMPLE.

PASS ON THE KNOWLEDGE.

KEEP THE SPIRIT ALIVE.

THE WAY NEVER ENDS.

Vom alten Okinawa über Japan und Großbritannien bis in unsere Dōjō von heute:

Menschen gehen.
Das Wissen bleibt.
Die nächste Generation übernimmt den Weg.

KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.

BÄRENSTARK. 🐻🥋

Osu, meine Freunde und Weggefährten!Euer Renshi Mike Stein

🥋 BUDŌ-KALENDER – 9. SEPTEMBER

🇯🇵 GŌZŌ SHIODA

9. SEPTEMBER 1915 – 17. JULI 1994

DER „LITTLE GIANT“ DES AIKIDŌ

SCHÜLER MORIHEI UESHIBAS · GRÜNDER DES YOSHINKAN AIKIDŌ

Guten Morgen, liebe Freunde und Weggefährten der Bärenschmiede und unserer internationalen Budō-Gemeinschaft.

Heute führt uns unser Budō-Kalender nach Japan.

Am 9. September 1915, heute vor 111 Jahren, wurde in Tokio ein Mann geboren, der später zu einer der prägenden Persönlichkeiten des modernen Aikidō werden sollte:

GŌZŌ SHIODA – 塩田 剛三

Er war Schüler von Morihei Ueshiba, entwickelte später seine eigene systematische Lehrmethode und gründete 1955 das Yoshinkan Aikidō. (合気道養神館 本部道場)

Doch seine Geschichte beginnt nicht mit Aikidō.


🥋 EIN KLEINER JUNGE – UND EIN LEBEN IM BUDŌ

Shioda wurde am 9. September 1915 in Tokio geboren.

Sein Vater Seiichi Shioda war Arzt und selbst an den Kampfkünsten interessiert. Der junge Gōzō kam dadurch früh mit Budō in Berührung.

Interessanterweise wird Shioda in seiner Jugend als körperlich schwach beziehungsweise kränklich beschrieben.

Doch er begann intensiv zu trainieren.

Jūdō.

Kendō.

Körper.

Geist.

Disziplin.

Noch während seiner Schulzeit erreichte er bereits den 3. Dan im Kōdōkan-Jūdō. (合気道養神館 本部道場)

Für mich ist das bereits eine bemerkenswerte Botschaft.

Wir sehen einen Menschen nicht nur so, wie er heute ist.

Wir sollten uns auch fragen:

Was hat das Training aus diesem Menschen gemacht?


🇯🇵 1932 – DIE BEGEGNUNG MIT MORIHEI UESHIBA

Im Jahr 1932 begann Shioda bei Morihei Ueshiba zu trainieren.

Damals befand sich Ueshibas Kampfkunst noch in einer früheren Entwicklungsphase. Begriffe, Methodik und technische Ausprägung unterschieden sich teilweise von dem Aikidō, das viele Menschen heute kennen.

Shioda wurde schließlich Uchi-deshi und trainierte intensiv unter Ueshiba. Historische Darstellungen beschreiben ihn außerdem als Unterrichtsassistenten seines Lehrers. (aikidojournal.com)

Hier beginnt für unseren Budō-Kalender eine Linie, die ich besonders wichtig finde:

Der Schüler kopiert seinen Lehrer nicht einfach für immer.

Er lernt.

Er übt.

Er sammelt Erfahrung.

Er versteht zunehmend Prinzipien.

Und irgendwann muss er selbst Verantwortung für das übernehmen, was er gelernt hat.


🔥 DAS HARTE TRAINING DER FRÜHEN JAHRE

Shioda lernte Ueshibas Kunst in einer Zeit kennen, in der dessen Vorkriegs-Budō technisch ausgesprochen kämpferisch geprägt war.

Diese Erfahrung sollte später Shiodas eigenes Aikidō deutlich beeinflussen.

Das Yoshinkan wurde bekannt für eine klare, strukturierte und systematische Trainingsmethode.

Grundposition.

Zentrum.

Balance.

Körperstruktur.

Distanz.

Timing.

Kontrolle.

Wiederholung.

Nicht einfach Bewegung um der Bewegung willen.

Sondern das Studium dessen, warum eine Bewegung funktioniert.

Und genau hier wird Shioda für mich auch außerhalb des Aikidō interessant.

Denn unabhängig davon, ob wir Karate, Aikidō, Jūdō oder eine andere Kampfkunst trainieren:

Der menschliche Körper unterliegt denselben biomechanischen Gesetzen.

Wir arbeiten mit Gleichgewicht.

Wir arbeiten mit Struktur.

Wir arbeiten mit Kraftübertragung.

Wir arbeiten mit Zentrum und Distanz.

Wir arbeiten mit dem richtigen Augenblick.


🌏 KRIEG – RÜCKKEHR – NEUBEGINN

1941 verließ Shioda Japan und war während der Kriegsjahre unter anderem in China, Taiwan und Borneo eingesetzt beziehungsweise tätig.

1946 kehrte er nach Japan zurück.

Es war ein anderes Japan.

Auch für die traditionellen Kampfkünste hatten sich die Bedingungen grundlegend verändert.

Shioda begann schließlich wieder Aikidō zu unterrichten; die offizielle Yoshinkan-Chronologie setzt diesen Neubeginn 1950 an. (合気道養神館 本部道場)

Und dann kam ein entscheidendes Jahr.


🥋 1954 – EINE VORFÜHRUNG VERÄNDERT SEINEN WEG

1954 nahm Shioda an einer großen All-Japan-Budō-Vorführung teil.

Seine Demonstration wurde besonders ausgezeichnet.

Dieser Erfolg verschaffte seiner Arbeit Aufmerksamkeit und Unterstützung.

Nur ein Jahr später folgte der entscheidende Schritt:

1955 – YOSHINKAN AIKIDŌ

Shioda gründete das Yoshinkan. (合気道養神館 本部道場)

Interessant ist auch der Name.

Yoshinkan war nicht einfach eine moderne Marketingbezeichnung.

Bereits Shiodas Vater hatte diesen Namen für sein eigenes Dōjō verwendet. Shioda selbst erklärte später, dass er den Namen in Erinnerung an seinen Vater weiterführte. (aikidojournal.com)

So verbindet sich auch hier wieder:

VERGANGENHEIT → ERFAHRUNG → EIGENER WEG → WEITERGABE


👮 AIKIDŌ UND DIE POLIZEI

Eine weitere Entwicklung machte Yoshinkan international bekannt.

1957 entwickelte Shioda ein Senshusei-Programm für die Tokyo Metropolitan Police. (合気道養神館 本部道場)

Das ist bemerkenswert.

Denn spätestens hier musste sich eine Kampfkunst nicht nur als schöne Demonstration präsentieren.

Training musste systematisch vermittelbar sein.

Menschen mussten reproduzierbar lernen können.

Genau darin lag eine große Stärke Shiodas:

SYSTEMATISIERUNG.

Ein Meister kann etwas außergewöhnlich gut können.

Aber ein Lehrer steht vor einer anderen Aufgabe:

Kann er erklären, wie andere es lernen können?

Das ist ein gewaltiger Unterschied.


🥋 1961 – 9. DAN DURCH MORIHEI UESHIBA

Die Verbindung zwischen Lehrer und Schüler blieb bestehen.

1961 verlieh Morihei Ueshiba Gōzō Shioda den 9. Dan.

Später erhielt Shioda weitere hohe Auszeichnungen; die offizielle Yoshinkan-Biografie nennt 1983 Hanshi und 1985 den 10. Dan durch die International Budo Federation. (合気道養神館 本部道場)

Aber für mich ist etwas anderes wichtiger als die Zahl hinter seinem Namen.

Shioda hatte etwas getan, was wir in der Geschichte der Kampfkünste immer wieder sehen:

Er nahm das Wissen seines Lehrers auf – und machte daraus seine eigene Verantwortung.


🌳 DER LEHRER IST DIE WURZEL – NICHT DAS ENDE DES BAUMES

Genau hier berührt die Geschichte Gōzō Shiodas unsere eigene Betrachtung von Budō.

Morihei Ueshiba war seine Wurzel.

Aber Shioda blieb nicht einfach eine Kopie Ueshibas.

Er entwickelte eine Methodik, mit der er das Gelernte strukturieren, lehren und an andere Generationen weitergeben konnte.

Das bedeutet nicht, die Tradition abzulehnen.

Im Gegenteil.

Eine starke Wurzel ermöglicht Wachstum.

Der Lehrer gibt uns etwas.

Wir trainieren es.

Wir prüfen es.

Wir versuchen es zu verstehen.

Unsere Erfahrung verändert unseren Blick darauf.

Und irgendwann geben wir es weiter.

Nicht als Kopie unserer Lehrer.

Sondern mit der Verantwortung, die Essenz dessen zu bewahren, was wir verstanden haben.


🔨 EIN GEDANKE AUS DER BÄRENSCHMIEDE

In unserer Bärenschmiede sagen wir:

Vom rohen Eisen zur lebenden Klinge.

Und genau deshalb interessiert mich ein Meister wie Gōzō Shioda auch als Karateka.

Nicht weil wir Yoshinkan Aikidō kopieren wollen.

Sondern weil wir beobachten können, wie ein Meister gearbeitet hat.

Struktur.

Zentrum.

Balance.

Biomechanik.

Timing.

Distanz.

Wirkung.

Wiederholung.

Erfahrung.

Das sind keine Eigentümer eines einzelnen Stils.

Das sind Fragen, mit denen sich Kampfkünstler seit Generationen beschäftigen.

Ein Karateka nennt seine Werkzeuge anders als ein Aikidōka.

Ein Judōka arbeitet anders als ein Kendōka.

Aber der menschliche Körper bleibt der menschliche Körper.

Andere Werkzeuge. Andere Methoden. Andere Wege.

Aber dieselbe Aufgabe: verstehen.


🌍 VOM SCHÜLER ZUM LEHRER – VOM LEHRER ZUM VERMÄCHTNIS

1990 gründete Shioda gemeinsam mit seinem Sohn Yasuhisa Shioda eine internationale Yoshinkan-Organisation und etablierte außerdem ein internationales Senshusei-Programm zur Ausbildung von Yoshinkan-Lehrern. (合気道養神館 本部道場)

Damit schließt sich unser Kreis.

Ein junger Mann betritt 1932 das Dōjō von Morihei Ueshiba.

Er wird Schüler.

Er trainiert.

Er sammelt Erfahrung.

Er wird Lehrer.

Er gründet sein eigenes Dōjō.

Er entwickelt eine Lehrmethode.

Er bildet wiederum Lehrer aus.

Und diese Lehrer tragen das Wissen weiter in die Welt.

MASTER → STUDENT → TEACHER → NEXT GENERATION

Am 17. Juli 1994 starb Gōzō Shioda im Alter von 78 Jahren. (合気道養神館 本部道場)

Aber sein Weg endete dort nicht.

Denn eine Kampfkunst lebt nicht nur durch ihren Gründer.

Sie lebt durch diejenigen weiter, die trainieren.


🕯️ 9. SEPTEMBER 2026

Heute wäre Gōzō Shioda 111 Jahre alt.

Wir erinnern deshalb nicht nur an einen berühmten Namen des Aikidō.

Wir erinnern an einen Budōka, Schüler, Lehrer, Systematiker und Gründer, der Wissen einer Generation aufnahm und für die nächste Generation weiterentwickelte und vermittelbar machte.

Und vielleicht ist genau das die Botschaft dieses heutigen Budō-Kalenders:

Der Grad zeigt eine Station.

Die Erfahrung zeigt den Weg.

Das Vermächtnis zeigt, was weiterlebt.

GŌZŌ SHIODA
9 SEPTEMBER 1915 – 17 JULY 1994

STUDENT OF MORIHEI UESHIBA

FOUNDER OF YOSHINKAN AIKIDO

STRUCTURE · CENTER · BALANCE · TIMING · CONTROL

TRADITION · DEVELOPMENT · KNOWLEDGE · LEGACY

PRESERVE THE HISTORY.

HONOR THE MASTERS.

PASS ON THE KNOWLEDGE.

KEEP THE BUDŌ SPIRIT ALIVE.

THE WAY NEVER ENDS.

Bärenstarkes OSU! 🐻🔥🥋

Renshi Mike Stein, 6. Dan
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede Dōjō
INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA

🥋 BUDŌ-KALENDER · 10. SEPTEMBER

🇬🇧🇯🇵 CHARLES MACK – EIN BRITISCHER PIONIER AUF DEM WEG ZUR JKA

10 SEPTEMBER 1965 · 2nd DAN · JKA · MASATOSHI NAKAYAMA · JAPAN

JŪDŌ · SHOTOKAN · JKA · JAPAN · GREAT BRITAIN · PIONEER · HISTORY · LEGACY

Manchmal beginnt unsere Recherche mit einem einzigen Datum.

Wir suchen nach einem Namen, einer Graduierung oder einem alten Ergebnis – und plötzlich öffnet sich dahinter eine ganze Epoche.

So war es auch diesmal.

Am 10. September 1965 bestand der britische Budō-Pionier Charles Mack nach der uns vorliegenden biografischen Quelle seine Prüfung zum 2. Dan Shotokan-Karate unter Masatoshi Nakayama. Als Kata wird Empi genannt.

Zunächst könnte man denken:

Ein Karateka.
Eine Prüfung.
Ein weiterer Dan-Grad.

Doch je tiefer wir recherchierten, desto deutlicher wurde:

Diese Geschichte handelt von wesentlich mehr.

Sie führt uns zurück in eine Zeit, in der Karate in Großbritannien noch am Anfang stand – und in der sich gerade jene Verbindungen zwischen Japan und Europa entwickelten, aus denen später einige der bedeutendsten britischen Karate-Organisationen hervorgehen sollten.

Und mittendrin finden wir einen Mann, dessen Name heute vielleicht nicht mehr jedem Karateka bekannt ist:

Charles Mack.


🇬🇧 VOM JUDŌ ZUM KARATE

Charles Mack wurde in Newcastle geboren.

1951 zog er nach London und wurde Mitglied des traditionsreichen Budokwai, das bereits 1918 gegründet worden war.

Sein ursprünglicher Weg war nicht Karate.

Es war Jūdō.

1953 erreichte Mack den 1. Dan, 1956 den 3. Dan und trat auch international für Großbritannien an.

Noch im selben Jahr wanderte er nach Kanada aus und ließ sich in Vancouver, British Columbia, nieder. Dort setzte er sein Jūdō fort und gewann nach der uns vorliegenden Biografie zwischen 1956 und 1958 dreimal die Northwestern Judo Championships.

Doch Mack wollte mehr lernen.

Und deshalb traf er eine Entscheidung, die seinen weiteren Lebensweg verändern sollte.

Er ging nach Japan.

Nicht für ein Wochenende.

Nicht für einen Lehrgang.

Nicht für ein Foto mit einem japanischen Meister.

Mack wollte ursprünglich etwa zwei Jahre bleiben und sein Jūdō weiterentwickeln.

Aus zwei Jahren wurden schließlich ungefähr sieben Jahre.


🇯🇵 1958 – DIE REISE NACH JAPAN

Im Juni 1958 reiste Mack mit dem Schiff Hikawa Maru nach Japan.

Sein eigentliches Ziel war das Kōdōkan in Tokio.

Bei den zweiten Jūdō-Weltmeisterschaften im Oktober 1958 in Tokio war Mack für Großbritannien nominiert. Zur Vorbereitung trainierte er am Kōdōkan.

Doch in Japan begegnete er noch einer anderen Kampfkunst.

Karate.

Mack begann zusätzlich im damaligen Dōjō der Japan Karate Association in Yotsuya Shotokan-Karate zu studieren.

Aus einem britischen Judoka, der nach Japan gereist war, um sein Jūdō zu verbessern, wurde damit auch ein Schüler des japanischen Shotokan.

Sein Japanaufenthalt entwickelte sich zu einem tiefen Eintauchen in die damalige Budō-Welt.

Er beschäftigte sich nicht nur mit Jūdō und Karate, sondern auch mit weiteren japanischen Kampfkünsten. Seinen Lebensunterhalt verdiente er unter anderem mit Englischunterricht.

Und in Japan lernte er auch Mutsuko, seine spätere Frau, kennen.


🥋 DER WEG ZU NAKAYAMA

Nach mehreren Jahren Shotokan-Training kam der nächste bedeutende Schritt.

Die von uns untersuchten Quellen sind beim genauen Datum seines Shodan nicht einheitlich.

Die ausführliche Charles-Mack-Biografie nennt den 14. März 1962. Andere Darstellungen der britischen Karategeschichte nennen dagegen den 4. März 1962. Letzteres Datum wird auch in mehreren historischen Übersichten wiederholt. (sssk)

Was übereinstimmend bleibt, ist der entscheidende Kern:

Masatoshi Nakayama graduierte Charles Mack 1962 in Japan zum 1. Dan Shotokan.

Als Prüfungs-Kata wird Bassai Dai genannt.

Damit gehörte Mack zu den frühesten britischen Karateka, die unmittelbar in Japan von der JKA graduiert wurden. Eine britische Karate-Historie bezeichnet ihn ausdrücklich als den ersten bedeutenden Briten außerhalb von Vernon Bells Organisation, der diesen Weg bis zum Schwarzgurt ging. (sssk)

Und Mack blieb in Japan.

Er trainierte weiter.


📅 10. SEPTEMBER 1965

Dann erreichen wir das Datum, das uns überhaupt erst zu dieser Recherche geführt hat.

Nach der ausführlichen Charles-Mack-Biografie bestand er am:

10. SEPTEMBER 1965

seine Prüfung zum:

2. DAN SHOTOKAN

Prüfer:

MASATOSHI NAKAYAMA

Als Kata wird diesmal genannt:

EMPI

Und genau an dieser Stelle wurde unsere Recherche plötzlich viel größer.

Denn um zu verstehen, was dieser Nidan im Jahr 1965 bedeutet, müssen wir uns anschauen, was gleichzeitig im britischen Karate geschah.


🇬🇧 VERNON BELL UND DIE ANFÄNGE DES BRITISCHEN KARATE

Während Mack in Japan trainierte, entwickelte sich Karate auch in Großbritannien.

Eine der zentralen Persönlichkeiten war Vernon Bell.

Bell hatte bereits 1956 begonnen, Karate in England aufzubauen. Seine frühen Verbindungen liefen über Frankreich und das Yoseikan-Umfeld um Henri Plée, Minoru und Hiroo Mochizuki sowie Tetsuji Murakami.

Die frühen Bedingungen waren völlig andere als heute.

Es gab keine flächendeckende Infrastruktur aus Karate-Dōjō, Trainern, Verbänden, Lehrgängen und Prüfungen.

Bells Schüler lernten teilweise aus dem, was ihr Lehrer auf seinen Reisen nach Frankreich aufgenommen hatte. Einer seiner frühen Schüler erinnerte sich später sinngemäß daran, wie wenig Material ihnen überhaupt zur Verfügung stand.

Die ersten britischen Karategruppen entstanden.

1959 wurde eine BKF-Gruppe in Liverpool aufgebaut; daraus entwickelte sich das berühmte Red Triangle. Zu den frühen Mitgliedern gehörte später auch Andy Sherry. 1961 entstand nach Bells Karate Summer School zudem eine frühe Karategruppe in Schottland. (sssk)

Doch Bell suchte schließlich die Verbindung zur Japan Karate Association.

Am 5. Februar 1964 wurde sein Schwarzgurt von der JKA anerkannt beziehungsweise ratifiziert. Die historische Darstellung betont dabei, dass Bell dafür keine neue Prüfung absolvieren musste und seinen bisherigen Yoseikan-Grad aufgab. (sssk)

Das ist ein bemerkenswertes Detail.

Denn es zeigt, dass die internationale Graduierungs- und Anerkennungspraxis jener frühen Zeit nicht einfach mit heutigen standardisierten Prüfungssystemen gleichgesetzt werden sollte.


🇯🇵🇬🇧 1965 – JAPAN KOMMT NACH GROSSBRITANNIEN

Bell bat die JKA schließlich darum, japanische Instruktoren nach Großbritannien zu schicken.

Und 1965 geschah etwas, das die britische Karategeschichte nachhaltig verändern sollte.

Taiji Kase.
Hirokazu Kanazawa.
Keinosuke Enoeda.
Hiroshi Shirai.

Am 21. April 1965 präsentierten sie JKA-Karate bei einer Demonstration in der Kensington Town Hall.

Kanazawa arbeitete anschließend in Großbritannien und wurde für eine ganze Generation britischer Karateka zu einem wichtigen Lehrer. (sssk)

Damit existierten nun zwei faszinierende Bewegungen gleichzeitig:

CHARLES MACK

GREAT BRITAIN → JAPAN

Ein Brite geht zur Quelle, lebt jahrelang in Japan und trainiert unmittelbar im japanischen Budō-Umfeld.

VERNON BELL

JAPAN → GREAT BRITAIN

Ein britischer Pionier baut eine Organisation auf, knüpft Kontakt mit der JKA und trägt dazu bei, japanische Instruktoren nach England zu holen.

Und genau zwischen diesen beiden Bewegungen steht das Jahr 1965.


🥋 WARUM DER 2. DAN HISTORISCH INTERESSANT IST

Heute ist ein 2. Dan innerhalb einer etablierten Karateorganisation ein normaler Abschnitt eines langen Budō-Weges.

1965 war die Situation in Großbritannien vollkommen anders.

Die Infrastruktur des JKA-Shotokan befand sich dort gerade erst im Aufbau.

Britische Karateka trainierten nun unter Kanazawa und Enoeda und begannen ihre eigenen Wege durch das JKA-Graduierungssystem.

Mack dagegen hatte zu diesem Zeitpunkt bereits jahrelang in Japan trainiert.

Sein Nidan darf deshalb nicht einfach anhand heutiger Zahlen bewertet werden.

Nicht:

2. Dan damals = 6. Dan heute.

Eine solche mathematische Gleichsetzung wäre historisch nicht seriös.

Aber wir können sehr wohl feststellen:

Ein in Japan unter Nakayama erworbener Nidan hatte 1965 innerhalb der noch jungen britischen Karate-Landschaft eine ganz andere Seltenheit und praktische Bedeutung als ein Nidan innerhalb einer heute gewachsenen internationalen Verbandsstruktur.


🇯🇵 UND MACK WAR NOCH IMMER JUDOKA

1965 erreichte Mack einen weiteren außergewöhnlichen Meilenstein.

Nach der uns vorliegenden Biografie erhielt er am Kōdōkan den 5. Dan im Jūdō.

Die Urkunde soll ihm von Risei Kanō, dem Sohn von Jūdō-Begründer Jigorō Kanō, überreicht worden sein.

Die Biografie beschreibt ihn außerdem als Mitglied einer besonderen Trainingsgruppe am Kōdōkan.

Damit wird deutlich:

Wir sprechen bei Charles Mack nicht einfach von einem Karateka, der nebenbei etwas Jūdō betrieben hatte.

Sein Budō-Weg war multidisziplinär.

Jūdō führte ihn nach Japan.

Karate wurde dort zu einem weiteren wichtigen Bestandteil seines Weges.

Auch Aikidō gehörte später zu den japanischen Kampfkünsten, in denen er Dan-Erfahrung sammelte.


🇬🇧 1965 – DER SCHÜLER KEHRT ZURÜCK

Im selben Jahr kehrte Mack gemeinsam mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn John nach Großbritannien zurück.

Doch seine Rückkehr begann schwierig.

An seinem letzten Tag in Japan hatte er sich während eines Abschiedstrainings am Kōdōkan eine schwere Knieverletzung zugezogen.

Die Familie ließ sich deshalb zunächst in Newcastle nieder, während Mack sich erholte.

Anschließend zog sie nach London.

Und jetzt beginnt der zweite große Abschnitt seiner Geschichte.

Der Schüler aus Japan wird zum Lehrer in Großbritannien.

Mack kehrte zum Budokwai zurück.

Nach der uns vorliegenden Biografie führte er dort Karate ein und wurde Chief Instructor. Später übergab er diese Aufgabe an Hirokazu Kanazawa, um sich stärker auf seinen eigenen Club konzentrieren zu können.

Allein diese Verbindung ist historisch bemerkenswert:

MACK → BUDOKWAI → KANAZAWA


🥋 EIN EIGENER WEG

Mack eröffnete mit dem London Karate Club in Holborn einen der frühen Karateclubs Londons.

Und jetzt kommt ein Detail, das für das Verständnis der britischen Organisationsgeschichte entscheidend ist:

Macks Club gehörte NICHT zu Vernon Bells British Karate Federation.

Damit erkennen wir zwei zunächst voneinander unabhängige Entwicklungslinien.

BELL: frühes britisches Karate → BKF → Kontakt zur JKA → japanische Instruktoren.

MACK: Jūdō → Japan → JKA/Yotsuya → Nakayama → Rückkehr nach Großbritannien → eigener Club.

Nach der Mack-Biografie gründete er mit Zustimmung beziehungsweise Unterstützung Nakayamas und der JKA außerdem die International Shotokan Karate Association.

Wie formal diese Autorisierung genau ausgestaltet war, möchten wir noch weiter erforschen. Gerade bei der frühen JKA-Geschichte müssen wir zwischen persönlicher Zustimmung, technischer Anerkennung und formaler Verbandsvertretung unterscheiden.

Aber eines wird deutlich:

Charles Mack war kein Randbeobachter der frühen britischen Shotokan-Geschichte.

Er gehörte zu ihren Pionieren.


🔥 1966 – DIE WEGE TRENNEN SICH

Und nun wird die Geschichte politisch und organisatorisch interessant.

Viele britische Karateka entwickelten während der Arbeit mit den japanischen Instruktoren eine enge Verbindung zu Kanazawa.

1966 endete Kanazawas Vertrag mit Bell. Aus der Neuordnung der britischen Clubs entstand schließlich die Karate Union of Great Britain – KUGB.

Damit begann sich die britische Karate-Landschaft weiter zu verzweigen.

Bell verließ die JKA wieder und kehrte stärker zu seiner früheren Yoseikan-orientierten Linie zurück.

Und ausgerechnet hier begegnen sich unsere beiden Pioniere wieder:

VERNON BELL + CHARLES MACK

Eine britische historische Darstellung berichtet, dass beide 1966 an der British Karate Control Commission beteiligt waren; Alan Francis wird ebenfalls genannt. (sssk)

Damit wird deutlich, warum die Geschichte des britischen Karate niemals nur als einfache Linie

Japan → JKA → Großbritannien

erzählt werden kann.

Es entstanden Organisationen.

Organisationen teilten sich.

Instruktoren wechselten.

Neue technische Beziehungen entstanden.

Fragen nach Graduierungsrechten, Anerkennung, organisatorischer Autorität und internationaler Zugehörigkeit wurden immer wichtiger.

Bei möglichen finanziellen Interessen oder konkreten Zahlungsstrukturen zwischen britischen Verbänden und Japan bleiben wir jedoch vorsichtig: Dafür haben wir bisher keine ausreichenden zeitgenössischen Belege.


🌳 AUS EINEM SAMEN WURDEN VIELE ÄSTE

Aus den kleinen Gruppen der 1950er und 1960er Jahre entwickelte sich eine große britische Karate-Landschaft.

BKF.
JKA.
KUGB.
British Karate Control Commission.
International Shotokan Karate Association.

Später kamen weitere Organisationen, Abspaltungen und neue internationale Linien hinzu.

Menschen wie Kanazawa, Enoeda, Andy Sherry, Mick Randall und viele andere prägten jeweils eigene Teile dieser Entwicklung. Randall etwa war 1966 Mitbegründer der KUGB und später an mehreren weiteren britischen Shotokan-Organisationen beteiligt – ein gutes Beispiel dafür, wie stark sich dieser Stammbaum weiter verzweigte. (sssk)

Und genau hier erkennen wir etwas, das für unsere KARATE-DŌ · BUDŌ CHRONICLE wichtig ist:

Die Geschichte besteht nicht nur aus Verbandsnamen.

Sie besteht aus Menschen.

Menschen reisten.

Menschen lernten.

Menschen unterrichteten.

Menschen waren unterschiedlicher Meinung.

Menschen trennten sich.

Menschen gründeten etwas Neues.

Und dennoch trugen sie alle Teile des Karate weiter.


📖 CHARLES MACK BLIEB LEHRER

Macks Geschichte endete nicht in den 1960er Jahren.

1975 erschien das Buch „Shotokan Karate Free Fighting Techniques“, das Charles Mack gemeinsam mit Keinosuke Enoeda veröffentlichte. Nach der uns vorliegenden Biografie zeigen die Fotografien unter anderem Enoeda, Mack und Hideo Tomita bei der Demonstration verschiedener Techniken.

Auch Jahrzehnte später finden wir Mack noch als Lehrer und Prüfer.

Eine britische Shotokan-Genealogie dokumentiert beispielsweise, dass Paul Wilson im Juli 1990 seinen Shodan unter Charles Mack bestand. (sssk)

Das ist vielleicht eines der schönsten Details unserer Recherche.

1962 steht Mack selbst vor Nakayama.

1965 besteht er seinen Nidan.

Und 28 Jahre nach seinem eigenen Shodan steht eine weitere Generation vor ihm und wird von ihm graduiert.

Wissen wurde weitergegeben.


🔎 WAS UNS DIE RECHERCHE GEZEIGT HAT

Wir begannen eigentlich nur mit einer kleinen Kalendernotiz:

10. September 1965 – Charles Mack – 2. Dan.

Dann stellten wir Fragen.

Wer war dieser Mann?

Warum war er in Japan?

Wie lange blieb er dort?

Wer war sein Lehrer?

Was geschah anschließend?

Was machte Vernon Bell?

Wann kam die JKA nach Großbritannien?

Woher kamen Kanazawa und Enoeda?

Warum entstanden neue Organisationen?

Und plötzlich hatten wir nicht mehr nur einen Dan-Grad vor uns.

Wir standen mitten in der Entstehungsgeschichte des britischen Karate.

Das ist genau der Grund, weshalb wir unseren Budō-Kalender machen.

Nicht um Daten zu sammeln.

Nicht um Namen einfach abzuschreiben.

Sondern um die Menschen und Geschichten hinter diesen Daten wieder sichtbar zu machen.


🥋 DER 10. SEPTEMBER IST DIE TÜR

Für mich liegt darin die eigentliche Bedeutung dieses Tages.

Am 10. September 1965 steht Charles Mack nach jahrelangem Training in Japan noch einmal vor Masatoshi Nakayama und besteht – nach der von uns gefundenen ausführlichen Biografie – seine Prüfung zum 2. Dan, mit Empi als Kata.

Kurz darauf kehrt er nach Großbritannien zurück.

Deshalb kann dieses Datum beinahe wie ein Scharnier seines Lebens gelesen werden:

JAPAN → 10 SEPTEMBER 1965 → GREAT BRITAIN

STUDENT → INSTRUCTOR

TRAINING → EXPERIENCE → TRANSMISSION

Ein britischer Judoka war Jahre zuvor nach Japan gegangen, um zu lernen.

Er kam als erfahrener Budōka zurück.

Und wurde Teil jener Generation, die half, Karate in Großbritannien weiterzugeben und zu organisieren.


🇬🇧🇯🇵 CHARLES MACK

THE JOURNEY TO JAPAN.

THE JKA.

THE RETURN TO GREAT BRITAIN.

THE PIONEER.

THE TEACHER.

THE LEGACY.

Die großen Geschichtsbücher erinnern sich häufig an Organisationen.

Unsere Recherche sucht auch nach den Menschen zwischen diesen Organisationen.

Und vielleicht ist genau deshalb der Name Charles Mack heute wieder einen genaueren Blick wert.

Denn ohne Menschen wie ihn, Vernon Bell und die vielen anderen frühen Pioniere wäre die Geschichte des britischen Karate nicht dieselbe.

PRESERVE THE HISTORY.
HONOR THE MASTERS.
REMEMBER THE PIONEERS.
RESEARCH YOUR KARATE.
PASS ON THE KNOWLEDGE.

THE WAY NEVER ENDS.

Ein Datum öffnet die Tür.
Die Recherche zeigt uns den Weg.

OSU! 🥋🇬🇧🇯🇵🔎