🇯🇵 OKINAWA – 90 JAHRE KARATE-GESCHICHTE

🥋🐻 CIRCLE OF MASTERS

🇯🇵 OKINAWA – 90 JAHRE KARATE-GESCHICHTE

KARATE DAY · 25. OKTOBER 1936–2026

VON DER CHINESISCHEN HAND ZUR LEEREN HAND – VON DER TRADITION ZUM WELTERBE

1936 · 1941 · 2005 · 2016 · 2026

Eine historische Betrachtung über die Meister Okinawas, die Entwicklung des Karate, gemeinsame Grundlagen, öffentliche Anerkennung und die Verantwortung der heutigen Generation.

Liebe Freunde, Meister, Sensei und Weggefährten,

am kommenden Sonntag, dem 25. Oktober 2026, jährt sich ein bedeutendes Ereignis der Karate-Geschichte zum 90. Mal.

Am 25. Oktober 1936 trafen sich in Naha auf Okinawa bedeutende Vertreter des damaligen Karate, um über die Zukunft ihrer Kampfkunst zu sprechen.

Neun Jahrzehnte später erinnert der offizielle Karate Day an dieses historische Treffen.

Doch was bedeutet dieser Tag wirklich?

Ist es ein Tag der Meister?

Ein Gedenktag für die Tradition?

Ein internationaler Werbetag?

Ein wirtschaftliches Ereignis?

Oder steckt dahinter eine Botschaft, die weit über Vorführungen, Weltrekorde und große Veranstaltungen hinausgeht?

Für unseren CIRCLE OF MASTERS wollen wir die Geschichte von Anfang an betrachten.

Denn wer die Gegenwart verstehen möchte, sollte zuerst die Vergangenheit untersuchen.


🇯🇵 1. OKINAWA – BEVOR ES DEN KARATE DAY GAB

Karate entstand nicht an einem einzigen Tag.

Seine Entwicklung erstreckte sich über Generationen.

Okinawa, einst das Zentrum des Königreichs Ryūkyū, unterhielt über lange Zeit wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zu China und anderen Regionen Asiens.

Diese Kontakte beeinflussten auch die örtlichen Kampfkünste.

Aus unterschiedlichen Überlieferungen, Trainingsmethoden und persönlichen Lehrerlinien entwickelte sich allmählich das, was wir heute als Okinawa-Karate kennen.

Dabei existierte zunächst keine weltweit einheitliche Organisation.

Es gab keine gemeinsame internationale Prüfungsordnung.

Keine einheitliche Wettkampfstruktur.

Und auch keine für alle Schulen verbindliche Kata-Liste.

Karate wurde durch Lehrer, Familien, persönliche Beziehungen und kleine Trainingsgemeinschaften weitergegeben.

Die Meister unterrichteten nach ihren Erfahrungen und den Traditionen ihrer jeweiligen Lehrer.

Viele dieser Überlieferungen unterschieden sich in technischen Einzelheiten.

Gerade diese Vielfalt gehört zur Geschichte des Karate.

DIFFERENT MASTERS. DIFFERENT STYLES. ONE SPIRIT.


🇯🇵 2. DER 25. OKTOBER 1936 – DAS HISTORISCHE TREFFEN DER MEISTER

Am 25. Oktober 1936 veranstaltete die Zeitung Ryūkyū Shinpō in Naha eine Gesprächsrunde über Karate.

Zu den dokumentierten Teilnehmern gehörten bedeutende Persönlichkeiten wie:

Chōmo Hanashiro

Chōtoku Kyan

Chōki Motobu

Chōjun Miyagi

Jūhatsu Kyōda

Chōshin Chibana

Shimpan Gusukuma

Chōtei Oroku

Genwa Nakasone

Daneben nahmen Vertreter aus Verwaltung, Bildung, Presse und anderen öffentlichen Bereichen teil.

Diese Zusammenkunft war keine gewöhnliche Trainingsveranstaltung.

Hier trafen unterschiedliche Karate-Traditionen aufeinander.

Die Teilnehmer diskutierten über die Bezeichnung ihrer Kampfkunst, ihre Verbreitung und ihre zukünftige Entwicklung.

Besonders wichtig war die Frage nach der Schreibweise.

唐手 – TŌDE / KARATE

Die chinesischen Schriftzeichen konnten sinngemäß als „chinesische Hand“ beziehungsweise „Tang-Hand“ verstanden werden.

空手 – KARATE

Die später allgemein etablierte Schreibweise bedeutet „leere Hand“.

Die Teilnehmer sprachen sich dafür aus, die Schreibweise 空手 für die weitere Verbreitung des Karate zu vereinheitlichen.

Doch hier ist eine historische Klarstellung notwendig:

Die Schreibweise 空手 wurde nicht erst am 25. Oktober 1936 erfunden.

Sie war bereits zuvor bekannt und wurde schon vor diesem Treffen verwendet.

Die historische Bedeutung der Gesprächsrunde liegt deshalb nicht in der erstmaligen Erfindung eines Namens.

Sie liegt vielmehr in der öffentlichen Verständigung über die weitere Entwicklung und gemeinsame Bezeichnung der Kampfkunst.

Ein zeitgenössischer Zeitungsbericht vom 26. Oktober 1936 dokumentiert diese Diskussion.

Für unsere historische Forschung ist das besonders wertvoll.

Wir beschäftigen uns damit nicht nur mit einer später erzählten Geschichte, sondern mit einem überlieferten Dokument aus jener Zeit.


🇯🇵 3. WARUM WAR DIE EINHEITLICHE BEZEICHNUNG SO WICHTIG?

Eine Kampfkunst, die international verbreitet werden soll, benötigt verständliche Bezeichnungen und nachvollziehbare Unterrichtsstrukturen.

Wenn unterschiedliche Schulen verschiedene Namen verwenden, kann dies die öffentliche Wahrnehmung und die Organisation des Unterrichts erschweren.

Eine gemeinsame Bezeichnung erleichtert die Kommunikation.

Sie schafft jedoch noch keine einheitliche Technik.

Auch nach 1936 blieben die Unterschiede zwischen den Karate-Traditionen bestehen.

Das ist ein wichtiger Punkt.

EIN GEMEINSAMER NAME BEDEUTET NICHT AUTOMATISCH EINE GEMEINSAME LEHRMETHODE.

Die Meister konnten sich über eine Bezeichnung verständigen und gleichzeitig ihre unterschiedlichen Kata, Bewegungsprinzipien und Unterrichtsmethoden bewahren.

Die Vielfalt des Karate verschwand dadurch nicht.


🇯🇵 4. 1941 – FUKYŪ-GATA UND DIE IDEE EINER GEMEINSAMEN GRUNDLAGE

Ein besonders interessantes Kapitel unserer Geschichte beginnt wenige Jahre später.

In Okinawa entstand der Gedanke, grundlegende Kata zu entwickeln, die den Einstieg in das Karate erleichtern sollten.

Hier begegnen wir zwei wichtigen Meistern.

SHŌSHIN NAGAMINE (1907–1997)

Nagamine entwickelte die Fukyū-gata Ichi (普及形一).

CHŌJUN MIYAGI (1888–1953)

Miyagi entwickelte die Form, die als Fukyū-gata Ni (普及形二) bekannt wurde und in der Gōjū-ryū-Tradition als Gekisai Dai Ichi (撃砕第一) gelehrt wird.

Diese Formen werden gewöhnlich mit der Initiative zur Verbreitung und Vereinfachung des Karate-Unterrichts um 1940/1941 verbunden.

Der Begriff FUKYŪ (普及) bezeichnet sinngemäß die Verbreitung oder allgemeine Zugänglichmachung.

GATA / KATA (形) bezeichnet die Form.

Damit beschreibt der Name bereits die pädagogische Absicht:

KATA ZUR VERBREITUNG DES KARATE.

Nicht jeder Anfänger sollte sofort mit einer besonders komplexen traditionellen Kata beginnen müssen.

Es sollte möglich sein, grundlegende Bewegungen, Richtungswechsel, Stellungen und Techniken in überschaubaren Formen zu vermitteln.

Das war ein bedeutender Schritt in der Entwicklung des Karate-Unterrichts.

Shōrin-ryū und Gōjū-ryū

Besonders interessant ist, dass diese Initiative zwei unterschiedliche Traditionen miteinander verband.

Nagamine stand für eine Shōrin-ryū-Lehrerlinie.

Miyagi war der Begründer des Gōjū-ryū.

Die beiden Formen entstanden aus dem Gedanken einer breiteren Karate-Ausbildung.

Allerdings dürfen wir daraus nicht schließen, dass alle Shōrin-ryū- und Gōjū-ryū-Schulen beide Kata gleichermaßen übernommen hätten.

Ihre tatsächliche Verbreitung und Ausführung unterscheiden sich je nach Lehrerlinie.

Gerade diese Unterschiede verdienen unsere Aufmerksamkeit.


🥋 5. FUKYŪ-GATA ICHI UND TAIKYOKU SHODAN – ZWEI WEGE MIT EINER ÄHNLICHEN AUFGABE

Für unsere Bärenschmiede ist der Vergleich mit der Shotokan-Kata Taikyoku Shodan (太極初段) besonders interessant.

Beide Formen dienen grundlegenden Ausbildungszielen.

Sie ermöglichen Anfängern, erste Bewegungsabläufe zu lernen.

Sie vermitteln Richtungswechsel.

Sie fördern die Koordination von Stellung und Technik.

Und sie können als Grundlage für die spätere Arbeit an komplexeren Kata dienen.

Doch sie sind nicht identisch.

Fukyū-gata Ichi gehört zur Okinawa-Tradition um Shōshin Nagamine.

Taikyoku Shodan entstand im Umfeld der frühen Shotokan-Ausbildung.

Die technischen Abläufe unterscheiden sich.

Gemeinsam ist ihnen vor allem die didaktische Idee.

EINE EINFACHE KATA IST NICHT AUTOMATISCH EINE OBERFLÄCHLICHE KATA.

Auch eine Grundlagenform kann über Jahre untersucht werden.

Wie steht der Fuß?

Wie arbeitet das Knie?

Wann verändert sich die Hüftstellung?

Wie bleibt der Rumpf stabil?

Wann beginnt die Technik?

Wie wird die Atmung mit der Bewegung verbunden?

Und welche Bedeutung besitzt der Bewegungsablauf in einer praktischen Anwendung?

Hier beginnt für mich die eigentliche Arbeit.

Denn eine Kata nur auswendig zu kennen, bedeutet noch nicht, ihre technischen Möglichkeiten verstanden zu haben.


🇯🇵 6. DER 29. MÄRZ 2005 – OKINAWA ERKLÄRT DEN KARATE DAY

Am 29. März 2005 beschloss das Parlament der Präfektur Okinawa einstimmig, den 25. Oktober zum offiziellen Karate Day zu erklären.

Damit wurde die historische Gesprächsrunde von 1936 zum Bezugspunkt eines öffentlichen Gedenktages.

Doch die Erklärung enthält mehr als nur eine historische Erinnerung.

Sie würdigt Karate als kulturelles Erbe Okinawas.

Sie erinnert an die internationale Verbreitung dieser Kampfkunst.

Und sie betont ihre ethische Bedeutung.

Zwei Gedanken stehen dabei besonders im Mittelpunkt.

KARATE NI SENTE NASHI (空手に先手なし)

Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.

NUCHI DU TAKARA (命どぅ宝)

Das Leben ist ein Schatz.

Diese Aussagen verbinden Karate mit Verantwortung, Achtung vor dem Leben und friedlicher Verständigung.

Der Karate Day sollte deshalb nicht nur an die Geschichte erinnern.

Er sollte auch eine Botschaft für die Zukunft vermitteln.

RESPECT LIFE. PRESERVE KARATE. PROMOTE PEACE.


🇯🇵 7. WEM GEHÖRT DER KARATE DAY?

Hier beginnt eine Frage, die wir in unserer Bärenschmiede ganz bewusst stellen.

Wenn ein Gedenktag offiziell organisiert wird, braucht er Verantwortliche.

Veranstaltungen benötigen Räume.

Menschen müssen planen.

Sicherheit, Technik, Reisen und Öffentlichkeitsarbeit verursachen Kosten.

Manche Aufgaben werden ehrenamtlich übernommen.

Andere müssen finanziert werden.

Daraus entsteht eine organisatorische und wirtschaftliche Realität.

Doch wir müssen unterscheiden:

Die Präfektur Okinawa trägt Verantwortung für den offiziellen Gedenktag.

Die Veranstalter tragen Verantwortung für ihre Veranstaltungen.

Die Schulen tragen Verantwortung für ihren Unterricht.

Aber die Geschichte des Karate gehört nicht ausschließlich einer einzigen Organisation.

Kein Verband kann für sich beanspruchen, alleiniger Eigentümer aller Karate-Traditionen zu sein.

Das kulturelle Erbe wurde von vielen Generationen entwickelt.

Es wurde durch unterschiedliche Lehrerlinien bewahrt und weltweit weitergegeben.

Deshalb müssen wir zwischen kulturellem Erbe, organisatorischer Verantwortung und wirtschaftlicher Nutzung unterscheiden.


🇯🇵 8. DER 23. OKTOBER 2016 – 3.973 KARATEKA UND EIN WELTREKORD

Zehn Jahre vor unserem heutigen Kalenderdatum fand in Naha ein außergewöhnliches Ereignis statt.

23. OKTOBER 2016

NAHA · OKINAWA · KOKUSAI-DŌRI

Rund 4.500 Karateka und Karate-Interessierte kamen zusammen, um gemeinsam eine Kata vorzuführen.

3.973 Teilnehmer erfüllten die Anforderungen der Guinness-Rekordprüfung.

Damit wurde ein neuer Weltrekord für eine gemeinsame Karate-Kata-Vorführung aufgestellt.

Die gezeigte Kata war:

FUKYŪ-GATA ICHI (普及形一).

Und genau hier schließt sich der Kreis zur Geschichte von 1941.

Eine Grundlagenkata, die mit dem Gedanken der allgemeinen Verbreitung des Karate verbunden ist, wurde zum Mittelpunkt einer internationalen Großveranstaltung.

Menschen unterschiedlicher Schulen und Herkunft konnten gemeinsam teilnehmen.

Das besitzt eine erkennbare symbolische Bedeutung.

EINE GEMEINSAME GRUNDLAGE – TAUSENDE KARATEKA – EIN GEMEINSAMER AUFTRITT.

Doch wir sollten auch die andere Seite betrachten.

Die Veranstaltung wurde öffentlich inszeniert.

Die Straße wurde für die Vorführung genutzt.

Die Presse berichtete.

Ein Guinness-Rekord wurde angestrebt.

Okinawa erhielt internationale Aufmerksamkeit.

Und die Veranstaltung präsentierte die Insel als Herkunftsort des Karate.

Das war nicht nur Tradition.

Es war auch Öffentlichkeitsarbeit.


🐻 9. TRADITION ODER WERBUNG – WO VERLÄUFT DIE GRENZE?

Diese Frage interessiert mich besonders.

Ist eine gemeinsame Kata-Vorführung mit fast 4.000 Menschen eine Demonstration traditioneller Kampfkunst?

Ja.

Ist sie gleichzeitig ein öffentliches Ereignis, das Aufmerksamkeit erzeugt?

Ebenfalls ja.

Und kann eine solche Veranstaltung wirtschaftliche Interessen unterstützen?

Natürlich ist das möglich.

Tourismus, Seminare, Unterkünfte, Veranstaltungen und internationale Besucher können wirtschaftliche Bedeutung besitzen.

Doch aus der Existenz eines Weltrekords können wir nicht automatisch auf Gewinne oder bestimmte finanzielle Interessen schließen.

Dafür müssten wir die Finanzierung und die tatsächlichen wirtschaftlichen Ergebnisse untersuchen.

Die eigentliche Frage lautet für mich deshalb:

WIRD DIE TRADITION DURCH DIE VERANSTALTUNG GEFÖRDERT – ODER WIRD SIE NUR ALS WERBEMITTEL BENUTZT?

Diese Frage können wir nicht allein anhand der Teilnehmerzahl beantworten.

Wir müssen auch betrachten, was langfristig entsteht.

Werden Lehrer unterstützt?

Wird Wissen dokumentiert?

Werden historische Quellen bewahrt?

Erhalten junge Menschen Zugang zu qualifiziertem Unterricht?

Und werden die unterschiedlichen Traditionen respektiert?

Daran lässt sich der nachhaltige Wert solcher Veranstaltungen besser beurteilen als allein an einem Weltrekord.


🥋 10. EINE ERINNERUNG AUS MEINEM EIGENEN KARATE-LEBEN

Große gemeinsame Kata-Vorführungen sind mir auch aus eigener Erfahrung bekannt.

Ich erinnere mich daran, wie wir als Kampfrichter unmittelbar vor einer Weltmeisterschaft in unseren offiziellen Kampfrichter-Uniformen gemeinsam eine Tekki-Kata vorführten.

Eine solche Vorführung besitzt eine besondere Atmosphäre.

Menschen stehen gemeinsam auf der Fläche.

Sie repräsentieren ihre Aufgabe, ihre Organisation und ihre Verbundenheit mit dem Karate.

Die Kata wird zu einem sichtbaren Ausdruck der Gemeinschaft.

Gleichzeitig ist sie Teil der öffentlichen Präsentation einer großen Veranstaltung.

Deshalb kann ich den Gedanken hinter einer Massen-Kata durchaus nachvollziehen.

Doch ich unterscheide zwischen einer gemeinsamen Vorführung und der täglichen technischen Arbeit.

EINE KATA VOR TAUSENDEN ZUSCHAUERN ZU ZEIGEN, IST ETWAS ANDERES, ALS SIE ÜBER JAHRZEHNTE ZU ERFORSCHEN.

Beides kann seinen Wert besitzen.

Aber es erfüllt nicht dieselbe Aufgabe.

Ein Weltrekord zeigt, wie viele Menschen eine Kata gleichzeitig ausführen können.

Er zeigt nicht automatisch, wie tief diese Menschen ihre Kata verstehen.

Genauso wenig dürfen wir den Teilnehmern deshalb fehlendes Verständnis unterstellen.

Die technische Qualität und die historische Bedeutung müssen eigenständig betrachtet werden.


🐻 11. DIE BÄRENSCHMIEDE FEIERT JEDEN TAG KARATE DAY

Für uns besitzt der Karate Day noch eine andere Bedeutung.

Wir brauchen nicht auf den 25. Oktober zu warten, um Karate zu praktizieren.

DIE BÄRENSCHMIEDE FEIERT IHREN KARATE DAY JEDEN TAG IM DŌJŌ.

Mit Training.

Mit Kata.

Mit Kihon und Kumite.

Mit der Untersuchung von Atmung, Körperstruktur und Kraftübertragung.

Mit Fragen zu Bunkai und technischen Anwendungen.

Und mit dem Versuch, unsere eigenen Bewegungen immer besser zu verstehen.

Wir beschäftigen uns nicht nur damit, wie eine Kata aussieht.

Wir fragen auch, warum sie funktioniert.

Wie wird die Kraft übertragen?

Welche Aufgabe übernimmt die Hüfte?

Wie verändert sich die Körperstruktur?

Welche Rolle spielen Distanz, Timing und Aufmerksamkeit?

Und was geschieht, wenn die Ermüdung zunimmt?

Hier beginnt unser eigener Forschungsweg.

SEHEN → ANALYSIEREN → UMSETZEN → VERSTEHEN.


🥋 12. KARATE ALS BERUF – DARF EIN SENSEI VON SEINER KAMPFKUNST LEBEN?

Eine weitere Frage gehört für mich unbedingt in diese Betrachtung.

Karate wurde weltweit verbreitet.

Es entstanden nationale und internationale Organisationen.

Schulen wurden gegründet.

Lehrer entwickelten Unterrichtsprogramme.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene fanden Zugang zu dieser Kampfkunst.

Damit entstand auch ein Berufsfeld.

Ein Sensei kann seine Kampfkunst hauptberuflich unterrichten.

Er kann eine Schule betreiben.

Er kann Mitarbeiter beschäftigen.

Er kann Seminare organisieren.

Er kann Unterrichtsmaterialien entwickeln.

Und er kann von seiner Arbeit leben.

DARAN IST GRUNDSÄTZLICH NICHTS VERWERFLICH.

Denn qualifizierter Unterricht benötigt Zeit, Räume, Vorbereitung und Verantwortung.

Auch historische Forschung, Dokumentation und die Bewahrung von Wissen verursachen Aufwand.

Doch wir sollten zwei Dinge nicht verwechseln.

Ein großer Verband ist nicht automatisch eine gute Schule.

Und ein kleines Dōjō ist nicht automatisch wirtschaftlich oder pädagogisch unbedeutend.

Entscheidend sind die Qualität des Unterrichts, die Verantwortung gegenüber den Schülern und die langfristige Weitergabe des Wissens.

Vielleicht liegt die Zukunft in einer stärkeren Zusammenarbeit.

Kleine Dōjō können ihre Eigenständigkeit bewahren und sich dennoch vernetzen.

Lehrer können gemeinsame Ausbildungsprogramme entwickeln.

Schulen können Wissen austauschen.

Und professionelle Strukturen können entstehen, ohne dass die historischen Lehrerlinien aufgegeben werden müssen.

TRADITION UND BERUFLICHE ENTWICKLUNG MÜSSEN KEINE GEGENSÄTZE SEIN.


🇯🇵 13. 2026 – 90 JAHRE NACH DER GESPRÄCHSRUNDE VON NAHA

Am kommenden Sonntag, dem 25. Oktober 2026, erinnern wir an den 90. Jahrestag der historischen Gesprächsrunde von 1936.

Neunzig Jahre sind vergangen.

Die Welt hat sich verändert.

Karate hat sich verändert.

Neue Organisationen sind entstanden.

Wettkampfformen wurden entwickelt.

Internationale Meisterschaften wurden ausgetragen.

Millionen Menschen kamen mit Karate in Berührung.

Und moderne Medien ermöglichen heute eine weltweite Verbreitung von Informationen und Bildern.

Doch die grundlegenden Fragen sind geblieben.

WAS IST KARATE?

WAS HABEN UNS DIE MEISTER HINTERLASSEN?

WAS HABEN WIR DAVON WIRKLICH VERSTANDEN?

UND WAS WERDEN WIR AN DIE NÄCHSTE GENERATION WEITERGEBEN?

Gerade deshalb ist der Karate Day mehr als ein historisches Datum.

Er kann uns daran erinnern, dass jede Generation Verantwortung für das überlieferte Wissen trägt.


🐻 14. MEIN PERSÖNLICHES FAZIT NACH 47 JAHREN KAMPFKUNST

Liebe Freunde und Weggefährten,

ich respektiere die Meister Okinawas und die Menschen, die sich über Generationen für die Weitergabe des Karate eingesetzt haben.

Ich respektiere auch die Organisatoren großer Veranstaltungen, wenn sie damit Gemeinschaft fördern und historische Aufmerksamkeit schaffen.

Doch für mich bleibt der tägliche Unterricht das Fundament.

Nicht die Zahl der Teilnehmer entscheidet über die Tiefe einer Kata.

Nicht die Größe einer Veranstaltung entscheidet über die Qualität einer Lehrerlinie.

Und nicht die Höhe einer Graduierung entscheidet allein über das Verständnis einer Technik.

Entscheidend ist, was ein Mensch gelernt hat.

Was er wirklich verstanden hat.

Wie er dieses Wissen praktiziert.

Und was er davon weitergeben kann.

EINE EINFACHE KATA KANN EINEN ANFÄNGER UNTERWEISEN.

DIESELBE KATA KANN EINEN ERFAHRENEN MEISTER EIN LEBEN LANG BESCHÄFTIGEN.

Darin liegt für mich ein wesentlicher Teil unserer Kampfkunst.

Die Geschichte des Karate wurde nicht allein durch große Organisationen geschrieben.

Sie wurde auch in kleinen Dōjō geschrieben.

Durch tägliches Training.

Durch persönliche Begegnungen.

Durch Lehrer, die ihre Erfahrungen weitergaben.

Und durch Schüler, die bereit waren, zuzuhören, zu üben und Fragen zu stellen.

Der Karate Day erinnert uns an dieses Vermächtnis.

Doch wir entscheiden selbst, was wir daraus machen.

EIN GRAD IST EINE STATION.

ERFAHRUNG IST EIN WEG.

UND DAS VERMÄCHTNIS IST DAS, WAS BLEIBT.


🇯🇵 CIRCLE OF MASTERS – UNSERE BOTSCHAFT ZUM 90. JAHRESTAG

1936 – THE MASTERS DISCUSSED THE FUTURE.

1941 – FOUNDATIONS FOR WIDER TEACHING.

2005 – KARATE DAY WAS DECLARED.

2016 – 3,973 PRACTITIONERS UNITED.

2026 – 90 YEARS OF HISTORY AND RESPONSIBILITY.

Wir würdigen die Meister Okinawas.

Wir respektieren die unterschiedlichen Karate-Traditionen.

Wir bewahren historische Quellen.

Wir untersuchen die technischen Zusammenhänge.

Und wir unterstützen die Weitergabe des Wissens an kommende Generationen.

PRESERVE THE ROOTS.

HONOR THE MASTERS.

PRACTICE THE ART.

PASS ON THE KNOWLEDGE.

DIFFERENT MASTERS. DIFFERENT STYLES. ONE SPIRIT.

KEEP THE KARATE SPIRIT ALIVE.

THE WAY NEVER ENDS.

Mit Respekt und herzlichen Grüßen aus der Bärenschmiede

Renshi Mike Stein · 6th Dan Karate-Dō

Kampfkunstpraktiker · Forscher · Historiker · Autor

Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede Dōjō

INTERNATIONAL RIN DŌ SHINZEN BUDŌ ASSOCIATION – IRDSBA

BÄRENSTARK. 🐻🥋

OSU!

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