
Nicht jedes Training fühlt sich perfekt an – und genau das ist Karate
Hallo Freunde und Weggefährten,
heute ist Sonntag und für viele von euch geht das Wochenende langsam zu Ende.
Ein Training beginnt.
Ein Training endet.
Doch die eigentliche Frage lautet:
Endet Karate mit der letzten Verbeugung?
Für manche Kinder vielleicht.
Karate ist heute oft nur ein weiterer Termin im Kalender.
Nach der Trainingseinheit geht es direkt weiter.
Klavierunterricht.
Fußball.
Nachhilfe.
Die nächste Aktivität.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass Kinderkarate mehr zum Prestige der Eltern geworden ist als zur Leidenschaft der Kinder.
Doch wahres Karate bedeutet etwas völlig anderes.
Es bedeutet, den Weg auch dann weiterzugehen, wenn niemand zusieht.
Viele glauben, Karate bestehe aus Medaillen, Wettkämpfen oder immer höheren Gürtelgraden.
Doch wahres Karate geht viel tiefer.
Es formt den Charakter.
Es lehrt Demut.
Es entwickelt Geduld.
Es stärkt die Widerstandskraft.
Und es erinnert uns immer wieder daran, dass der größte Gegner wir selbst sind.
Heute Morgen begann mein Training mit 28 Minuten Tai Chi – ruhig, konzentriert und bewusst.
Trainingsdaten:
🥋 Tai Chi – 26.07.2026
- ⏱️ 28 Minuten
- 🔥 131 kcal
- ❤️ Durchschnittliche Herzfrequenz: 88 bpm
- ❤️ Maximale Herzfrequenz: 112 bpm
Danach folgte das Karate-Training mit zusätzlicher Belastung durch 2 kg schwere Gewichtsmanschetten.
Die heutige Gesamtleistung:
- 🔥 658 kcal
- ⏱️ 1 Stunde 26 Minuten
- ❤️ 107 bpm Durchschnittspuls
- 💪 400 % des Trainingsziels erreicht
Und trotzdem…
…war ich heute Morgen mit meiner eigenen Leistung nicht zufrieden.
Die Kombinationen fühlten sich schwer an.
Die Schläge wirkten kraftlos.
Die Tritte waren unpräziser als sonst.
Vielleicht kennt jeder Karateka genau diese Tage.
Dann hörte ich plötzlich wieder die Stimme meines ersten Meisters:
„Mike, du bist da. Karate ist da. Ganz gleich, ob hundert Menschen in der Halle stehen oder nur einer. Du trainierst nicht für das Publikum. Du trainierst nicht für Urkunden. Du trainierst für deinen Weg.“
Diese Worte begleiten mich bis heute.
Denn genau das ist Karate.
Wir trainieren nicht nur, um besser zu werden.
Wir trainieren, weil der Weg uns ruft.
Und dieser Weg verlangt Hingabe.
Nicht nur an guten Tagen.
Sondern gerade dann, wenn der Körper müde ist oder die Motivation schwankt.
Es gibt Tage, an denen nichts leichtfällt.
Doch genau diese Tage machen uns stärker.
Nicht, weil wir perfekt trainieren.
Sondern weil wir trotzdem erscheinen.
Und genau deshalb motivieren mich meine Schüler immer wieder.
Jeder Mensch, der das Dōjō betritt, erinnert mich daran, warum ich diesen Weg seit Jahrzehnten gehe.
Ich möchte nicht nur Techniken weitergeben.
Ich möchte Erfahrungen weitergeben.
Fehler.
Erkenntnisse.
Philosophie.
Und die Liebe zum Karate.
Darum trainiere ich in jeder Unterrichtsstunde selbst mit.
Denn auch nach 46 Jahren Karate bin ich noch immer Schüler.
Und genau darin liegt die größte Freiheit.
Der Weg endet nie.
OSU!
Renshi Mike Stein
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede 🐻🥋
