
47 Jahre auf dem Weg – Jubiläumstraining in der Bärenschmiede
Einen wunderschönen Abend, liebe Freunde, Schüler und Weggefährten,
heute war für mich kein gewöhnlicher Trainingstag.
Es war einer dieser Tage, an denen man nach dem letzten Osu noch einen Moment stehen bleibt, den nassen Gi auf der Haut spürt und zurückblickt.
47 Jahre Karate-Dō.
47 Jahre Training, Lernen, Unterrichten, Schwitzen, Zweifeln, Aufstehen und Weitergehen.
Und was macht man an einem solchen Tag in der Bärenschmiede?
Man trainiert.
Fast zwei Stunden lang wurde heute wieder gearbeitet. Nicht für eine Urkunde, nicht für einen Gürtel und nicht für irgendeine Zahl auf einer Uhr. Sondern für den Weg, den wir vor vielen Jahren begonnen haben und der noch immer weitergeht.
Die heutige Arbeit in der Bärenschmiede
Im Mittelpunkt standen:
- Biomechanik
- Hente Waza
- Tetsu no Koshi
- verschiedene Kumite-Formen
- Tekki Sandan
- Sonoba-Varianten
- Bunkai und praktische Anwendungen
Gerade bei der Oberstufe ging es nicht darum, möglichst viele Techniken hintereinander auszuführen.
Es ging um die Details.
Wie steht der Körper?
Wo beginnt die Bewegung?
Wie arbeitet die Hüfte?
Wann entsteht Spannung – und wann muss sie wieder verschwinden?
Wie verändert sich eine Technik, wenn aus einer vorbereiteten Form plötzlich eine freie Anwendung wird?
Unser Tetsu no Koshi – die eiserne Hüfte – spielte dabei erneut eine zentrale Rolle. Kraft entsteht nicht allein in Armen oder Beinen. Der Körper muss als Einheit arbeiten. Stand, Zentrum, Hüfte, Atmung, Technik und Geist müssen miteinander verbunden werden.
Auch Tekki Sandan zeigte wieder sehr deutlich, wie viel sich hinter scheinbar kleinen Bewegungen verbirgt. Kurze Wege bedeuten nicht wenig Arbeit. Im Gegenteil: Je kleiner die Bewegung wird, desto weniger kann man verstecken.
Fast zwei Stunden Arbeit
Am Ende dokumentierte meine Uhr:
Trainingszeit: 1:58:07 Stunden
Kalorienverbrauch gesamt: 1.032 kcal
Aktivitätskalorien: 863 kcal
Durchschnittliche Herzfrequenz: 116 bpm
Maximale Herzfrequenz: 149 bpm
Trainingsbelastung: 82 – Mittel
Aerober Trainingseffekt: 3,1 – verbessert
Aerobe Phase: 56 Minuten
Fettverbrennung: 35 Minuten
Anaerobe Phase: 7 Minuten
Aufwärmphase: 13 Minuten
Empfohlene Regeneration: 12 Stunden
Tagesziel: 400 %
Und dieses 400-%-Trainingsziel durfte ich heute bereits zum 84. Mal erreichen.
Ich freue mich über diese Zahlen. Nicht, weil sie mich mit anderen vergleichen.
Sie zeigen mir vielmehr:
Ich bin noch da.
Ich trainiere noch.
Ich lerne noch.
Und das Feuer brennt noch.
Nach 47 Jahren ist genau das für mich vielleicht die schönste Leistung.
Eine besondere Überraschung
Zum Abschluss wartete noch ein Moment auf mich, mit dem ich nicht gerechnet hatte.
Anlässlich meines 47-jährigen Weges in der Kampfkunst erhielt ich von unserem Partner-Dōjō aus Dubai eine Ehrenurkunde als Anerkennung meiner langjährigen pädagogischen Arbeit und meiner Tätigkeit als Trainer in verschiedenen Ländern.
Unsere Freunde und Weggefährten aus Dubai und Brasilien machten diesen Augenblick zu etwas Besonderem.
Eine solche Anerkennung berührt mich.
Nicht wegen des Papiers.
Sondern wegen der Menschen dahinter.
Denn nach so vielen Jahren erkennt man, dass Budō niemals nur aus Techniken, Graduierungen oder Titeln besteht.
Es sind die Menschen, denen wir begegnen.
Die Meister, die uns geprägt haben.
Die Schüler, denen wir etwas weitergeben durften.
Die Freunde, die geblieben sind.
Und manchmal auch jene Menschen, die nur ein kleines Stück unseres Weges mit uns gegangen sind und trotzdem eine Spur hinterlassen haben.
47 Jahre – und noch lange nicht am Ziel
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich den jungen Karateka, der einfach nur trainieren wollte.
Ich sehe alte Dōjōs.
Holzböden.
Schweiß.
Kiai.
Prüfungen.
Meister.
Erfolge und Fehler.
Und ich sehe vor allem eines:
einen Weg.
Ich bin dankbar für jeden Menschen, der mich auf diesem Weg begleitet, gefordert, korrigiert, unterstützt oder inspiriert hat.
Aber 47 Jahre bedeuten für mich keinen Abschluss.
Morgen wird der Gi wieder angezogen.
Der Obi wird wieder gebunden.
Die Füße stehen wieder auf dem Boden.
Und die Bärenschmiede beginnt erneut zu arbeiten.
Denn der Schmied betrachtet eine Klinge niemals als endgültig vollendet.
Er sieht immer noch eine Stelle, die geformt werden kann.
Vielleicht ist genau das Budō.
Solange wir stehen können, trainieren wir.
Solange wir lernen können, bleiben wir Schüler.
Solange der Geist wach ist, gehen wir weiter.
Und solange in der Bärenschmiede noch Feuer brennt, wird weiter geschmiedet.
Nicht um besser zu sein als andere.
Sondern um morgen ein wenig besser zu sein als heute.
Mein herzlicher Dank gilt allen Freunden, Schülern, Trainern und Meistern, die mich in diesen 47 Jahren begleitet haben.
Der Weg geht weiter.
OSU!
Renshi Mike Stein – 6. Dan
Rin Dō Shinzen – Bärenschmiede Karate-Dō
THE WAY NEVER ENDS.
